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Full text of "Geschichte der Quellen des römischen Rechts"

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er 



Alle Rechte, besonders das der Übersetzung 

vorbehalten. 



Vorwort. 

Das vorliegende Buch, welches im Jahre 1896 zuerst er- 
schien und von dem im Jahre 1897 ^^^^ italienische Über- 
setzung von G. Pacchioni veranstaltet wurde, stellt sich zur 
Aufgabe, eine kurz gefaßte Geschichte der Quellen des 
Römischen Rechts zu bieten. In der ersten Auflage habe 
ich mich im wesentlichen darauf beschränkt, eine Sachdar- 
stellung mit sparsamen Belegen aus den Quellen und noch 
sparsameren Hinweisen auf die Literatur zu geben. Bei der 
Neubearbeitung dagegen empfand ich das Bedürfnis, sowohl den 
Quellenapparat wesentlich zu verstärken, wie auch die Literatur, 
insbesondere die neuere und neueste, weit eingehender zu be- 
rücksichtigen. Aber auch abgesehen von diesen Punkten 
wird man nach manchen Richtungen das Buch verändert und, 
wie ich hoffe, verbessert finden. Insbesondere bin ich bemüht 
gewesen, die neueren Quellenfunde gebührend zu beachten 
und gewisse Grundfragen der Quellentheorie: ius gentium, 
aequitas, ius naturale, Gewohnheitsrecht, mehr in den Vorder- 
grund zu rücken und in der Darstellung zu vertiefen. 



Berlin, im Juni 1903. 



Theodor Kipp. 



Inhalt. 



Seite 
§ 1. Einleitung 1 



Erstes Kapitel. 

Allgemeine Fragen. 

§ 2. Übersicht über die Formen der Rechtsbildung bei den Römern. 

Positives Recht und ius naturale. Jus und aequitas .... 3 
§ 3. Geltung des römischen Rechts im römischen Reich. Jus civile 

und ius gentium 10 



Zweites Kapitel. 

§ 4. Das römische Gewohnheitsrecht 17 

Drittes Kapitel. 

Recht setzende Staatsakte. 

§ 5. 1. Angebliche Rechtsaufzeichnungen der Königszeit .... 24 

2. Die Volksgesetzgebung. (Leges latae) 26 

Allgemeine Lehren vom Volksgesetz 26 

Die XII Tafeln 29 

Die Volksgesetzgebung nach den XII Tafeln 86 

3. Leges datae und leges dictae 40 

4. Edicta magistratuum. Jus civile und ius honorarium ... 44 

5. Senatus consulta 52 

6. Constitutiones principum 59 

Die kaiserlichen Erlasse unter dem Principat 59 

Die kaiserlichen Erlasse in der absoluten Monarchie ... 70 

Die Überlieferung der vorjustinianischen Konsticutionen . . 77 

7. Erlasse der Präfecti Prätorio. Sonstige Beamtenerlasse . . 86 



§ 


6. 


§ 


7. 


§ 


8. 


§ 


9. 


§ 


10. 


§ 


11. 


§ 


12. 


§ 


13. 


§ 


14. 


§ 


15. 



— VI — 
viertes Kapitel. 

Die Rechtswissenschaft. 

Seite 

§16. 1. Die republikanische Rechtswissenschaft 88 

2. Die klassische Rechtswissenschaft 95 

§ 17. Stellung und Tätigkeit der klassischen Rechtswissenschaft im 

allgemeinen 95 

§ 18. Die beiden Schulen 100 

§ 19. Die einzelnen Juristen von Labeo bis Julian 102 

§ 20. Die Juristen von Pomponius bis Marcellus 111 

§ 21. Die Juristen von Scävola bis zum Ausgang der klassischen Zeit 118 
§ 22. 3. Behandlung der Schriften der klassischen Juristen in der 

Folgezeit 125 

§ 23. 4. Die nachklassische Rechtswissenschaft 127 

§ 24. 5. Die Überlieferung der juristischen Werke 128 

Fünftes Kapitel. 

§ 25. Leges Romanae der germanischen Reiche . . 135 

Sechstes Kapitel. 

Die Justinianische Gesetzgebung und ihre orien- 
talischen Bearbeitungen. 

§ 26. 1. Der Verlauf der Justinianischen Gesetzgebung 137 

2. Die Bestandteile der Justinianischen Gesetzgebung . . . . 139 

§ 27. Die Institutionen 139 

§ 28. Die Digesten 140 

§ 29. Der Codex Justinianus 144 

§ 30. Die Justinianischen Novellen 146 

§31. 3. Zusammenfassung zum Corpus iuris civilis. Ausgaben . . . 148 
§32. 4. Die orientalischen Bearbeitungen der Justinianischen Gesetz- 
gebung 151 

Siebentes Kapitel. 

§ 33. Akten und Urkunden 153 

Achtes Kapitel. 

§ 34. Die nichtjuristische Literatur 159 



XU 



Bibliographische Vorbemerkungen. 



Quellenwerke. ^^ 



; 



Ausgaben des Corpus iuris civilis s. § 31. 

Die Überreste der römischen Jurisprudenz außerhalb des Corpus iuris civilis 
bieten: Krüger, Mommsen und Studemund, Collectio librorum 
iuris Anteiustiniani und Huschke, iurisprudentiae Anteiustinianae quae 
supersunt. Über beide Werke, wie auch über L e n e 1 , Palingenesia iuris 
civilis und Bremer, Jurisprudentiae Antehadrianae quae supersunt s. § 24 
Anm. 1. 

B r u n s , fontes iuris Romani antiqui. 6. Aufi. von Mommsen und G r a - 
denwitz. P. I Leges et negotia; P. II Scriptores (Auszüge aus Nicht- 
juristen.) Freib. u. Leipz. 1893. 

Wo für inschriftliches Material Bruns versagt, ist zurückzugehen auf Dessau, 
inscriptiones Latinae selectae Berol. I 1892. II, 1 1902 oder weiter auf das 
Corpus inscriptionum Latinarum (C. J. L.) Berol. 1862 sqq. 

Papyrussammlungen s. § 33 Anm. 20. 



Darstellungen der römischen Rechtsgeschichte insbesondere 

der Quellengeschichte. "^ 

G. F. Puchta, Kursus der Institutionen, B. I. 10. Aufl. nach dem Tode 
des Verfassers besorgt von P. Krüger. Leipzig 1893. 

O. Kariowa, römische Rechtsgeschichte I. B, Staatsrecht und Rechtsquellen. 
Leipzig 1885. 

P. Krüger, Geschichte der Quellen und Literatur des römischen Rechts 
(Bindings Handbuch d. deutschen Rechts wissensch. I, 2). Leipzig 1888. 

F. Schulin, Lehrbuch der Geschichte des römischen Rechts. Stuttg. 1889. 

M. Voigt, römische Rechtsgeschichte. 3 Bde. Leipzig 1892 — 1902. 

P. J ö r s , das römische Recht. Birkmeyers Encyklopädie der Rechts- 
wissenschaft. Berlin 1900. Quellen S. 77-91. 

P. F. Girard, Manuel 61ementaire de droit Romain. 3. Aufl. Paris 1901. 
S. 1—88. 

R. So hm, Institutionen. 11. Aufl. Leipzig 1903. S. 14 — 134. 

Bruns-Pernice-Lenel, Geschichte und Quellen des römischen Rechts in 
Holtzendorffs Encyklopädie der Rechtswissenschaft. 6. Aufl. Berlin 
1902/3. S. 73—170. 7. . 

#^ /X. äX , X :.Jt^^^^.UA. ir/X. ^/^ ^ TT, T^ ' 



-_ VIII — 
Römisches Staatsrecht. 

Th. Mommsen, römisches Staatsrecht. 3 Bde. (Marquardt-Mommsen, 
Handbuch der römischen Altertümer B. 1 — 3.) B. 1. 2 in 3. Aufl. und B. 3, 1 
Leipzig 1887. B. 3, 2 das. 1888. 

— — Abriß des römischen Staatsrechts (Bindings Handbuch der 
deutschen Rechtswissenschaft I, 3). Leipzig 1893. 

Theorie der Rechtsquellen. 

M. W I a s s a k , Kritische Studien zur Theorie der Rechtsquellen im Zeitalter 
der klassischen Juristen. Graz 1884. '^•«••^ -^ ^^"•*'«*-'^«'^*^- •^^•'^^^' ^7^ 

E. Ehrlich, Beiträge zur Theorie der Rechtsquellen I. T. das ius civile, ius 
publicum, ius privatum. Berlin 1902. ^<.«^«- Z*f< . 19/ 41/ 

Römische Rechtswissenschaft. 

P. Jörs, römische Rechtswissenschaft zur Zeit der Republik. 1. Tl. Bis 

auf die Catonen. Berlin 1888. 
H. H. F i 1 1 i n g , über das Alter der Schriften römischer Juristen von Hadrian 

bis Alexander. Basel 1860. 
W. Kalb, das Juiistenlatein. 2. Aufl. Nürnberg 1888. 

— — Roms Juristen, nach ihrer Sprache dargestellt. Leipzig 1890. 

Hülfsmittel zur Exegese. 

Th. Schimmelpfeng, Hommel redivivus oder Nachweisung der bei den 
vorzüglichsten älteren und neueren Civilisten vorkommenden Erklärungen 
einzelner Stellen des Corpus Juris Civilis. 3 Bde. Cassel 1858/ f»9. 

B. Brissonius, de verborum quae ad ius civile pertincnt signiflcatione, zu- 
letzt bearbeitet von Heineccius. Halle 1743. 

H. E. Dirksen, manuale Latinitatis fontium iuris civilis Romanorum. 
Berlin 1837. 

H. G. Heumann, Handlexikon zu den Quellen des römischen Rechts, 8. Aufl. 
von Thon. Jena 1895. 

Vocabularium iurisprudentiae Romanae. Editum iussi instituti Savigniani (von 
Gradenwitz, Kubier, E. Th. Schulze, Helm, jetzt unter Leitung 
von Kubier). Berlin, im Erscheinen seit 1884. 



Die Anführungen aus der Zeitschrift der Savigny-Stiftung 
für Rechtsgeschichte (Weimar 1880 ff.) beziehen sich auf die romanistische 
Abteilung. 



§ 1. Einleitung. 

Von Quellen^) des Rechts spricht man in einem doppelten 
Sinne, dem der Entstehungsquellen und dem der Erkennt- 
nisquellen. 

I. Die Entstehungsquellen, die Quellen, aus denen das 
Recht fließt, sind genau genommen die Faktoren, von denen 
die Rechtsbildung ausgeht: die Inhaber gesetzgebender Gewalt 
oder die Träger sonstiger rechtsschöpferischer Macht, wie das 
Volk als Urheber der Rechtsgewohnheit, die Juristen als 
Schöpfer des Juristenrechts. Gewöhnlich aber versteht man 
unter Rechtsquellen nicht diese schöpferischen Faktoren, son- 
dern nennt so die von ihnen ausgehenden Akte, durch welche 
sie Recht schaffen: das Gesetz, die Rechtsgewohnheit, die 
gemeine Meinung der Juristen. 

n. Erkenntnisquelle des Rechts ist alles, woraus wir unsere 
Kenntnis des Rechts schöpfen. Weitaus die Hauptrolle spielt 
dabei die Schrift. Es kommen aber auch andere Dinge in Be- 
tracht.®) Die schriftliche Rechtsüberlieferung bewegt sich in 
der unmittelbaren Wiedergabe der Texte von Rechtssatzungen, 
in Mitteilungen, Ausführungen, Erwägungen über den Inhalt be- 



^) Das darin liegende Bild ist auch den Römern nicht fremd. Liv. 
III, 34 : fons omnis publici privatique iuris. Dort ist aber der Sinn ein eigen- 
tümlich gefärbter: die XII Tafeln unter der gewaltigen Masse Ubereinander- 
gehäufter Gesetze der Urquell des Rechts; übrigens wohl mehr im Sinne 
der Entstehungsquelle als nur der Erkenntnisquelle. 

*) Münzen sind nicht blofi durch ihre Inschrift, sondern auch durch ihre 

Bilder, ihre Zusammensetzung, ihr Gewicht lehrreich, und das Münzwesen ist 

öffentlichrechtlich wie privatrechtlich von vielseitiger Bedeutung; die notitia 

dignitatum (§ 24) ist nicht blofi durch ihren Text, sondern auch durch ihre 

Abbildungen wichtig. 

Kipp, QaeUea des rOm. Bechts. 1 



— 2 — 

stehender Rechtssätze, in Erklärungen, Beurkundungen, Erzäh- 
lungen, welche das Recht in der Anwendung auf den einzelnen 
Fall zeigen, oder sonst Schlüsse auf Rechtssätze erlauben. 
Den ersten Rang nehmen ein buchmäßig verbreitete Werke: 
Gesetzbücher, juristische Privatarbeiten und Werke der nicht- 
juristischen Literatur, die bei den Römern in allen ihren 
Zweigen für die Erkenntnis des Rechtes ergiebig ist. Dazu 
kommen Inschriften auf Bronze und Stein, Urkunden auf 
wachsüberzogenen Holztäfelchen, Bronzetäfelchen, Papyrus. 

III. Die Lehre von den Entstehungsquellen des römischen 
Rechts ist ein Stück des römischen Rechts selbst; denn 
Rechtsvorschriften sind es, welche darüber bestimmen, wie sich 
Recht bilden soll. Die Einsicht in jene Lehre verdanken wir 
ebenso wie alles, was wir sonst vom Inhalt des römischen Rechts 
wissen, den Erkenntnisquellen des römischen Rechts. Man könnte 
sonach versucht sein, die Lehre von den Erkenntnisquellen 
selbständig voranzustellen. Das ist aber nicht möglich, weil 
man ohne Darlegung der Lehre von den Entstehungsquellen 
oft gar nicht zeigen kann, in wiefern dies oder jenes den 
Wert einer Erkenntnisquelle des römischen Rechts hat. Die 
folgende Darstellung behandelt daher Entstehungsquellen und 
Erkenntnisquellen in Verbindung miteinander. Die Lehre von 
den Entstehungsquellen des römischen Rechts ist aber nur 
dann vollständig, wenn auch dargelegt ist, welche Geltungs- 
kraft, welcher Geltungsbereich dem aus ihnen geflossenen 
Recht zukam, und auch an der ganz andern Frage ist nicht 
vorbeizugehen, inwieweit nach römischer Ansicht eine Norm, 
um Recht zu sein, der Sanktion durch eine sg. Rechtsquelle 
überhaupt bedarf. 



Erstes Kapitel. 

Allgemeine Fragen. 

§ 2. 

Übersicht über die Formen der Rechtsbildung bei den 
Römern. Positives Recht und ius naturale. 

Jus und aequitas, 

I. Die Römer geben davon aus, daß das Recht eine von 
einem Gemeinwesen ausgehende, für den Bereich dieses Ge- 
meinwesens bestimmte Lebensordnung ist. Römisches Recht 
ist, was die Römer auf einem der von ihnen selbst aner- 
kannten Wege der Rechtsbildung sich als Recht geschaffen haben. 
Im Anfange steht vorwiegend gewohnheitsrechtliche Rechts- 
bildung. Aber schon früh trat eine Gesetzgebung in Tätig- 
keit, gehandhabt von den geordneten Volksversammlungen 
unter Leitung von Beamten. Die erste umfassende Gesetz- 
gebung sind die XII Tafeln. Die Rechtswissenschaft hatte 
zuerst ihren Sitz im Kollegium der Pontifices, seit etwa 300 
V. Chr. emanzipierte sie sich vom Priestertum. Die gemeine 
Lehre der Juristen, ihre das Volksrecht umbildende interpretatio, 
wurde dem Volksrecht gleich als Recht anerkannt. Gewohn- 
heitsrecht, Volksgesetzgebung und Juristenrecht bildeten das 
ius civile. In der jüngeren Zeit der Republik gewann eine 
neue Rechtsquelle Bedeutung: die Edikte der Jurisdiktions- 
magistrate, vor allem der Prätoren und kurulischen Ädilen. Der 
im Laufe der Zeit in beständiger Wiederholung gefestigte 
Inhalt der Edikte trat als Amtsrecht, ius honorarium, dem 

ius civile gegenüber. 

1* 



— 4 — 

In der Kaiserzeit Augustischen Stils war die Volksgesetz- 
gebung noch eine kurze Zeit lebhaft tatig, wurde aber bald 
bei Seite gelegt; die Edikte der Jurisdiktionsmagistrate spielten 
in der Fortbildung des Rechts nur noch eine untergeordnete 
Rolle; unter Hadrian gelangte ihr Inhalt zum endgültigen 
Abschluß. Dagegen traten als neue Quellen des Rechts, und 
zwar gleichgeachtet dem alten Volksgesetz, als Quellen des 
ius civile, ein: die Senatuskonsulte und die Festsetzungen 
(constitutiones) der Kaiser. Die Rechtswissenschaft, welche 
sich in den ersten beiden Jahrhunderten der Kaiserzeit zur 
höchsten Blüte erhob, erfreute sich der alten Anerkennung 
ihrer schöpferischen Kraft, ja ihre Macht wurde noch gesteigert 
durch die Einführung des Privilegiums für hervorragende 
Juristen, Gutachten gewissermaßen im Namen des Kaisers 
zu erteilen. 

In der Zeit der diokletianisch-konstantinischen Monarchie 
dagegen ist der Kaiser der alleinige und unumschränkte Ge- 
setzgeber, der sich jede Mitwirkung der Rechtswissenschaft 
an der Fortbildung des Rechts verbittet. 

IL Dies in vorläufigem Überblick die Wege der Rechts- 
schöpfung bei den Römern. Es hat aber schon bei den Römern 
der Gedanke nicht gefehlt, der zu allen Zeiten immer wieder 
auftaucht, daß es gegenüber dem Recht, welches ein Volk sich 
schafft, dem sogen, positiven Recht, auch ein natürliches Recht 
gebe, ein iics naturae^^ ius naturale y^) welches allen Völkern 
gemeinsam, oder gar Menschen und Tieren gemeinsam sei, 
von der Natur ihnen eingepflanzt.*) 

Insofern das ius naturale allen Menschen gemeinsam sein 
soll, berührt sich sein Begriff mit dem des ius gentium^ von 
dem unten die Rede sein wird (§ 3). Ein Menschen und 
Tieren gemeinsames Recht gibt es nicht, weil das Tier keiner 



i).Pomp. D. L, 17, 206. 

2) Paul. D. I, 1, 11. 

a) Cic. de off. 111,5,23, de harusp. resp. 14,32, Gai. I, 1. D. I, 1, 9, 
XLI, 1, 1 pr., Ulp. D. I, 1, 6 pr., Paul. D. XIX, 2, 1. Vgl. über das ius 
naturale M. Voigt, Das ius naturale, aequum et bonum und das ius gentium der 
Römer. 4 Bde., Leipzig 1856 — 1875. — Bergbohm, Jurisprudenz und 
Rechtsphilosophie I (Leipzig 1892) S. 154 ff. 



— 5 — 

Rechtsvorschrift Gehör leihen kann. Im übrigen ist folgendes 
zu bemerken: Rechtssätze, welche wir in der uns beherr- 
schenden Rechtsordnung beobachten, erscheinen uns als natür- 
lich, wenn wir finden, daß elementare Gerechtigkeitsgründe 
für sie sprechen, die nach unserem Urteil weder aus den Be- 
sonderheiten unserer Zeit, noch aus denen unseres Volkes sich 
erklären, sondern allgemein menschlich und dauernd sind. 
Und darin liegt eine ganz berechtigte Denkungsart. Denn so 
viel auch die Rechtsordnungen verschiedener Völker und 
Zeiten an Verschiedenheiten aufweisen, so fehlt es doch auch 
nicht an Sätzen, die in der Tat seit Jahrtausenden dieselbe 
unmittelbar einleuchtende Überzeugungskraft besessen haben^ 
Die Römer nennen z. B. den Satz naturalis, daß man sein Geld 
weder fordern kann, wenn man es zahlte in dem irrigen Glauben, 
die Summe schuldig zu sein,*) und denselben Satz finden auch 
wir ganz „natürlich". Gerechtigkeitserwägungen aber, die als 
— nach Ansicht des Urteilers — einfache, allgemeingültige 
und dauernde einem vorhandenen Rechtssatz den Anspruch 
auf das Prädikat eines natürlichen geben, sind auch von jeher 
nicht nur zur Begründung der Anforderung aufgetreten, daß 
die Rechtsordnung ihre Sätze ihnen entsprechend zu gestalten 
habe, sondern diese Anforderung hat die beständige Neigung, 
in die Behauptung überzugehen, daß die als natürlich em- 
pfundenen Sätze bereits geltende Rechtssätze seien, auch wenn 
ihre Anerkennung in den Quellen des positiven Rechts nicht 
nachzuweisen sei. Die römischen Juristen haben prinzipiell 
durchaus nicht das ius naturale als geltendes Recht unab- 
hängig von den positiven Quellen betrachtet. Sie wußten 
z. B. zu sagen, daß das ius naturale die Freiheit aller Menschen 
forderte, und doch war die Sklaverei ein anerkanntes Rechts- 
institut.*) Ihre ganze freie Stellung zu dem gegebenen Rechts- 
stoff aber, zu dessen beständiger Fortbildung im Sinne der An- 
näherung an das Gerechtigkeitsideal sie berufen waren, anders 
ausgedrückt: die Stellung der Rechtswissenschaft selbst unter 
den anerkannten Quellen des Rechts eröfihete den von der 



*) Paul. D. XII, 6, 15 pr. Indebiti soluti condictio naturalis est. 
*) Ulp. D. I, I, 4. 



— ö — 

Rechtswissenschaft als dem ius nahirale entsprechend erach- 
teten Sätzen ein weites Tor in das römische ius civile, 

III. In diesem Zusammenhange ist auch das Walten der 
aequitas^) im römischen Recht zu betrachten. Durch keinen 
seiner glänzendsten Einzelsätze hat das römische Recht sich 
so viel Anspruch auf seine Unsterblichkeit erworben als durch 
die Art, wie es grundsätzlich sein Verhältnis zur Äquität be- 
stimmt hat. Aeaui tas faequum, bonum et aequum) ist zunächst 



I ,JL^r0- ein sittlicher Begriff: die Gerechtigkeit, Billigkeit') als Inbegriff 
i'^^/y^' \ von Normen und subjektiv als entsprechende Tugend. In der- 






ö. 



lA^ 



selben Art, wie das Recht als natürlich hingestellt wird, wenn 
es der Urteilende für allgemein und unwandelbar gerecht und 
billig hält, in derselben Art wird auch die Gerechtigkeit selbst 
nicht selten als etwas Natürliches bezeichnet.**) Das Recht ist 
nun nicht die aequitas selbst, aber es will einen Niederschlag der 
aequitas darstellen.®) Es will seinen Inhalt nach den Anforde- 
rungen der aequitas gestalten, nach ihnen ausgelegt und ange- 
wandt werden. Aequitas ist Maßstab der Kritik des bestehenden 
^ fc^ Rechtes. Im Gegensatz zum aequum itis^^) ist ius iniquufri un- 



*) M. Voigt, in dem oben Note 3 angeführten Werke. — Leiit, Civi- 
listische Studien. 4. H.Jen. 1877, bes. S. 190 ff., S. 209 ff. — Krüger S. 
119ff. — Federico de Cola, lo streito diritto e l'equitä nel diritto Romano. 
Messina 1888. — Emilio Costa, il diritto privato nelle comedie di Plauto. 
Torino 1890. p. 58 sq. Pernice Zeitschr. d. Sav.-Stift. XX (1899) S. 147 ff. 
Kipp, Pauly-Wissowa's Realencyclopädie Artikel aequitas. 

') Im weitesten Sinne kann sich aequitas auf das gesamte Verhalten zu Göttern 
und Menschen bezichen. Cic. top. 90: aequitas tripertita dicitur esse: una 
ad superos deos, altera ad manes, tertia ad homincs pertinere. 

®) Natura aequum : Pomp. D. XII, 6, 14, naturalis aequitas : Gai D. 
XXXVIII, 8, 2, XU, 1, 93, Paul. D. XLIV, 1, 1, Ulp. D. IV, 4, 1 pr., iure na- 
turae aequum: Pomp. D. L, 17, 206. 

®) Cicero (top. 9) definiert das ius civile als aequitas constituta iis qui eiusdem 
civitatis sunt. Celsus (D. I, 1, 1 pr.) nennt das Recht: ars boni et aequi. 

*<*) Nach römischer Ansicht ist aequitas nicht ein Gedanke, der erst in 
junger Zeit in das Recht eingedrungen ist. Cicero u. Tacitus rühmen die 
Aequität der XII Tafeln (Cic. de rep. II, 61, Tac. Ann. III, 27). Tacitus nennt 
sie sogar das Ende des gerechten Rechts (finis aequi iuris) im Gegensatz zu 
den Gesetzen der Folgezeit. Auch sonst wird die Äquität sehr alter Sätze 
hervorgehoben: Paul. D. XLIX, 15, 19 pr., Gai. III, 7, Ulp. XXVI, 2, D. 
XXXVIII, 16, 1, 4. 



billiges Recht,") ius strictun i ein zwar nicht ganz unbilliges, 
aber doch den Forderungen der aequitas nicht weit genug ent- 
gegenkommendes Recht.^*) Aequitas ist Maxime der Auslegung 
des Rechts, die im Sinne der Fortbildung des Rechts nach den 
Forderungen der aequitas gehandhabt wird und werden soll. 
Die interpretatio ist Mittlerin zwischen Recht und aequitas}^) 
Endlich aber ist aequitas auch' ein Inbegriff von Normen, die das 
Recht vielfaltig ergänzen. Es ist schlechthin unmöglich, daß das 
Recht mit Sätzen, die ins einzelne gehen, den Rechtsge- 
nossen erschöpfende Verhaltungsmaßregeln, dem Richter er- 
schöpfende Anweisungen zum Spruch gebe. Die Rechtsvor- 
schriften bedürfen der Ergänzung aus dem, was im Leben als 
gerecht und billig angesehen wird. Wenn in den Quellen 
aequitas als Richtschnur für Magistrate wie Geschworene auf- 
gestellt wird,^*) so bezieht sich dies keineswegs nur auf die 



^*) Gai, III, 25. (iuris iniquitates.) 

^«) Gai. III, 18. 

^•) Aequitas verlangt, daß nicht am Buchstaben gehaftet wird. Daher 
stellt sie Cicero in Gegensatz zu scriptum, verba, litterae (Cic. Brut. 145. 198, 
de orat. I, 242 sqq., p. Caec. 65. 77. 80. 104, p. Mur. 27. Damit tritt aequitas 
zunächst nicht in Gegensatz zum ins, sondern ius und aequitas stehen 
vereint dem Buchstaben und der Spitzfindigkeit gegenüber (Cic. p. Caec. 57. 
61. 65. 77. 80. 81. 104). Die Auslegung soll den Willen des Gesetzgebers 
erforschen (Cels. D. I, 3, 17—19, Tryph. D. XLIX, 15, 12, 8). Aber dies ver- 
wandelt sich in der Hand der römischen Juristen in das Ziel, die Vorschrift 
so auszulegen, wie sie der gerecht denkende Gesetzgeber nach Ansicht der 
Juristen in Berücksichtigung der Gerechtigkeitsüberzeugungen der Gegenwart 
geben müsste, auch wenn das ihrem ursprünglichen Sinne nicht entspricht« 
Daher gehen die Juristen im Interesse der Äquität des Ergebnisses von dem 
bisherigen Rechte oft weit ab, indem sie der aequitas den Vorzug geben vor 
dem ius (Ulp. D. XV, 1, 32 pr., Paul. D. XXXIX, 3, 2, ö"), dem strictum ius (Pap. 
D. V, 3,50, 1, XXIX, 2, 86 pr., Paul. D. XIII, 5, 30), der stricta ratio (Gai. D. 
XLI, 1, 7, 5; Pap. D. XI, 7, 43), dem rigor iuris (Ulp. D. XL, 5, 24, 10), der sub- 
tilitas iuris (Javol. D. XXXIX, 5, 25, Cels. D.VIII, 3, 11) u. s.w;' Drangen sie 
mit ihrer Ansicht allgemein durch, so wurde deren Inhalt zum Rechtssatz. 

") Liv. III. 33. Cic. de lege agr. II, 102, in Ver. I, 136, 151, III, 42, V, 
27. Ammian. XXII, 10, 2. C. J. L. IX, 1575. X, 4863. Cic. pro. Clu. 156, 
159, in Ver. II, 109. III, 220. Eine im Jahre 1901 gefundene Ehreninschrift 
für den Valerius Dalmatius, Statthalter der provincia Li^gdunensis tertia, aus dem 
fünften Jahrhundert, beginnt : Jus ad iustitiam revocare aequumque tueri Dal- 
matio lex est quam dedit alma fides Bis sex scripta (XII Tafeln) tenet praetoris- 



IA-< i , • - o s , i-"-« 



— 8 — 

aequitas als Auslegungsmaxime, sondern auch auf gerechte 
Würdigung der Tatsachen und Handhabung gerechten Er- 
messens in Ergänzung der Rechtsvorschriften. Oft glaubt man, 
daß der Gedanke der aequitas etwas erst verhältnismäßig 
spät im römischen Recht Aufgetauchtes sen^aber es ist viel- 
mehr umgekehrt zu behaupten, daß gerade in den ältesten 
Zeiten das freie Ermessen der Magistrate wie der Geschworenen 
eine besonders große Rolle gespielt hat, und daß es durchaus 
römisch ist, das Regiment des Ermessens auch in solch alter 
Zeit als ein Regiment der aequitas aufzufassen,^*) wenn auch 
der Inhalt der Normen der aequitas von der alten Zeit anders 
aufgefaßt wurde als von der späteren. Die römische Volks- 
gesetzgebung ging allerdings grundsätzlich darauf aus, 
alles so viel wie möglich selbst zu bestimmen und das freie 
Ermessen zurückzudrängen. Aber auch sie konnte doch der 
Mitwirkung desselben keineswegs ganz entbehren. Es kommt 
vor, daß das Gesetz eine Entscheidung ausdrücklich in das 
Ermessen des Magistrats stellt,*®) und schon die XII Tafeln 
kennen Streitigkeiten, bei deren Schlichtung das freie Ermessen 
des oder der Geschworenen die Hauptrolle' spielt (arbitrium 
finium regundoruffty familiae erciscundae^ aquae pluviae arcendae). 
Aber auch sonst . sind die Bestimmungen der Gesetze großen- 
teils so gefaßt, daß ihre Anwendung ohne Eingreifen billigen 
Ermessens gar nicht gedacht werden kann, weil sie mit Begriffen 
des Lebens operieren, die sie selbst nicht festleg en. Der römische 
Senat bekennt sich zur aequitas als der Maxime seiner Verwaltung 
ßchon in den ältesten Beschlüssen, die wir von ihm kennen.^') 
/ Er verweist ebenso wie die Gesetze die Beamten auf ihr Er- 
messen*®) und hat hierzu um so mehr Anlaß, als er ihnen staats- 



que omne volumen (das Edikt) Doctus et a sanctis condita principibus (Kaiser- 
konstitutionen). — Vgl. Mommsen, Sitzungsber. der Berl. Akad. 1902 
S. 836 ff. Mitteis Zeitschr. der Sav.-Stift. XXIII (1902), S. 443 f. 

") Liv. III, 13. 33. 

^•) Lex. agrar. 35. 73. 74. 78. 83, lex. Acil. repet. 30. 65, lex. Cornel. 
de XX quaest. 83, lex. Jul. munic. 21. 33. 47. 54. 

*') SC. de Bacchanal. 26. SC. de Tiburt. 4. SC. de Asclepiade Lat. 11, 
Gr. 30. 

^8) SC. de Thisbaeis 44 sq. Suet. de cl. rhet. c. 1. SC. de Asclepiade 
Lat. 11, Gr. 31. 



— 9 — 

I rechtlich streng genommen nur Ratschläge erteilen kann. Die 
beiden Hauptträger der Ausbildung des römischen Rechts zu 
seiner Blüte, das prätorische Edikt und die Jurisprudenz, haben 
in der einsichtigsten Weise der aequitas als einer das Recht er- 
gänzenden Entscheidungsnorm die gebührende Stellung gesichert. 
Der Prätor hat oft in seinem Edikt sich selbst die Prüfung der 
Sachlage im Einzelfalle vorbehalten,*') vor allem aber die 
Anweisungen, welche im jüngeren Civilprozess der Geschwo- 
rene vom Prätor erhielt, größtenteils so gefaßt, daß der Ricliter 
sich ausdrücklich zur Beachtung der Normen der aequitas ver- 
pflichtet sah. Zum Teil waren die Formeln geradezu auf 
donum et aequum gestellt.^®) In der grossen Gruppe der 
actiones bonae fidei kam die Verweisung auf die aeqtiitas 
dadurch zum Ausdruck, daß der Richter beauftragt wurde, 
den Beklagten zu verurteilen auf dasjenige,**) was der Be- 
klagte dem Kläger ex fide bona schuldig sei {quicquid Nume- 
riufn Negidium Aulo Agerio dare facere oportet ex fide bofiaj, 
worunter nichts anderes als das bonum und aequum zu ver- 
stehen war.**) In der ebenfalls großen Gruppe der actiones 
arbitrariae wurde der Geschworene angewiesen, den Beklagten 
erst dann zu verurteilen, wenn er nicht in einer nach Ermessen 
des Richters festgesetzten Weise den Kläger zufriedengestellt 
habe (nisi arbitratu tuo [mdzcts] restituet).-^) Allerdings ist durch 
die Praxis und die unausgesetzte Arbeit der Juristen in weitem 
Umfange wiederum als Rechtssatz fixiert worden, was als der 
bona fides, der aequitas entsprechend anzusehen sei, und inso- 
fern die Herrschaft der aequitas als solcher wieder zurückge- 



'^ S. u. § 10. 

*>) Cic. de off. III, 61. Gai. D. IV, 5, 8. Ed. praet. D. IV, 3, 1 pr. 
Ulp.D. XI, 7, 14, 6.18. XLVII, 10, 17, 2. Paul. D. XLVII, 10, 18 pr. XLIV, 7, 
34 pr., Ed. praet. D. XLVII, 12, 3 pr. Pap. D. XLVII, 12, 10, Ed. aedil. D. XXI, 
1, 42. 

**) Grenauer: einen dem entsprechenden Geldbetrag. 

*•) Tryphon. D. XIV, 3, 31 pr. Bona fides quae in contractibus exigitur 
aequitatem summam desiderat. 

^) Von diesen Klagen heifit es in J. 4, 6, 31 : in his enim actionibus et 
ceteris similibus pennittitar iudici ex bono et aequo secundum cuiusque 
rei de qua actum est naturam aestimare quemadmodum actori satisfieri oporteat. 



- 10 — 

drängt, aber man hat sich immer gehütet, hierin zu weit zu 
gehen.^^) 



§ 3. 

Geltung des römischen Rechts im Römischen Reich. 

yus civile und ius gentium. 

I. Das römische Recht hat das römische Gebiet keines- 
wegs von Anfang an ausschließlich beherrscht, sondern es 
galten dort nach dem System der Personalität der Rechte 
viele Nationalrechte nebeneinander, die das römische Recht 
nur in langer Entwickelung und niemals vollkommen ver- 
drängt hat.^) Das römische Recht hat das Prinzip der Per- 
sonalität des Rechts. Es geht grundsätzlich von der An- 
schauung aus, daß die Gesetze des römischen Volks und was 
ihnen gleichsteht, also ihre interpretatio durch die Juristen 
und das unter Römern hergebrachte Gewohnheitsrecht, nur 
für den römischen Bürger geschaffen sind. Dieses Recht ist 
ius Quiritium, ius civile populi Romani, ius civile^ id est ius 
proprium civitatis nostrae. — Jus civile proprimn est civiutn 
Romanorum,') Die Nichtrömer (peregrini) bindet also das 
römische Nationalrecht nicht. Es gilt für sie nur, wenn sie 



24) Cels. D. XLV, 1,91,3: esse enim hanc (Verschulden beim Verzuge) 
quaestionem de bono et aequo, in quo genere plerumque sub auctoritate iuris 
scientiae perniciose, inquit, erratur. Scaev. D. XLIV, 3. 14 pr.: de accessionibus 
possessionum nihil in perpetuum neque generaliter definire possumus. consistunt 
enim in sola aequitate. 

1) Vgl. Mommsen, röm. Staatsrecht III, S. 603fr. —Mitteis, Reichs- 
recht und Volksrecht in den östlichen Provinzen des römischen Kaiserreichs. 
Leipzig 1891. — Wlassak, römische Prozefigesetze II. Abt. Leipzig 1891, 
S. 93ff. — Baron, Peregrinenrecht und ius gentium. Leipzig 1891. — 
Pernice, Zeitschr. der Sav.-Stift. XX (1899) S. 138 ff. — Baviera il diritto 
internazionale dei Romani Arch. giuridico LX 1898 p. 266 sq., 463 sq. LXI 
(1899) p. 243 sq. 433 sq. Dazu H. Krüger, Zeitschrift der Savigny-Süft. 
XX (1899) S. 264ff. Ehrlich, Beiträge zur Theorie der Rechtsquellen. 
Berlin 1902 S. 84 ff. 

2) Gai. I, 1. D. I, 1, 9. XLI, 1, 1 pr. Ulp. D. I, 1, 6 pr. J. I, 2, 1. 2. 



— li- 
es recipiert haben (adsciscerey fundus fit aliquis populus 
alicuius legis)?) Aber Rom hat das Recht für sich aller- 
dings beansprucht, nach seinem Willen durch seine Gesetze 
auch die Nichtbürger zu binden. So ist durch das sempro- 
nische Plebiszit im J. 193 v. Chr. verordnet, ut cum sociis ac 
nomine Laiino pecuniae creditae ius idem quod cum civibus 
Romanis esset?) Die Kapitalisten hatten zur Umgehung der 
Zinsgesetze sich hinter bundesgenössischen Gläubigern ver- 
steckt, auf welche jene Gesetze nicht Anwendung fanden; 
jetzt wurden sie auf die Bundesgenossen als Gläubiger der 
Römer ausgedehnt. Soweit aber eine solche Ausdehnung nicht 
stattgefunden hat, hat der Nichtbürger am römischen Recht 
keinen Teil, kann sich nicht einmal nach dessen Sätzen durch 
Rechtsgeschäft verpflichten oder berechtigen, wenn ihm nicht 
besonders (wie den Latinern) das ius commercii d. h. die Rechts- 
gemeinschaft des Vermögens Verkehrs, oder das itis connubii d. h. 
die Ehegemeinschaft und somit überhaupt die Familienrechtsge- 
meinschaft, oder beides verliehen ist. Der Nichtbürger 
lebt nach seinem Nationalrecht, seinem ius civile?) An 
diesem Nationalrecht hat der Römer seinerseits keinen Teil. 
Nur diejenigen Peregrinen, welche nach ihrer Unterwerfung 
unter Rom keinerlei Anerkennung ihrer Rechtsordnung er- 
halten haben fperegrini dediticiij, haben in römischen Augen 
ein Volksrecht überhaupt nicht, ebenso wie die aus dem rö- 
mischen Bürgerrecht Ausgestossenen (capitis de7ninutio media). 
Sie sind anoXid^^ hoc est sine civitate?) Solche Personen können 
z. B. ein Testament überhaupt nicht machen, weil dasselbe 
nach römischer Ansicht stets gemäß einem bestimmten Volks- 
recht zu errichten ist."^) 



*) Cic. pro Balbo 8, 21. 22 : ... innumerabiles aliae leges de civili 
iure sunt latae: quas Latini voluerunt, adsciverunt. Gell. XVI, 13, 6 von den 
cives sine suifragio: neque uUa populi Romani lege adstricti nisi in quam 
populus eorum fundus faclus est. Fest. s. v. fundus. 

*) Liv. 35,7. 

*) Gai, I, 1 : Quod quisque populus ipse sibi ius constituit, id ipsius 
proprium est vocaturque ius civile. J. I, 2, 2 : Ius quidem civile ex unaquaque 
civitate appellatur, veluti Atheniensium. 

•) Marci. D. XLVIII, 19, 17. 

') Ulp. D. XXXII, 1, 2: Hi quibus aqua et igni interdictum est, item 



— 12 — 

IL Ausser dem jeweiligen peregrinischen Volksrecht 
finden aber auf die Peregrinen auch in ziemlich weitem Umfange 
Satzungen Anwendung, die ihnen von den Römern oktroyiert 
sind: dahin gehören die Provinzialordnungen, welche nach Er- 
oberung oder Wiedereroberung einer Provinz aufgestellt wer- 
den (s. u. § 9), die vielen einzelnen Städten verliehenen Stadt- 
ordnungen (s. u. § 9), namentlich aber auch die Edikte der Provin- 
zialstatthalter und der Quaestoren für den Bereich ihrer provin- 
zialen Jurisdiktion (s. u. § 9). In der Kaiserzeit haben SCC. 
und kaiserliche Konstitutionen von vornherein kein Bedenken 
getragen, Vorschriften für alle Reichsangehörigen ohne Unter- 
schied der Nationalität aufzustellen.®) 

III. Ein wichtiger Hebel zur Herstellung der Rechtseinheit 

i.^^ ^^f ^^^ Boden des römischen Reiches und zugleich der inneren 

*«^ ^ 'i***^^ Fortbildung des römischen Rechtes war das von den Römern s. g. 

Aew /f/3 ^^^ gentium. Es mußte sich beim Verkehr von Römern mit 

...Peregrinen und von Pereerrinen verschiedener Nationalität die 

^. Frage aufwerfen, welches der verschiedenen Nationalrechte 

«M Z-'vJ^ ^^^^auf ihre Beziehungen anzuwenden sei. Diese Frage hätte sich 

l iL^iJ^^*^ ^^^ ^^"^ Prinzip der Personalität des Rechtes aus durch eine 

f vTy tjl^. der des heutigen internationalen Privatrechts ähnliche Theorie 

^i-> F [lösen lassen: man hätte Festsetzungen darüber treffen können, 

wie unter den beteiligten Rechtsordnungen zu wählen sei. 
x\uch das moderne internationale Privatrecht geht nur zum 
Teil von dem Prinzip der Territoralität des Rechts aus, zu 
nicht geringem Teil beruht es auf dem Gedanken der Per- 






l^t 



[ 



deport'ati fideicommissum relinquere non possunt, quia nee testamenti faciendi 
las habent, cum sint dTtöXiSeg, 

^) Gai. I, 53: nach einer Konstitution von Antoninus Plus neque civibus 
Romanis nee ullis aliis hominibus qui sub imperio populi Komani sunt licet 
supra modum et sine causa in servos suos saevire. Gai. I, 81 : Ein Senatus- 
konsult unter Hadrian bestimmte, dafi ein Kind, dessen Vater Latiner, dessen 
Mutter Peregrinin sei oder umgekehrt, dem Stande der Mutter folgen solle. 
Ulp. D. XL VII, 12, 3, 5 spricht den allgemeinen Satz aus, daß kaiserliche 
Reskripte aller Orten gelten, auch im Widerspruch mit dem Stadtrecht. 
Zu Ulpians Zeit hatten zwar schon alle Städte Bürgerrecht, aber 
er trägt seine Ansicht im Anschluß an eine Verordnung Hadrians vor, zu dessen 
Zeit es noch nicht so war. Diocl. C. J. VI, 24, 7 verwirft den Brüderschafts- 
vertrag, auch unter Peregrinen. 



— 13 — 

sonalität des Rechts. Eine solche Lösung haben aber die 
Römer nicht gegeben, sondern statt der beteiligten National- 
rechte ein drittes Recht angewandt, das iiis gentium. 

Das ius gentium tritt mit der Prätention auf, ein Recht 
zu sein, das bei allen Völkern gelte.') In Wahrheit ist es ein 
in den Edikten der mit der Peregrinenjurisdiktion betrauten 
Magistrate und in der Theorie der Juristen gebildeter Zweig 
des römischen Rechts, hat also die formellen Quellen mit dem 
sonstigen römischen Recht gemein. Der Sache nach war es 
größtenteils wirklich gemeinsames Recht der Mittelmeervölker, 
wird sich freilich auch insoweit unter der Hand der römischen 
Juristen umgebildet haben; zum Teil aber sind es Sätze des 
nationalrömischen Rechtes, welche die Römer dem Peregrinen- 
verkehr zugänglich zu machen Anlass fanden. Der allgemeine 
obligatorische Vertrag der Römer war die stipulatio in münd- 
licher Frage des Gläubigers und bejahender Antwort des 
Schuldners. Diesen Vertrag reservierten sie für die römischen 
Bürger, wenn er in den Worten spandesne? spondeo auftrat, 
erklärten ihn aber, wenn statt dieser Worte andere gewählt 
wurden {dahis? dabo u. s. w.) für Sache des ius gentium}^ 
Der Stipulation entspricht die mündliche Quittierung habesne 
acceptum? kabeo, die acceptilatio\ auch sie ist aus dem rö- 
mischen ius civile in das ius gentium übergegangen.^^) Den 
obligatorischen Kontrakt durch Eintragung in das Hausbuch 
wollte nur eine Schule der römischen Juristen (die Sabinianer, 
s. u. § i8) und auch diese nur für einen bestimmten Fall als den 
Peregrinen zugänglich gelten lassen.^*) Hauptsächlich rech- 
neten die Römer zum itis gentium die frei entfalteten 
Verkehrsobligationen, *^) die Verträge, die entweder ohne jede 

*) Gai. I, 1 : quod vero naturalis ratio inter omnes homines constituit, id 
apud omnes populos peraeque custoditur vocaturque ius gentium quasi quo 
iure omnes gentes utuntur = D. I, 1, 9. 

10) Gai. 111,93. 

1«) Ulp. D. XLVI, 4, 8, 4. 

1«) Gai. III, 133. 

**) Ulp. D. II, 14, 7 pr. § 1 : Iuris gentium conventiones quaedam actiones 
pariunt quaedam exceptiones. Quae pariunt actiones, in suo nomine non staut, 
sed transeunt in proprium nomen contractus: ut emptio venditio locatio con- 
ductio societas commodatum depositum et ceteri similes contractus. Paul. D. 



— 14 — 

Form geschlossen werden können, die Konsensualkontrakte 
— Kauf (emtio venditio), Miete, Dienst- und Werkverdingung 
(alle drei als locatio conductio zusammengefaßt), Auftrag [man- 
datuni)^ Gesellschaft [societas) — oder doch keiner anderen 
Form bedürfen, als daß eine Partei etwas leistet unter ent- 
sprechender Übernahme einer Verpflichtung durch die andere, 
die Realkontrakte, zunächst Darlehen (mutuunt), Leihe (comtno- 
datum)^ Hinterlegung (depositumj, Verpfandung (pignus)^ ferner 
auch das von der Leihe getrennte, aber mit ihr verwandte 
Precarium; nicht minder die Forderungen auf Herausgabe einer 
ungerechtfertigten Bereicherung.^*) 

Angewandt wird das ius gentium zunächst sein in Fällen 
der oben bezeichneten Kollision; dann aber, da es ja bei 
allen Völkern gelten sollte, auch unter Angehörigen derselben 
Nation, und so auch unter Römern. Quod civile, non idem 
continuo gentium, quod autem gentium, idem civile esse debet 
(Cicero).^'^) Zwar wusste man, daß das einzelne ius civile von 
dem ius gentiuyt abweichen könne, ^*) aber dieses mußte jeden- 
falls beim Schweigen des Volksrechts Anwendung finden, 
und ist auch im Widerspruch mit veralteten Sätzen des 
römischen ius civile als Träger der neueren Rechtsideen an- 
gewandt worden. Ebenso wird es den Peregrinenrechten 
gegenüber in der Hand der Römer oft dazu gedient haben, 
von ihnen missbilligte Sätze des Volksrechts ausser An- 
wendung zu setzen. 

Häufig wird von den römischen Juristen nur ein Rechts- 
prinzip, wie die Anerkennung der Notwehr,^') oder ein Institut, 



XVIII, 1,1,2 (Kauf). Paul. D, XIX. 2, 1 (locatio conductio), Ulp. fr. Endlich. 
1, 2 (locatio conductio). Gai. III, 154 (societas). Gai. III, 132 (Darlehen). Ulp. 
D. XLIII, 26, 1, 1 (precarium). 

^*) Marci. D. XXV, 2, 25 : iure gentium condici puto posse res ab his qui 
non ex iusta causa possident. 

»») Cic. de off. III, 17, 69. 

*^) Gai. I, 83 : Animadvertere tarnen debemus ne iuris g'entium regulam 
vel lex aliqua vel quod legis vicem obtinet aliquo casu commutaverit. Ulp. 
D. I, 1,6: Jus civile est quod neque in totum a naturali vel gentium recedit 
nee per omnia ei servit. 

1») Flor. D. I, 1, 3 cf. D. I, 1, 1, 4. 



— 15 — 

-wie Sklaverei, Freilassung/®) Eigentumserwerbung durch Okku- 
pation, AUuvion, Pflanzung, Tradition^®) in das tus gentium ver- 
wesen, vorbehaltlich also der Ausgestaltung durch die National- 
rechte. Denn der Sklave des Peregrinen ist seinem Herrn 
nach peregrinischem, der des Römers nach römischem Rechte 
unterworfen, die Freilassung des Römers wirkt anders, als die 
des Peregrinen (der vom römischen Bürger Freigelassene wird 
römischer Bürger); Okkupation und Tradition verschaffen den 
Peregrinen nicht römisches Eigentum, sondern das seines 
Rechts.*^) Auch ganz allgemeine Pflichten, wie Religiosität, 
Gehorsam gegen Eltern und Vaterland, werden als Sätze des 
ius gentium formulierte^) oder gar so ziemlich der ganze Lauf 
der Welt darauf zurückgeführt.^^) Diese vom praktisch an- 
wendbaren ius gentium sich mehr oder weniger weit entfernen- 
den Ideen bilden die Brücke zu denjenigen vom ius naturale. 
Vielfach wird, was dem ius gentium zugeschrieben wird, zu- 
gleich als ius naturale bezeichnet in dem oben (S. 4) erwähnten 
Sinne, daß das allen Völkern gemeinsame Recht ihnen von 
der Natur eingepflanzt sei.^S) Von da kam man wie eben- 
falls bereits oben (S. 4) bemerkt, mit einem Schritt weiter 
selbst zu einem Menschen und Tieren gemeinsam angeborenen 
Rechte, welches dann von dem ius gentium, das nur fiir die 
Menschen gilt, verschieden ist.^*) Aber auch abgesehen von 
diesem Punkte wird wohl das ius gentium von dem ius natu- 
rale unterschieden; Ulpian führt die Sklaverei auf ius gentium 
im Gegensatz zum ius ftaturale zuriick.'^^) 

IV. Die Anwendung des römischen Rechts, auch soweit 
dasselbe als ius civile auf den Kreis der Bürger beschränkt 
blieb, mußte gleichen Schrittes mit der Ausdehnung des 

1«) Gai. I, 52 : die potcstas über die Sklaven. Ulp. D. I, 1 , 4 : die Sklaverei 
und die Freilassungen. 

1») D. XU, 1, 1—9. 

«») Vgl. Gai. 11,40. 

") Pomp. D. I, 1, 2. 

•*) Hermogen. D. I, 1, 5: Krieg und Frieden, Unterscheidung der Nationen, 
Gründung von Reichen, Eigentum, Häuserbau, Handel und Wandel. 

aa) S. § 2 Note 3. 

24) Ulp. D. I, 1, 1, 3. 4. 

20) D. I, 1, 4. 



— 16 — 

Bürgerrechts vordringen. Caracalla hat, wie es scheint, das 
Bürgerrecht allen Gemeinden des Reichs verliehen, die es noch 
nicht hatten. Genau sind die Grenzen seines Erlasses nicht 
bestimmbar.**) Ganz aufgehoben ist der Unterschied zwischen 
Bürgern und Nichtbürgern durch ihn nicht, schon um des- 
willen, weil auch in der Folge noch das Bürgerrecht ver- 
loren, durch gewisse unvollkommene Freilassungen peregrini- 
scher Stand erworben werden, und Nichtreichsangehörige auf 
dem Boden des Reichs sich aufhalten konnten. Im justiniani- 
schen Recht sind zwar jene unvollkommenen Freilassungen 
beseitig^, die beiden andern eben erwähnten Kategorien von 
Peregrinen kommen aber noch vor. Freilich war auch inner- 
lich der Gegensatz von ius civile und ius gentium abgeschliffen. 
Die Institute, welche noch als Privilegium römischer Bürger 
galten, hatten sich eingeschränkt auf das Familienrecht und das 
Erbrecht. Für eine Ehe, aus welcher väterliche Gewalt über 
die Kinder hervorgehen soll, ist Civität beider Gatten erfor- 
derlich, das Kind bedarf der Civität, um in väterlicher Gewalt 
stehen zu können. Vormund sein und bevormundet werden, 
erben und beerbt werden kann nach römischem Recht auch 
unter Justinian nur der römische Bürger.®') Daß aber das 
römische Recht auch in seiner justinianischen Fassung die 
Volksrechte nicht ganz verdrängt hat, lehrt insbesondere die 
Autorität, welche auch nach Justinian das syrisch-römische 
Rechtsbuch (§ 24) behalten hat. 



28) Ulp. D. I, 5, 17 sagt zwar: In orbe Romano qui sunt, ex constitutione 
imperatoris Antonini cives Romani efFecti sunt. Aber es ist unzweifelhaft, dafi 
damit zuviel gesagt ist. Vgl. Mommsen Hermes XVI S. 474fr,, Staatsr. III 
1 S. 699, Mitteis a. a. O. S. 159 ff. 

27) J. Ij 10 pr. Justas autem nuptias inter se cives Romani contrahunt. J. I, 
9 pr . In potestate nostra sunt liberi nostri, quos ex iustis nuptiis procreaverimus. 
J. I, 12 § 1 : Verlust der väterlichen Gewalt durch Verlust des Bürgerrechts, 
Untergang der väterlichen Gewalt dadurch, dafi das Kind aufhört, Bürger zu 
sein. J. 1,22, 1.4: entsprechendes für die Vormundschaft. Ulp. D. XXVIII, 5, 
6, 2: Der zum Erben Eingesetzte muß römischer Bürger sein, es schadet nur 
nichts, wenn er es zwischen Testamentserrichtung und Tod des Erblassers eine 
Zeit lang nicht ist. Ulp. D. XXXII, 1,2: Der Nichtbürger kann nicht testieren. 



Zweites Kapitel. 

§ 4. 

Das römische Gewohnheitsrecht.*) 

I, Daß in den Anfangen Roms die Rechtsbildung haupt- 
sächlich eine gewohnheitsrechtliche war, sagt nicht bloß die 
romische Tradition, die dabei die Kraft der gerichtlichen 
Sprüche besonders betont,*) sondern es wird auch bestätigt 
durch die allgemeine geschichtliche Erfahrung und durch den 
in den Ständekämpfen der Republik erhobenen Ruf nach ge- 
schriebener Gesetzgebung. Aber auch seitdem die Gesetz- 



*) Das berühmte Werk Puchtas: Das Gewohnheitsrecht. 2 Teile. Erl. 
1828. 1837 behandelt das römische Gewohnheitsrecht im ersten Buch (I, 
S. 1 — 120). Das Gewohnheitsrecht im allgemeinen wie das römische im be- 
sonderen behandeln auch die Pandektenwerke. Bei ihnen weitere Literatur, 
vergl. namentlich Windscheid, 8. Auflage von Kipp I, § 15*. Gierke, 
Deutsches Privatrecht I, § 20, Neukamp, das Gewohnheitsrecht in Theorie 
und Praxis des gemeinen Rechts. Referat und Kritik. Arch. für bürgerliches 
Recht XII (1897.) S. 89 flf. Neuestens Brie, Die Lehre vom Gewohn- 
heitsrecht. I. Teil. Breslau 1899. Römisches Recht, S. 1 — 58. — 
Pernice, Zum römischen Gewohnheitsrechte, Ztschr. der Sav.- Stift. XX 
(1899) S. 126 ff., dazu ein Nachtrag (mit bes. Rücksicht auf Brie). 
Das. XXII (1901) S. 59 ff. — Sturm, Revision der gemeinrecht- 
Uchen Lehre vom Gewohnheitsrecht unter Berücksichtigung des neuen deut- 
schen Reichsrechtes, Leipzig 1900, nimmt gelegentlich auf römisches Recht 
Rücksicht, stellt die römischen Anschauungen aber nicht zusammenhängend dar. 

2) Pomp. D. I. 2, 2, 1 : initio civitatis nostrae populus sine lege certa 
sine iure certo primum agere instituit omniaque manu a regibus gubemabantur. 
Dionys. X, 1 : o^Ttoo yä^ TÖt* ^v oÜt* iaovofiia TCa^ä Pco/tialoig, oÜr* 
iarjyo^la, o'dS* kv y^afpaZs äTtavra rä 8ixcua reTay/tiiva dXXä rd fisv (i^%aXov 
oi /SaoiXelS h^ adrö^v MraTTOv roZs SsofAsvois rag Sixag xcä tö Stxcueo&ev 
iTt* iüslvcov, TOÜTO vöfioe ^v. 

Kipp, Quellen des lOm. Bechts. 2 



— 18 — 

gebung (mit den XII Tafeln) begonnen hatte, eine umfassende 
Tätigkeit zu entfalten, ist der Fluß des Gewohnheitsrechts 
nicht versiegt. Cicero *) wie die klassischen Juristen *) er- 
kennen es als eine dem Gesetz ebenbürtige Rechtsquelle an, 
so daß auch das Gesetz durch Gewohnheitsrecht aufgehoben 
werden kann, da dieses nur ein anderer Ausdruck desselben 
Volkswillens ist, der das Gesetz trägt.*) Verlangt wird für 
die Anerkennung eines Gewohnheitsrechtssatzes in ziemlich un- 
bestimmten Ausdrücken, daß er durch Sitte, Gewohnheit sich 
befestigt hat (mos mores [majorum], consuetvdo [diutuma, 
lovga, inveterata]). 

Die Gewohnheit erscheint als Begründungstatsache für den 
Rechtssatz, nicht als bloßes Erkenntnismittel für die Rechts- 
überzeugung des Volks, die in sich allein im Stande wäre 
den Rechtssatz zu schaffen.*) Natürlich muß es sich dabei um 
eine Rechtssitte, eine Rechtsgewohnheit handeln, d. h. die 
Gepflogenheit muß von dem Gedanken getragen sein, daß es 
sich von Rechts wegen gebühre, so zu handeln.') Im Volke 



3) Cic. de invent. II, 22, 65. 67 : Consuetudinis autem ius esse putatur id 
quod voluntate omnium sine lege vetustas comprobavit. — Cic. top. 5,28. AucU 
ad Herenn. 2, 19 Consuetudine ius est id, quod sine lege aeque ac si legitimuin 
sit, usitatum est. 

*) S. im allgemeinen D. I, 3, 32—40. 

*) So Jul. D. I, 8, 32. Inveterata consuetudo pro lege non immerito 
custoditur et hoc est ius quod dicitur moribus constitutum, nam cum ipsae 
leges nuUa alia ex causa nos teneant quam quod iudicio populi receptae sunt, 
merito et ea quae sine ullo scripto populus probavit tenebunt omnes, nam 
quid interest suffragio populus voluntatem suam declaret an rebus ipsis et factis. 
Quare rectissime etiam illud receptum est, ut leges non solum suffragio legis- 
latoris sed etiam tacito consensu omnium per desuetudinem abrogentur. 
S. auch Hermogen. D. I, 3, 35: velut tacita civium conventio. Gell. II, 
24, 11, XI, 18, 4, XII, 13, 5, XX, 1, 7—10. 22. 23. Pernice XX 
S. 156 ff.. XXII S. 69ff. 74 ff. Brie S. 16 ff. Pernice sieht die Ansicht 
Julians, daß das Gewohnheitsrecht ein Gesetz abschaffen könne, als eine doktri- 
näre an und erklärt sich grundsätzlich gegen die „derogatorische Kraft" des 
Gewohnheitsrechtes, räumt ihr aber doch schliesslich viel ein. M. E. ist sie 
prinzipiell zu bejahen. So auch Brie S. 37 ff. 

•) Vgl. neuestens Brie S. 12 ff. Pernice XXII S. 69. Die entgegen- 
gesetzte Ansicht von der Stellung der Gewohnheit hatten Savigny und Puchta. 

') Daß die Gewohnheit darum doch etwas Tatsächliches ist (Pernice 
XXII S. 22. 60 ff. ist allerdings vollkommen richtig, und ebenso unzweifelhaft, 



— 19 — 

geht die Ansicht von dem, was Recht ist, und von dem, was 
Recht sein sollte, beständig durcheinander. Die Handlungen 
und Unterlassungen, deren ständige Wiederholung den Rechts- 
satz schafft, gehen von dem Gedanken aus, daß er schon be- 
stände.^) Insofern ruht jedes Gewohnheitsrecht auf einem 
Irrtum. Die Frage, •) inwieweit es der Entstehung eines Ge- 
"wohnheitsrechtssatzes hinderlich sei, wenn die Rechtsgewohn- 
heit auf Irrtum beruhe, setzt den Fall, daß die Rechtsgewohn- 
heit von einer bestimmten irrigen Vorstellung über tatsäch- 
liche Verhältnisse getragen ist oder auf einer irrigen Aus- 
legung eines bestimmten Rechtssatzes beruht, dessen (schein- 
barem) Zwange man sich fügt, ohne daß die innere Überzeu- 
gung damit übereinstimmt. Auch in solchen Fällen ist aber 
die rechtsbildende Kraft der Gewohnheit nicht zu leugnen. 
Die Aufklärung des Irrtums kann nur zu einer Rückbil- 
dung oder Umbildung fuhren, wenn sie ihrerseits die prak- 
tische Ausübung für sich gewinnt. Ein Satz des Celsus,^^) 
den man wohl für die Unverbindlichkeit der auf Irrtum be- 
ruhenden Gewohnheit anfuhrt, erkennt in Wahrheit den Rechts- 
charakter eines Satzes, der auf einem in der Gewohnheit ein- 
gewurzelten Irrtum beruht, an, und spricht sich nur gegen 
analoge Ausdehnung so entstandener Sätze aus.^^) 

II. Konstante Praxis der Gerichte wird der außergericht- 
lichen Rechtsgewohnheit selbständig zur Seite gestellt (cou'- 
suetudo aut rerum perpetuo similiter iudicatarum auctoritasj-^^^) 
aber auch bei erweislicher außergerichtlicher Gewohnheit wird 



dafi die Rechtsgewohnheit and diejenige, welche nur eine anßerrechtliche 
Sitte schafft, vielfach tatsächlich nicht scharf auseinandergehalten werden können. 
Pernice XX, S. 127 f. 

«) Pernice XXII S. 70. 

») Vgl. Windscheid-Kipp, Fand. I § 16 Note 3. 

^^) D. I, 3, 39: Quod non ratione introdactnm sed errore primnm, deinde 
consuetudine obtentum est, in aliis similibus non obtinet. 

") So auch Dernburg, Fand, I §*27*, Rcgclsbcrgcr, Fand. I §20' 
Pernice XXII S. 81, der aber zweifelt, ob Celsns überhaupt von einem Rechts» 
satz spricht und nicht vielmehr von einem obrigkeitlichen Dekret, auf das sich 
eine Gewohnheit aufbaute oder von etwas Ähnlichem. Brie S. 30, nach ver- 
hältnismässig größter Wahrscheinlichkeit. 

^) Callistr. D. I, 3, 38. 

2* 



— 20 — 

besonderes Gewicht darauf gelegt, daß sie in einem 
Streitfalle durch gerichtliches Urteil Bestätigung ge- 
funden hat.^*) Tatsächlich steht die Rechtsgewohnheit des 
Volkes mit der gerichtlichen Praxis in inniger Wechselw^ir- 
kung, ebenso wie beide von den Lehrmeinungen der Juristen 
beeinflußt werden und ihrerseits jene beeinflussen. Auch das 
prätorische Edikt entnimmt seine Erwägungen der Praxis des 
Verkehrs und der Gerichte wie der Lehre der Juristen und 
wirkt seinerseits auf alle jene zurück. In den Zeiten des ent- 
wickelten römischen Rechts tritt die selbständige Rechtsbil- 
dung durch die Volksgewohnheit in den Hintergrund; die 
Gewohnheit wirkt mehr indirekt durch ihren Einfluß auf 
Praxis, Lehrmeinungen und Edikte.**) 

III. Einer besonderen Betrachtung bedarf die Frage, wie 
die römischen Gesetzgeber sich zum Gewohnheitsrecht gestellt 
haben. Davon, daß das Gewohnheitsrecht nur auf Grund 
einer Zulassung durch den Gesetzgeber sich bilden könnte, 
findet sich bei den Römern nichts. Wohl aber haben die 
Kaiser das Recht für sich in Anspruch genommen, eine be- 
stehende Rechtsgewohnheit anzuerkennen oder ihr die Aner- 
kennung zu versagen. Die freie Stellung, welche die Kaiser 
in ihren Erlassen allem bestehenden Recht gegenüber ein- 
nehmen, das beständige Hinübergreifen ihrer Verfügungen in 
das gesetzgeberische Gebiet, läßt von vornherein nichts anderes 
erwarten, als daß sie bestehende Rechtsgewohnheiten bei- 



**) Primum quidem illud explorandum arbitror, an etiam contradicto 
aliqaando iudicio consnetudo finnata sit. (Ulp. D. I, 3, 34.) Der Sinn dieser 
Stelle wird jedenfalls durch den obigen Text getroffen. Zweifelhaft mag sein, 
ob man (wie die vorige Auflage) geradezu übersetzen darf, in einem kontra- 
diktorischen Urteil, d. h. in einem Urteil, das nach zweiseitiger Streitverhand- 
lung gefällt wird (Gegensatz: Versäumnisurteil). Contradictum iudicium wäre 
freilich äjtaS Xeyöfievov. (Kubier im Vocabularium iurisprudentiae 
Romanae s. h. v.) Mommsen h. 1. (gröfiere Ausgabe) hält contradicto auf- 
recht; aber er nimmt es adverbial. Das führt sachlich zum gleichen Er- 
gebnisse. Eine schon von Heineccius in Brissonius Wörterbuch vertretene 
Konjektur will contradicta lesen, aber contradicta consuetudo ist auch ein 
sehr anfechtbares Latein. 

1*) Dies ist der Grundgedanke der Ausfiihrungen von Pernice. (Vgl. 
XX S. 128) S. auch Brie S. 3fr. 52fr. 



J 



— 21 — 

Seite schieben, die sie dem Inhalt nach nicht billigen. Dies 
tat schon Trajan, indem er eine Bestimmung der Provinzialord- 
nung des Pompejus für Bithynien gegenüber einer entgegen- 
stehenden Gewohnheit wiederherstellte, ohne doch prinzipiell 
auszusprechen, daß die Gewohnheit gegen ein Gesetz nicht auf- 
komme. ^^) Der allgemeine Ausspruch, daß die Rechtsgewohnheit 
das Gesetz nicht besiegen könne, gepaart mit dem anderen, 
daß sie auch wider die Vernunft nicht aufkomme, liegt uns 
vor in einem Erlaß Constantins.^*) Allein ganz allgemein das 
bestehende Gewohnheitsrecht insoweit zu kassieren, als es 
irgend welchen gesetzlichen Bestimmungen zuwiderliefe, 
hätte einen ganz sinnlosen und zudem völlig aussichtslosen 
Versuch bedeutet, die römische Rechtsgeschichte um Jahr- 
hunderte zurückzuschrauben. Noch Justinian, der jenen Erlaß 
Constantins in seinem Codex (§§ 27, 29) aufnahm, hat, während 
er seinem Zinsgesetz gegenüber die Berücksichtigung ab- 
Aveichender Gewohnheiten verbietet, ^") nichts dagegen einzu- 



lö) Plin. ad Traj. 114. 115. Trajan wurde von dem jüngeren Plinius, als 
dem Statthalter von Bithynien, um Entscheidung angegangen in folgendem 
Falle: die Provinzialordnung des Pompejus (lex Pompeja) hatte bestimmt, daß 
den bithynischen Städten freie Verleihung ihres Bürgerrechts zustehen sollte, nur 
sollten nicht Bürger einer bithynischen Stadt zugleich Bürger einer anderen 
werden. Das war durch Gewohnheit außer Übung gekommen und sogar in 
sehr vielen Fällen Bürger, die dem zuwider aufgenommen waren, Buleuten 
geworden. Plinius zweifelte, ob sie aus den Stadtsenaten zu entfernen seien. 
Der Kaiser erkennt den Zweifel als berechtigt an: Merito haesisti . . . nam et 
legis auctoritas et longa consuetudo usurpata contra legem in diversum movere 
te potuit. Er entscheidet, daß das bisher Geschehene nicht umzustossen, in 
Zukunft aber die lex Pompeja zu beachten sei. Offenbar ist er dabei von dem 
Gedanken geleitet, daß die Wiedereinführung der Beobachtung der lex Pompeja 
sich aus sachlichen Gründen empfehle; denn im entgegengesetzten Falle hätte 
er unzweifelhaft nicht aus Respekt vor einem alten Gesetz (nicht einmal einem 
Volksgesetz, sondern einer einseitigen Verfügung des Pompejus) die entgegen- 
stehende Gewohnheit verworfen. Ich stimme also mit Brie S. 41 nicht überein, 
der die Entscheidung des Kaisers darauf gründet, daß das vom Vertreter des 
römischen Volkes (Pompejus) den Unterworfenen gegebene Gesetz sie absolut 
bindet. 

i«) Constantin C. J. VIII, 52 (53), 2: Consuetudinis ususque longaevi 
non vilis auctoritas est, verum non usque adeo sui valitura momento, ut aut 
rationem vincat aut legem. 

17) C. J. IV, 32, 26, 3. 



— 22 — 

wenden, daß ältere Gesetze, deren Inhalt er nicht ^eder 
herbeiwünscht, durch Gewohnheit aufgehoben sind.^®) 
Jener Ausspruch Constantins wird die Begründung dafür ab- 
gegeben haben, daß der Kaiser eine bestimmte Rechtsge- 
wohnheit wegen Widerspruchs mit einem Gesetze, dessen In- 
halt er aufrecht erhalten wissen wollte, oder wegen sonstigen ^ 
Widerspruchs mit seiner eigenen Einsicht verwarf. Ob Con- 
stantin den Satz bereits in der Form ausgesprochen hat, die 
er im justinianischen Recht angenommen hat, eine Form, aus 
der der Richter auch für sich das Recht ableiten konnte, einer 
Rechtsgewohnheit wegen Widerspruchs mit einem Gesetz oder 
seiner, des Richters, Anschauung vom Vernünftigen die Aner- 
kennung zu versagen, bleibt zweifelhaft, ist aber keineswegs 
unmöglich. Denn auch Julian hat Ähnliches verordnet. Er 
bestimmte,^®) daß Gewohnheiten zu beachten seien, cum nihil 
per causam publicam intervenii und daraus macht die schulmäßige 
intcrpreiatio, die im westgotischen Römergesetzbuch vorliegt 
(unt. § 25), daß eine Gewohnheit wie ein Gesetz gilt, wenn sie 
nicht dem öffentlichen Wohl zuwiderläuft,^^) worüber doch 
wohl derjenige zu erkennen das Recht haben soll, vor dessen 
Gericht man sich auf die Gewohnheit beruft. Daß damit 
eine gewisse Unsicherheit des Rechtszustandes gegeben ist, 
ist nicht zu verkennen : die Gewohnheit unterliegt der be- 
ständigen Prüfung ihrer Verbindlichkeit aus beständiger Nach- 
prüfung ihres Werts. Aber schließlich ist das von dem Ver- 
fahren der juristischen Klassiker dem geltenden Recht gegenüber 
(§ 2 ^^) doch nicht wesentlich verschieden. Keineswegs kann 
man den Erlaß Constantins in seinem oder im Sinne Justinians 
dadurch erklären, daß man annimmt, er habe sich nur auf sog. 
partikuläre, nicht auf gemeine Gewohnheiten des ganzen Reiches 
bezogen. Wenn es auch richtig ist, daß bei der Größe des 
Reiches einheitliche positive Rechtsgewohnheiten nicht leicht 
vorkommen konnten, so kam doch in negativer Richtung, 
nämlich in der Nichtbefolgung älterer Gesetze (desuetudo) ein- 

18) C. J. VI, 51, 1, 1. Nov. 89 c. 16 pr. 

19) C. Th. V, 12, 1. 

20) Interpr. ad c. Th. V, 12, 1 : Longa consuetudo quae utilitatibus 
publicis non impedit, pro lege servabitur. 



— 23 — 

heitliches ständig^es Verhalten im ganzen Reiche vor,*^) und 
es ist nicht anzunehmen, daß die Denkweise des Kaisers 
über solche negative Gewohnheiten eine andere war, als über 
positive. Auf den Fall einer noch nicht völlig gefestigten 
Gewohnheit bezieht sich die Vorschrift von Leo und Zeno, 
daß, wenn Streit entsteht über ein n&vum ius quod inveterato 
usu non adhuc stabilitutn est, kaiserliche Entscheidung eingeholt 
werden soll.**) 



21) Brie S. 6 Note 18. S. 44. 
23) C. J. I, 14, 11. 



Drittes Kapitel. 

Recht setzende Staatsakte. 

§ 5. 
I. Angebliche Rechtsaufzeichnungen der Königszeit. i) 

I. Die spätere Zeit kannte als leges regiae eine Reihe 
von Satzungen sakralen Inhalts oder doch über Rechtsverhält- 
nisse, welche mit dem Sakralwesen zusammenhängen und unter 
sakralem Schutze stehen. Es gab ein Werk de ritu sacrorutn^ 
gewöhnlich nach seinem angeblichen Urheber ius Papirianum 
genannt,^) in welchem solche leges regiae gesammelt waren. 
Dazu schrieb ein Granius Flaccus*) einen Kommentar. Die 
Berichte, welche das Werk selbst zum Teil bis in die Königs- 
zeit zurückfuhren, sind widerspruchsvoll und unglaubhaft. Streng 
genommen läßt sich die Existenz des Buches nicht einmal für 
die letzten Zeiten der Republik mit Sicherheit behaupten.^) 

1) M. Voigt, die leges regiae, Leipzig 1876. Mommsen, Staatsr. II, 
S. 41 fF. Kariowa S. 105 ff. Jörs, Gesch. d. röm. Rechtswissenschaft I S. 59ff. 
Krüger S. 3 ff. Zusammenstellung der quellenmäfiigen Nachrichten gibt 
Bruns, fontes I p. 1 sqq. 

2) Daß dies der Titel war, bezeugt Serv. in Aeneid. 12, 836. 

3) Macrob. Saturn. III, 11, 5. — Serv. 1. c. bringt als landläufigen Aus- 
druck lex Papiria. 

^) Granius Flaccus in libro de iure Papiriano scribit (Paul. D. 50, 16, 144), 
ß) Nach Dion. 3, 36 hätte Ancus Marcius die sacrorum commentarii, 
welche Numa Pompilius verfaßt hatte, sich von den Pontifices geben lassen 
und ' auf Tafeln auf dem Forum aufgestellt. Vor Alter seien sie verwischt, 
aber nach Vertreibung der Könige von dem (ersten) Pontifex Maximus G. Pa- 
pirius wieder hergestellt. Pomponius (D. I, 2, 2) behauptet im § 20, daß noch 
zu seiner Zeit ein Buch vorhanden war, welches alle leges regiae enthielt und 
von Sex. Papirius, einem hervorragenden Manne aus der Zeit des Tarquinius 



— 25 — 

Inhaltlich aber werden viele der leges regiae in der Tat aus 
der Königszeit stammen, fraglich jedoch, aus welcher Rechts- 
quelle.*) 

Sagenhaft') ist auch der Bericht des Dionysius von Hali- 
camaß über die Gesetzgebung des Servius TuUius, der ins- 
besondere das Institut der Zivilgeschworenen eingeführt, auch 
ungefähr 50 Curiengesetze über Verträge und Delikte durch- 
gebracht haben soll, von denen die auf Verträge bezüglichen 
durch Tarquinius Superbus aufgehoben, durch die ersten Kon- 
suln wiederhergestellt wären. 

IL Die spätere Sitte der Magistrate, Aufzeichnungen über 
ihre Amtshändlungen zu machen (commentarii magistratmim)^ 
mag schon von den Königen beobachtet sein; auch werden 
commentarii regutn öfter erwähnt.*) Diese Erwähnungen 



Superbus herrührte ; in § 36 nennt er als denjenigen, der leges regias in unum 
contulit, einen P.' Papirius, ohne genauere Zeitangabe, aber jedenfalls so, daß 
er älter sein müßte, als die Verfasser der XII Tafeln. Hirsch feld, Sitzungs- 
bericht d. Berliner Akad. Philos.-hist. Kl. 1903 I, S. 3 ff. nimmt an, daß es 
sich hier um Geschichtsfalschungen zu Ehren des Geschlechts der Papirier 
handelt, was sehr wahrscheinlich ist. Hirschfeld folgert aus dem Schweigen 
Ciceros in einer Stelle, in der er den Patrizierstand der Papirier nachweisen 
will (ad fam. IX, 21), daß zu seiner Zeit (und zwar wahrscheinlich noch im 
Jahre 46 v. Chr.) den gelehrten Kreisen Roms weder jene Papirier noch die 
einem von ihnen zugeschriebene Sammlung der Königsgesetze bekannt gewesen 
sein können. Sicher ist dieser Schluß wohl nur in Bezug auf die Verbindung 
der Sammlung mit dem Namen eines Papirius. Aber einen positiven Beleg 
für die Existenz der Sammlung in der letzten Zeit der Republik gibt es aller- 
dings nicht. Der Kommentator derselben, Granius Flaccus muß nicht not- 
wendig derselbe gewesen sein, der dem Cäsar ein Buch de indigitamentis 
(Gebetsformeln) widmete (Hirsch feld a. a. O. S. Uff.), obwohl nicht nur 
die Namensgleichheit, sondern auch der verwandte Inhalt der fraglichen beiden 
Bücher dafür spricht. Ja, es steht nicht einmal fest, daß der Cäsar, welchem das 
Buch de indigitamentis gewidmet war, der Diktator ist. Nach Serv. 1. c. 
(Note 2) hat aber wenigstens Vergil das Werk de ritu sacrorum gekannt. Älter 
als das ius Papirianum sind jedenfalls die «monumenta« des M' Manilius 
(§ 161, 2), welche, wie Hirschfeld a. a. O. S. 2 ff. nachweist, angebliche Gesetze 
Numas enthielten, wenn auch nicht nur solche. 

•) Edikte des Königs als des Oberpriesters? Uraltes priesterliches Ge- 
wohnheitsrecht ? 

7; S. auch Lenel, Holtzend. Encyklop. S. 89. 

8j Dion. IV, 13.25.43. V, 2. 



— 26 — 

können aber, selbst wenn jene Dokumente wirklich einmal 
existiert haben, nur auf mittelbarer und unsicherer Kunde von 
ihnen beruhen. 



2. Die Volksgesetzgebung. (Leg es latae.) 

§ 6- 

Allgemeine Lehren vom Volksgesetz. 

I. Lex^) in dem hierhergehörigen Sinne des Worts ist der 
eine Rechtsvorschrift aufstellende Beschluß der Volksgemeinde, 
welcher auf Antrag eines Magistrats ergeht (lex rogata^ lata). 
Dies ist der verfassungsmäßige Weg zur Aufstellung dauernder 
Rechtsvorschriften in der römischen Republik. Über die Ge- 
setzgebungskompetenz der einzelnen Arten von Volksversamm- 
lungen bemerken wir nur kurz Folgendes. 

1. Die ursprünglich alleinstehenden Curiatcomitien haben 
in historischer Zeit nur noch die Beschlußfassung über das 
Imperium der meisten Magistrate (lex curiata de imperio) und 
über gewisse spezielle Angelegenheiten, deren Erledigung eines 
Gesetzgebungsaktes bedarf Solange nämlich das Testament 

? als eine Dispensation von dem gesetzlichen Erbrecht durch 
Spezialgesetz behandelt wurde, ist dieses Gesetz in Curiat- 
comitien ergangen.^) Desgleichen unterlag die Arrogation, die 
Annahme eines bisher keiner väterlichen Gewalt Unterliegen- 
den an Kindesstatt, der Beschlußfassung der Curiatcomitien.*) 

2. Die allgemeine Gesetzgebung liegt in historischer Zeit 



1) S. dazu Pernice Zeitschr. der Sav.-Stift. XXII S. 64 ff. 

2) Gai. II, 101. Gell. XV, 27, 1—3. Es ist freilich bestritten, ob das 
testamentum in calatis comitiis einen Gesetzgebungsakt darstellt und nicht 
vielmehr die Volksgemeinde bei diesem Testament nur Zeugschaft leistet. Für 
die im Text vertretene Ansicht : Mommsen, röm. Staatsrecht III, 1, S. 3 19 f. 
Ihering, Geist des r. R. I zu Wbff. Pernice, (wenigstens für die ur- 
sprüngliche Zeit) Festg. f. Gneist, Berlin 1888 S. 129. Girard p. 793 suiv. 
A. M. Kariowa II S. 848 ff. 

3) Gai. I, 98 sqq. Gell. V, 19, 1—6. 



— 27 — 

zuerst bei den Centuriatcomitien, mit denen aber die beiden 
folgenden Versammlungen in Konkurrenz treten. 

3. Seit wann Tributcomitien, d. h. nach Tribus geordnete 
patrizisch-plebejische Versammlungen zur Gesetzgebung ver- 
w^andt sind, ist nicht genau zu sagen. Livius bringt ein Bei- 
spiel von 357 V. Chr>) 

4. Beschlüsse der nach Tribus geordneten Plebejerver- 
sammlung (concilium plebis) haben für das Gesamtvolk ver- 
bindliche Kraft seit der lex Hortensia zwischen 289 und 286 
v. Chr. Vielleicht hatten sie schon vorher gleiche Kraft unter 
der Bedingung, daß der Senat sie genehmigt hatte, und hat 
die lex Hortensia die Bedeutung, diese Bedingung beseitigt 
zu haben.*) 

II. Lex heißt im strengen Sprachgebrauch nur das vom 
Gesamtvolk beschlossene Gesetz. Der Beschluss des concilium 



4) Liv. VII, 16. Mommsen, Staatsr. III, 1 S. 322 f. nimmt an, daß 
die Tributcomitien schon vor den XII Tafeln geschaffen sind. Der comitiatus 
maximus der XII Tafeln (Bruns IV, 1. 2) fordere als Gegensatz leichtere 
Comitien, diese könnten nur die Tributcomitien sein. Das ist höchst wahr- 
scheinlich zutreffend. Ein Gesetz dieser Art ist die lex Quinctia de aquae- 
ductibus vom Jahre 9 v. Chr. Frontin de aqu. urb. Romae c. 129. (Bruns 
I p. 115 sqq.) • 

&) Es soll nach den Quellen dreimal festgesetzt sein, daß die Plebiszite 
Gesetzeskraft für alle Quiriten haben sollten; zuerst durch eine der Icges Va- 
leriae Horatiae von 449 v. Chr. (Liv. III, 55, 3), dann durch eine der leges Publiliae 
Philonis von 339 v. Chr. (Liv. VIII, 12, 14), endlich durch die lex Hortensia 
zwischen 289 und 286 v. Chr. (Gai. 1, 3. Gell. XV, 27, 4). Ist es nun schon 
dunkel, wie diese dreimalige Festsetzung sich erklären soll, (vielleicht muß 
man den Glauben daran ganz aufgeben und annehmen, daß in Wahrheit nur die 
lex Hortensia sich mit der Angelegenheit beschäftigte [Er man Zeitschr. d. Sav.-S. 
XXIII S. 455 f.]), so verwirrt sich die Sache dadurch noch mehr, daß schon 
vor der allerersten jener Bestimmungen von Plebisziten mit Gesetzeskraft die 
Rede ist ; so bei Livius schon in den Kämpfen, die der Abfassung der XII Tafeln 
vorangingen, obwohl er in diesem Punkte sich nicht treu bleibt, (s. § 7 Anm. 1). 
Da nun in der Überlieferung hervortritt, daß die Tribüne in der älteren 
Zeit, um ein Plebiszit einbringen zu können, oft erst lan^ Kämpfe zu be- 
stehen hatten, so schließt Mommsen, Staatsr. HI, 1 S. 156 ff., daß der Wille 
der Tribunen allein hierzu nicht genügte, sondern eine andere Instanz zuzu- 
stimmen hatte, die er in dem Senat findet. Dafür noch unterstützende Mo- 
mente S. 158. Sicherheit aber besteht natürlich nicht. Daß die völlige Gleich- 
stellung der Plebiszite mit den leges erst auf der lex Hortensia beruht, sieht 
auch Lenel Holtz. Enc. S. 104 Anm. 3 als sicher an. 



— 28 — 

plebis heißt technisch plebiscitum-^^ im weiteren Sinne wird 
aber lex auch für dieses gebraucht. In der vorsichtigen Sprache 
der späteren Gesetze wird oft ,l€x sive id plebiscitum est zur 
Bezeichnung eines Gesetzes verwandt, um anzudeuten, daß das- 
selbe -möglicherweise lex^ möglicherweise Plebiszit, der Unter- 
schied aber gleichgültig sei.') Nach dem Amtscharakter des 
beantragenden Magistrats scheiden sich leges consulares, prae- 
toriae^ tribuniciae; das einzelne Gesetz wird in adjektivischer 
Form mit dem Namen des Antragstellers bezeichnet, die kon- 
sularischen regelmässig mit denen beider Konsuln. 

III. Die rechtswirksame Publikation des Gesetzes besteht 
in der Renuntiation, der förmlichen Verkündigung des Ab- 
stimmungsergebnisses. Die Urkunde des Gesetzes wird im 
Archiv (im Aerarium) aufbewahrt, welches unter Leitung der 
Quaestoren stand (bis a. 1 1 v. Chr. unter Teilnahme der 
Ädilen); nach einer le^ Licinia Junta vom Jahre 62 v. Chr. 
sollte schon bei der Promulgation, der ersten Ankündigung 
des Vorschlags durch Edikt des Antragstellers,*^) der Antrag 
im Aerar deponiert werden,®) damit die verbotene Abänderung 
des Vorschlags nach der Promulgation kontrolliert werden 
konnte. Die wichtigeren Gesetze wurden öffentlich, zuerst 
auf Holz, später auf Bronze aufgestellt. ^°) 

IV. Zu unterscheiden ist die Hauptvorschrift des Gesetzes 
von der sanctio (Befestigung), der Bestimmung über die Folgen 
der Übertretung der Hauptvorschrift. Ein Gesetz, welches 
Rechtshandlungen verbietet, ist lex minus quam perfecta, wenn 
die sanctio zuwiderlaufende Rechtshandlungen mit Nachteilen 
bedroht, ohne sie für nichtig zu erklären. ^^) Sind dem Über- 
treter nicht einmal Nachteile angedroht, so liegt lex imperfecta 



6) Gai. I, 3. Gell. XV, 27, 4. 

7) Lex Lat. tab. Bantin 7. 15, lex Rubr. c. 20. 

8) Fest. s. V. promulgari: Promulgari leges dicuntur cum primum in 
vulgus eduntur. 

9) Schol. Bobiensia ad Cic. pro Sestio 64, 6 (Orelli-Baiter). 

i<*) Die Formen der Gesetzesurkunde zeigt die lex Quinctia de aquae- 
ductibus. (Bruns I p. 115 sqq.) 

*^) Ulp. init. 2. Minus quam perfecta lex est quae vetat aliquid fieri 
et si factum sit, non rescindit, sed poenam ioiuogit ei qui contra legem fecit. 



— 29 — 

vor.**) Lex perfecta ist danach diejenige, welche übertretende 
Rechtshandlungen für nichtig erklärt.^') Sanctio heißt auch 
die oft eingefugte Klausel, daß wegen Befolgung dieses 
Gesetzes aus anderen niemand sollte zur Verantwortung ge- 
zogen werden können.^*) Auch sie befestigt das Gesetz! Sie 
zeigt die juristische Vorsicht der Römer; denn^eigentlich ist 
sie, da schon nach dem Zwölftafelgesetze von zwei wider- 
sprechenden Volksschlüssen der jüngere gilt,^*) überflüssig. 
Oft finden sich Selbstbeschränkungen des Gesetzes, besonders 
eine Klausel, durch welche das Gesetz erklärt, beschworene 
ältere Satzungen nicht berühren und sonst nicht gegen etwa 
seiner Kompetenz entzogenes Recht verstoßen zu wollen. 
Hierfür hat Valerius Probus*') eine ständige Abkürzungsformel, 
die er auflöst: si quid sacrosanctum est, quodve ius non sit 
rogatier, eins hac lege nihilum rogatury^ 



, § 7. 
Die XII Tafeln. 

I. In der Mitte des fünften Jahrhunderts v. Chr. hat das 
römische Volk sein Recht in einer umfassenden Gesetz- 



es) Macrob. ad somn. Scip. 11,17,13: inter leges .... illa imperfecta 
dicitur in qua nulla deviantibus poena sancitur. 

18) Ein Beleg fehlt zufällig. Wahrscheinlich stand die Sache in dem 
fehlenden Anfangsstück Ulpians. Daß Gesetze, welche nicht Rechts hand- 
lungen verbieten, niemals mit Nichtigkeit drohen können, ist selbstverständlich. 

1^) Cic. ad Attic. III-, 23, 2 caput .... tralaticium de impunitate si quid 
contra alias leges eins legis ergo factum sit. Die lex de imperio Vespasiani 
(unter § 8) hat unter der Überschrift sanctio nichts als eine Vorschrift dieser 
Art (Bruns I p. 193). 

Iß) Liv. VII, 17, ut quodcumque postremum populus iussisset id ius ratum- 
que esset. 

1«) Prob. 3, 

17) Cic. pr. Caec. 38, 95 sagt, dafi in allen Gesetzen stehe: si quid ius 
non esset rogarier eius ea lege nihilum rogatum. Vgl. auch de dom. 40, 106. 
Nach Ciceros Ansicht scheint hauptsächlich mit jener Klausel der Gnmdsatz 
der Wahrung wohlerworbener Privatrechte ausgedrückt worden zu sein. Daß 
keine sanctio ein Gesetz gegen Abschaffung schützen kann, darüber treffend 
Cic. ad Attic. III, 23, 2. 



— 30 — 

gebung niedergelegt, dem Zwölftafelgesetz. Die Geschichte 
dieser Gesetzgebung erzählt die Überlieferung in einer von 
Widersprüchen stark durchsetzten Weise. ^) Die Haupt- 



1) In der Darstellung des Livius herrscht über die staatsrechtliche Seite 
der Vorgänge vollständige Verwirrung. Zuerst kündigt Terentilius Arsa an, 
daß er ein Gesetz promulgieren würde: ut quinqueviri creentur legibus de 
imperio consulari scribundis (III, 9, 5). Das damit angekündigte Gesetz konnte 
nur ein Plebiszit sein; denn ein Comitialgesetz haben die Tribunen nie 
einbringen können. Später aber ist doch von Comitien über das Gesetz die 
Rede (III, 24, 7) oder, was dem gleichsteht, vom ferre ad populum (nicht 
plebem) (III, 29, 8, vgl. auch schon III, 9, 15 [quod populus in se ins dederit]). 
Die Einbringung des Gesetzes durch die Tribunen vereitelten nach Livius die 
Patrizier zuerst mit allerlei Künsten (artibus lex elusa (III, 14, 6), dann läfit 
I .ivius ein Senatusconsult ergehen, das den Tribunen die Einbringung des Gesetzes 
für das laufende Jahr verbietet (III, 21, 2, vgl. 29, 8), offenbar in der An- 
nahme, daö dieses Verbot ausreichte, um die Einbringung auszuschliefien. 
Plötzlich kommen die Konsuln des Jahres 455 als mit einem ganz neuen Ein- 
wände mit dem Satze : plebem et tribunos legem ferre non posse (III, 31, 6). Sie be- 
streiten also die Möglichkeit eines Plebiszits, die das Frühere doch wenigstens unter 
Voraussetzung der Zustimmung des Senats anerkennt. Ihr Einwand soll die Tri- 
bunen zu grösserem Entgegenkommen bewogen haben; diese bitten nun die Patrizier 
(oder den Senat), wenn ihnen plebeiae leges mißfielen, so möchten sie ge- 
statten, dafi gemeinschaftlich legum latores sowohl aus den Patriziern wie den 
Plebejern gewählt würden, qui utrisque utilia ferrent quaeque aequandae libertatis 
essent (31, 7). Diese Schwenkung ist wieder ganz unklar. Die Konsuln be- 
streiten, daß die Gesetzgebungskomlnission durch Plebiszit berufen werden 
kann, die Tribunen antworten damit, daß die Zusammensetzung der Kommission 
und der Inhalt der von ihr abzufassenden Gesetze anders werden soll. Aber 
worin besteht diese Änderung? War denn zuvor das Verlangen der Plebejer 
so weit gegangen, daß ausschließlich Plebejer eine Kommission zur Abfassung 
von Gesetzen über das konsularische Imperium bilden sollten? Davon hat 
Livius zuvor nichts gesagt. Plebeiae leges als eine Sondergesetzgebung fUr 
die Plebejer kann der alte Vorschlag nicht zum Ziel gehabt haben; es kann 
von vornherein nur auf eine auch die Patrizier bindende Gesetzgebung abgesehen 
gewesen sein; denn eine andre hätte den Plebejern gegen die Patrizier nichts ge- 
nützt, hätte auch nicht als leges de imperio consulari bezeichnet werden können. 
Sollte jetzt der Inhalt der abzufassenden Gesetze ein weiterer sein als ursprünglich 
geplant war? Dazu paßt, daß die XII Tafeln in Wahrheit npeit mehr sind, als 
leges de consulari imperio. Aber hieß das lenius cum patribus agere (Liv. III, 
31, 7), wenn jetzt weit mehr verlangt wurde als zuerst? Livius konmit dann 
auf die Gesandtschaft nach Griechenland (III, 31, 8. 32, 1. 32, 6. 7), vgl. den 
Text zu sprechen. Die endliche Bestimmung, daß decemviri gewählt werden 
sollten, bringt Livius mit einem einfachen placet, ohne zu sagen, was für ein 
Rechtsakt diese Bestimmung war (III, 32, 7). Das einzig staatsrechtlich Klare 



— 31 — 

punkte sind folgende. In den Kämpfen der Plebejer 
und der Patrizier war ein wesentlicher Beschwerdepunkt 
der Plebejer, daß die damals noch rein patrizischen Ma- 
gistrate, die bei ihrer Amtsführung wenig an Gesetze ge- 
bunden waren, parteiisch gegen die Plebejer verfuhren. Des- 
halb verlangten die Plebejer unter Führung der Tribunen und 
zwar zuerst des C. Terentilius Arsa, seit dem J. 462 v. Chr. eine 
geschriebene Gesetzgebung. Im Jahre 455 gaben die Patrizier 
die Abfassung von Gesetzen zu, es blieb aber streitig, ob die 
Plebejer daran tätigen Anteil nehmen sollten. Inzwischen 
wurde eine Gesandtschaft nach Griechenland geschickt, um 
die Gesetze Solons, auch andere griechische Rechte kennen 
zu lernen. Nachdem diese Gesandtschaft zurückgekehrt war, 
kam man im Jahre 452 v. Chr. überein, daß Decemvirn ge- 
wählt werden sollten als Gesetzverfasser und zugleich als 
Regierungskollegium mit Ausschluß anderer Magistrate und 
des Volkstribunats. In der Frage, ob Plebejer in dieses 
Amt sollten eintreten können, gab man schließlich den 
Patriziern nach, und für das Jahr 451 v. Chr. wurden 
nur Patrizier zu Decemvirn gewählt. Diese verfaßten 
die Gesetze der ersten zehn Tafeln, die von den Cen- 
turiatcomitien angenommen wurden. Für das Jahr 450 
wurde wiederum ein DecemviralkoUegium gewählt und zwar 
ein patrizisch-plebejisches. Dieses verfaßte die Gesetze 
der beiden letzten Tafeln, wurde aber infolge seiner Über- 
griffe gestürzt, und die beiden letzten Tafeln wurden erst 
nachher auf Antrag der Konsuln des Jahres 449, Valerius 



an der ganzen Erzählung ist, dafi die von den Decemvirn verfaßten Gesetze in 
den Centuriatcomitien angenommen wurden, und auch das sagt Livius deutlich nur 
von den ersten 10 Tafeln (III, 34, 6). Dionysius von Halicarnafi läfit die 
Tribunen von jeher decemviri (nicht erst quinqueviri) verlangen, und zwar 
mittels eines von ihnen an eine Tribusversammlung gebrachten Antrages 
(X, 3). Die Gesandtschaft nach Griechenland kennt er auch (X, 52). Dann 
läfit er ein Senatusconsult ergehen, welches die Wahl der Decemvirn an- 
ordnet (X, 55), die Wahl selbst läßt er in den Centuriatcomitien vor sich 
gehen (X, 66), ebenso die Bestätigung der ersten 10 Tafeln (X, 57). Er läßt 
aber auch die beiden letzten Tafeln, wie es scheint, von den Decemvirn selbst 
anch formell gesetzgeberisch vollendet werden (X, 60). S. noch Pomp. D. I, 
2, 2, 3. 4. 24. 



— 32 — 

und Horatius zum Gesetz erhoben.^) Die Aufstellung der ge- 
samten leges decemvircdes auf Tafeln wird jedenfalls erst auf 
diese Konsuln zurückgeführt.') So sehr aber auch diese Er- 
zählung von Sagen durchwoben sein mag, so stehen doch die 
beiden Tatsachen, daß es Decemviri legibus scHbundis gegeben 
hat, und daß eine von diesen verfaßte Gesetzgebung die 
Grrundlage der gesamten späteren Rechtszustände der Römer 
war, mit aller Sicherheit fest, die sich in geschichtlichen Dingen 
erwarten läßt. Die neuerdings aufgestellte Behauptung, daß 
die XII Tafeln eine Fälschung seien, daß eine spätere private 
Rechtsdarstellung unter dem Namen der XII Tafeln für eine 
Gesetzgebung des römischen Volkes falschlich ausgegeben ist, 
ist eine Ausgeburt übertriebener Zweifelsucht.*) ^^ 



a) Diodor. XII, 26. 

8) Liv. III, 57, i.f. 

4) Pais hat in seiner storia di Roma I, (Torino 1898) bes. p. 566 sq. aus- 
geführt, dafi die XII Tafeln nichts anderes seien als das ius civile Flavianum 
(unt. § 1«), also eine private Rechtsaufzeichnung aus der Zeit um 300 v. Chr., 
die man später für eine Gesetzgebung gehalten habe. Lambert, la tradition 
Romaine sur la succession des formes du testament devant l'histoire compara- 
tive (Paris 1901) sprach sich über Pais ohne abschließendes Urteil mit grofier 
Achtung aus, ging aber dann — Nouvelle Revue historique de droit frangais 
et etranger XXVI (1902) p. 149 suiv. über Pais noch hinaus, indem er die 
XII Tafeln mit dem ius Aelianum (unt. § 14) identifizierte, ihr Alter also 
noch um 100 Jahre herabsetzte. Dies führt Lambert weiter aus in: la 
fonction du droit civil compar^, tome I les conceptions ^troites et unilaterales 
(Paris 1903) p. 407 suiv. 593 suiv. Dagegen sind für die Echtheit der XII 
Tafeln als eines Gesetzgebungswerks aus der Mitte des fünften Jahrhunderts 
V. Chr. eingetreten: Girard, histoire de l'organisation judiciaire des Romains I 
(Paris 1901) pag. 50 n. 2, derselbe Nouvelle Revue historique XXVI (1902) 
p. 881 suiv., Erman in der Zeitschr. der Savigny-Stift. XXIII (1903) 
S. 450 fr., Lenel, Holtzendorffs Encykl. 6. Aufl. (1903) S. 96 Anm. 1. 
Eine Übersicht des Streitstandes bietet Erman a. a. O. Der positive 
Beweis der Echtheit der XII Tafeln läfit sich denen in zwingender 
Art nicht führen, die den Quellen gar nichts glauben wollen. Aber mit Recht 
betont Girard, daß die Sprache der XII Tafeln auch so, wie sie die uns vor- 
liegenden Fragmente zeigen, in die Mitte des fünften Jahrhunderts besser paflt, 
als an das Ende des 4. oder gar des 3. Jahrh. v. Chr. Wir wissen sogar, 
dafi sie ein Wort (lessum) enthielten, das schon Sex. Aelius, der Verfasser des 
ius Aelianum, nicht mehr verstand (Cic. de leg. II, 23, 59). Auch der Inhalt der XII 
Tafeln stimmt, wie Girard ferner mit Recht hervorhebt, nicht zu der Annahme, 
weder von Pais noch von Lambert. Besonders beweisend ist in dieser 



I 



— sa- 
li. Die Gesetzgebung der XII Tafeln war grösstenteils 
Aufzeichnung alten Gewohnheitsrechtes und umfaßte sowohl 
staatsrechtliche, strafrechtliche und prozessuale, wie privat- 
rechtliche Dinge, war aber von der Vollständigkeit moderner 
Gesetzbücher wohl weit entfernt. Daß zur Vorbereitung 
des Werkes Kunde griechischen Rechts eingeholt ist, ein 
Grieche die Decemvirn beraten,^) und griechisches Recht den 
Inhalt der XII Tafeln in der Tat beeinflusst hat,®) ist innerlich 
keineswegs unglaublich, wenn auch die Nachrichten darüber 



Beziehung die blutige Exekutionsordnung und der Satz, daß der Schuldner 
trans Tiberim, d. h. ins Ausland, verkauft werden konnte (tab. III, 5. 6 
[Bruns], Gell. XX, 1, 47: trans Tiberim peregre venum ibant), während schon um 
300 der Tiber nicht mehr Grenzflufi war. Ferner stützt sich Girard mit Recht 
darauf, daß sich die Überlieferung von den XII Tafeln als einer Gesetzgebung 
soweit zurückverfolgen läßt, als das nach Lage der geschichtlichen Quellen 
überhaupt erwartet werden kann. Es ist durchaus unglaubwürdig, daß eine 
private Rechtsdarstellung, verfaßt um 200 v. Chr., zu einer Zeit, als die römische 
Jurisprudenz bereits im starken Aufblühen begriffen war, durch Irrtum oder 
Betrug zu dem dauernden Ansehen einer Gesetzgebung hätte gelangen können, 
noch unglaublicher, daß sie in der Vorstellung der Späteren nicht etwa zu einer 
Gesetzgebung geworden, sondern vielmehr den Glauben an eine hinter ihr 
stehende Gesetzgebung erzeugt hätte (denn die Römer hielten die XII Tafeln 
und das Werk des Sex. Älius doch auseinander). Geht man um 100 Jahre weiter 
zurück auf das ius Flavianum, so wird derartiges um einen Schatten weniger 
unmöglich, aber noch keineswegs plausibel. Die gewaltige innere Entwickelung, 
welche das römische Privatrecht und der Prozess von den XII Tafeln bis zum Ende 
der Republik durchgemacht haben, erscheint, wenn man den zeitlichen Ab- 
stand um 250 Jahre verkürzt (Lambert), ganz unmöglich, wenn man ihm 150 
Jahre nimmt (Pais), immer noch schwer begreiflich. Verlangt man bei den 
Römern eine Parallele zu den sonst häufigen Erscheinimgen, daß alte 
Aufzeichnungen vom Gewohnheitsrecht für noch ältere Gesetzgebungen aus- 
gegeben werden, so mag man sich mit den leges regiae begnügen. Und end- 
lich: wenn einmal im Interesse des erhöhten Ansehens das Zwölftafelrecht 
künstlich zurückdatiert worden wäre, so ist sehr unwahrscheinlich, daß man 
damit so bescheiden gewesen wäre. Man würde es dann unzweifelhaft in die 
Königszeit versetzt haben. Der äußere Vorgang der Schöpfung der XII Tafeln, 
so unklar er im einzelnen überliefert ist, ist doch im Kern vollkommen 
glaubwürdig: die XII Tafeln eine Frucht des gewaltigen Kampfes der beiden 
Stände. 

*) Pomp. D. I, 2, 2, 24: Der Ephesier Hermodorus, exulans in Italia. 

•) Vgl. Gai. ad XII tab. D. X, 1, 13. D. XLVII, 22, 4. Cic. de leg. 
II. 23, 59. 

Kipp, Quellen des lOm. Bechts. O 



— 34 — 

im einzelnen sagenhaft sind, und der Einfluß des griechischen 
Rechts nicht überschätzt werden darf.') Ob die auf 
dem Forum aufgestellten XII Tafeln, von denen die 
Gesetzgebung ihren Namen führt (XII iabulae, lex XII 
tabularum) Bronzetafeln ^) waren, oder ob diese erdichtet 
sind, und man in jener alten Zeit noch Holztafeln nahm, bleibt 
zweifelhaft. Daß die im gallischen Brande zu Grunde ge- 
gangenen Tafeln®) später erneuert wären, ist unwahrscheinlich. ^®) 
Denn in der späteren Zeit war die Gesetzgebung zwar dem 
Inhalt nach vollständig bekannt (bis in Ciceros Zeit lernten sie 
die Knaben in der Schule auswendig), ^^) aber ihre Form wurde im 
Laufe der Zeit mehr und mehr modernisiert, was im Angesicht 
eines authentischen, auf dem Forum zu lesenden Textes nicht 
möglich gewesen wäre. Trotz aller späteren Rechts Veränder- 
ungen sind die XII Tafeln noch spät als die eigentliche Grund- 
lage des römischen Rechts angesehen worden; fons omnis 
publici privatique iuris sagt Livius mit Bezug auf die ersten 
lO Tafeln, und läßt das Volk reden, wenn noch die beiden 
'letzten hinzugefügt würden, so könne velut corpus omnis Ro- 
mani iuris damit fertiggestellt werden. ^^) Noch im justini- 



') Steinhausen, de legum XII tabularum patria. Greifsw. [1887] und 
Boesch, de duodecim tabularum lege a Graecis petita. Gott. 1893 wollen von 
der Gesandtschaft nach Griechenland nichts wissen. Voigt XII Tafeln I 
S. 15: nur nach Grossgriechenland; auch Lenel, Holtz. Encyklop. S. 97 
will nur zugeben, daß die Decemvirn Kenntnis des griechischen Rechts (aus 
campanischen Griechenstädten) besaßen. Dagegen schenken Kariowa IS. 112 
und Krüger S. 9 der Nachricht von der Gesandtschaft nach Griechenland 
Glauben. Ebenso Costa, storia di dir. Rom. (1901) I p. 11 sg. 

8) Liv. III, 57 i. f. Dion. X, 57. Eboreae bei Pomp. D. I, 2, 2, 4 kann 
aus roboreae, aber auch aus aereae entstanden sein. 

») Liv. VI, 1. 

^®) Man hat dafür wohl angeführt Cyprian. ad Donat. 10: incisae 
sint licet leges XII tabulis et publice aere praefixo iura praescripta sint, inter 
leges ipsas delinquitur, inter iura peccatur. S. gegen die Beweiskraft dieser 
Stelle Krüger S. 10^*^. Für die Wiederaufstellung Girard Nouv. Rev. histo- 
rique 1903 p. 412 Liv. VI, 1 behauptet sie doch nicht deutlich. 

") Cic. de leg. II^ 23, 59: discebamus enim pueri XII ut carmen ne- 
cessarium, quas iam nemo discit. \Li 

12) Liv. III, 34. 



— 35 — 

anischen Recht gelten manche Bestimmungen der Xu Tafeln 
fort. Sie sind von Juristen oft kommentiert (Sex. Aelius [§ i6], 
Labeo [§ 19], Gajus [§ 20]); aber auch andere Schriftsteller 
haben ihnen insbesondere in sprachlichem und antiquarischem 
Interesse Aufmerksamkeit gewidmet. 

in. Auf den in juristischer wie nichtjuristischer Literatur 
zerstreuten Mitteilungen und Anführungen, welch letztere aber 
auch da, wo sie es vorgeben, wohl nirgends wörtlich genau sind, 
beruht unsre Kenntnis zahlreicher Bestimmungen der XII Tafeln. 
Die lapidare Sprache der Citate ist trotz der erwähnten Moder- 
nisierung immer noch altertümlich genug geblieben, um den Leser 
empfinden zu lassen, daß das gewohnte Latein nicht immer aus- 
reicht, sie zu verstehen. Diese Schwierigkeit ist aber keineswegs 
unüberwindlich. Haupteigentümlichkeiten liegen in der mangel- 
haften Bezeichnung der Personen, an die sich das Gesetz wendet, 
oder von denen es redet, und in dem Gebrauch des Imperativs 
fiir nicht gebietende, sondern berechtigende Vorschriften. 

IV. Mit der Ordnung und Ergänzung der Fragmente der 
XII Tafeln hat man sich seit dem 16. Jahrhundert beschäftigt, 
zuerst Aymar du RivatL^^) Wichtiger schon ist die Bear- 
beitung des grossen Jacobtis Gothofredus^^) Der Grund der 
modernen Restitution ist von Dirksen gelegt. 1*) Die Be- 
arbeitung von SchoelP*) hat den Schwerpunkt in verbesserter 
philologischer Kritik. Bruns* fontes^"^) enthalten eine auf 
Dirksen und Scholl beruhende, sie verbessernde Handausgabe. 
— M. Voigt's Werk über die XII Tafeln*») ist bei aller 
seiner Gelehrsamkeit nur mit grosser Vorsicht zu benutzen.**) 



13) Aymanis Rivaliius, civilis historiae iuris s. in XII tabularum leges 
commentariomm libri quinque. 1515. 

**) Jac. Grothofredus, Quatuor fontes iuris civilis. 1653. 

**) Dirksen, Übersicht der bisherigen Versuche zur Kriük und Her- 
stellung des Textes der Zwölflafelfragmente (Leipzig 1824). 

^^) R. Sc ho eil, legis duodedm tabularum reliquiae (Leipzig 1866). 

*') I p. 15 sqq. 

1«) M. Voigt, die XII Tafeln. Leipzig 1883. 

*•) S. auch Girard, textes de droit Romain p. 9 suiv. Über ein in 

russischer Sprache erschienenes Werk von Nikolski, System und Text der 

XII Tafeln (1897), s. v. Tuhr, Kritische Viertel] ahrsschrift XL (1898) 

S. 482 fr. Pergament Zeitschr. d. Sav.-Stift XIX (1898) S. 374 ff. 

3* 



36 — 



§ 8. 
Die Volksgesetzgebung nach den XII Tafeln. 

I. Seit den XII Tafeln sind sehr zahlreiche Volksgesetze, 
darunter auch viele privatrechtlichen Inhalts, ergangen. Noch 
in der ersten Kaiserzeit ist die Comitialgesetzgebung lebhaft 
tätig gewesen; doch nimmt sie schon unter Tiberius und 
Claudius ab und erlischt im Laufe des i. Jahrhunderts ganz. 
Das letzte bekannte Volksgesetz ist eine von Kaiser Nerva 
beantragte lex agraria}) Indessen blieb in der Kaiserzeit dem 
Volke auch später noch ein gesetzgeberischer Akt vorbehalten, 
nämlich die formelle Beschlußfassung über die Kompetenz des 
jeweiligen Kaisers, lex de imperio principisy von Ulpian-) lex 
regia genannt. Der Sache nach handelt es sich dabei aber 
nur um formale Bestätigung eines Senatuskonsults. 

Die jüngeren römischen Gesetze lieben, anders als die 
XII Tafeln, einen verschachtelten, langatmigen Stil. In über- 
grosser Sorgfalt, die Sache ja richtig zu treffen, häufen sie oft 
Ausdrücke (ähnlich modernen englischen Gesetzen), bei denen 
es falsch sein würde, hinter jedem einen von dem des andern 
scharf gesonderten Begriff suchen zu wollen.^) Die Klarheit 
des römischen Rechts ist aus der Arbeit der Juristen, nicht 
aus der Gesetzgebung hervorgegangen. 

IL Unsere Kunde von den leges beruht vorwiegend auf 
Überlieferung in der Literatur. Einzelnes ist inschriftlich er- 
halten. Zu erwähnen sind: 

I. Tabula Bantina, eine bei Bantia (jetzt Banzi) in Lucanien 
a. 1790 gefundene Bronzetafel, auf deren einer Seite ein 
Bruchstück eines oskischen Gesetzes von unsicherem Inhalt 
und Ursprung steht; vielleicht ist es die von Rom den Ban- 
tinern verliehene Stadtordnung. Auf der anderen Seite steht 



1) Callistr. D. XLVII, 21, 3, 1, Pernice, Ztschr.d.Sav.-Stift. XX (1899) 
S, 159 deutet den Zweifel an, ob etwa Callistratus von einem Senatusconsult 
spreche, verwirft dies jedoch selbst. 

2) D. I, 4, 1 pr. 

8) Man lese nur die Lex Quinctia de aquaeductibus. Bruns Ip. 115 sqq. 



— 37 - 

ein Stück der sanctio eines lateinischen und zwar römischen 
Gesetzes aus der Zeit zwischen 133 und 118 v. Chr.*) 

2. Elf Bruchstücke einer Bronzetafel, welche vor 1521 
in Rom waren, von denen aber einige jetzt nur noch in Ab- 
schriften vorhanden sind. Auf der einen Seite steht die lex 
Acuta repetundarum von 133 oder 132 v. Chr., auf der an- 
dern Seite die lex agraria vom Jahre 1 1 1 v. Chr.*) 

3. Eine in Rom im 16. Jahrhundert gefundene Bronze- 
tafel, die achte einer Reihe, auf welcher die lex Cornelia (Sullae) 
de viginti qiuiestoribus von c. 81 v. Chr. verzeichnet war.") 

4. Eine in Rom im 16. Jahrhundert gefundene Bronze- 
tafel enthält ein bedeutendes Anfangsstück der lex Antonia 
de Termessibus, vom Jahre 71 v. Chr., eines Plebiszits, durch 
welches die Angehörigen von Termessus in Pisidien für frei, 
Freunde und Bundesgenossen des römischen Volkes erklärt 
werden, und dementsprechend ihre Rechtsstellung geregelt 
wird.') Man könnte versucht sein, dies Gesetz als eine die 
Termessier subjektiv berechtigende lex specialis aufzufassen; 
richtiger würdigt man seinen Inhalt aber doch wohl, wenn 
man es als ein, objektive Rechtsvorschriften, allerdings von 
beschränkter Anwendbarkeit, aufstellendes betrachtet. 

5. Eine 1760 in den Ruinen von Veleja bei Piacenza ge- 
fundene Bronzetafel, ^) enthaltend einen Teil (in c 19 anfan- 
gend, in c. 23 schließend) eines Gesetzes über die Munizipal- 
gerichtsbarkeit in Gallia cisalpina, wichtig für das Recht der 
cautto datnni in/ecti, operis novi fiuntiatio, confessio in jure^ 
verweigerten defensio. Das Gesetz ist erlassen, nachdem Gallia 
cisalpina durch eine lex Roscia vom Jahre 49 v. Chr. das 
römische Bürgerrecht erhalten hatte und wohl vor der im 
Jahre 42 v. Chr. erfolgten Vereinigung des cisalpinischen 
Galliens mit Italien.®) Man hält das Gesetz für ein Volks- 



*) Bruns I. p. 48. sqq. Moratti, la legge osca de Baüzia Archivio giuri- 
dico LIH (1894) p. 745 sq. 

5) Bruns I p. 55, sqq. •) Bruns I p. 90 sqq. ') Bruns I p. 94 sqq. 

®) Bruns I p. 98 sqq. 

•) Die Ansicht Kar Iowas, daß es sich umgekehrt gerade um Ausführungs- 
bestimmungen zu dieser Vereinigung handelt, halte ich nicht für wahrschein- 
lich, aber immerhin für durchaus möglich. 



— 38 ^ 

gesetz, das sich selbst als lex Rubria bezeichnet, und hierbei 
ist trotz des von Mommsen erhobenen Widerspruchs zu 
bleiben.^^) 

6. Das sog. Fragmentum Atestinum ist eine im Jahre 1880 
zu Ateste, jetzt Este gefundene Bronzetafel, welche, wie die 
vorige von Munizipaljurisdiction handelt.") Das Gesetz ist im 
Jahre 49 v. Chr. erlassen. Der Fundort und namentlich die 
Beziehungen des Bruchstücks auf die lex Roscia weisen ent- 
schieden darauf hin, daß es sich um ein Gesetz für Gallia 
cisalpina handelt. Daß die Tafel ein Stück der lex Rubria 



*®) Mommsen, Wiener Studien XXIV, H. 2 (Bormannheft) und Gphem. epigraph. 
IX p. 4 nimmt an, dafi es eine lex data war (s. unt. § 9, 1). Hierfür beruft er 
sich auf die Analogie sonstiger Provinzial- und Stadtordnungen, die doch 
keineswegs ausschließt, dafi derartigeOrdnungen auch durch unmittelbaren Volks- 
schlufi erlassen werden konnten. Ferner glaubt Mommsen, dafi das starke 
Eingehen des Gesetzes in Einzelheiten für seine Natur als einer lex data 
spreche. Auch das trifft nicht zu. Man vergleiche z. B. die tab. Heracl., die 
unzweifelhaft einen Volksschlufi enthielt, oder die lex Quinctia, die doch 
wahrlich an Eingehen ins einzelne nichts zu wünschen läfit. Das Gesetz stellt 
Prozeßformeln für den Fall der verweigerten cautio damni infecti auf. In 
ihnen wird die Verurteilung davon abhängig gemacht, daß der Beklagte einem 
ex lege Rubria ergangenen magistratischen Befehl zur Kautionsleistung den 
Gehorsam verweigert hat: quod eins is duovir quattuorvir praefectusve 
ex lege Rubria seive id plebeive scitum est, decreverit (lin. 28 sq. 38 sq.). Nun 
hatte aber das Gesetz selbst (lin. 7 sqq.) dem Munizipalmagistrat Recht und 
Pflicht gegeben, in Fällen des drohenden Schadens dem Beklagten zu befehlen, 
daß er ex formula, d. h. (dem Zusammenhang zufolge) gemäß dem Formular 
des Edikts des Peregrinenprätors durch einfache Stipulation (repromittere), unter 
Umständen mit Bürgen (satisdare), Ersatz des möglicherweise eintretenden Schadens 
verspreche: eum quei in ius eductus erit de ea re ex formula repromittere et 
sei sadisdare debebit, sadisdare iubeto decernito. Es ist m. E. nicht der ge- 
ringste Grund, zu bezweifeln, daß diese Vorschrift des Gesetzes selbst es ist, 
welche die Prozeßformel mit den Worten: quod ex lege Rubria seive id ple- 
beivescitum est decreverit in Bezug nimmt, also kein Grund, die lex Rubria 
mit Mommsen für ein von der velejatischen Tafel verschiedenes Gesetz zu 
halten. Es bedarf keiner Erwähnung, daß das Gesetz in den Prozeßformeln 
nicht sagen konnte: ex hac lege; denn im Gebrauch tritt die Prozeßformel aus 
dem Rahmen des Gesetzes heraus. Meint aber die velejatische Tafel sich 
selbst mit den Worten lex Rubria sive id plebiscitum est, so war sie doch 
wohl sicher ein Volksgesetz, denn daß in Bezug auf leges datae die Klausel 
sive id plebiscitum est vorkomme, ist nicht erweislich und nicht anzunehmen. 
») Bruns I p. 102 sqq. 



— 39 - 

biete, ist aber nicht anzunehmen, vielmehr wird es ein Vor- 
läufer der lex Rubria gewesen sein.*'-) 

7. Tabula Heracleensis, eine 1732 in den Ruinen von 
Heraclea in Lucanien gefundene Bronzetafel in zwei Stücken. **) 
Darauf steht ein großer Teil eines Gesetzes Cäsars vom Jahre 
45 V. Chr., dessen erhaltene Bestimmungen Getreideverteilungen 
und Strassenpolizei in Rom, sowie die Verfassung der Bürger- 
gemeinden (magistratus^ dccuriones) betreffen. Man hat dieses / ßf ^ 
Gesetz bisher auf die Autorität Savignys^*) als lex Julia ^.j ja, 
miinicipalis bezeichnet. Es ist aber von Mommsen neuer- .,,j.^ 
dings**) mit Recht darauf aufmerksam gemacht, daß diese ^ 
Bezeichnung willkürlich ist. Indessen sind die allgemeineren ' ^ 

Bestimmungen des Gesetzes über die Verfassung der Bürger- /' 
gemeinden doch so zahlreich, daß man (gegen Mommsen) * "' ^ 

13) Die lex Rubria hat für die Zuständigkeit der Munizipalmagistrate ^^ 
eine Grenze nach dem Streitwert, und zwar reicht die Zuständigkeit jener ^ y • 

Magistrate bis zu 15000 Sesterzen. Das Fragm. A testin. rechnet mit einer ri^v*»^**"***^ 
andern Grenze, nämlich 10000 Sesterzen. Diese Summe wird zwar nur in X*^^*V^/ ^C 
Ansehung von actiones famosae genannt (d. h. von Klagen, bei denen die 
Verurteilung ehrlos macht). Es scheint aber der Sinn des Gesetzes nicht zu 
sein, daß für solche Klagen eine besondere Kompetenzgrenze besteht, sondern 
vielmehr, daß die an sich ohne Rücksicht auf den Streitwert bei actiones fa- 
mosae ausgeschlossene Kompetenz des Munizipalmagistrats innerhalb der ge- 
wöhnlichen Kompetenzgrenze von 10000 Sesterzen durch den Willen des Be- 
klagten begründet werden kann. Dann aber kann das Fragm. Atest. nicht 
zur lex Rubr. gehören. Vgl. Appleton, Revue generale du droit 1900 p. 193 suiv. 
bes. p. 234 suiv. ; dazu Kubier, Zeitschr. der Sav.-Stift. XXII (1901) S. 200ff. 
Der zweite Absatz des Fr. Atestin. hält für Privatprozesse die vor der lex Roscia 
von a. 49 auf Grund besonderer Bestimmungen irgend welcher Art Muni- 
zipalmagistraten zustehende Jurisdiktion aufrecht. Wie dies zuging, behandelt 
Apple ton 1. c. p. 148 als unaufgeklärt. M. E. lag die Sache so: Man hätte 
denken können, daß durch die Bürgerrechtsverleihung die besonderen Satzungen 
der einzelnen Gemeinden beseitigt worden wären, und diese Folgerung wollte 
das Fr. Atestin. ablehnen. Dabei citiert das Fr. Atestin. die lex Rosda als 
ein Gesetz vom 11. März ohne Jahresangabe, was nur möglich war, wenn das 
Gesetz des Fragments im selben Jahr, wie die lex Roscia erging (vgl. Apple- 
ton 1. c. p. 206). Vielleicht hat die lex Rubria, indem sie die Kompetenz- 
grenze der munizipalen Gerichtsbarkeit erhöhte und eine eingehende Prozeß- 
ordnung gab, den Vorbehalt des Fr. Atestinum abgeschafft. 

13) Bruns I p. 104 sq. 

14) Vermischte Schriften III s. 279 ff.. 
16) Ephemeris epigraphica IX p. 5 sq. 



— 40 — 

sehr wohl sagen kann, dasselbe enthalte eine allgemeine 
Städteordnung, die freilich der Ergänzung durch die speziellen 
Ordnungen der einzelnen Städte bedurfte.^") 

8. Ein bedeutendes Schlußstück des für Vespasian im 
Jahre 69 n. Chr. erlassenen Kompetenzgesetzes (vergl. oben I), 
s. g. lex de imperio Vespasiani^ ist zu Rom auf einer Bronze- 
tafel im 14. Jahrhundert gefunden worden.^') 

§9. 

3. Leg es datae und leg es dictae, 

I. Provinzen und Stadtgemeinden sind von den Römern 
Rechtsordnungen vielfach in der Weise verliehen, daß ein 
Magistrat das Gesetz, ohne einen römischen Volksschluß über 
dessen Inhalt einholen und ohne die Provinzialen oder Ge- 
meindeangehörigen befragen zu müssen, einseitig auferlegt 
(legem dare, lex data). 

I. Den Provinzen gab solche Ordnung in der Regel 
der Feldherr, der sie erobert oder nach einem Aufstande be- 
ruhigt hatte. Er war dabei an die nachträgliche Genehmigung 
des Senates gebunden, wenn nicht, wie gewöhnlich geschah, 
der Senat ihm eine Kommission beigegeben hatte, nach deren 
Beschlüssen er sich zu richten hatte. So hat der Konsul 
P. Rupilius im Jahre 131 v. Chr. nach dem ersten Sklaven- 
kriege Sizilien neu geordnet durch die de dece7n senatorum 
decreto gegebene lex Rupilia, bekannt aus Ciceros verrinischen 
Reden; ^) sie enthielt eine eingehende Gerichtsordnung. Pom- 
pejus erließ nach dem dritten mithridatischen Kriege im Jahre 
64/63 V. Chr. umfassende Anordnungen für die asiatischen 
Länder, deren Genehmigung nach seiner Rückkehr zu einem 
Hauptstreitpunkt mit dem Senat wurde. Noch in der Kaiser- 
zeit standen von ihm herrührende Bestimmungen als lex Pom- 
j>eja in Geltung; wir kennen daraus solche über Munizipal- 
bürgerrecht, Magistrate und Decurionen. ^) ') 

16) vgl. unt. § 9, I, 2. ") Bruns I p. 192 sqq. 
^) Cic. in Verr. II, 2, 13, 32; 16, 39. 

«) Plin. ad Trai. 79. 80. 112. 114. 115. Vgl. ob. § 4 Anm. 15. 
^) Nach Mommsen wäre auch das Gesetz der velejaüschen Tafeln eine 
lex data für Gallia Cisalpina. S. darüber § 8, I, 5. 



— 41 — 

2. Das älteste Zeugnis einer von Rom verliehenen Stadt- 
ordnung ist die Nachricht, daß im Jahre 317 v. Chr. die 
Bürgerkolonie Antium vom Senat Patrone ad jura statuenda 
ipsius coloniae erhielt.*) Vielleicht gehört auch das oskische 
Gesetz der tabula Bantina (§ 8 II, i) hierher. Ob solche 
Ordnungen in alter Zeit durch Volksschluß bestätigt wurden, 
ist fraglich. In der späteren Zeit wurden Stadtordnungen 
durchaus regelmäßig einseitig von einem oder mehreren Be- 
amten erlassen, welche hierzu durch Volksschluß ermächtigt 
wurden. Wie häufig und beliebt dies Verfahren war, zeigt 
die Klausel des cäsarischen Gesetzes der Tabula Heracleensis, 
daß die mit solcher Ermächtigung Ausgestatteten noch ein 
Jahr nach Erlaß dieses Gesetzes das Recht der Verbesserung 
ihrer Anordnungen haben sollten.*) Die einzelnen Stadtord- 
nungen müssen auf dem allgemeinen Inhalt des genannten 
Gesetzes gefußt haben. Daß sie in ihrem Inhalt vielfach 
identisch waren, ist sehr glaublich.®) In der Kaiserzeit geht 
die Verleihung von Stadtordnungen vom Kaiser aus. Er hat 
dazu nicht im Einzelfalle Ermächtigung eingeholt, sondern ist 
allgemein dazu fiir ermächtigt erachtet, unsicher mit welchem 
formellen Anhalt. 

Hierher gehören folgende Inschriften: 

a) Die Stadtordnung von Tarent als Bürgerstadt, erlassen 
zwischen 89 und 62 v. Chr. Davon ist die neunte Bronze- 
tafel 1894 zu Tarent gefunden.') 

b) Die lex Ursonensis oder lex coloniae Juliae Genetivae, 
welche M. Antonius, der auf Cäsars Befehl ein Gesetz über 
Kolonie- Gründung durchgebracht hatte, auf Grund dieses Ge- 
setzes der unter jenem Namen kolonisierten Stadt Urso in 

*) Liv. IX, 20 i. f. ^) Tab. Heracl. lin. 159 sqq. 

*) Vgl. unten Note 10 und zu Note 12. Mommsen, Ephem. epigr. IX p. 5 
sqq. nimmt an, daß lex municipalis abstrakt gebraucht den identischen Inhalt der 
einzelnen Stadtordnungen bezeichnet, da er eine allgemeine Städteordnung 
leugnet (ob. § 8, 1, 7). Wahrscheinlich ist, daß jener Ausdruck das allge- 
meine gesetzliche Stadtrecht deckt, wie es sich zusammensetzt aus dem Inhalt 
des cäsarischen Gesetzes und dem identischen Inhalt der einzelnen Stadt- 
ordnungen. 

') Mommsen, Ephem. epigr. IX p. 1 sqq. Scialoja, Bulletino dell' 
stituto di dir. Romano IX, 1 (1896) p. 7 sg. 88. Dessau 6086. 



— 42 — 

Spanien (jetzt Osuna) im Jahre 44 v. Chr. verlieh. Einige in 
Osuna 1870 — 1874 gefundene Bronzetafeln enthalten bedeu- 
tende Stücke davon, von (in) c. 61 bis (in) c. 82 und von (in) 
c. 91 bis c. 134.^) 

c) Aus der Augustischen Zeit und wohl von Augustus 
selbst verliehen ist ein Gesetz für Narbo, betreffend einen 
dort eingesetzten Flamen, bruchstückweise erhalten auf einer 
in Narbonne 1883 gefundenen Bronzetafel.^) 

d) Die Stadtordnung von Salpensa, s. g. lex Salpensana, 
und die von Malaca (Malaga) s. g. lex Malacitana, welche 
beide Domitian zwischen 81 und 84 den genannten damals 
(seit Vespasian) des latinischen Rechts teilhaftigen Gemeinden 
verlieh. Zwei Bronzetafeln, welche 185 1 bei Malaga gefunden 
sind,^®) bieten von der lex Salpensana c. 21 bis c. 29, von der 
lex Malacitana c. 51 bis (in) c. 69.^^) Ein seit 1896 be- 
kanntes bei Sevilla gefundenes Bronzebruchstück gibt einen 
Teil des c. ^^ der lex Malacitana wieder. Es gehört zu der 
inhaltlich mit der lex Malacitana übereinstimmenden Ordnung 
einer anderen spanischen Stadt. ^^) 

IL Das römische Bürgerrecht kann in der republikanischen 
Zeit grundsätzlich nur durch Volksbeschluß verliehen werden, 
es ist also ein den vorigen ähnlicher Akt delegierter Gesetz- 
gebung, wenn ein Magistrat kraft ihm durch Gesetz erteilter 
Ermächtigung das Bürgerrecht verleiht. Er erteilt damit aber 
nur ein Personalprivilegium, und für die Kenntnis des objek- 
tiven römischen Rechts sind Erlasse dieser Art nur als Belege 
für die Regeln wichtig, denen sie folgen, nicht, die sie sta- 
tuieren. Die besprochene Ermächtigung ist zuerst an kolonie- 



8) Bruns I p. 123 sqq. Fabricius Hermes B. XXXV (1900) S. 205ff. 
nimmt mit guten Gründen an, Antonius habe das in Cäsars Nachlaß unvollendet 
gefundene Gesetz vollenden lassen und dabei gegenüber Cäsars Intentionen ge- 
ändert. Dessau 6087. 

») Bruns I p. 140 sqq. Dessau 6088. 6089. 

10) Vielleicht hatten die Malacitaner die Tafel des salpensanischen Ge- 
setzes zur Ergänzung einer zu Verlust gegangenen Tafel ihres eigenen, inhalts- 
gleichen, sich verschafft. Mommsen, Ephem. epigr. IX p. 10. 

*^) Bruns I p. 142 sqq. 

12) Mommsen, Ephem. epigr. IX p. 10. Nicht recht zu bestimmen ist 
das Bronzebruchstück das. p. 11. 



— 43 - 

gründende Beamte mit Bezug auf die Kolonisten,**) dann auch 
an Feldherren mit Bezug auf ihre Soldaten erteilt, z. B. im 
Jahre 72 v. Chr. dem Pompejus durch Gesetz der Konsuln 
L Gellius und Gn. Cornelius nach dem sertorianischen Kriege. **) 
In der Kaiserzeit haben die Kaiser in umfassendem Maße aus- 
gedienten Soldaten das Bürgerrecht und — mit Rücksicht 
auf ihre Ansiedlung in einer Provinz — das connttbium mit 
einer peregrinischen Frau (denen, die bereits Bürger waren, 
nur dies)^*^) verliehen. Die entsprechende Verfügung, welche 
für zahlreiche Soldaten zusammen erging, wurde, wie ein Ge- 
setz, auf dem Kapitol in Bronze angeschlagen, dem einzelnen 
aber auf bronzenem Diptychon (zwei verbundenen Täfelchen), 
ein von Zeugen beglaubigter Auszug daraus zu seiner Legi- 
timation erteilt. Solche s. g. Soldatendiplome sind zahl- 
reich erhalten.^*) 

III. Lex dicta ist eine rechtliche Bestimmung, welche 
jemand seiner eigenen Sache auferlegt. Dahin gehören also 
auch Rechtsvorschriften, welche einer im Eigentum des Staates 
oder der Gemeinde stehenden Sache von den zuständigen 
Organen im Namen des Staates oder der Gemeinde auferlegt 
werden. Solche leges dictae sind die sehr altertümlichen Hainge- 
setze von Luceria und Spoletium, die Tempelordnung von Furfo 
vom Jahre 58 v. Chr.,^') die von den Narbonensern 11 — 13 
v. Chr. festgesetzten Vorschriften für einen neugestifteten Altar 
des Augustus,^®) eine Altarordnung Domitians,^®) die von dem 
duovir von Salona (Dalmatien) gegebene Ordnung eines Jupiter- 
altars vom Jahre 137 n. Chr.^®) 

Es kann unter Umständen zweifelhaft sein, ob ein Erlaß 
mehr von dem Eigentümerrecht oder mehr von Regierungs- 
rechten getragen wird. Die s. g. lex meta lli Vipas ^ensis, ^.^^XT- ^^-^T, 
eine kaiserliche gegen Ende des i. Jahrhunderts n. Chr. er- 



13) Cic. Brut. 20, 79. i*) Cic. pro Balb. 8, 19. 

16) Gai. I, 67. Man ist aber dabei doch nicht zu weitherzig: das Privi- 
legium gilt nur mit Bezug auf eine und zwar die erste nach der Entlassung 
genommene Frau, 

1«) Beispiele bei Bruns I p. 252 sqq. cf. 371 sqq. 

17) Bruns I p. 260 sq. 18) Bruns I p. 261 sqq. 
1») Bruns I p. 264 sqq. 20) Bruns I p. 263. 



— 44 — 

lassene Ordnung für den nicht städtisch organisierten, im kaiser- 
lichen Eigentum stehenden und von ^m^m procurator metallorum 
verwalteten Bergwerksbezirk von Vipasca in Portugal, weist ihr 
eigener Ausdruck*^) und die Natur ihrer Bestimmungen entschie- 
den den kraft Eigentümerrechts ergangenen leges dictae zu. Von 
ihr ist ein Teil erhalten auf einer 1876 bei Aljustrel in Portugal 
in den alten Goldgruben gefundenen Bronzetafel. *^) Die er- 
haltenen Bestimmungen beschäftigen sich hauptsächlich mit 
den Rechten und Pflichten derjenigen, welche vom Fiskus 
ausschließliche Gewerbebetriebe innerhalb des Bezirks ge- 
pachtet haben (Auktionator, Ausrufer, Badehalter, Schuster, 
Barbier u. s. w.). Diese Bestimmungen ruhen wesentlich auf 
dem fiskalischen Eigentum an dem Grundstück, auf welchem 
jene Gewerbe geübt und andere daran verhindert werden 
sollen. Ahnlicher Natur sind die Domänenordnungen. Wir 
haben eine Inschrift aus der Zeit Trajans, welche Festsetzungen 
von zwei kaiserlichen Prokuratoren über gewisse afrikanische 
Domänen des Kaisers enthält und zwar im Anschluß an eine 
lex Manciana^^^ und eine ähnliche, aber minder bedeutende 
Inschrift, enthaltend Festsetzungen der kaiserlichen Prokura- 
toren für mehrere afrikanische saltus im Anschluß an eine 
lex Hadriana'^^). 

§ 10. 

4. Edicta magistratum. lus civile 
und ius honorarium, 

I. Das ius edicendi ist ein allgemeines Recht der höheren 
republikanischen Magistrate. Es ist das Recht, mündlich {in 

21) Elege metallis dicta. (lin. 58.) 22) Bruns I p. 266 sqq. 

23) Adolf Schulten, Abhandlungen der Kgl. Gesellschaft der Wissen- 
schaften zu Göttingen, Philol.-histor. Kl. N. F. B. II Nr. 3(1897). O. Seeck, 
Neue Jahrbücher f. d. klass. Altertum, Geschichte und deutsche Litteratur 1 
(1898) S. 628 ff. H. Krüger, Zeitschrift d. Sav.-Stift. XX (1899) S. 267 ff. 
Erman, Centralblatt f. Rechtswissensch. XXVII (1898), S. 176 ff. Weiteres 
bei Kalb im Jahresbericht f. Altertumswissenschaft B. CIX (1901 II) S. 24ff. 

24) Bruns fontes I p. 382 sq. A. Schulten, Hermes B. XXIX (1894) 
S. 204 ff. Weiteres bei Kalb, Jahresbericht f. Altertumswissenschaft a. a. 0. 
S. 217 ff. 



— 45 — 

coiicione) oder schriftlich durch Aufstellung auf weissen Holz- 
tafeln (in albo proponere) dem Volke Willen und Meinung des 
Magistrates kund zu tun. Z. B. ein Edikt der Censoren von 
92 V. Chr.^) verkündet das Mißfallen der Censoren denen, die 
Rhetorenschulen halten oder besuchen. Auch priesterliche 
Edikte kommen vor, z. B. von den qutndecimviri sacris 
faciundis \ 

Von dem ius edicendi haben seit der jüngeren Zeit der 
Republik die mit der Ziviljurisdiktion betrauten Magistrate 
(in Rom Prätoren und curulische Ädilen, in den Provinzen an 
Stelle der Prätoren die Statthalter und an Stelle der Ädilen 
die Quästoren) in der Weise Gebrauch gemacht, daß sie bei 
ihrem Amtsantritt ein ausführliches Edikt erließen, enthaltend 
die Regeln, nach denen sie ihre Jurisdiktion zu handhaben 
gedachten^). Insofern dieses Edikt das ganze Jahr hängen 
bleiben und beobachtet werden soll, heißt es edictum perpe- 
tuum\ Es enthält weniger Befehle an die Gerichtsuntertanen 
(auch solche kommen vor, z. B. pronuntianto, dicunto im Edikt 
der Curulädilen, ne qtiis . . . habeat im prätorischen Edikt ^), 
als vielmehr**) Ankündigung von Maßregeln, welche der Ma- 
gistrat in den und den Fällen zu treffen gedenkt, z. B. Nieder- 
setzung eines Schwurgerichtes {iudicium dabo), Besitzeinweisung 
(in possessionem ire jubebo, possidere jubebo, bonorum possessio 
onem dabo), Anordnung des Abschlusses einer Stipulation mit 
oder ohne Bürgenstellung (promitti, satisdari jubebo), Wieder- 
einsetzung in den vorigen Stand (in iyitegrum restituam) und 
anderes mehr. Charakteristisch ist im Gegensatz zu dem 
Gesetz (welches das Ermessen der Beamten beschränken willl) 
für das Edikt, daß der Magistrat es vermeidet, sich die Hände 
zu eng zu binden, und daher verhältnismäßig oft sich die 



1) Suet. de rhet. c. 1. (Brunsl p. 230.) 

*) Ein Edikt von 17 v. Chr. (inschriftlich erhalten) s. bei Brunsl p. 236. 

') Pomp, D. 1,2,2,10: ut scirent cives quod ius de quaque re quisque 
dictunis esset seque praemunirent, cdicta proponcbant. 

*) Ascon. in Comelian. p. 58. (Er uns II p. 71.) 

*) D. XXI, 1, 1 pr. D. IX, 3, 5, 6. 

•) Für die folgenden Erscheinungen bedarf es besonderer Belege nicht, 
da solche dem Leser des Edikts sich von selbst aufdrängen. 



— 46 — 

Sachprüfung im Einzelfalle ausdrücklich vorbehält (causa cog- 
nita, st mihi iusta causa esse videbiturj oder die zu treffenden 
Maßnahmen nur im allgemeinen andeutet (cogam, uti quaeque 
res erit animadverlam). Ein Hauptbestandteil des Edikts sind 
Formulare für die vorzunehmenden Amtshandlungen, nament- 
lich auch für die formulae, mittels deren im Zivilprozeß der 
Prätor den Geschworenen zur Untersuchung und Entscheidung 
des Falles beauftragt und instruiert. Das Ganze ist ein Pro- 
gramm der Jurisdiktionsführung des Magistrats, aus dem aber 
überall indirekt herauszulesen ist, welches Verhalten der Ma- 
gistrat von den Rechtsuntertanen beobachtet wissen will. Dies 
tritt auch in (konjunktivisch) gebietenden und verbietenden 
Überschriften oft genug hervor, wo der Text selbst nicht 
gebietende Form hat. Edictum heißt aber nicht nur das Edikt 
als Ganzes, sondern auch jede einzelne Bestimmung desselben. 
IL Es ist selbstverständlich, daß von dem Urheber des 
Edikts erwartet wurde, er werde sich nach seinen Ankün- 
digungen auch richten. Gleichmäßigkeit ist eine der ersten 
Anforderungen der Rechtspflege. Man betrachtet es schon 
als etwas nur durch gewichtige Gründe zu Rechtfertigendes, 
wenn ein Gericht, nachdem es eine Rechtsfrage in einem kon- 
kreten Falle in bestimmter Weise entschieden hat, in einem 
anderen Falle dieselbe Frage anders entscheidet. Um wieviel 
mehr müssen die allgemeinen Ankündigungen der Behörde 
über ihr Verfahren zuverlässig sein. Gegen Ende der Republik 
riß aber der Mißbrauch ein, daß Magistrate nach Gunst und Gut- 
dünken von ihren Edikten abwichen. Dem wirkte man zunächst 
entgegen durch das Mittel der Intercession, welche auch im 
Zivilprozeß verwendbar war;') aber im Jahre 6*] v. Chr. wurden 
— durch eine lex Cornelia — die Magistrate — zunächst die 
Prätoren — für die Dauer ihres Amts an ihr Edikt gesetzlich 
gebunden. 8) Aber mit dem Aufhören des Amts seines Urhebers 



') Cic. in Verr. 11,1,46,119: (Verres) in magistratu contra illud ipsum 
«dictum suum sine uUa religione deceroebat. Itaque L. Piso maltos Codices 
<;omplevit earum rerum, in quibus ita intercessit, quod iste aliter atque ut edixerat 
decrevisset. 

®) Ascon. 1. c. (Anm. 4) : Aliam deinde legem Cornelius, etsi nemo repugnare 
ausus est, multis tarnen invitis tulit : ut praetores ex edictis suis perpetuis ius 



— 47 - 

verlor das Edikt, weil nur getragen von dem Imperium des 
Magistrats, der es erlassen hatte, von selbst seine Geltung. 
Der Amtsnachfolger pflegte jedoch in sein Edikt die bewähr- 
ten Bestimmungen der Vorgänger herüberzunehmen, und so 
bildete sich ein allmählich über das ganze Gebiet des Privat- 
rechts und Zivilprozesses sich verzweigender Stamm in den 
Edikten regelmäßig wiederkehrender, materiell dauernder Be- 
stimmungen (edicta translaticia)\ Die wichtigsten Edikte 
waren die der beiden städtischen Prätoren*®); daneben stand 
das Edikt der curulischen Ädilen**). Die Provinzialstatth^ter.^^. ^<^ i^^ 
lehnten ihre Edikte an die der Prätoren *^) und wohl Vorzugs- /.2.5< 3/ ^/^ 
weise an das des praetor peregrmus an, die Quästoren folgten t^/l^^ ^ ^ 
dem Muster der curulischen Ädilen*'). Viele Edikte und ^ ^ 

ediktmässige Institute lebten bei den Späteren unter dem 
Namen der Prätoren, die sie zuerst aufgestellt hatten, z. B. 
formula Octaviana [actio qu, metus causa], actio Ptibliciana, 
Pauliana, Serviana, interdictum Salvianum, edictmn Carbo- 
manutn. 

IIL Die ganze Sitte der Edikte ruht auf der Grund- 



dicerent; quae res cunctam gratiam ambitiosis praetoiibus qui varie ius dicere 
assueverani, abstulit. Cf. Dio Cass. 36,40 [23]. 

•) Cic. in Verr. II, 1, 44, 114: hoc vetus edictum translaticiumque esse; 
vgl. Cic. ad fam. III, 8, 4. 

^0) Gai. I, 6: amplissimum ius est in edictis duorum praetorum urbani 
et peregrini. 

11) Gai. I, 6. 

12) Cic. ad Attic. VI, 1, 15 u. ad fam. III, 8, 4 über sein cilicisches Edikt. 
▼. Velsen, Zeitschr. d. Sav.-Stift. XXI (1900) S. 73 ff. meint, daß ein Gesetz 
unter Augustus in der Absicht, das Sonderrecht der Provinzen abzuschaffen, 
bestimmte, däfi die Provinzialedikte identisch sein sollten mit den Stadt- 
edikten, und dafi seitdem ein eigentliches Provinzialedikt nicht bestand, 
sondern das edictum praetoris peregrini den Namen edictum provinciale an- 
nahm. Ich kann das namentlich deshalb nicht glauben, weil eine so absolute 
Gleichmacherei mir fiir jene Zeit höchst unwahrscheinlich ist. Auch scheint 
mir Gai. I, 6 zu beweisen, dafi die Statthalter ihr Edikt an das beider 
städtischen Prätoren anlehnten, wie das ja auch unvermeidlich war, da in den 
Provinzen zahlreiche römische Bürger lebten, die auch unter sich in Konflikt 
kommen konnten. Gegen v. Velsen s. auch Lenel, Holtzendorffs Encykl. 
S. 123» 

13) Gai. I, 6 drückt sich so aus, als hätten die Quästoren in den Pro- 
vinzen geradezu das ädilicische Edikt proponiert. 



— 48 — 

läge, daß der Magistrat zwar an das Volksgesetz, und was 
ihm gleich steht, dessen interpretatio durch die Juristen (§ i6) 
und das alte Gewohnheitsrecht (itts civile in diesem Sinne) 
gebunden ist, soweit aber diese Fesseln Freiheit lassen, sein 
Amt nach eigenem Ermessen ausübt und befugt ist. Regeln 
darüber festzusetzen, wie er es auszuüben gedenkt. Dies fuhrt 
zunächst nur auf ediktale Bestimmungen, welche diejenigen 
des ius civile ergänzen und ihren Gedanken zu Hilfe kommen; 
es haben aber die Magistrate im umfassendsten Maße auch 
solche Ediktssätze aufgestellt, welche dem ius civile geradezu 
zuwiderliefen, es verbessern wollten^*). Das verstieß zwar 
gegen den Grundsatz von der Stellung des Magistrats unter 
dem Volksrecht; aber es fragte sich, welche Folgen praktisch 
ein solcher Verstoß hatte. Ein von dem Magistrate mittels 
einer dem ius civile zuwiderlaufenden fonntila instruierter Ge- 
schworner hatte nicht das Recht, sich mit der formula in seinem 
Urteil in Widerspruch zu setzen. Nur konnten Dekrete des Ma- 
gistrats von einem gleich- oder übergeordneten Beamten im Wege 
der Interzession vernichtet und davon auch wegen Verstoßes 
gegen das Volksrecht Gebrauch gemacht werden. Auch 
konnte der Magistrat nach Rücktritt von seinem Amte wegen 
Bruches des Volksrechtes in Anklage versetzt werden. Allein 
Interzession wie Anklage stellten sich nicht ein, wenn der 
Magistrat über alte Satzungen des Volksrechtes hinwegging, 
welche von der Rechtsüberzeugung des Volkes nicht mehr 
getragen wurden, und an deren Stelle Neuerungen setzte, 
welche den Beifall der Zeitgenossen gemäß fortgeschrittener 
Rechtsüberzeugung zu erwarten hatten. In diesem Sinne 
aber haben die Magistrate (von Mißbräuchen abgesehen) ihre 
Aufgabe bei der Abfassung ihrer Edikte weise gelöst, und 
die Edikte sind als eine von Jahr zu Jahr revidierte und da- 
rum den neuen Bedürfnissen und neuen Anschauungen rasch 
und leicht folgende Quelle neuen Rechtes, als „lebendige 
Stimme" des Rechts*^) allseitig anerkannt. Der ständige In- 



1*) Pap. D. 1, 1, 7, 1 : Ius praetorium est quod praetores introduxerunt adiu- 
vandi vel supplendi vel corrigendi iuris civilis gratia propter 
utilitatem publicam. 

15) Marci. D. I, 1, 8 : Nam et ipsum ius honorarium viva vox est iuris civilis. 



— 49 — 

halt der Edikte heißt ius und zwar ius honorarium (von honor^ 
Ehrenamt) das Amtsrecht, insbesondere itis praetorium^ ius 
aedilicium. Indem dabei aber stets festgehalten wurde, daß 
die Magistrate das Volksrecht nicht aufheben konnten, kam 
man zu der theoretischen Auffassung, daß das iu^ civile und 
das ius honorarium neben- und gegeneinander stehen; prak- 
tisch ging im Widerspruchsfalle das letztere vor. 

Eine allseitig scharfe Scheidung zwischen ius civile und 
ius honorarium mußte sich aber als unmöglich herausstellen. 
Einerseits entnahmen die Prätoren, selbst größtenteils juristisch 
gebildet, den Inhalt ihrer Edikte doch Anregungen, welche 
ihnen der bestehende Rechtszustand ^•j und die Jurisprudenz 
und Praxis ihrer Zeit bot. Jurisprudenz und Praxis aber legte 
man die Kraft bei, ius civile zu schaffen. Somit konnte bei 
der Neuaufstellung eines Ediktsatzes oft zweifelhaft sein, ob 
und in wieweit eine wirkliche prätorische Neuschöpfung oder 
vielmehr nur die Aufnahme eines im ius civile bereits aner- 
kannten Satzes vorläge. Anderseits begannen an dem Edikts- 
recht Jurisprudenz und Praxis und später auch die kaiser- 
lichen Reskripte (die ebenfalls ius civile schufen) fortzuarbeiten, 
und es mußten auf diese Weise Sätze des ius honorarium in 
das ius civile übergehen.^') 

IV. In der Kaiserzeit ist die produktive Kraft der Edikte 
erlahmt. Noch immer haben die noch fungierenden aus republi- 
kanischer Zeit herrührenden Jurisdiktionsmagistrate ihre Edikte 
proponiert; nur ist das ädilicische Edikt in den kaiserlichen 
Provinzen nicht mehr angeschlagen, weil dorthin keine 
Quästoren gesandt wurden. ^^•) Es fehlen auch in dieser Zeit 
neu aufkommende Bestandteile des Ediktes nicht ganz; sie 
finden sich namentlich zur Ausführung neuer zivilrechtlicher 
Vorschriften, wie z. B. des SC, Trebellianum, **) In der Haupt- 

i*) Dafür, insbesondere soviel die gewohnheitsmäfiige Übung angeht, auch 
Pernice, Zeitschr. d. Sav-St. XX (1899) S. 128 ff., vgl. ob. S. 20. 

") Ehrlich, Beiträge zur Theorie der Rechtsquellen S. 125 ff. gibt ein 
reiches Material über die Verwendung des Ausdrucks ius honorarium u. ähn- 
licher, grenzt aber die Bedeutung des Gegensatzes von ius civile und ius hono- 
rarium m. E. zu eng ein.^ i'») Gai. I, 6. 

18) Gai. II, 253: Das Edikt enthält die ausdrückliche Ankündigung der 
actiones utiles des Universalfideikommissars und gegen ihn. 

Kipp, Qaellen dei rOm. Sechti. 4 



— 50 — 

Sache aber liegt die Fortbildung des Rechts jetzt in anderen 
Händen. 

^ . VrM*^*^ Hadrian ließ durch Salvius Julianus (§ 19) das Edikt des 

T^^X^ Prätor Urbanus und als Anhang dazu dasjenige der Curul- 

^' ^ 'J4^ ädilen neu redigieren und zwar vor 129 n. Chr.; denn schon 

^' ' vor diesem Jahre begann Julian seine Digesten, welche die 

vollendete Ediktsredaktion voraussetzen.^®) Wie tief und nach 
welcher Richtung hauptsächlich Julian eingegriffen hat, ist 
nicht sicher zu sagen. Wenn Julian später ordinator edicti 
heißt, *^) so beweist dies durchaus nicht, daß er hauptsächlich 
die systematische Anordnung verbessert hat, denn hierauf 
geht ordinäre nicht einmal vorzugsweise, sondern es bedeutet 
überhaupt die Festsetzung nach Inhalt und Form. So heißt 
es von einer einzelnen Vorschrift des Edikts: ita edictum or- 
dinatum videtur}^) (Vergl. auch die Wendungen iudicimn^ 
testamentum ordinäre) Das systematische Interesse der Römer 
ist überhaupt so gering, daß nicht füglich ein Kaiser den 
größten Juristen seiner Zeit mit Revision des Edikts vorzugs- 
weise der Anordnung wegen betraut haben wird. Es war 
vielmehr unzweifelhaft die Absicht, das zurückgebliebene Edikt 
nach Inhalt ebensowohl wie Form wieder auf die Höhe der 
Zeit zu bringen. Wenn sogleich vorgesehen wurde, wie spä- 
tere Neuerungen eingefügt werden sollten (vgl. den folgenden 
Absatz), so kann man bei der Redaktion selbst nicht verfehlt 
haben, die bereits als wünschenswert erkannten sachlichen 
Änderungen zu bewerkstelligen. Daran ändert es nichts, daß 
wir zufällig nur eine solche Änderung kennen, die s. g. nava 
clausula de conjungendis cum emancipato liberis eius?^) 

Der julianische Text ist durch Senatuskonsult bestätigt 
und heißt edictum perpetuum in dem neuen Sinne des die ein- 
zelnen Amtsjahre überdauernden Inhalts. Das SC. hat das 



19) Die Datierung der Ediktsredaction auf das Jahr 131 n. Chr. be- 
ruht auf Hieronymus (einer Quelle aus der zweiten Hälfte des vierten Jahrhun- 
derts, die gerade in Bezug auf Jahreszahlen anerkannt unzuverlässig ist (Teuffel- 
Schwabe § 434^). 

20) Just. C. J. IV, 0, 10, 1. 

21) Ulp. D. XXV, 2, 18. 

22) Mareen. D. XXXVII, 8, 3, Ulp. D. XXXVII, 9, 1, 13. 



— 51 — 

Edikt nicht zum Reichsgesetz für die Untertanen erhoben, 
sondern war ein Dienstbefehl an die Magistrate, das Edikt 
nunmehr stets mit dem julianischen Text zu proponieren. 
Etwa erforderliche Neuerungen sollten vom Kaiser ausgehen.'*) 
Auch das Edikt des Prätor Peregrinus und das Provinzialedikt 
muß auf ähnliche Weise festgelegt sein; es fehlt jedoch an 
Nachrichten darüber. Damit war das tus edicendi der Ma- 
gistrate sachlich unterbunden. Die formelle Proposition 
der Edikte läßt sich aber noch bis ins 3. Jahrhundert ver- 
folgen.'*) 

Der Gegensatz zwischen ius civile und ius hanorarium 
ist durch Hadrian formell nicht aufgehoben. Es wurde aber 
die Verschmelzung beider Rechtsmassen, die sich, wie gezeigt, 
schon früher angebahnt hatte, durch die dauernde Fixierung 
des Ediktsinhalts noch wesentlich befördert. Niemals freilich 
ist im Bewußtsein der Römer jener Gegensatz, so praktisch 
bedeutungslos er im Laufe der Zeit wurde, erloschen. Noch 
im justinianischen Rechte wird er als vorhanden angenommen, 
während er hier, da Justinian das ganze alte Recht als sein 
kaiserliches Gesetz publizierte, jede Existenzberechtigung ver- 
loren hatte. Es war unmöglich, eine Auffassung, mit der Jahr- 
hunderte operiert hatten, ganz auszumerzen. 

V. Unsere Kenntnis von den Jurisdiktionsedikten beruht ^,^ A/t*. 
ausschließlich auf Anführungen ihres Inhalts in der Literatur. ^,,u/'-«-**— ^ 
Besonders von dem hadrianischen Edikt kennen wir ziemlich /S-,^^ ^L 
viel aus den in die justinianischen Digesten aufgenommenen /. a,/u/ 
Stücken von Bearbeitungen desselben durch die klassischen , 

Juristen. C^-^'i-^.t-/) 

Die Versuche, das hadrianische Edikt zu restituieren, be- 
ginnen im 16. Jahrhundert (Eguinarius Baro); von den moder- 

23) C. Tanta § 18: et ipse Julianus legum et edicti perpetui subtilissi- 
mus conditor in suis libris hoc rettulit, ut, si quid inperfectum inveniatur ab 
imperiali sanctione hoc repleatur et non ipse solus sed et divus 
Hadrianus in compositione edicti et senatus consulto quod eam se- 
cutum est hoc apertissime definivit, ut si quid in edicto positum non invenitur 
hoc ad eius regulas eiusque coniecturas et imitationes posset nova instruere 
auctoritas. 

34) C. J. VIII, 1, 1 (a. 224) . . . praeses ad exemplum interdictoram, 

<quae in albo proposila habet. 

4* 



52 



nen Arbeiten kommt die von Rudorff,^^) wiewohl seiner Zeit 
sehr verdienstlich, doch jetzt kaum noch in Betracht neben 
dem epochemachenden Werk von Lenel,^*) das Edictum per- 
petuum. 

§ 11. 

5. Senatus consulta, 

I. Der Senat, ursprünglich nur beratender Körper, hat 
sich in den Zeiten der Republik zu der eigentlich staatslenken- 
den Stelle entwickelt. Seine Einwirkung auf die Rechtsbildung 
tritt zunächst in verschiedenartigem Einfluß auf die Volks- 
schlüsse hervor. Von alters her bedarf der Beschluß der 
Comitien zu seiner Gültigkeit der Bestätigung durch den 
Senat; seit aber Plebejer in den Senat eingetreten sind, nehmen 
an dem Beschluß darüber nur die patrizischen Mitglieder des 
Senates teil (patrum auctoHtas) }) Auf Plebiszite findet die 
patrum auctoritas keine Anwendung; sie unterliegen aber wahr- 
scheinlich bis zur lex Hortensia (zwischen 289 und 286 v. Chr.) 
der Bestätigung durch den gesamten (patrizisch-plebejischen) 
Senat (§ 6, I, 4). Im Laufe der Zeit ist die patrum auctoritas 
zur leeren Förmilichkeit geworden, worauf aber der Umstand, 
daß sie nach einer lex Publilta von 339 v. Chr. zunächst für 
Centuriatgesetze und dann wohl auch für die übrigen Comitial- 
beschlüsse vor Beginn der Volksabstimmung zu erteilen«) 
(oder zu verweigern!) ist, nicht den ihm oft zugeschriebenen 
Einfluß gehabt haben kann. Praktisch ist aber auch in der 
jüngeren Zeit der Republik der Senat des Einflusses auf die 
Gesetzgebung nicht entkleidet. Denn durchaus üblicher, ob- 



20) RudorfF, de iurisdictione edictum, Leipzig 1869. 

26) Lenel, das Edictum Perpetuum, Leipzig 1883. Eine zweite Auflage 
erschien in französischer Sprache: Lenel, essai de reconstitution de l'edit per- 
p^tuel. Ouvrage traduit en frangais par Frdderic Peltier sur un texte 
revu par l'auteur. Tome I Paris 1901, tome II 1903. Von Lenel ist auch 
jetzt die entsprechende Partie in Bruns, fontes I p. 202 sqq. bearbeitet. 
Rubrikenindex des Ediktes bietet Lenels Palingenesia iuris civilis, II coL 
1247 sqq. 1^: ^. ff^yi. t^' 2-^^. i^^ V^ 

») Mommsen, Staatsrecht III, 2 S. 1037 ff. 

«) Liv. VIII, 12, 15. 



— 53 — 

wohl nicht rechtsnotwendiger Weise, wurden Comitialgesetze 
wie Plebiszite im Senat vorberaten.') Dazu tritt in den letz- 
ten Zeiten das vom Senat in Anspruch genommene und prak- 
tisch durchgesetzte Recht, Volksschlüsse wegen mangelhaften 
Zustandekommens für nichtig zu erklären durch den Beschluß : 
ea lege tion videri populum teneri,^) 

Dispensation von Gesetzen {fege aliquetn solvere) kann 
grundsätzlich nur durch Gesetzgebungsakt erfolgen. Auch 
hier aber hat der Senat eingegriffen, indem er zuerst Dispen- 
sationen unter Vorbehalt der Genehmigung durch Volksschluß 
verfügte; später aber unterblieb die wirkliche Einholung der 
letzteren, und endlich blieb auch der Vorbehalt selbst aus 
dem Senatuskonsult fort. Der Volkstribun C. Cornelius suchte 
a. €>y v. Chr. das Dispensationsrecht dem Volk zurückzuge- 
winnen. Es kam aber nur ein Gesetz zu stände, nach welchem 
die Dispensation im Senat bei Anwesenheit von mindestens 
200 Mitgliedern beschlossen und dann zwar von den Comitien 
bestätigt werden muß, die Bestätigung aber nicht verweigert 
werden darf, also reine Formalität ist.*) 

Die Anweisungen, welche der Senat den Magistraten 
über ihre Amtshandlungen erteilte, gaben ihm schon früh die 
Handhabe, auch die Jurisdiktion und die Edikte zu be- 
einflussen. Schon seit dem Jahre 193 v. Chr. finden sich 
Anweisungen des Senats an die Magistrate, so und so Recht 
zu sprechen.*) Das SC, de Bacchanalibus von a. 186 v. Chr. 



3) Mommsen, Staatsrecht III, 2 S. 1043ff. 

*) Cic. in der Rede pro C. Comelio (fr» 1 1 bei Orelli-Baiter) nach Ascon. 
in Cornelian. p. 68. Vgl. Mommsen, Staatsr. III, 1 S. 366 ff. 

*) Ascon. in Cornelian. p. 56 (Bruns II p. 70 sq.). Dio. cass. 36, 39 
(22). Mommsen, Staatsrecht III, 1 S. 337f. III, 2 S. 1229ff. 

•) Liv. XXXV, 7. Römische Wucherer versteckten sich hinter Bundesgenossen 
als Gläubigern, weil diese den römischen Zinsgesetzen nicht unterlagen. Der 
Senat wollte die römischen Schuldner aber auch für diesen Fall schützen. Er 
beschloß, dafi von den nächsten Feralien an, wenn der Schuldner römischer 
Bürger, der Gläubiger Bundesgenosse sei, der Schuldner wählen könne, ob die 
römischen oder die bundesgenössischen Gesetze angewandt werden sollen, und 
zwar ist dies in Form eineiv Dienstinstruktion an die Jurisdictionsmagistrate 
gekleidet: ut ex ea die pecuniae creditae, quibus debitor vellet legibus ins cre- 
ditori diceretur. 



— 54 — 

ist in der Hauptsache eine Anweisung zum Erlaß von Edikten 
bestimmten Inhalts. ') Solche Anweisungen über Jurisdiktions- 
führung und Ediktsfassung werden auch die aus den letzten 
Zeiten der Republik berichteten SCC. über Zinsfuß und über 
ambitus^) gewesen sein und entsprechend der allgemeinen 
Stellung des Senats zu der Magistratur eine tatsächlich ver- 
bindliche Kraft gehabt haben. Daß aber ein Senatsbeschluß, 
welcher ein Gesetz auslegt, einem Geschworenengericht die 
Hände bindet, wie nach einem Ausspruch Ciceros scheinen 
könnte,®) ist nicht glaublich. Ebenso wenig ist aus republi- 
kanischer Zeit erweislich, daß ein SC. unmittelbar verbindliche 
Rechtsvorschriften für das Volk aufstellen konnte. Wenn das 
SC, welches demjenigen, der sich betrügerisch als Sklaven 
verkaufen läßt, die Freiheit abschneidet, wirklich in repub- 
likanische Zeit zurückgeht, ^®) so spricht doch alles dafür, daß 
dasselbe eben auch nur eine Jurisdiktionsanweisung an den 
Prätor war. Es wies ihn an, die proclamatio ad libertatem 
zu denegieren. *^) 

IL Immerhin war man mit diesen Jurisdiktionsanweisungen 
bereits hart an die Grenze der Aufstellung allgemein verbind- 
licher Rechtsvorschriften durch den Senat gekommen. Denn 
sachlich steckt in der Norm, die der Magistrat bei seiner 
Jurisdiktion beobachten soll, auch die Vorschrift an die Pri- 
vaten, ihr Handeln danach einzurichten. Die Dienstvorschrift 
an den Magistrat enthält eine Rechtsvorschrift in sich, und 
es ist in der Kaiserzeit, obwohl erst nach einem Streit, 
von dem noch Gajus berichtet, anerkannt, daß diese Rechts- 
vorschriften dem Volksgesetze gleichstehen, die SCC. also 



^) SC. de Bacchanal. (Bruns I p. 160 sqq.) lin. 2 sq.: de Bacanalibns 
quei foideratei esent ita exdeicendum censuere. 

8) Cic. ad Ättic. V, 21, 13, vgl. 6, 37. — Cic. pro Mur. 32, 67. ad 
Attic. I, 16, 12. 

•) Cic. pro Mur. 32, 67. Cicero mußte das SC. gelten lassen, weil er 
es selbst beantragt hatte. 

10) Wenn nämlich der handschriftliche Quintus meus bei Paul. D. XL, 
12, 23 pr. Q. Mucius Scaevola ist; das ist aber keineswegs sicher. 

11) Ulp. D. XL, 13, 1. Pomp. eod. 3. Paul. eod. 4: 5. 



— 55 — 

ttcs civile schaffen.^^) Diese Ansicht, nach welcher die 
gesetzesgleichen SCC. aus den Jurisdiktionsanweisungen 
hervorgewachsen sind, hat handgreifliche Beweise aus der 
Form der privatrechtlichen SCC. der Kaiserzeit für sich;**) 
auch hat die hier angenommene Entwickelung zwei 
Parallelen: die Entwickelung von Rechtsvorschriften aus den 
kaiserlichen Dienstvorschriften für die Beamten (mandata^ 
s. unt. § 12) und die Entwickelung von Rechtssätzen aus dem 
magistratischen Amtsprogramm (s. ob. § 10). 

III. Die SCC. der Kaiserzeit ergehen oft auf Antrag des 
Kaisers, gestellt durch eine Rede, die er vorträgt oder durch 
einen Beamten {quaestor) vortragen läßt. Diese oratio princi- 
pis wurde mehr und mehr die Hauptsache, das bestätigende 
SC. Formalität, weshalb die Juristen statt des SC. öfter ge- 
radezu die oratio als Rechtsquelle citieren.**) Die Form des 
SC. aber haben die Kaiser für wichtigere gesetzgeberische 
Neuerungen bis in das dritte Jahrhundert gern gewahrt. An- 
dere Antragsteller als der Kaiser sind wohl regelmäßig nur 
auf seinen Befehl oder doch nicht ohne seine Zustimmung auf- 
getreten. 

IV. Die Beurkundung der SCC. erfolgte zuerst in der 
Art, daß der Magistrat, welcher den Beschluß erwirkt hatte, 
nach der Sitzung in Gegenwart einiger als Zeugen fungieren- 



^2) Gai. I, 4 (Senatusconsultum) legis vicem obtinet, quamvis faerit quae- 
situm. Pomp. D. I, 2, 2, 9. Pap. D. I, 1, 7 pr. Ulp. D. I, 3, 9. 

13) SC. Vellejanum D. XVI, 1, 2, 1: arbitrari senatum recte atque ordine 
facturos ad quos de ea re in ins ad) tum erit, si dederint operam ut in ea re senatus 
voluntas servetur. SC. Trebelliannm D. XXXVI, 1, 1, 2: placet actiones . . . 
dari. SC. Macedonianum D. XIV, 6, 1 : placere ne . . . actio pctitioque da- 
retur. Actionem (petitionem) darc ist Sache des Magistrats ! Eine klare staats- 
rechtliche Grundlage hat die Gesetzeskraft der Senatusconsulte nicht gehabt. 
Denn dann wäre der Streit darüber nicht möglich gewesen. 

1^) Ulp. D. II, 15, 8 pr. : divos Marcus oratione in senatu recitata eüecit. 
Ulp. D. XXIV, 1, 23 citiert nur die oratio divi Severi, während er selbst eod. 32 
sagt: imperator noster Antoninus Augustus (d. h. Caracalla) ante excessum 
divi Severi patris sui oratione in senatu habita auctor fuit senatui censendi . . . 
Ulp. D. XXVII, 9, 1 spricht von einer oratio imperatoris Severi als der einen 
Rechtssatz begründenden Quelle und noch dazu kündigt der Text der oratio 
einfach kaiserliche Mafiregeln an (interdicam), dennoch hat auch hier die Be- 
stätigung durch SC. nicht gefehlt: vgl. Ulp. D. XXVII, 9, 10. Marci. ib. 12. 



— 56 — 

der und in der Urkunde mit den Worten scribendo affuere^^) 
aufgeführter Senatoren den Beschluß hiederschrieb oder nieder- 
schreiben ließ. Diese Urkunden sollen seit 449 v. Chr. im 
Cerestempel unter Aufsicht der plebejischen Ädilen aufbewahrt 
worden sein, ein Institut, das später wieder verschwindet und 
vielleicht sich nur auf die die Plebs berührenden SCC, speziell 
diejenigen, welche Plebiszite genehmigten, bezog. ^•) In der 
späteren Zeit der Republik waren die SCC. im Ärarium nieder- 
zulegen. Diese Einrichtung wird zuerst für das Jahr 197 v. 
Chr. bezeugt.^') Die Niederlegung ist Voraussetzung des In- 
krafttretens des SC.^^) Je nach Umständen erfolgen Aus- 
fertigungen an Interessenten ^®), Publikationen in Volksversamm- 
lungen (conciemes), inschriftliche Aufstellungen.^®) Cäsar hat in 
seinem ersten Konsulat die Einrichtung getroffen, daß über 
die Verhandlungen des Senats (wie der Volksversammlungen) 
tägliche Berichte veröffentlicht wurden.^^) 

Die Benennung der SCC. mit Personennamen ist nicht 
offiziell gewesen. Bei den Juristen bildete sich aber der Ge- 
brauch, die SCC. adjektivisch mit dem Namen des oder eines 
der Antragsteller zu bezeichnen (z. B. SC, Neronianum^^) nach 
dem Kaiser Nero, Vellaeanum [Vellejanufn\ (a. 46 n. Chr.,-') 
Trebellianum (a. 56 n. Chr.),^*) Pegasianum (unter Vespasian).*^) 
Gelegentlich kommt auch die Benennung nach dem Verbrecher 
vor, der das SC. veranlaßt hatte, so bei dem SC. Macedo- 
nianum?^) 

V. Die meisten SCC. kennen wir nur aus literarischer 



^^) SC. de Bacchan. lin. 2. SC. de nundinis saltus Beguensis lin. 6 sqq. 
18) Liv. III, 55. Vgl. oben § 6, I, 4. 17) Liv. XXXIX, 4, 8. 

18) Der Senat ist auch Strafgericht. Um den zum Tode Verurteilten 
einen Aufschub zu sichern, wurde nach Tac. ann. III, 51 unter Tiberius durch 
SC. festgesetzt, dafi die decreta patrum erst nach 20 Tagen in das Aerar ge- 
bracht werden sollten. Der Vollstreckung muß also das deferre ad aerarium 
rechtlich notwendig vorausgegangen sein. 

19) SC. de Thisbaeis lin. 58 sqq. 

20) Vgl. das im Text V, 1 über das SC. de Bacchanalibus Gesagte. 

21) Suet. Caes. 20, vgl. Mommsen, Staatsr. III, 2 S. 1017 f. 

22) Gai. II. 197. 212. 23) d. XVI, 1. 

24) Gai. III, 255 und sonst. D. XXXVI, 1. 

26) Gai. III, 256 und sonst. 26) uip. D. XIV, 6, 1. 



— 57 — 

Überlieferung. Doch ist auch manches inschriftlich erhalten. 
Zu erwähnen sind die folgenden SCC, unter welche auch solche 
aufgenommen sind, welche nur spezielle Verwaltungsakte des 
Senats darstellen. Denn auch diese sind als Belege für die 
•Regeln wichtig, nach denen Fälle, wie die ihnen zu Grunde 
liegenden, behandelt zu werden pflegten. 

1. Das SC. de Bacchanalibus vom Jahre i86 v. Chr., die 
Maßregeln zur Unterdrückung der bacchanalischen Verschwö- 
rungen betreflfend, gefunden 1640 auf einer Bronzetafel zu 
Tiriolo in Calabrien. In Ausfuhrung der Vorschriften des 
Senates veranlassen die Konsuln unbekannte Magistrate des 
ager Teuranus, die mitgeteilten Vorschriften des Senats durch 
Verkündigung in concione und durch Aufstellung in Erz be- 
kannt zu machen und sonst zu ihrer Ausführung mitzu- 
wirken.^^) 

2. Zwei SCC. in betreff der Rechtsverhältnisse der Ge- 
meinde Thisbaea in Boeotien, von 170 v. Chr., in griechischer 
Übersetzung auf Marmor in Thisbaea 1871 gefunden.^®) 

3. Ein SC, betreffend die Tiburtiner (um 160 v. Chr.), 
gefunden zu Tibur im 16. Jahrhundert, auf einer später wieder 
verlorenen Bronzetafel.^®) 

4. Ein SC. vom Jahre 78 v. Chr., durch welches drei 
griechische Nauarchen, Asclepiades und Genossen wegen 
ihrer Verdienste im Bundesgenossenkrieg für Freunde des 
römischen Volkes erklärt und privilegiert werden; gef zwei- 
sprachig zu Rom im 16. Jahrhundert auf Bronze.^) 

5. Ein SC. vom Jahre 73 v. Chr., durch welches die 
Entscheidung der Konsuln in einem Streit der Oropier mit 
Publikanen bestätigt wird; in griech. Ubers. auf Marmor 1884 
zu Oropos gefunden.*^) 

6. Ein SC. vom Jahre 42 v. Chr., durch welches Aphro- 
disias in Carien zur civitas libera erklärt wurde; in griechi- 
scher Übersetzung auf einem Marmor, zuerst 1738 herausge- 
geben.^^) 



27) Bruns I p. 160 sqq. 28) Bruns I p. 162 sqq. 

29) Bruns I p. 166 sq. . 30) Bruns I p. 167 sqq. 3i) Bruns I p. 
172 sqq. 

82) Bruns I p. 177 sqq. Über zwei SCC. betr. die Rechtsverhältnisse 



— 58 — 

7- Ein SC. de ludis saecularibus (zwischen 17 v. Chr. 
und 47 n. Chr.) auf Marmor, gefunden im 16. Jahrhundert zu 
Rom.»3) 

8. Ein Kapitel eines SC, durch welches die Bildung von 
Totenkassen gestattet wird, erhalten als Bestandteil der In- 
schrift des collegium funeraticium iMnuvinum?^^ 

9. Eine Oratio des Kaisers Claudius betreffend die Er- 
teilung des ius honorum an die den transalpinischen 
Galliern entstammenden Bürger, auf deren Grund wenigstens 
zunächst den Aeduern (Tac. annal. XI, 25) dieses Recht vom 
Senat erteilt ist: gefunden 1528 in Lyon auf Bronze.^) 

IG. Eine Oratio, vielleicht ebenfalls von Claudius über 
den Ausschluß jugendlicher Personen vom Richteramt und 
Ähnliches, erhalten in Gestalt eines Papyrus.*®) 

11. Aus einer 1600 in Herculaneum gefundenen, später 
wieder verlorenen Bronzetafel sind bekannt zwei SCC. von 
44/46 n. Chr. und vom Jahre 56 n. Chr., gerichtet gegen Speku- 
lationen mit Kauf von Häusern auf Abbruch {SC, Hosidiantim 
und SC, Volusianum}'^) 

12. Ein SC. vom Jahre 138 n. Chr., durch welches einem 
Afrikaner Lucilius, senatorischen Standes, das Recht gewährt 
wird, in einem außerstädtischen Bezirk [saltus) im Territorium 
der Musulamier monatlich zweimal Markt zu halten; gefunden 
in Tunis 1860 und 1873 auf zwei Steinen.^^) 

13. Ein Stück eines SC. zwischen 138 und 160 n. Chr., 
durch welches das in der Stadt Cyzicus bestehende corpus 
viiJDV genehmigt wird, 1876 auf Stein in den Ruinen von 
Cyzicus gefunden.*^) 

14. Das SC. über Verminderung der Kosten der Gla- 



von Stratonicea und Tabae, ergangen im Anschluß an die Anordnungen SuUas 
in Kleinasien vgl. Diehl und Cousin, Bulletin de Corresp. hellenique IX 
(1885) p. 437 suiv. und Doublet ebenda XIII (1889) p. 503 suiv., dazu 
Viereck Hermes XXV (1890) S. 624ff. Mommsen Hermes XXVI (1891) 
S. 145 ff. 

33) Bruns I p. 183 sqq. »*) Bruns I p. 345 sq. 

86) Bruns I p. 187 sqq. 

36) Griechische Urkunden aus den Kgl. Museen zu Berlin Bd. II Nr. 611. 

37) Bruns I p. 190 sqq. 88) Bruns I p. 196 sq. 
39) Bruns I p. 197 sq. 



— 59 — 

diatorenspiele von 176/7 n. Chr. ist nicht selbst erhalten, 
sondern nur ein längeres Stück einer darauf bezüglichen Rede 
eines Senators, gefunden 1888 auf einer Bronzetafel in Italica 
in Spanien.*®) 

6. Constitutiones Principum, 

§ 12. 

Die kaiserlichen Erlasse unter dem Principat. 

I. Die Kaiser der augustischen Staatsordnung, die vor- 
diocletianischen Kaiser, sind von vorn herein keines wegs ^ ^ /. TA iu ^- 
als (^p^pt7.grph^r anfgptret^^ Sondern haben, wie früher gezeigt, 
zuerst noch die Volksversammlung, daneben und danach den 
Senat für Gesetzgebungszwecke benutzt. Aber das altrepub- 
likanische ius edicendi, welches dem Kaiser als einem höchsten 
Magistrat nicht fehlte, die in alles eingreifende Verwaltungs- 
tätigkeit und Gerichtsbarkeit des Kaisers, bei welcher, (wie 
überall bei den Römern) Rechtsanwendung in Rechtsfortbildung 
übergeht, und sein Recht, den ihm untergebenen Beamten 
Instruktionen zu erteilen, haben zu einschneidender und um- 
fassender kaiserlicher Rechtsbildung geführt. Man hat dabei 
anzunehmen, daß die Gesetzeskraft der kaiserlichen Erlasse 
erst allmählich mit der fortschreitenden Konsolidation der 
Kaisermacht zur Anerkennung gelangt ist, trotzdem Gajus 
sagt, es sei darüber nie gezweifelt.^) Seit der Mitte des 
zweiten Jahrhunderts wird die gesetzgleiche, also ius civile 
schaffende Kraft der kaiserlichen Erlasse als feststehend be- 
handelt.2) Ulpian sagt schlechtweg: quod principi placuit, legis 
habet vigorem,^ Die Begründung, welche dafür angegeben 
wird: cum ipse imperator per legem im^perium accipiat^) oder: 
utpote cum, lege regia, quae de imperio eius lata est, populus ei 



40) Bruns I p. 198 sqq. 

1) Gai. I, 5. Vgl. Just. C. J. I, 14, 12. Eine offene Kontroverse der 
Juristen wird freilich aus naheliegenden Gründen vermieden sein. Was Just. 
C. J. I, 14, 12, 2 (1) sagt, bezieht sich nicht auf den Streit der Klassiker, 
sondern auf Vorgänge der nachklassischen Gesetzgebung. 

8) Gai. I, 2. 5. Pomp. D. I. 2, 2, 11, 12. Pap. D. I, 1, 7 pr. 

8) D. I, 4, 1 pr. *) Gai. I, 5. 



— 60 — 

ei in eum omnc stmm imperium et potestatem conferat^) zeigt 
nur, daß es für die Gesetzeskraft der Konstitutionen eine klare 
Grundlage nicht gab, die insbesondere auch in der allgemeinen 
Klausel der für die Kaiser erlassenen Kompetenzgesetze, daß 
sie alles tun {agere facere^ dürften, was sie im Staatsinteresse 
für angemessen hielten, •) nicht gefunden werden kann. Fand 
aber einmal, auf welcher Grundlage immer, Anerkennung, daß 
der erklärte Wille des Kaisers Gesetzeskraft habe, so mußte 
sich dies auf jeden Erlaß desselben beziehen, mittels dessen 
er einen objektiven Rechtssatz aussprechen wollte, ohne Rück- 
sicht darauf, in welcher Form er diesen Willen kundgab, und 
ohne Rücksicht darauf, ob der allgemeine Satz selbständig 
auftrat, oder nur aus der Entscheidung eines konkreten Falles 
und ihrer Begründung herausgelesen werden konnte. Dahin- 
gegen gewann keine Gesetzeskraft, was nach ausgesprochener 
oder durch Auslegung ermittelter Absicht des Kaisers nur für 
den Einzelfall gelten sollte.') 

Die römischen Juristen bezeichnen als constituiiones prin- 
cipiim nur die Edikte und dasjenige, was wir Dekrete und 
Reskripte nennen;®) die Beamteninstruktionen (mandatd) lassen 
sie dabei ebenso außer Ansatz wie die kaiserlichen leges datae 
und dictae. Es ist aber sachlich gerechtfertigt, die mandata 
hier mit zu behandeln, während von den leges datae und dictae 
bereits im § 9 gesprochen ist. 

Dem Kaiser steht ein Konsilium zur Seite, bis Hadrian 
eine freie Versammlung von Freunden, seit Hadrian fester 
organisiert. Dieses wirkt beratend mit bei der kaiserlichen 
Gerichtsbarkeit; und die in deren Ausübung erlassenen münd- 
lichen wie schriftlichen Entscheidungen sind also, wenn auch 
formell vom Kaiser allein getroffen, so doch unter Beirat 
einer Versammlung zu stände gekommen, in welcher stets 
eine Anzahl angesehener Juristen waren. Manche der uns be- 



^) ülp. D. I, 4, 1 pr. 

*) Lex de imp. Vespas. lin. 17 sqq. 

'} Ulp. D. I, 4, 1, 2. Plane ex his quaedam sunt personales nee ad 
exempla trahuntur: nam quae princeps alicui ob merita indulsit vel si quam 
poenam irrogavit vel si cui sine exeraplo subvenit, personam non egreditur. 

8) Gai. I, 5. Ulp. D. I, 4, 1, 1. 



— 61 — 

kannten Juristen sind als kaiserliche Räte bezeugt. Den 
ersten Rang im Konsilium nehmen die Präfekti Prätorio 
ein, darunter ein Papinian, Paulus, Ulpian (s. unt. § 2i).*j Man 
wird annehmen dürfen, daß der gleiche Beirat auch bei sonstigen 
rechtlich erheblichen Erlassen, also auch bei der Redaktion 
von Edikten und Mandaten nicht gefehlt hat. Alexander 
Severus soll keine Konstitution anders als unter Zuziehung 
von 20 Juristen und 50 anderen Räten erlassen haben,^®) Es 
ist danach begreiflich, daß die kaiserlichen Erlasse an den 
Vorzügen der klassischen Jurisprudenz teilnahmen. 

II. Edikte des Kaisers sind, wie diejenigen anderer Ma- 
gistrate, öffentlich bekannt gemachte Anordnungen. Ein Amts- 
programm haben die Kaiser nicht erlassen, aber eine Reihe 
von einzelnen Rechtssätzen durch Edikte aufgestellt. 

Z. B. hat zuerst Augustus, dann Claudius durch Edikt 
den Frauen die Interzession für ihre Männer verboten, ^^) die 
Verjährung der Statusklagen fünf Jahre nach dem Tode der 
Person, die sie betrafen, wird auf ein Edikt Nervas zurück- 
geführt,^^) das Privilegium exigendi des Gläubigers, der ein 
Darlehn zum Wiederaufbau eines Gebäudes gegeben hat, auf ein 
Edikt M. Aureis. ^^ Die kaiserlichen Edikte gelten, anders als 
die der republikanischen Magistrate, nach dem Aufhören des 
Amts ihres Urhebers fort.^*) Daß das kaiserliche Edikt auch 
spezielle Angelegenheiten ordnen kann, wie z. B. das Edikt 
des Claudius de civitate Anaunorum^ ^*) hat es mit den Edikten 
anderer Magistrate gemein.^*) 

Das Edikt kann (wie das anderer Magistrate) mündlich 
verkündet werden. Es war aber wohl Ausnahme, wenn dies 



») Mitteilungen aus Beratungen D. IV, 4, 38, XLIX, 14, 50. 

»0) Hist. Aug. Alex. Sev. 16, 1. 

11) D. XVI, 1, 2 pr. 18) D. XL, 15, 4. 

18) D. XLII, 5, 24, 1. Vgl. C. J. X, 60 (59), 1. 

1*) Dafür auch Krüger S, 103 f. Der beste Beweis dafür ist, daß ein 
Edikt des Augustus als später aufgehoben bezeugt ist, also mit seinem Tode 
nicht von .«elbst gefallen war. Paul. D. XXVIII, 2, 26: iam sublato edicto 
divi Augusti. Dies sieht indessen Lenel, Holtz. Encykl. S. 127 Anm. 4 
nicht als ausreichenden Grund für die hier vertretene Ansicht an. 

16) S. u. § 14, VI, 2. 

l<^) Man denke nur an die Ladungsedikte im Prozefi. 



— 62 — 

von dem Kaiser selbst geschah. ^^ Die Urkunde über das 
Edikt führt den Kaiser im Präsens redend ein (z. B. Tu Clau- 
dius Caesar . . . dicit}^) Das Edikt wird öffentlich auf eine 
wohl wechselnd bestimmte Zeit angeschlagen, zunächst in der 
Residenz des Kaisers, je nach Umständen auch an andern 
Orten. Daß bei Publikation im weiteren Bereiche die Mit- 
wirkung der örtlich zuständigen Beamten in Anspruch ge- 
nommen wird, ist natürlich.^®) Man darf aber zweifeln, ob 
immer für die angemessene Publikation allgemeiner Rechts- 
sätze im ganzen Reich Sorge getragen ist. 

III. Mandata sind die Instruktionen, welche der Kaiser 
den ihm untergebenen Beamten, einschließlich der Statthalter 
der Senatsprovinzen, die seiner Oberaufsicht unterstehen, er- 
teilt. Analog dem privatrechtlichen Mandatsbegriff gelten 
diese Instruktionen nur für den Beamten persönlich, dem sie 
erteilt sind, und nur für die Dauer der Regierung des Kaisers, 
der sie erteilt hat. Es bildete sich aber ein für alle Beamten 
ständiger, beim Regierungs- und Beamtenwechsel regelmäßig 
erneuerter Grundstock von Mandaten (ähnlich den tralaticischen 
Edikten) ein Mandaten-Buch mit einer Anzahl ständiger Kapitel. 
Hierdurch sind eine Reihe von neuen Rechtssätzen aufgestellt, 
die man nicht mehr bloß als Dienstinstruktionen für die Be- 
amten, sondern als unmittelbar für die Rechtsuntertanen gel- 
tende Vorschriften und zwar als ins civtle auffaßte, ähnlich 
wie bei den zunächst Amtsinstruktionen aufstellenden Senatus- 
konsulten (ob. S. 54 f.). Z. B. die Anerkennung des formlosen 
Soldatentestaments, aus welchem zivile Erbschaft erworben 
werden kann,*®) beruht auf einem seit Trajan ständig den 



17) Als ein so verkündetes Edikt ist die von M. Aurel im Prätorianer- 
lager verlesene Rede Vat. Fr. 195 zu bezeichnen. 

18) Ed. Claudii de civitate Anaunor. (Bruns I. p. 240 Hn. 6.) 

10) Das Edikt des Claudius zu Gunsten der Juden bei Joseph, antiqu. 
19, 5, 5 (Hänel corp. leg, p. 45 sq.) sollte von den Magistraten aller Stadt- 
gemeinden in Italien und außerhalb desselben und von den verbündeten Fürsten 
mindestens 30 Tage ausgehängt werden; die Publikation in Rom wird, offen- 
bar als selbstverständlich, übergangen. 

30) Ulp. D. XXIX, 1, 15, 1: hereditatem miles — nuda voluntate dare 
potest. Hereditas ist die Erbschaft nach ins dvile. 



— 63 — 

Mandaten inserierten Kapitel.*^) Die Ehe von Provinzial- 
beamten und Soldaten in der Provinz mit Provinzialinnen war 
in den Mandaten verboten und wird iure civili als nichtig 
angesehen.^^) Auch in das Strafrecht greifen die Mandate 
ein.^^) Wie es scheint, ist Veröffentlichung das Publikum 
interessierender Bestimmungen der Mandate durch Edikte 
der Statthalter wenigstens vorgekommen.^*) 

IV. Decretum bezeichnet allgemein die Verfügung in Ver- 
waltungs- und Justizsachen.^^) In engerem Sinne ist decretum 
principis die mündlich verkündete und auf mündliche Ver- 
handlung ergangene Entscheidung in einem Prozesse, sei es 
Endurteil oder Zwischenverfiigung (interlocutio). Derartige 
von dem Kaiser in Ausübung der Zivil- wie Strafgerichtsbar- 
keit zum Teil in letzter, zum Teil in einziger Instanz verkün- 
dete Bescheide beruhen zunächst auf Anwendung des gel- 
tenden Rechts, welches der Kaiser jedoch, wie andere zur 
Rechtsanwendung und Rechtsauslegung berufene Faktoren 
auch, fortbildend interpretiert. Und zwar so frei, daß die 
Interpretation vielfach in die Aufstellung ganz neuer Rechts- 
sätze übergeht, wie z. B. in dem berühmten decretum divi 
MarciP) Die von dem Kaiser getroffene Entscheidung des 



21) Ulp. D. XXIX, 1, 1 pr. Mandatis inseri coepit caput tale cet. 
28) Ulp. D. XXIV, 1, 3, 1. 

23) Callistr. D. XLVIII, 19, 27, 1. 2. 

24) Hierauf beziehe ich die Nachricht, dafi Antoninus Pius als Statthalter 
von Asia ein Kapitel der Mandate sub edicto proposuit. Marci. D. XLVIII, 
3, 6, l. 

26) Decretum principis wird von Papinian D. I, 1, 7 pr. offenbar in ganz 
allgemeinem Sinne statt constitutio principis gebraucht. Wenn das prätorische 
Edikt (wenigstens in der Hadrianischen Fassung) wiederholt erklärt, sich nach 
edicta und decreta principis richten zu wollen D. III, 1, 1, 8, IV, 6, 1, 1, 
XLIII, 8, 2 pr., so mufi decretum ebenfalls in einem allgemeineren Sinne ge- 
braucht sein; es ist wenigstens nicht einzusehen, warum das prätorische Edikt 
die schriftlichen Erlasse des Kaisers weniger respektieren sollte als die Dekrete 
im engeren Sinne. 

26) D. IV. 2, 13. XLVIII, 7, 7. ,Optimum est, ut si quas putas te 
habere petitiones, actionibus experiaris. Interim ille in possessione debet morari 
tu Petitor es', et cum Marcianus diceret: ,vim nullam feci', Caesar dixit: ,tu vim 
putas esse solum si homines vulnerentur? vis est et tunc quotiens quis id quod 
deberi sibi putat non per iudicem reposcit [non puto autem nee verecuudiae 



— 64 — 

einzelnen Falles hat Rechtskraft; die Gesetzeskraft des 
Dekrets bedeutet, daß die in ihm hervortretenden, die Ent- 
scheidung begründenden Rechtssätze auch für andere Fälle 
maßgebend sind. 

Das Dekret wie die ganze Verhandlung, zu der es ge- 
hört, wird in die Protokolle der kaiserlichen Amtshandlungen 
{commentarii, imo^i'ijjuaTa) aufgenommen.*^) Die Publizität 
der Dekrete als gesetzgeberischer Akte konnte als durch die 
Öffentlichkeit der Verhandlungen gegeben angesehen werden; 
den Interessenten scheint Abschrift der Protokolle nicht so- 
wohl erteilt als vielmehr ihnen nur gestattet zu sein, sie selbst 
zu nehmen.^®) Ausnahme, besonders durch die Stellung des 
Adressaten motiviert, wird es gewesen sein, wenn mittels 
kaiserlichen Schreibens ihm Protokollauszug zugefertigt wird, 
wie in dem Schreiben Domitians an die Gemeindeorgane von 
Falerio.2») 

V. Schriftliche Erlasse des Kaisers an eine bestimmte 
Adresse sind epistolae^ und wenn sie unter eine Eingabe ge- 
setzt sind, stibscriptiones, Reskripte können sie streng ge- 
nommen nur genannt werden, wenn sie, selbständig oder als 
suöscripiio^ Antwort auf eine Eingabe sind. Doch erlaubt 
man sich, den Ausdruck Reskript auch wohl auf Erlasse aus- 
zudehnen, die diesen Charakter nicht haben. 

I. Es kommen generelle Verordnungen der Kaiser in 
Form von Schreiben an einzelne Beamte vor.^) Ein solcher 

nee dignitati nee pietati tuae convenire quicquam non iure facere] quisquis 
igitur probatus mihi fuerit rem ullam debitoris ( vel pecuniam debitam ) non ab 
ipso sibi sponte datam sine uUo iudice temere possiderc ( vel accepisse ) ^ isque ) 
[eumque] sibi ius in eam rem dixisse, ius crediti non babebit. Die in [] ein- 
geschlossenen Worte fehlen in D. IV, 2, 13, die in ^ ) eingeschlossenen Worte 
läßt D. XLVIII, 7. 7 fort. Die Überlieferung in D. XLVIII, 7, 7 ist oflFcnbar 
die bessere. Die Worte vel pecuniam debitam und vel accepisse sind inter- 
poliert. Nur isque in D. IV, 2, 13 ist besser als eumque in D. XLVIII, 7, 7, 
aber vielleicht (mit Mommsen) dui'ch ipseque zu ersetzen. 

27) D. IV, 2, 13. XLVIII, 7, 7, s. Anm. 26. Alex. Sevcr. C. J. VII, 62, 1. 
Das Stichwort ist: Caesar dixit im Gegensatz zum Edikt (dicit). 

^) Sententiam Divi Patris mei, si quid pro sententia dixit, describere 
tibi permitto. Reskript von Antoninus Pius C. J. L. III, 411. 

29) Bruns I p. 242 sq. 

80) Z. B. das Schreiben Hadrians über das Erbrecht der Soldatenkinder, 



— 65 — 

Erlaß kann, aber muß nicht auf Anregung des Adressaten 
ergangen sein. Liegt er uns unter der Adresse eines Be- 
amten vor, so schließt das natürlich nicht aus, daß er gleich- 
lautend an andere ergangen ist. Vielmehr werden derartige 
Verordnungen oft an alle Beamten, die ihr Inhalt anging, zugleich 
erlassen sein; wir können aber nicht behaupten, daß dies 
immer geschah und für die Gemeinverbindlichkeit des Erlasses 
als erforderlich angesehen wurde.'^) 

2. Allgemeine Anordnungen enthalten regelmäßig auch 
die Erlasse an die Städtetage {communia, yioivä) einer Provinz, 
die wohl regelmäßig durch eine Eingabe derselben veranlaßt 
wurden. Sie können für die Provinz allein ergehen,**) aber 
auch gemeines Reichsrecht begründen, und dies nach aus- 
drücklichem Zeugnis, trotzdem kein anderer Publikationsakt 
als der Erlaß an den einzelnen Städtetag vorliegt.**) Auch 
an eine einzelne Stadtgemeinde sind gelegentlich allgemeine 
Rechtsvorschriften reskribiert und daraufhin als gemein- 
gültig behandelt worden.^*) 

3. Die Erlasse in speziellen Verwaltungs- und Justizange- 
legenheiten sind wohl durchweg Reskripte im eigentlichen 

bei Bruns I p. 381 (dort irrig dem Traj an beigelegt) ; vgl. Wilcken Hermes 
XXXVII (1902) S. 87 ff. 

31) Wo wir heute literarisch einen Erlafi rein generellen Inhalts an einen 
Beamten vor uns sehen, ist übrigens mit der Möglichkeit zu rechnen, daß er 
dennoch zur Regelung eines Spezialfalles ergangen, und die Beziehung auf 
diesen in der Überlieferung verloren gegangen ist. 

82) Ulp. D. I, 16, 4, 5. Caracalla reskribierte auf Antrag der Asianer, 
dafi der Prokonsul zu Schiff nach Asien zu kommen habe und zwar zunächst 
nach Ephesus. 

33) Mod. D. XXVII, 1, 6, 2. cTtiaro^^s lAvrcavivov rov Ei>aeßoi5s 
yoayeiarjg fihv reo xoirtß Tf}s 'Aoiag, Ttavri 8h reo y.6ofi€p Sia^e^oijarjg 
vgl. ferner Callistr. D. V, 1, 37: daß zuerst über die gewaltsame Vertreibung aus 
dem Besitz, dann erst über das Eigentum zu erkennen sei, reskribirte Hadrian 
an das xoivöv von Thessalien in griechischer Sprache. Ulp. D. XLIX, 1, 1, 1 
teilt ein griechisches Reskript von Antoninus Pius an das xoivöv der Thrakier 
mit über die Appellation gegen ein kaiserliches Reskript wegen Unrichtigkeit des 
Berichts, auf den es ergangen ist. .Paul. D. XLIX, 1, 25 bringt ein ebenfalls 
griechisches, die Appellation betreffendes Reskript an das xoivöv der Griechen 
in iJithynien. 

3*) Ulp. D. XLVIII, 3, 3. Antoninus Pius reskribierte griechisch auf 
Antrag der Antiochenser über die Untersuchungshaft, 

Kipp, Quellen des rOm. Bechts. 5 



— 66 — 

Sinne; zumal in Justizsachen ist Verfügung ohne Eingabe 
kaum denkbar. Auch das Verwaltungsreskript ist rechtsan- 
wendender Natur und von der Gesetzeskraft der in ihm her- 
vortretenden objektiven Rechtssätze nicht ausgeschlossen. Die 
Hauptrolle fällt aber den Justizreskripten zu. Diese wollen 
wie die Dekrete zunächst das geltende Recht anwenden; aber 
wie bei jenen wird daraus Rechtsfortbildung, und während 
die eigene Kognition des Kaisers nur beschränkt ausführbar 
war, ist das Eingreifen der Reskripte ein sehr umfassendes 
gewesen. Allerdings gibt es auch viele Reskripte, die nichts 
sind als Wiedergabe des geltenden Rechts und dabei oft auf 
die Zweifellosigkeit der behandelten Frage selbst hinweisen.^^) 
Ihre Gesetzeskraft bedeutet wie bei den Dekreten: Geltung 
der in ihnen ausgesprochenen oder durch Auslegung aus ihnen 
zu gewinnenden objektiven Rechtssätze auch für andere Fälle 
als den konkreten, in welchem das Reskript erging. Zu 
unterscheiden sind Reskripte auf Bericht eines Beamten und 
auf Parteiantrag. 

Der zur Entscheidung berufene höhere Beamte, und zwar 
wahrscheinlich nur ein solcher, von dem auch die Appellation 
an den Kaiser geht,^^) kann, wenn er zweifelt, die Sache 
mittels Berichts {consultatio^ relatio) dem Kaiser vorlegen und 
die Entscheidung von ihm erbitten. Das Reskript an den 
Beamten entscheidet dann auf Grundlage der in dem Bericht 
enthaltenen Sachdarstellung und kann eine Zwischenverfügung 
wie ein Endurteil sein; es ist den Parteien von dem Beamten 
zu eröffnen. Es kann durch Appellation an den Kaiser ange- 
fochten werden mit der Behauptung, daß der Bericht die 
Sachlage unrichtig dargestellt habe. 8"^) War jedoch der Be- 
richt der Partei abschriftlich mitgeteilt, so hätte sie die Appel- 
lation sofort gegen ihn richten müssen und kann gegen den 
Inhalt des Reskripts nicht mehr appellieren.^S) 



86) z. B. Carac. C. J. II, 3, 6. Diocl. C. J. II, 4, 32. Phil. C. J. 111,28,15. 
3«) Der Legatus Proconsulis, von welchem an den Prokonsul appelliert 

wird (Venul. Saturn. D. XLIX, 3, 2), soll auch die Konsultation nicht an den 
Kaiser, sondern an seinen Prokonsul richten fUlp. D. I, 16, 6, 2). 

87) Ulp. D. XLIX, 1, 1. 2. XLIX, 4, 1 pr. Alex. C. J. VII, 62, 2. 

88) Macer D. XLIX, 4, 3. 



— 67 — 

Auf den Antrag einer Partei (libellus, preces, supplicatio) 
kann der Kaiser, wie er berechtigt ist, die Untersuchung und 
Entscheidung selbst zu übernehmen, so auch die Sache an 
einen besonderen Richter verweisen ^ö) und diesen instruieren, 
beides wohl mittels unmittelbaren Erlasses an ihn. Er kann 
auch, ohne die Sache dem ordentlichen Richter zu entziehen, 
mittels Erlasses an diesen Anweisungen über die rechtliche 
Behandlung der Sache erteilen.*^) Am häufigsten aber sind 
die Reskripte an die Partei selbst, in welchen der Kaiser 
sich über die auf die Sache anwendbaren Rechtssätze ausspricht. 

Eine Nachricht über Trajan*^) scheint sagen zu wollen, 
daß er solche Rechtsbelehrungen nicht erteilt hat, fraglich, ob 
nach dem Beispiel früherer Kaiser oder im Gegensatz zu 
ihnen. Seit Hadrian dagegen haben die Kaiser in unzähligen 
Fällen Reskripte dieser Art erlassen, welche die Hauptmasse 
der uns erhaltenen kaiserlichen Konstitutionen bilden. Das 
Reskript kann sich begnügen, abstrakte Rechtssätze hinzu- 
stellen. So erscheinen vielfach Reskripte des Codex Justinianus, 
was freilich zum guten Teil auf Umarbeitung durch dessen 
Verfasser beruht. Wenn das Reskript eine Entscheidung des 
konkreten Falles gibt, so kann diese, weil auf einseitigem 
Parteivortrag beruhend, nur eine bedingte sein, abhängig von 
der im Prozess zum Austrag zu bringenden Voraussetzung, 
daß die von der Partei vorgetragenen erheblichen Tatsachen 
wahr, und nicht andere wahr sind, welche eine andere Ent- 
scheidung zu begründen geeignet wären. Die Reskripte zeigen 
das meist in irgend einer Art durch ihre Fassung, si vera 
sunt, quae precibus complexa es^^\ oder gewöhnlich, indem sie 
die Entscheidung von den und den tatsächlichen Bedingungen 
abhängig machen. Hierbei ist aber zu beachten, daß diese 
Bedingungen nicht immer Behauptungen der Bittschrift ent- 
sprechen, sondern oft auch die Kaiser erst darauf aufmerksam 
zu machen scheinen, was die Partei vorbringen muß, auch 
verschiedene Eventualitäten berücksichtigen. In vielen Fällen 



89) Ulp. D. IV, 4, 18, 4. 

*0) Vgl. Ulp. D. XXXIV, 1, 3. Callistr. (Hadr.) D. XLII, 1, 33. Ulp. 

(Anton. Pius) D. XLVIII, 6, 6. 

*i) Histor. August. Macrin. 13. *2) Diocl. C. J. II, 4, 13. 

5* 



— 68 — 

haben die Kaiser aber auch die Partei einfach an den ordent- 
lichen Richter verwiesen, ohne auf die Sache selbst einzu- 
gehen.*^) Es ist natürlich, daß die meisten Reskripte von 
klagelustigen Parteien erwirkt wurden, auch solche an Klage- 
bedrohte aber kommen vor.**) Das Reskript vor Gericht zu 
produzieren ist Sache der Partei. 

4. Beamte, Stadtgemeinden und Städteverbände erhielten 
die an sie gerichteten Erlasse in Form eines selbständigen 
kaiserlichen Briefes. Die Veröffentlichung wird bei den an 
Stadtgemeinden und Städteverbände gerichteten den Adres- 
saten überlassen sein.**) Anlangend die an Beamte gerichteten, 
so enthält das Schreiben Hadrians an Rammius (unt. § 14, VI, 5) 
den Publikationsauftrag und ist daraufhin in zwei Legionslagern 
öffentlich angeschlagen. Ähnliche Aufträge mögen auch sonst 
bei Erlassen erfolgt sein, die für das Publikum von Interesse 
waren, mochten sie allgemeine Vorschriften allein oder in 
Verbindung mit Verfügungen über einen Einzelfall enthalten. 

An Private ergeht das Reskript gewöhnlich mittels sub- 
scriptio unter der Eingabe. Daß die Eingabe mit dem Ori- 
ginal einer solchen vom Kaiser selbst gezeichneten Fußver- 
fügung an Private ausgehändigt wurde,*®) — nach Umständen 
durch Vermittelung eines Provinzialstatthalters*') oder anderer 
Beamter — ist sicher vorgekommen. Gewöhnlich aber ge- 
schah es nicht, sondern wurden periodisch die Eingaben 
mit daruntergesetzten Reskripten vereinigt zu einem Über 
libellorum rescriptorum in der Residenz des Kaisers öffentlich 
ausgehängt und dem Bittsteller überlassen, sich daraus 
eine beglaubigte Abschrift in Form einer Zeugenurkunde zu 
nehmen. Hierdurch sparte man die Zustellung an die Partei 
und hatte zugleich eine Publikation des gesetzgleichen Inhalts 
der Reskripte. Dieses Verfahren ist klar gestellt durch 



43) jul. D. I, 18, 8. Callistr. D. I, 18, 9. **) Diocl. C. J. II, 4, 15. 

•^ß) Vgl. Schluß des Schreibens Vespasians an die Saborenser Bruns I 
p. 242 sq., und desjenigen Domitians an die Falerienser Bruns I p. 242 sq., 
auch § 14, VI, 10. 

48) Das Reskript des Commodus Bruns I p. 24-4 sq. scheint Lurius Lu- 
cullus selbst in Händen gehabt zu haben. 

*7) Plin. et Trai. ep. 107 (108); zu lesen wird sein: libellum rescriptum. 



— 69 — 

das Reskript Gordians an einen Vertreter der Skapto- 
parener.*®) Die uns erhaltenen Reskripte tragen meistens den 
Vermerk dieser Proposition (im Codex Justianus von Antoninus 
Pius an**), die man trotzdem bis zur Auffindung der eben 
genannten Urkunde meistens bezweifeln zu müssen glaubte. 

Die Sprache der Erlasse ist nur in seltenen Fällen 
griechisch, ^<>) durchaus regelmäßig lateinisch. Gleichviel ob 
selbständige epistola oder stibscriptio, beginnt der Erlaß mit 
der Bezeichnung des Kaisers, von dem er ausgeht; im . Falle 
der Mitregentschaft ergeht er jedoch stets im Namen beider 
Kaiser; *'^^) dann folgt die Bezeichnung des Adressaten, bei No- 
tabeln mit Grußformel {salutent dtcit^^)^ später have . . . 
carissime nobis,^^) hieran schUeßt sich der Text; an ihn die 
eigenhändige Unterschrift des Kaisers, nicht mit dem Namen 
sondern mit dem Wort scripsi, rescripsi^^) oder mit einer 
Grrußformel [vale),^^) Weiter folgt das in seiner genauen Be- 
deutung noch nicht sicher gestellte recognovi des ausfertigen- 
den Kanzleibeamten ;*•) dann gewöhnlich die Angabe des 
Tages der Ausfertigung mit dem Stichwort data (oder sub- 
scripta).^'^ Der Beamte, welcher den Erlaß empfangt, setzt 



*8) Unt. § 14, VI, IL 49) c. J. 11,12 (13), 1. 

ßO) Anscheinend erhielten Koivd wie einzelne Gemeinden der hellenisti- 
schen Reichsteile ihre Reskripte regelmäßig griechisch. S. ob. Note 33, 34. 

öl) Höchst sonderbar, wenn ein mündliches Dekret als von mehreren 
Kaisern unisono gesprochen bezeichnet wird: Diocl. u. Maxim. C. J. IX, 47, 
12: dixenmt. Krüger will zwar statt dessen dixit setzen, aber das halte ich 
für nicht berechtigt. 

62) Schreiben Vespasians undDomitians an Gemeinden Bruns I p. 241 sqq. 

53) Diocletian C. J. VII, 62, 9. IX, 2, 11. 

ö*) Schreiben des Commodus Bruns I p. 246; Gordians an die Skapto- 
parener Bruns I p. 249. 

öö) Schreiben Vespasians an die Saborenser, Domitians an die Falerienser 
Bruns I p. 242 sq. 

ö6) Vgl. Schreiben des Commodus Bruns I p. 248. Reskript Gordians 
Bruns I p. 249. Am wahrscheinlichsten ist das recognovi die Konstatierung 
der Übereinstimmung der Reinschrift mit dem Entwurf und wird zeitlich vor 
der kaiserlichen Zeichnung auf die Reinschrift gesetzt, gerade wie heutige 
Gegenzeichnungen. 67) z. B. C. J. IV, 26, 1. 3. 6. 7. 8—12. 

68) Vgl., allerdings aus der folgenden Epoche: nov. Val. 10, 1. Steht 
accepta auf einem Erlaß an einen Privaten, z. B. divi fratres C. J. II, 12 (13), 



— 70 — 

ein „Präsentatum" darunter: accepta}^) Der Vermerk des er- 
folgten öffentlichen Aushangs hat das Stichwort proposita 
(//•)**)• ^s ^^ ^^^ ^^ ^^" Formalien manches schwankend 
und zweifelhaft. 

Auch die schriftlichen Erlasse des Kaisers werden in 
dessen Commentarii eingetragen.*^) Die Semestria M. Aurels®^) 
waren offenbar eine halbjährliche Sammlung von Konsti- 
tutionen; über ihre Natur läßt sich aber sonst nichts Sicheres 
sagen. 

§ 13. 
Die kaiserlichen Erlasse in der absoluten Monarchie. 

I. Seit Diocletian ist der Kaiser der unumschränkte 
Gesetzgeber. Sein oberster Beirat in Rechtsangelegenheiten 
ist der quaestor sacri palatii. Er ist das erste Mitglied des 
Consistorium PHncipis^ wie nunmehr^) das vormalige Kon- 
silium heißt. Das Konsistorium, oft auch als proceres 
palatii^ iudices bezeichnet, umgibt den Kaiser bei den vor 
ihm geführten mündlichen Verhandlungen, berät den Kaiser 
also bei Erlaß der Dekrete;*) es ist anzunehmen, daß auch 
bei dem schriftlichen mit Reskript endenden Gerichtsverfahren 
das Konsistorium zugezogen wurde. Leges generales sollen 
nach einer Verordnung von Theodosius 11^) sowohl im Kon- 
sistorium wie im Senat beraten werden. Ob das in Ansehung 
des Senates immer beobachtet ist, ist fraglich. Mit dem Rück- 
gang der Jurisprudenz hängt es zusammen, daß die kaiser- 
lichen Erlasse sich in juristischer Technik und im Stil ver- 



2. Sev. et. Car. C. J. II, 20 (21), 1, so ist das freilich auffallig, kann sich 
aber daraus erklären, daß der Erlaß durch Vermittelung eines Beamten dem 
Adressaten zugestellt ist. 

59) Z. B. C. J. II, 18 (19), 1—16. 

60) Plin. et Trai. epp. 65 (71). 66 (72). 95 (96). 105 (106). 

61) Tryph. D. II, 14, 46. Scaev. (Claud.) D. XVIII, 7, 10. 
») Diocl. C. J. IX, 47, 12. 

2) Diocl. C. J. IX, 47, 12. Const. C. Th. VIII, 15, 1. Jul. C. Th. XI, 
39, 5. Theod. I. C. Th. XI, 39, 8. Just. C. J. VII, 62, 37, 2. c. 39, la (1). 
VII, 63, 5, 2. 3. VII, 64, 10 pr. ^) C. J. I, 14, 8. 



— 71 — 

schlechtem. Sie werden schwülstig, oft unklar und zudem 
prahlerisch. 

IL Bis zum Jahre 429 war es Prinzip, daß die in der 
einen der beiden Reichshälften erlassenen Konstitutionen von 
selbst auch in der andern gelten. Wie man damit ausge- 
kommen ist, ist freilich sehr problematisch. In einem Erlaß 
vom Jahre 429 klagt Theodosius II über die Unsicherheit des 
damit gegebenen Rechtszustandes und verfugt deshalb, daß 
die Gesetze des einen Kaisers in dem Gebiete des andern 
nur dann gelten sollen, wenn sie diesem übersandt und von 
ihm angenommen und für seinen Reichsteil publiziert sind.*) 

III. Die Formen, in denen die kaiserlichen Erlasse sich 
bewegen, schUeßen sich an die der vorigen Epoche an, haben 
aber doch erhebliche Wandlungen erlitten. 

I. Als Formen für allgemeine Rechtsvorschriften {leges 
gefterales^) sind folgende zu unterscheiden. 

a) Erlasse an einen der beiden Senate, in Rom oder Kon- 
stantinopel, welche ein höherer Beamter durch Verlesen in 
der Sitzung verkündet. Diese Form ist aus der oratio prin- 
cipis der früheren Epoche hervorgegangen; der offizielle Aus- 
druck ist auch jetzt oratio^\ aber das bestätigende Senatus- 
konsult fallt fort. 

b) Edicta^ durch öffentlichen Aushang publiziert, scheiden 
sich weiter in zwei Formen. Das Edikt kann unmittelbar an 
die Untertanen {ad populutn ') oder einzelne Kreise derselben, 
z. B. die Einwohner der Hauptstadt®) gerichtet werden und 
wird dann als kaiserliches Edikt aufgestellt. Es kann aber 
auch*) an einen oder mehrere hohe Reichsbeamte oder an 
die Provinzialstatthalter oder einen derselben gerichtet wer- 
den mit dem Auftrage, die Publikation (so weit nötig, unter 
Mitwirkung von ihnen weiter zu beauftragender Behörden), zu 
veranlassen* Das kaiserliche Edikt wird dann durch Beamten- 



*) C. Th. I, 1, 5 vgl. auch nov. Theod. I, 5. 
») C. J. 1, 14, 3, 1 (a. 426). 

•) C. Th. IV, 1, 1 (a. 426): hac oratione sancimus. C. J. I, 14, 3 (a. 
426) : missa ad venerabilem coetum oratione conduntur. 
') Nov. Val. 9, 1. «) Nov. Val. 14, 1. 
•) Wie die meisten posttheodosianischen Novellen zeigen. 



- 72 — 

edikte publiziert, welche das kaiserliche in sich aufnehmen. 
Die Aushangszeit wird verschieden gewesen sein. Es tritt im 
Sinne eines besonders langen Aushangs die Verfügung auf, 
daß das Edikt durch das ganze laufende Jahr stehen bleiben 
soll. Auch die Anordnung, daß der Erlaß in Erz dauernd 
aufgesellt werden soll, kommt vor.*®) Vereinzelt ist ein 
mündliches Edikt Constantins in Form einer oratio an die 
Soldaten.") 

2. Mandata principis kommen wie früher vor. Die Bilder 
der notitia dignitatum (unten § 24) zeigen noch den liber 7nan- 
datorum. Im fünften Jahrhundert ist aber die Sitte, den Be- 
amten beim Amtsantritt ein allgemeines Instruktionsbuch mit- 
zugeben, unterbrochen. Justinian stellte im Jahre 535^^) eine 
neue allgemeine Instruktion fest. 

3. Kaiserliche Verfügungen für den Einzelfall haben auch 
jetzt die Form des schriftlichen Erlasses oder des mündlich 
verkündeten protokollierten Dekrets.^*) Protokollabschrift wird 
wie sonst, so auch bei dem Kaisergericht jetzt amtlich erteilt 
sein.^*) Die Dekrete treten aber jetzt noch mehr zurück, seit 
die Appellation an den Kaiser die Form der appellatio more 
consultationis annimmt. Ähnlich nämlich wie der Richter vor 
dem Spruch die Sache dem Kaiser mittels Berichts zur Ent- 
scheidung vorlegen kann, wird sie hier nach dem Spruch 
auf erhobene Appellation berichtlich mit Akten eingesandt, 
und die Entscheidung erfolgt mittels Reskripts. Sowohl bei 
diesem Appellationsverfahren, wie bei der consultatio ante 
sententiam muß jetzt der Beamte den Bericht den Parteien 
zur Vorbringung ihrer Einwendungen vorlegen.'^) Ist dies be- 
folgt, so fallt die Appellation gegen den Inhalt des Reskripts 
weg; wegen nicht erteilter Berichtsabschrift oder versäumter 
Akteneinsendung findet Beschwerde an den Kaiser statt.^^) 
Dieses Verfahren hat aber manche Wandlungen erlebt; man 



10) C. Th. II, 27, 1, 6. XIV, 4, 4. 

11) Protokoll darüber C. Th. VII, 20, 2. la) Nov. 17. 

13) Diocl. C. J. IX, 47, 12. Constantin C. Th. VIII, 15, 1. Jul. C. 
Th. XI, 39, 5. Theod. I. C. Th. XI, 39, 8. 

14) Vgl. Theod. II u. Val. III C. J. VII, 62, 32, 2. 4a: Scripta litiga- 
toribus edere. iß) Constant. C. Th. XI, 30, 1. 1«) Constant. C. Th. XI, 30, 6. 



— 73 — 

kehrte zur mündlichen Verhandlung zurück und führte diese 
sogar für die consultatio ante sententiam ein.") Die letztere 
hat Justinian a. 543 ganz verboten.^®) 

Das auf einseitigen Parteivortrag ergangene Reskript gilt 
auch jetzt nur unter der Bedingung der Wahrheit und Voll- 
ständigkeit des vorgetragenen Tatbestandes (praescriptio men- 
daciorum),^^) nach einer Verordnung Zenos soll die Bedin- 
gung: si preces veritate nituntur, stets dem Reskript einge- 
fügt werden.^®) Von öffentlichem Aushang der an Privatper- 
sonen gerichteten Erlasse verlautet jetzt nichts mehr. Eine 
Konstitution Diocletians setzt voraus, daß diese Erlasse zuge- 
stellt werden, und verfugt, daß es im Original geschehen solL*^) 

Die Gesetzeskraft der Reskripte hatte zu schlechten Er- 
fahrungen geführt. Es wurden Reskripte erschlichen, welche 
eine vom Kaiser nicht gewollte Abweichung vom bis- 
herigen Rechte enthielten. Zudem mochte man es der 
juristischen Auslegung, der die Kaiser überhaupt feindlich 
entgegentraten [unt. § 22] und die ihre alte Kraft verloren 
hatte, nicht mehr überlassen wollen, festzustellen, was vom 
Kaiser als Einzelverfiigung, und was als Gesetz beabsichtigt 
wäre. Darum verfügte Constantin, daß Reskripte, welche 
wider das bestehende Recht verstiessen, nichtig sein sollten, ^^) 
Arcadius verordnete, auf Consultatio ergangene Reskripte 
sollten nicht über den Fall hinaus gelten, in dem sie erlassen 
wären, entzog ihnen also die Gesetzeskraft.^^) Valentinian III. 
bestimmte,^*) daß Gesetzeskraft nur den an den Senat erlasse- 
nen und denjenigen Verfügungen beiwohnen solle, welche sich 
als Edikt oder lex generalis bezeichnen, ihre Publikation durch 
Aushang anordnen oder sonst zu erkennen geben, daß sie ge- 
meingültig sein wollen. Es gehören dahin also namentlich 
auch die Konstitutionen, in denen mit Entscheidung des Spe- 
zialfalles deutliche generelle Bestimmungen verbunden sind.^*) 



17) Kipp, Pauly-Wissowas Realencyklopädie der klassischen Altertums- 
wissenschaft unt. d. W. appellatio IV, 4. 1^) Nov. 125. 
19) C. J. I, 22, 2-5. 20) Zeno C. J. I, 23, 7. 
21) Diocl. C. J. I, 23, 3. 22) Constant. C. Th. I, 2, 2. 
23) Arcad. C. Th. I, 2, 11. 24) Valent. C. J. I, 14, 2. 3. 
2ö) Z. B. nov. Vai. 8, 1. 



- 74 — 

Ausgeschlossen von der Gesetzeskraft wurden damit, wie es 
scheint, nicht bloß die unter die obigen Kategorien nicht fallen- 
den Reskripte, sondern auch die Dekrete.^') Nach justinianischem 
Recht haben aber Dekrete immer und Reskripte auch dann 
Gesetzeskraft, wenn sie bestehendes Recht nur auslegen.^^) 

Amiotatio sieht nach einem Zeugnis^®) aus wie das Kon- 
zept eines Reskripts, kommt aber auch mit Reskript gleich- 
bedeutend und ferner in dem Sinne einer nicht genauer be- 
stimmbaren, manchmal dem gewöhnlichen Reskript gegenüber 
ausgezeichneten Nebenform der Reskripte vor.^®) 
^ 4. Pragmatica sanctio (pragmatica lex^ forma oder auch 

<i Yrvir*M-d^. ivs. xiwx pragmatica)\%c^€\xi\. dem Worte nach ein Erlaß zu sein, 
'^^'^ derein 7i'(> ay/ucr, eine Angelegenheit betrifft. Die Pragmatica 

ist aber keine gewöhnliche spezielle Verwaltungs- oder Justiz- 
verfugung, sondern betrifft Angelegenheiten des öffentlichen 
Interesses. Ihre Grenze ist freilich weder gegen die Reskripte 
noch gegen die leges generales scharf gezogen. Die Bestim- 
mungen der pragmaticae sanctiones sind teils allgemeiner, teils 
spezieller Natur; aber auch wenn sie eine reine Einzelverfügung 
betreffen, wie die Avocation eines Strafprozesses vom ordent- 
lichen Richter, tritt doch hervor, daß dabei das öffentliche 
Interesse massgebend ist.^®) Anderseits gründen sich auch die 
allgemeinen Anordnungen der Pragmatiken auf einen spezi- 
ellen Anlaß, einen besonderen Bericht eines Beamten oder 
eine Petition.^^) Auch das Schreiben, mittels dessen ein Kaiser 

26) Interlocutionibus, quas in uno negotio iudicaDtes protulimus vel postea 
proferemus, non in commune praeiudicantibus. C. J. 1. 14, 3, 1. 

27) Just. C. J. I, 14. 12. 28) Constant. C. Th. I, 2, 1. 

29) Theod. I C. Th. V, 13, 30. Theod. II C. Th. IV, 14, 1 § 1 : Nee 
sufficiat precibus oblatis speciale quoddam, licet per annotationem meruisse 
responsum. Nov. Val. 19, 1, 3: Quod enim fas non est vel per annotationes 
nostras nocentes mereri, multo magis vetamus rescriptis simplicibus impetrare. 

30) Nov. Just. 69 c. 4 pr. 

31) So erging nov. Val. 7, 3 auf suggestio des comes sacrarum largiti- 
onum, nov. Just. 162 auf einen Bericht eines Präfektus Prätorio über Kontro- 
versen der Advokaten seines Gerichtshofes, das Edikt VII Justinians auf 
Petition der Korporation der Argentarier, die Verordnung Justinians zur Rege- 
lung der Rechtsverhältnisse Italiens nach der Wiedereroberung auf Vorstellung 
des Vigilius, Bischofs von Rom (pragmatica sanctio pro petitione Vigilii 
Corp. iur Civ. III, p. 779 sqq.). 



— 75 — 

demjenigen der andern Reichshälfte seine Konstitutionen zum 
Zwecke der Einführung in dem Gebiet des Adressaten zu- 
sendet, erscheint als Pragmatica."*) Hierbei ist ein Gesuch 
um Übersendung nicht vorausgesetzt; daß aber sonst die prag- 
matischen Sanktionen regelmässig auf Gesuch ergehen, zeigen 
die Bestimmungen Zenos,^*) nach denen sie wie die Reskripte 
nur mit Hinzufiigung der Bedingung si preces veritate nituntur 
erlassen werden, überhaupt aber nicht an einzelne, sondern 
nur in öffentlichem Interesse an Provinzen, Gemeinden, Korpo- 
rationen, Beamtenkollegien oder sonstige Personengemeinschaften 
ergehen sollen. Anastasius'*) hat ihnen die Geltung im Wider- 
spruch mit leges generales abgesprochen. Justinian ließ bei 
Erlaß des Codex Justinianus den bisherigen pragmatischen 
Sanktionen ihre Kraft, so weit sie Privilegien erteilten, inso- 
weit sie dagegen allgemeine Rechtssätze aufstellten, nur unter 
der Bedingung, daß sie dem Codex nicht widersprachen.*^) 

5. Bei sämtlichen schriftlichen Erlassen des Kaisers sind 
die äußeren Formen ähnlich denen der früheren Zeit. Die 
Erlasse sind noch immer regelmässig lateinisch, doch mehren 
sich die griechischen gegen die justinianische Zeit. Sie be- 
ginnen mit dem Namen des oder der Kaiser. Fast bis zum 
Untergang des westlichen Reiches erscheinen stets die Namen 
der Kaiser beider Reichshälften. Die Adresse ist nach Umständen 
verschieden.^®) Die eigenhändige Zeichnung des Kaisers besteht 
bei den zu unmittelbarem Aushang bestimmten Edikten in 
der Verfügung: proponatur amantissimo nostro populo Romano '^'^) 
bei Erlassen an den Senat oder hohe Beamte ist sie ein mehr 
oder minder feierlicher Gruß.*®) Bei Schreiben an unter- 
geordnetere Personen mochte das bis zu dem einfachen scripsi 
heruntersinken. Die Zeichnung erfolgt mit einer dem Kaiser 



32) Nov. Theod. 1, 5. 83) Zeno C. J. I, 23, 7. 
34) Anast. C. J. I, 22, 6. 35) c. Summa § 4. 

36) Populo Romano, (nov. Val. 9, 1), consulibus praetoribus tribunis plebis 
senatui suo salutem dicunt (nov. Val. 1, 8), have Abiabi carissime nobis an 
(Constantin an einen Präfektus Prätorio. Bruns I p. 258) ; an niederer Stehende 
natürlich einfacher. 

37) Nov. Val. 9, 1. 14, 1. 

38) Nov. Val. 1, 3. nov. 16, 1, 4. nov. 19, 1, 4. 



— 76 — 

allein vorbehaltenen Purpurtinte.^®) Über die Gegenzeichnung*®) 
sind wir nicht genau unterrichtet. Justinian bestimmte, wohl 
kaum als etwas Neues, sondern im Sinne der Einschärfung, 
daß jeder Erlaß vom Quästor sacri palatii in bestimmter 
Weise gegenzuzeichnen sei."*^) 

Unter dem Erlaß wird das Datum der Ausfertigung 
bemerkt {data\ auch notiert, an wen gleichlautende Erlasse 
ergehen.*^) Ferner wird bei Erlassen an den Senat die Ver- 
lesung beurkundet [recitatä),^^) Bei dem den Erlaß empfan- 
genden Beamten erfolgt Präsentierung [accepta,^) Registrierung 
[regesta]*^) und Beurkundung des etwa erfolgten Aushangs 
(propositajf^) vollständiger mit der Angabe, daß der Beamte 
die Konstitution mittels seines Edikts bekannt gemacht habe 
{antelata edicto, proposita sub edicto}'^) 

6. Für die Sammlung der Erlasse im kaiserlichen Archiv 
ist natürlich auch in dieser Zeit Sorge getragen; wie es scheint, 
vorzugsweise bei dem Quästor sacri palatii}^) Doch ist dieser 
nicht allein damit betraut gewesen. Das vom östlichen 
Hofe übersandte Exemplar des Codex Theodosianus hat im 
Westreich der Präfectus Prätorio aufbewahrt; eine Abschrift 
erhielt der Präfectus urbi, eine zweite die Constitutionarii, 
um daraus Abschriften an das Publikum herauszugeben. Da 
sie aber als solche bezeichnet werden: quos tarn dudum hmc 
officio (sei. constitutionariorum) inservire praeter culpam pro- 
bamtiSy so ist anzunehmen, daß diese Behörde schon früher 

89) Leo C. J. I, 23, 6. Sacri affatus .... non alio vultu penitus aut colore 
nisi purpurea tantummodo scriptione illustrentur scüicet ut cocti muricis et 
triti conchyln ardore signentur .... Hanc autem sacri encausti confectionem 
nulli sit licitum aut concessum habere aut quaerere aut a quoquam sperare eo 
videlicet qui hoc adgressus fuerit tyrannico spiritu post proscriptionem bo- 
norum omnium capitah non immerito poena plectendo. 

♦0) Subscripsi in nov. Val. 19, 1 i. f., 20, 2 i. f. hinter dem Propo- 
sitionsvermerk, kann kaum eine Gegenzeichnung sein. 

*i) Nov. Just. 114. *2) Nov. Martiani 2. 1. 7. 

43) Nov. Val. 1, 8, 7. **) Nov. Val. 10, 1, 4. 20, 2, 6. 

4ö) C. Th. XI, 28, 14. nov. Theod. 1, 1, 6. 

*6) Nov. Val. 2, 2, 5. nov. 11, 1, 2. 

47) Nov. Val. 20, 1, 6. 22, 1, 9. nov. Val. 26, 1, 8. 

48) Ihm legen die Bilder der Notitia dignitatum ein Haus mit der Auf- 
schrift leges salutares bei. 



— 77 — 

mit der Funktion bestand, das Bedürfnis nach Abschriften 
kaiserlicher Konstitutionen für das Publikum zu decken.**) 
Justinian ließ seine Novellen in eine congregatio, einen über 
legunt eintragen.**^) 

§ 14. 
Die Überlieferung der vorjustinianischen 

Konstitutionen. 

I. Die dem Text oder wenigstens dem Inhalt nach er- 
haltenen kaiserlichen Konstitutionen zählen nach vielen Tau- 
senden. Zunächst haben die Juristen, denen nicht bloß die 
amtlich publizierten Erlasse zu Gebote standen, sondern deren 
viele auch durch ihre hohen Staatsstellungen freiesten Zugang 
zu den kaiserlichen Archiven hatten, die Konstitutionen in 
ihren Schriften verarbeitet, auch besondere Sammlungen davon 
veröffentlicht, wie Papirius Justus [constitutionum libri XX) 
und Paulus {decretorunt libri III, imperialium sententiarutn 
libri VI), Für dieses Material sind wir also auf die Über- 
lieferung der Juristenschriften, insbesondere auf die Digesten 
Justinians angewiesen. Vieles bringt die nichtjuristische Lite- 
ratur, namentlich auch Konzilienakten und kirchliche Sammel- 
werke; manches geben Inschriften und Urkunden.^) Hervor- 
zuheben ist Folgendes. 

Die Reskripte Trajans an den jüngeren Plinius auf die 
von ihm als Statthalter von Bithynien (legatus Augusti pro 
praetore consulari pote State ^ wahrscheinlich in den J. iii— 113 
n. Chr.) erstatteten Berichte in dem Briefwechsel zwischen 
Plinius und Trajan, in den Ausgaben mit der allgemeinen 



*9) Vgl. das SenatsprotokoU über Einfuhrung des Codex Theodosianus. 

M) C. Cordi § 4. nov. 17 pr. nov. 26 c. 5 § 1. 

^) Eine Sammlung der Konstitutionen vor Justinian ist Haenel: corpus 
legum ab imperatoribus Romanis ante Justinianum latarum (Leipzig 1857). 
Die in den drei Codices, den posttheodosianischen Novellen und der sirmon- 
dinischen Sammlung (unt. II — V) enthaltenen Konstitutionen sind in diesem 
Werke nur chronologisch registriert, die« sonst überlieferten in chronologischer 
Folge abgedruckt. Personen-, Orts- und Sachregister sind hinzugefügt. Das 
Ganze ist, wenn auch in vieler Beziehung mangelhaft, so doch höchst dankens- 
wert und durch nichts Besseres ersetzt« 



— 78 — 

Briefsammlung des Plinius verbunden und früher als deren lO. 
Buch behandelt. 

IL Besonders wichtig wurden für die Folgezeit zwei 
Privatarbeiten, der Codex Gregorianus und der Codex Hermo- 
genianus. Sie bilden die einzige Quelle des Codex Justinianus 
für die Konstitutionen der Zeit vor dem Bereich des Codex 
Theodosianus (unt. HI).*) 

1. Der Codex Gregorianus ist das Werk eines nicht 
weiter bekannten Gregorius.^) Er enthielt, eingeteilt in Bücher 
und Titel, Konstitutionen der Kaiser bis auf Diocletian und 
zwar mindestens von Hadrian an.*) Nach den vorliegenden 
Anführungen war er historisch gearbeitet, ohne besondere 
Bevorzugung des neuesten Materials. Die überlieferten Buch- 
zahlen reichen bis XIX.^) Das Werk wurde im Orient ge- 
schrieben •) und zwar unter der Regierung Diocletians und 
Maximians.') Wahrscheinlich ist es gleich nach dem Jahr 
294 veröfTentlicht.^) 

2. DerCodexHermogenianus stammt von einem Hermo- 
genianus;®) ob es der sonst bekannte Jurist dieses Namens 
ist (§ 21, 71), ist unsicher. Das Werk war kleiner als der 
C. Gr., nur in Titel eingeteilt, doch darf man es sich keines- 
wegs als unbedeutend vorstellen; wir hören von der 120. 
Konstitution des 69. Titels. ^^) Die aus diesem Codex ange- 
führten Konstitutionen gehören fast ausschließlich der Zeit 
Diocletians an, die meisten den Jahren 293 und 294,^^) und 

^) Dies hat Justinian so vorgeschrieben. C. Haec quae nee. § 2, vgl. c. 
Summa § 1. 

») Mommsen Zeitschr. d. Sav.-Stifl. X (1889) S. 347 f. 

*) Sonst könnte der Codex Justinianus nicht, wie der Fall, Konstituüonen 
von Hadrian an aufweisen; denn aus dem C. H. hat er sie sicher nicht. 

») Coli. 3, 4. Aber vielleicht ist hier XVmi irrig statt XTV ge- 
schrieben. S. Jörs bei Pauly-Wissowa Art. Codex Gregorianus. 

•) Note 14. In Berytus? Mommsen Zeitschr. d. Sav.-Stift. XXII s. 139ff. 

^ Eine dem C. Gr. entnommene Konstitution (Coli. 1, 10, 1) vom Jahre 
290 fuhrt die Kaiser Diocletian und Maximian als domini nostri ein. 

8) S. unt. Note 14. 

*>) Mommsen, Ztschr. d. Sav.-Stift. X (1889) S. 348f. 

10) Schol. Sinait. § 5. 

11) Ich meine die Konstitutionen, die die Quellen ausdrücklich als im 
C. H. enthalten angeben. , 



— 79 — 

es überwiegen durchaus diejenigen von Diocletian selbst. Vor- 
diocletianische Konstitutionen sind aus dem C. H. überhaupt 
nicht bekannt. Das Werk war im Gegensatz zu der histo- 
rischen Anlage des C. Gr. auf das Neueste gerichtet.^^) Es 
ist wie der C. Gr. im Orient geschrieben und gleich nach 
294 veröffentlicht. Der Verfasser soll es aber noch zweimal 
neu aufgelegt haben.*-^) Jedenfalls ist es später, auch von 
dritter Hand, mit Nachträgen vermehrt worden und zwar 
auch aus occidentalischem Material.^*) 



12) Was Theodosius II. C. Th. I, 1, 5 von dem historischen Wert der 
Codices sagt, kann für den C H. in dem Sinne gemeint sein, daß er nun 
historisches Material geworden war, auch, daß er mit den späteren Nachträgen 
ein historisches Bild darbot. 

13) Sedulius in der Widmung zu seinem paschale opus. 

1^) Im C. J. findet sich eine im Vergleich zu der Zahl der Konstitutionen 
der älteren Kaiser höchst auffallende Masse von Konstitutionen der diocletianischen 
Zeit und zwar fast ausschließlich sicher von Diocletian selbst. Wie in den Resten des 
C. H. sind dabei die Jahre 293/294 am stärksten vertreten ; aus der 2^it nach 294 
dagegen finden sich nur noch sehr spärliche diocletianische Konstitutionen. Wenn 
nun auch nach der sonst feststehenden Beschaffenheit der beiden älteren Codices 
anzunehmen ist, daß das diocletianische Material des C. J. hauptsächlich aus 
dem C. H. stammt, so ist doch der hervorgehobene Befund auch für den C. Gr. 
von Bedeutung, denn er beweist, daß auch aus dem C. Gr. kein oder kein 
nennenswertes maximianisches Material zu holen war, und daß auch er diesseits 
des Jahres 294 nicht viel bot. Danach aber ist anzunehmen, daß beide 
älteren Codices im Orient geschrieben sind und in ihrem Material mit 294 in 
der Hauptsache abschlössen. Dann werden beide gleich nach 294 veröffentlicht 
sein, und der C. H. wird nicht sowohl ein Nachtrag wie ein Seitenstück des 
C. Gr. genannt werden müssen. Daß der Verfasser des C. Gr. Vorstudien in 
Rom gemacht hat oder hat machen lassen, um die Konstitutionen der älteren Kaiser 
zusammenzubringen (Jör s in Pauly Wissowas Realencykl. Art. Codex Gregorianus) 
ist möglich, aber ob das notwendig war, doch wohl zweifelhaft. Es ist mög- 
lich, daß der Verfasser des C. Gr. noch einzelne Konstitutionen des Jahres 
295 selbst eingetragen hat (Coli. 6, 4), und das Gleiche läßt sich von dem 
Verfasser des C. H. nicht leugnen, obwohl Consult. 5, 7, eine occidentalische 
Konstitution, wahrscheinlicher ein Nachtrag von anderer Hand ist. Das ganz 
Wenige, was die Verfasser des C. J. aus der Zeit zwischen der 
so bestimmten ersten Veröffentlichung der CC. Gr. und H. und dem Herr- 
schaftsbereich des C. Th. aufgenommen haben, werden sie aus späteren Nach- 
trägen zu den CC. Gr. und H. kennen, die der erstere ebensowohl erlebt 
haben kann, wie sie der letztere sicher und zwar auch im Occident erlebt hat. 
Ein solcher Nachtrag werden namentlich die sieben Konstitutionen (darunter 



ü^^ 



~ 80 — 

Sowohl vom C. Grr. wie vom C. H. besitzen wir Kunde 
nur durch ihre Benutzung in späteren Werken, besonders der 
Lex Romana Wisigothorum (§ 25, I), der CoUatio (§ 24, 15) 
und der Consultatio (§ 24,18); auch in den Fragmenta 
Vaticana (§ 24, 14) und in der Lex Romana Burgundionum 

(§25, in).^») 

III. Der Codex Theodosianus**) ist ein Gesetzbuch 
von Kaiser Theodosius IL Dieser hatte die Absicht, 
nach dem Vorbilde des C. Gr. und C. H. eine amtliche 
Sammlung der kaiserlichen Konstitutionen von Konstantin an 
zu veranstalten. Dabei sollte auch dasjenige Aufnahme finden, 
was nur noch von geschichtlichem Interesse wäre, durch 
chronologische Anordnung der Konstitutionen aber deutiich 
gemacht werden, wie die jüngeren den älteren vorgehen. 
Dann sollte aus dem so entstandenen und den beiden 
älteren Codices und aus den Juristenschriften ein fernerer 
auf das praktisch Geltende gerichteter Codex zusammengestellt 
werden. Hierzu bestimmte der Kaiser eine Kommission 
von acht aktiven und inaktiven Staatsbeamten und einem 
Advokaten mit dem Rechte der Kooptation.*') Der Plan ist 
in diesem Umfange gescheitert, im Jahre 435 aber eine neue 
Kommission aus 16 Staatsbeamten lediglich zur Abfassung des 
Konstitutionencodex berufen.*®) Sie hatte die Instruktion, die 
Konstitutionen nach Materien in Titel und innerhalb derselben 
chronologisch zu ordnen, zu diesem Zwecke die einzelne 
Konstitution wo nötig zu zerteilen, um jedes Stück in dem 



sechs occidentalische) aus den Jahren 364 und 865 sein, welche Consult. 9, 
1 — 7 aus dem C. H. anführt. Die Datierung des C. H. zwischen 314 und 
324 (Mommsen Hermes XVII S. 632, Krüger S. 281 f.), der auch ich 
mich früher angeschlossen habe (Kritische Viertel jahresschr. XXXII (1890) 
S. 28), kann ich nach Obigem nicht mehr für richtig halten. Wenn die Kon- 
stitutionen des C. J., welche den Namen des Licinius tragen, wirklich aus 
dem C. H. stammen, so können auch sie zu dessen Nachträgen gehören. 

i&) Die Ausgabe von Haenel, Codices Gregorianus, Hermogenianus, 
Theodosianus (Bonn 1842) ist überholt durch die von Krüger, CoUectio lH 
p. 221 sqq. 

18) Mommsen, Das theodosische Gesetzbuch, Zeitschr. der Sav.-Stift. 
XXI (1900) S. 149 fr. S. 385 f. 

17) C. Th. I, 1, 5 a. 429. I8) C. Th. I, 1, 6. 



— 81 — 

geeigneten Titel unterzubringen, nur dasjenige aufzunehmen, 
was den Charakter des Rechtssatzes hätte, also wegzulassen, 
was nur auf den Spezialfall sich bezöge, auch sonst Weg- 
lassungen, Zusätze, Veränderungen in den Texten nach Er-» 
messen vorzunehmen. 

Aus der Arbeit dieser Kommission, von deren ernannten 
Mitgliedern aber, wie es scheint, nur acht wirklich in Tätigkeit 
getreten sind,*®) entstand der nach kaiserlichem Befehl so be- 
nannte Codex Theodosianus. Er wurde im Orient publiziert 
am 15. Febr. 438 mit Gesetzeskraft vom i. Jan. 439. Diejenigen 
Konstitutionen seit Konstantin, welche er nicht enthielt, wurden 
fast sämtlich außer Kraft gesetzt.^") Valentinian III. hieß das 
Werk gut und ließ es im Westreich publizieren. Wir haben 
noch das interessante Protokoll der Senatssitzung, in welcher 
der Präfectus Prätorio Anicius Acilius Glabrio den Codex vor- 
legte. Die Herausgabe von Exemplaren desselben wurde 
den Constitutionarii ausschließlich übertragen (vergl. ob. § 13, 
III, 6}^) Der Codex zerfiel in 1 6, in Titel mit Rubriken ge- 
teilte Bücher. Von den Veränderungen, zu denen die Kom- /mJ*-^'7 
mission ermächtigt war, hat sie reichlich Gebrauch gemacht. Die f ^, ^^^"7^ 
chronologische Reihenfolge hat sie zum Teil gewaltsam hergestellt, 
indem sie Konstitutionen, die ihr undatiert oder mit mangel- 
haften Daten vorlagen, mit fiktiven Daten versah.^^) Zudem 
haben die s. g. Inskriptionen, die Angaben der Urheber und 
Adressaten der Konstitutionen, und die s. g. Subskriptionen, 
die Datierungen, starke Verderbnisse in den Handschriften 
erlitten. 

Wir haben vom C. Th. nur lückenhafte Handschriften, 
die aber vielfache Ergänzungen finden durch die Benutzung 
desselben in späteren Werken, vor allem der Lex Romana 
Wisigothorum (§25, I).^''^) 



lö) Denn nur acht erhalten in nov. Theod. I den kaiserlichen Dank für 
ihre Mitwirkung. 20) Nov. Theod. I, 6. 

21) Eine Konstitution Valentinians III. bestätigte ihnen dies Recht im 
J. 443. Diese wie das Senatsprotokoll setzten sie den Exemplaren des 
C. Th. voran. 

22) Seeck, Zeitschr. der Sav.-Stifi. X (1889) S. 1 ff. 

28) Die Ausgabe der drei Codices von Hänel (ob. Anm. 15) ist für den 
Kipp, Quellen des rOm. Eechtp. 6 



L 



— 82 — 

IV. Die s. g. posttheodosianischen Novellen sind eine 
Sammlung nach Erlaß des Codex Theodosianus ergangener Kon- 
stitutionen (ncfvellae leges). Es entspricht dem allgemeinen 
Übergewicht des östlichen Reiches über das westliche, daß 
von dem in Aussicht genommenen Austausch der in beiden 
Reichshälften ergangenen Konstitutionen (ob. § 13, II) nur ein- 
seitig Gebrauch gemacht ist, durch Übersendung östlicher 
Konstitutionen an den westlichen Hof und Acceptation durch 
diesen. Die Übersendung westlicher Gesetze an das Ostreich 
ist nicht erweislich und unwahrscheinlich deswegen, weil der 
Codex Justinianus nachtheodosianische westliche Konstitutio- 
nen nicht kennt. Im Westreiche entstand eine Sammlung occi- 
dentalischer und orientalischer, dem Westreich übersandter 
und von ihm acceptierter Novellen.^*) Von dieser Sammlung 
gibt die Lex Romana Wisigothorum einen Auszug, der in 
einzelnen ihrer Handschriften aus der uns verlorenen Origi- 
nalsammlung ergänzt ist.^*) 

V. Die s. g. sirmodinischen Konstitutionen sind eine 
von Jacobus Sirmondus 1631 zuerst vollständig herausge- 
gebene, wahrscheinlich in Gallien bald nach 425 veranstaltete 
Sammlung von (18) Konstitutionen meist kirchenrechtlichen 
und sehr kirchenfreundlichen Inhalts aus den J. 331 bis 425.^*) 

VI. Von Inschriften und Urkunden nennen wir: 

I. Edictum Augusti de aquaeductu Venaf ratio. Enthält 
Vorschriften über die von Augustus in Venafrum (im Samni- 



'TKuwi^' ^J^f f "Theodosianus noch die neueste und beste; diejenige von Jacobus Gotho- 
tV.u.'5Tt n iii'*i- /fredus (1587 — 1652), erst nach seinem Tode von Marvillius herausgegeben, 
jfV ö^ /zuletzt mit Zusätzen von Ritter (Leipzig 1736 — 1741; ist wegen der mit 

I staunenswerter Gelehrsamkeit geschriebenen Kommentare und Anhänge noch 

^^*^Y^ 2*iS« limmer unentbehrlich. Eine neue Ausgabe von Mommsen steht bevor. 

'^t \i{i> ^*) ^^^ kennen daraus Gesetze von Theodosius II., übersandt an Va- 

-, j lentinian III. im Jahre 447 durch nov, Theod. 2, publiziert von Valentinian 

' - A% '™ Jahre 448 durch nov. Val. 25, 1, einige Gesetze Marcians aus den Jahren 

iL ' 450 — 455, eins von Leo, welches Anthemius als das seinige im J. 468 publi- 

i - 1* zierte (nov. Anthem. 3, 1 vgl. 2, 1) und eine Reihe von Gesetzen der west- 

/^^. **' . fl^ie'Ä^ liehen Kaiser Valentinian III., Majorian, Severus, Anthemius. 

V I ^ ,a/ •fl— /* 26"^ Ausgabe: Haenel. novellae constitutiones imnerato 



t I/KV*^' C ^^) Ausgabe : Haenel, novellae constitutiones imperatorum Theodosii II 

/ S cet. (Bonn 1844), hinter der Ausgabe der drei Codices. 

W y}^ ^®) Ausgabe: Haenel hinter der eben bezeichneten Novellenausgabc. 








, , «'»•1 



— 83 — 

tischen) gestiftete Wasserleitung, den leges dictae (§ 9) nahe- 
stehend. Die Magistrate und Decurionen werden ermächtigt, 
weitere Vorschriften zu erlassen (leges dicere). — Berührt 
werden cautio damni infecti und Recuperatorengerichte. Er- 
halten auf Marmor in Venaft'o.*^) 

2. Ein Edikt von Claudius von 46 n. Chr., welches die 
Entscheidungen eines kaiserlichen Kommissars über fiskalische 
Grundstücke gut heißt und zu deren Verkündigung ermäch- 
tigt, ferner den Anaunern, TuUiassern und Sindunern (bei 
Trient) das Bürgerrecht (in Berücksichtigung ihres langen Be- 
sitzes desselben!) bestätigt. — Berührt wird das Institut der 
Richterdecurien. Gefunden 1 869 bei Trient auf einer Bronze- 
tafeL^s) 

3. Ein Edikt eines der ersten Kaiser über das Appel- 
lationsverfahren. Auf Papyrus.*®) 

4. Zwei auf Bronze erhaltene Reskripte von Vespasian 
an Magistrate und Decurionen der Vanaciner (Corsica) und 
der Saborenser (Spanien) in städtischen Angelegenheiten.^o) 

5. Ein auf Bronze erhaltenes Schreiben Domitians vom 
J. 82 an quaiUiorviri und Decurionen der Falerienser (Picenum), 
durch welches ihnen ein von dem Kaiser verkündetes Dekret 
in einem Streite zwischen den Faleriensern und Firmanern 
zugefertigt wird.^^) 

6. Ein Reskript Hadrians an den Präfectus Ägypti Q. 
Rammius Martialis, durch welches der Kaiser die bisherige 
Erbunfahigkeit der von Soldaten während der Dienstzeit 
gezeugten Kinder ihren Vätern gegenüber in so weit mildert, 
daß ihnen die bonorum possessio unde proximi cognaii zu- 
stehen soll. Das Reskript war in griechischer Übersetzung 
angeschlagen in den Winterlagern von zwei Legionen. Er- 



27) Bruns I p. 238 sqq. 28) Bruns I p. 240 sq. 

2ö) B: G, U. IT, Nr. 628. Mitteis Hermes XXXII (1897) S. 629 ff. 
Scialoja Bulletino dell' istituto di dir. Rom. IX (1896) p. 180 sq. Auf der 
Rückseite des Papyrus steht ein Edikt von Augustus als Triumvir, betreffend 
Veteranenprivilegien. 

«») Bruns I p, 241 sq. »i) Bruns I p. 242 sq. 

6* 



— 84 — 

halten auf einem ägyptischen Papyrus in Berlin, zuerst 1892 
veröffentlicht.^^) 

7. Ein inschriftlich erhaltenes Reskript Hadrians, nach 
welchem dem Vorsteher der epicurischen Schule zu Athen 
auch für den Fall, daß er römischer Bürger ist, gestattet ist, 
über seine Würde und was damit zusammenhängt nach 
griechischem Rechte zu testieren und auch einen Peregrinen 
zu seinem Nachfolger einzusetzen.^^) 

8. Ein Reskript des Antoninus Pius v. J. 139 n. Chr. er- 
laubt Abschrift von einem Dekret Hadrians zu nehmen 
Marmorinschrift in Smyrna.^*) 

9. Ein Reskript des Commodus an einen Vertreter der 
Bewohner des saltus Burunitanus, eines im kaiserlichen Eigen- 
tum stehenden Bezirks in Afrika, betreffend die von ihnen zu 
leistenden Frohnden, nebst einem Stück der entsprechenden 
Bittschrift und einem zugehörigen Schreiben des kaiserlichen 
Prokurators jenes Bezirks, daselbst auf Stein gefunden, zuerst 
1880 herausgegeben.^^) 

10. Ein Reskript von Severus und Caracalla v. J. 
201 n. Chr. an einen Heraclitus, Freiheiten der Tyraner (Beß- 
arabien) bestätigend, inseriert einem zweiten an Ovinius Ter- 
tuUus, Präses von Untermösien, der das Ganze mittels eines 
griechischen Schreibens den Tyranern übersendet. Diese ver- 
öffentlichten es auf einem Marmor, der (am Anfang unvoll- 
ständig) am Dnjestr 1847 gefunden wurde.^*) 

11. Ein Reskript Gordians v. J. 238 an den Soldaten 
Pyrrus als Vertreter der Skaptoparener (Thrakien) verweist 
nur wegen Beschwerden an den Präses Provinciae, ist aber 
wegen der Formalien sehr wichtig (vgl. ob. § 12 zu Anm. 48). 
Erhalten auf einem erst nach seiner Entdeckung stark zer- 
störten Marmor in Bulgarien, zuerst 1890 veröffentlicht.^^) 



33) Bruns I p. 381 sq. Dazu Wilcken Hermes XXXVIII (1902) 

S. 74 fF., der Urheber und Empfanger richtig stellt. 

33) KovfiavovSris e^rjfief^is d^xaioXoyixi^ 1890 p. 142 — 155. 

34) C. J. L. III No. 411. Haenel, Corpus legum p. 102. 

35) Bruns I p. 244 sqq. 36) Bruns I p. 246 sqq. 

37) Bruns I p. 248 sq. Mommsen Zeitschr. d. Sav.-Stift. XII (1892) 
S. 244 ff. XXII (1901) S. 142 ff. 



— 85 — 

12. Diocletians Edikt de prctiis rerum venalium v. J. 
301 n. Chr., eine bei Todesstrafe eingeschärfte Preistaxe für 
viele Waren und Arbeiten, unvollständig erhalten in einer 
Anzahl von Inschriften teils im Original, teils in griechischer 
Übersetzung an verschiedenen Orten des östlichen Reiches.^) 

13. Ein Reskript (unbekannt welcher Kaiser) an Lepidus, 
wohl Präses von Pisidien, die Einführung der Decurionats- 
Verfassung in Tymandus in Pisidien betreffend, interessanter 
Beleg für das allmähliche Vordringen dieser Verfassung. Neuer- 
dings in Pisidien gefundene Steininschrift.^^) 

14. Ein Reskript auf Papyrus, prozessualen Inhalts, wahr- 
scheinlich von Diocletian.^®) 

IS- Ein Edikt Constantins vom i. Jan. 314 über die 
Ankläger ist erhalten durch drei einander ergänzende Stein- 
inschriften, von denen eine, altbekannt, nur noch in Abschriften 
vorhanden ist, während die beiden anderen erst kürzlich ge- 
funden wurden.**) 

16. Ein Reskript Constantins und seiner Söhne an den 
Präfectus Prätorio Ablavius (zwischen 323 und 326), der Ge- 
meinde Orcistus in Phrygien das Stadtrecht erneuernd, mittels 
Schreibens des Ablavius den Orcistenern mitgeteilt. Der 
Schluß dieses Schreibens, das kaiserliche Reskript und der 
Anfang der Bittschrift der Orcistener sind erhalten auf Stein 
bei Orcistus. Ebenda steht ein zweites, an das erste an- 
knüpfendes Reskript von Constantin und Constantius v. J. 331 
n. Chr. an die Decurionen (ordo) von Orcistus.*^) 

17. Eine Konstitution Julians de pe daneis iudicibus (C. 
J. III, 3 5 [C. Th. I, j6, 8]) V. J. 362 n. Chr., steht vollstän- 
diger auf einem Stein, der 1841 auf der Insel Amorgos ge- 
funden wurde.*^) 

38) C. I. L. III p. 801 sqq. 1055 bis 1058. 1909 sqq. Auch Haenel, 
Corp. leg. p. 175 sqq. Neuere Funde und Literatur s. Kalb, Jahresber. f. 
Altertumswissenschaft LXXXIX (1896 II) S. 220 f. und CIX (1901 II) S. 31. 

39) Bruns I p. 156 sq. 

40) Mommsen Zeitschr. d. Sav. -Stift. XXII (1901) S. 195ff. Graden- 
witz das. XXIII (1902) S. 356 ff. 

*i) Bruns I p. 249 sq. Vgl. auch C. Th. IX, 5, 1. C. J. IX, 8, 3. 

*2) Bruns I p. 157 sqq. 

43) C. I. L. III No. 459. Haenel, Corp. leg. p. 212. 



— 86 — ^ 

i8. Reste von zwei Originalausfertigungen lateinischer 
Prozeßreskripte, wohl des 5. Jahrhunderts, ergangen auf 
preces der Partei, aber gerichtet an den zur Entscheidung der 
Sache berufenen Beamten, auf Papyrusblättern in Oberägypten 
gefunden.**) 

19. Ein Reskript von Justinus und Justinian v. J. 527 
zum Schutze des Oratorium Sancti apostoli Johannis gegen 
militärische Übergriffe.***) 



§ 15. 

7. Erlasse der Präfecti Prätorio. Sonstige 

Beamtenerlasse. 

Die Sitte der Amtsprogramme der Beamten republi- 
kanischen Stils ist von den neuen kaiserlichen Beamten nicht 
übernommen. Das Recht zum Erlaß allgemeiner Vorschriften 
in ihrem Ressort hat aber den höheren unter ihnen nicht ge- 
fehlt. Daß diese Verordnungen in ihrer Geltung auf die Amts- 
dauer ihrer Urheber beschränkt waren, ist nicht anzunehmen. 

I. Vor allem die Präfecti Prätorio haben Verordnungs- 
recht mit der Maßgabe, daß ihre Verordnungen Gesetzen und 
Konstitutionen nicht zuwiderlaufen dürfen. So bestätigte es 
ihnen Alexander Severus im J. 230. ^) Ihre Verordnungen sind 
zum Teil Erläuterungs- und Ausfuhrungsvorschriften zu gleich- 
zeitig von ihnen publizierten kaiserlichen Edikten,*) zum Teil 
selbständig. Sie sind teils Edikte an die Untertanen, teils 
Erlasse an untergebene Beamte. ^) Die Überlieferung ist zer- 

^^) Mommsen, Bekkers und Muthers Jahrbuch des gemeinen Rechts, 
(1863) IV S. 398 ff., Hacnel, Corp. leg. p. 281. 

«) Diehl Bulletin de corr. hellenique XVII (1893) p. 501 suiv. Scia- 
loja Bulletino dell'istitut. di dir. Ro. IX (1896) p. 136 sq. 

*) C. J. I, 26, 2. Formam a praefecto praetorio datam, si generalis si», 
minime legibus vel constitutionibus contrariam, si nihil postea ex auctoritate 
mea innovatum est, servari aequum est. 

*) So diejenigen bei Haenel, Corp. leg. p. 247. 249. 260 aus den Jahren 
431, 448, 473. 

') So noT. Just. 166 an den Consularis von Lydien. 



— 87 — 

streut. Einige Erlasse von Präfecti Prätorio sind in die 
griechische Sammlung der Novellen Justinians aufgenommen 
(166—168). 

II. Auch von andern Beamten sind allgemeine Verord- 
nungen überliefert, so inschriftlich an einer Tempelmauer in 
Oberägypten zwei Edikte von Präffecti Ägypti von 49 und 68 
n. Chr., beide an den Strategen der Oase von Theben zum 
Zwecke der Publikation gesandt und von ihm in Ausfuhrung 
dieses Auftrages an untergeordnete Behörden weitergegeben. *) 
Ebenfalls inschriftlich besitzen wir eine Rang- und Sportel- 
ordnung, die der Konsularis von Numidien unter Kaiser Julian 
für sein Unterpersonal erließ, *) auch zwei Edikte des Turcius 
Apronianus, Präfectus Urbi von Rom, über den Verkehr mit 
Schlachtvieh und die den suarii zukommenden Leistungen, ^) 
im wesentlichen bestätigt durch einen Erlaß Valentinians I. 
an den Amtsnachfolger des Apronianus. '') 

*) Corpus inscription. Graecar. III. No. 4956. 4957. Haenel, Corp. leg. 
p. 268 sqq. Aus dem zweitgenannten sind die privatrechtlich wichtigen Be- 
stimmungen über Exekution privater und öffentlicher Forderungen aufgenommen 
bei Bruns I p. 234 sqq. 

») Bruns I p. 257 sq. Pernice Zeitschr. der Sav.-Stift. VII 2 (1886) 
S, 113 ff. 

•) Corp. inscr. Lat. VI, 1, 1770. 1771. Haenel, Corp. leg. p. 221. 

') C. Th. XIV, 4, 4 a. 367. 



Viertes Kapitel. 

Die Rechtswissenschaft. 

§ 16. 

I. Die republikanische Rechtswissenschaft. 

Die Geschichte der Quellen des römischen Rechts hat 
die römische Rechtswissenschaft nach zwei Gesichtspunkten 
zu würdigen — nach ihrer Bedeutung für die Fortbildung und 
nach derjenigen für Darstellung und Überlieferung des römi- 
schen Rechts. 

I. Daß die Jurisprudenz ursprünglich in dem Pontifikal- ^'^ 
koUegium gepflegt wurde, ist eine sichere Tatsache, ^) wenn 
sie auch durch den Zusammenhang des sakralen mit dem 
bürgeriichen Recht und durch den Einfluß der Pontifices auf 
•das im Gerichtsverfahren bedeutsame Kalenderwesen nicht 
hinlänglich erklärt werden mag, und wenn auch die Nachricht 
des Pomponius, der von den Pontifices sagt: ex qtiibus con- 
siituebatur quis quoquo anno praeesset privatis ^) nur unsicher 
dahin gedeutet werden kann, daß die Pontifices jährlich einen 
der Ihrigen zur Erteilung von Rechtsgutachten an Private 
delegiert haben. Eine von dem PontifikalkoUegium unabhängige 
Jurisprudenz begann seit ungefähr 300 v. Chr. sich zu ent- 

*) Liv. IX, 46 : ^Gn. Flavius) civile ius, repositum in penetralibus pontificum, 
evulgavit. Valer. Max. II, 5, 2: Ins civile per multa saecula inter sacra 
caerimoniasque deorum immortalium abditum solisque pontificibus notum Od. 
Flavius .... vulgavit. Pomp. D. 1, 2, 2, 6: omnium tarnen harum et inter- 
pretandi scientia et actiones apud collegium pontificum erant, ex quibus 
constituebatur quis quoquo anno praeesset privatis. 
•) Pomp. 1. c. (vorige Anm.). 



— 89 — 

wickeln. Um diese Zeit veröffentlichte Gn. Flavius eine ^O 
Sammlung der legis actiones, d. h. der Spruchformeln, welche 
in genauer Anlehnung an das Gesetz im Prozeß gebraucht y^^ Jl^^ 
werden mußten (ins civile Flavianum), ^) Nach Pomponius ^)j^r, 9-» La/ 
war das Buch von App. Claudius Caecus, dem grossen Refor- ^ 

mator (Censora. 312) verfasst und diesem von Flavius gestohlen, 
App. Claudius soll auch ein Buch de tisurpationibus d. h. von 
Ersitzungen und ihren Unterbrechungen geschrieben haben. ^) 
Von Ti. Coruncanius, dem ersten plebejischen Pontifex Maxi- 
mus (a. 253 V. Chr.) haben wir eine Nachricht, *) die wahr- 
scheinlich bedeutet, "') daß er als der erste seine Rechtsgutachten 
öffentlich unter Zulassung von Schülern erteilte und mit ihnen 
die Fälle besprach — = in dieser Form also öffentlichen Rechts- 
unterricht erteilte. Schriften von ihm waren auf Pomponius 
Zeit nicht gekommen; aber man wußte, daß er eine ganze 
Anzahl bemerkenswerter Responsen erteilt hatte.^) Sex. 
Aelius Paetus Catus (Konsul a. 198 v. Chr.) schrieb ein Werk: 
Tripertita, auch genannt ius Aeltaninny) das nach Pomponius zu ^^ 
dessen Zeit es noch vorlag, veluti ctinabula iuris enthielt. Es 
verband das Gesetz der XII Tafeln mit der interpretatio der 
Juristen und den legis actiones}^) Seit dieser Zeit werden 



®) Pomp. D. I, 2, 2, 7. Liv. 1. c. (Anm. 1). Val. Max. 1. c. (Anm. 1). 

*) D. I, 2, 2, 7. 

*) Pomp. D. I, 2, 2, 36. 

*) Pomp. D. I, 2, 2, 35: ex omnibus qui scientiam nancti sunt ante 
Ti. Coruncanium publice professum neminem traditur. 38: Ti. Coruncanius . . . 
qui primus profiteri coepit. 

') Man beachte den Gegensatz. Von anderen sagt Pomponius 1. c, sie 
hätten das ius civile geheim halten oder wenigstens nur Ratfragenden, nicht 
Schülern zur Verfugung stehen wollen. 

8) Pomp. D. I, 2, 2, 38. 

^) Oder ist das ius Aelianum bei Pomp. D. I, 2, 2, 7 ein anderes Werk 
desselben Verfassers als die Tripertita in § 38 daselbst, eine selbständige 
Aktionensammlung? Dafür Jörs S. 103 ff. Dagegen Kariowa I S. 476, 
Lenel, Das Sabinussysiem, Festg. f. Jhering (Straßburg 1892) S. 9 Anm. 2, 
Bremer, Jurispr. Ante-Hadr. I p. 15. 

*®) Streitig ist, wie man sich die Anordnung des Werkes zu 
denken hat. Nach der einen Auffassung stellte das Werk die ganzen 
XII Tafeln voran, liefi dann im zweiten Teile die interpretatio, im 
dritten die legis acliones folgen. So Krüger S. 54, Jörs S. 105 ff., die aber 



— 90 — 

zahlreiche berühmte Juristen genannt, von denen hervorzu- 
heben sind: 

1. Die beiden Cato, Vater (geb. 234, gest. 149 v. Chr.) 
und Sohn (gest. 152 v. Chr.). Der Sohn soll viele Bücher 
hinterlassen haben.^^) 

2. M.' Manilius (Kons. 149), P. Mucius Scävola (Kons. 
133) und M. Junius Brutus, ihr Zeitgenosse, denen Pomponius 
ein besonderes Verdienst um die Begründung der Rechts- 
wissenschaft heimißt: /undaverunt ius civile}^) Von Manilius 
rührten Verkaufsformulare her (Manüii actianes, Ma- 
nilianae venalium vendendorum legest) Auch schrieb er ein 
Werk unter dem Titel monumenta^ in welchem unter anderem 
angebliche Gesetze Numas gesammelt waren.^*) 

3. P. Rutilius Rufus (Kons. 105), der bekannte im Jahre 
92 V. Chr. mit Unrecht wegen Erpressungen verurteilte Ehren- 
mann, beschäftigter Respondent, vielleicht Verfasser einer 
Schrift de modo aedificiorum}^) 

4. Q. Mucius Scävola (Kons. 95, im Jahre 82 auf Befehl 
des Marianers Damasippus ermordet, schrieb einen liber sin- 

annehmen, dafi in dem ersten Teile des Werkes schon eine gewisse Eh'läutening 
der XII Tafeln enthalten war, der zweite Teil nur die umbildende Interpretation 
der Juristen enthielt. Hiergegen ist von Lenel' Sabinussystem S. 8C 
mit Recht eingewandt, dafi eine Scheidung zwischen erläuternder und um- 
bildender Interpretation in Wahrheit nicht möglich war. Lenel nimmt mit 
Huschke Zeitschr. f. geschieh tl. Rechtswissenschafl XV S. 179 ff. an, daß 
Aelius jedem Satz der XII Tafeln die Erläuterung, einschliefilich der umbildenden,, 
beifügte, dann die zugehörige legis actio folgen ließ, also nicht ein Werk 
in drei Teilen, das Tripertitum heißen müßte, sondern dreiteilige Erörterungen, 
tripertita vorlagen. Die letztere Ansicht halte auch ich für die, welche die größere 
Wahrscheinlichkeit für sich hat; aber mit Sicherheit kann niemand in solchen 
Dingen auftreten. Sicher wissen wir eigentlich nicht einmal, daß Tripertita 
bei Pomponius Nominativ Pluralis ist; es kann auch Femininum sein. Dafi 
das Buch noch vorhanden sei, sagt Pomponius bestimmt (extat liber). Will 
man es also nicht glauben, so muß man (mit Sanio Varroniana Leipzig 1867 
S. 164) annehmen, daß Pomponius die Notiz einem Älteren gedankenlos 
nachschrieb. 

") Pomp. D. I, 2, 2, 38. ") Pomp. D. I, 2, 2, 39. 

»») Varro de re rustica II, 5, 11. Cic. de Orat. I, 58, 246. 

^*) Hirschfeld in den Sitzungsberichten der Berliner Akademie phil.- 
bist. Kl. 1903, I S. 2fr. '^Z'W' '^^fifl^ 

") Cic. Brut. 30, 113. Suet. Aug, 8. 9. 



— 91 — 

gularis "oowv i. e. definitionum und i8 libri iuris civilis^ das 
erste große System des ins civile, bis späthin von großem 
Einfluß.'*) Pomponius sagt, daß er zuerst das ius civile nach 
genera geordnet hat. Er nahm z. B. fünf genera tiitelae an.^^) 

5. C Aquilius Gallus, Schüler des vorigen (Prätor 66), 
lebte und schrieb eine Zeitlang in Cercina. Maximae aucto- 
ritatis apud populum (Pomponius), vir magnae auctoritatis et 
scientia iuris excellens (Valerius Maximus).^®) 

6. Servius Sulpicius Rufus (Kons. 51, gest. 43) trat VIv»»« f . 'Ciw^ 
zuerst als Gerichtsredner auf, eine Tätigkeit, bei der, wie man ^^ ^p n^ 
an Cicero sieht, eine vollständige juristische Durchbildung nicht .^ fzg^juu 
gefordert wurde. Als nun aber Servius einst bei Q. Mucius <• ^ ^^ 
für seinen Klienten Rechtsrat einholte und die Antwort des ^^ ^^ 

Q. Mucius wiederholt nicht verstand, fuhr ihn Q. Mucius an: 
turpe esse patricio et nobili et causas oranti ius in quo versa- 
retur ignorare. Dies nahm sich Servius zu Herzen und stu- 
dierte eifrig die Rechtswissenschaft, in der er es zu großem 
Ruhme brachte. Sein Hauptlehrer war Aquilius Gallus.*®) 
Servius soll an die 180 libri geschrieben haben, darunter: 
reprehensa Scaevolae capita (notata Mucii)^) de dotibus^^) 
auch den ersten Kommentar zum prätorischen Edikt (ad Brutum) 
in zwei sehr kurzen Büchern.*^) 

7. A. Ofilius, Schüler des vorigen, Freund Cäsars, ob- 
wohl er im Ritterstande verblieb, schrieb zahlreiche Bücher 
über ius civile, welche für alle Teile desselben grundlegend 
waren. Auch verfaßte er den ersten ausführlichen Kom- 
mentar zum prätorischen Edikt. Er wirkte noch unter Au- 
gustus; denn er schrieb über die von diesem eingeführte Erb- 
schaftssteuer. Pomponius nennt ihn gelehrter als Cascellius (10) 
und Trebatius (u).^^) 



»•) Pomp. D. I, 2, 2, 41. *') Gai. I, 188. 

") Pomp. D. I, ^, 2, 42. 43. Cic. pr. Caec. 27. 77. 78. Valer. Max. 
VIII, 2, 2. Kühler, ZeiUchr. d. Sav.-Stift. XIV (1893) S. 75 ff. 

>*) Pomp. D. I, 2, 2, 42. 43. 44. Gell. II, 10, 1. — Cic. Brut. 41, 
152 sqq. stellt ihn über Q. Mucius. 

») Gell. IV, 1, 20. Paul. D. XVII, 2, 30. ") Nerat. D. XII, 4, 8. 

«) Pomp. D. I, 2, 2, 44 i. f. Ulp. D. XIV, 3, 5, 1. 

•«) Pomp. D. I, 2, 2, 44. 45. 



— 92 - 

8. P. Alfenus Varus (Kons. 39) schrieb in Anlehnung 
an seinen Lehrer Servius Sulpicius 40 Bücher digesta?^) 

9. Aufidius Namusa ordnete die Schriften von acht 
Schülern des Servius Sulpicius (Sei-vii auditores) \\\ 140 
Bücher.2^) 

10. A. Cascellius, vir iuris civilis scientia clarus (Vale- 
rius Maximus), lebte noch unter Augustus, schrieb u. a. einen 
liber bette dictoru7n?^) 

11. C. Trebatius Testa lebte ebenfalls noch unter Au- 
gustus, der ihn als bedeutendste Autorität über die Anerken- 
nung von Kodizillen zu Rate zog; schrieb de civili iure und 
de religionibus?'^) 

12. Q. Aelius Tubero, Schüler des Ofilius, schrieb über 
öffentliches und privates Recht, sehr gelehrte Werke, die aber 
wegen affektiert altertümlichen Stils unangenehm gefunden 
wurden.^®) 

13. C Aelius G all US, welcher de verborum^ qtiae ad 
ius pertinent significatione^^) schrieb, war vielleicht nicht Jurist, 
sondern Grammatiker. 



2*) Pomp. D. I, 2, 2, 44. Nach Hoiat. satir. I, 3, 130 war Alfenus 
von Haus aus Schuhmacher. Dazu sagt der Scholiast Porphyrio: Romam 
petit magtstroque usus Sulpicio iuris consulto ad tantam pervenit scienüam, ut 
et consulatum gereret et publico funere efferretur ; über Alfens Digesten, ins- 
besondere auch über ihre späteren Bearbeitungen und die Gestalt, in der sie 
den Verfassern der Justinianischen Digesten vorlagen, vgl. Kariowa I S. 485, 
Krüger S. 64, Lenel Palingen. I col. 37 not. 1, Ferrin i Bull, dell' istit. 
di dir. Rom.: IV, p. 1 sq. 

«'^) Pomp. D. I, 2, 2, 44. 

2«) Pomp. D. I, 2, 2, 44. Valer. Max. VI, 2, 12, Andere Schriften 
von Cascellius als den liber bene dictorum hatte m^n zur Zeit des Pomponius 
nicht mehr. Pomponius erklärt den Cascellius für minder gelehrt, als Tre- 
batius, aber für beredter als jenen. 

27) Pomp. D. I, 2, 2, 45. Seine Würdigung des Trebatius im Vergleich 
zu Cascellius s. vorige Anmerkung. — J. II, 25 pr. Ciceros Topica sind 
dem Trebatius gewidmet, auch Cic. ad fam. VII, 6 — 22 sind an Trebatius 
gerichtet, aus den Jahren 54 bis 44 v. Chr. (Nr. 22 nicht datierbar). Horaz 
schrieb an ihn satir. II, 15. Ein Scholion des Porphyrio dazu nennt die im 
Text bezeichneten beiden Werke des Trebatius. 

«») Pomp. D. I, 2, 2, 46. Gell. XIV, 2, 20. 

*•) D. L, 16, 157 ist aus jener Schrift entnommen. 



— 93 — 

II. Die römischen Juristen, welche die Jurisprudenz nicht 
als ausschließlichen Lebensberuf, sondern neben staatsmän- 
nischer oder anderer öffentlicher Tätigkeit betrieben, waren 
Schriftsteller, Lehrer und rechtliche Berater ihres Volkes zu- 
gleich : dotmts iuris consulti totius oraculum civitatis ?^^ In der 
letzteren Beziehung tritt hervor das respondere, das Erteilen 
von Rechtsgutachten über die von Interessenten vorgelegten 
Fragen, das cavere, die Beihilfe zur korrekten Abfassung von 
Rechtsgeschäften und das Entwerfen von Formularen dafür, 
und das agei'e^ wahrscheinlich das Entwerfen von gericht- 
lichen Spruchformeln (legis actiones), welche der Jurist der 
Partei vor Gericht vorspricht oder ihr schriftlich mitgibt.^^) 
Ihre Gutachten erteilten die Juristen mittels Briefs an die 
Richter oder mündlich der Partei, die darüber ein Zeugen- 
protokoll aufnahm.^*) Sie haben, wie ob. S. 7 bemerkt, bei 
Auslegung der bestehenden Rechtssätze prinzipiell nicht das 
Ziel verfolgt, den ursprünglichen Sinn des Rechtssatzes zu 
treffen, sondern ihn so auszulegen, wie er ihrer Ansicht nach 
verstanden werden mußte, um gerecht zu sein, der aequitas 
zu entsprechen. Sie haben also in Fällen, wo modernere Ge- 
rechtigkeitsüberzeugung den Sinn eines älteren Rechtssatzes 
überholt hatte, sich nirgends gescheut, in ihn diese neuere 
Überzeugung hineinzuinterpretieren; ihre interpretatio ist 
fortbildend. 

Die in einem Gutachten, oder einer literarischen Arbeit 
ausgesprochene Rechtsansicht eines Juristen hat nur das Ge- 
wicht, welches ihre innere Begründung oder das äußere An- 
sehen ihres Urhebers ihr verleihen; ebenso, wie die von einem 
Juristen entworfene Geschäfts- oder Aktionsformel erst die 
Probe zu bestehen hat, ob sie Anerkennung findet. Die über- 
einstimmende Ansicht der zeitgenössischen Juristen (iuris peri- 
torutn auctoritas^ prudentium interpretatio u. ä.) aber ist von 
dem römischen Volke als ausreichend angesehen, um ihrem 
Inhalt den Charakter des Rechtssatzes und zwar des ius civile 



»0) Cic. de orat. I, 45, 200. 

31) Cic. de orat. I, 48, 212, pro Mur. 9, 22. Jörs S. 82. 

32) Pomp. D. I, 2, 2, 49. 



2^< 



\ 



— 94 — 

aufzuprägen, ja es hieß ins civile im engsten Sinne gerade 
^<^,(T*^dies Juristenrecht."')/ Solche Rechtsbildung durch die Juristen 
ist einer der wesentlichsten Hebel zum Fortschritte des 
römischen Rechts in seinen verschiedensten Zweigen gewesen. 
Sie läßt sich aber von der Fortbildung des Rechts durch die 
Verkehrsgewohnheit und die gerichtliche Praxis, durch die 
Edikte und nachmals die kaiserlichen Konstitutionen nicht 
rein abscheiden, weil eben bei allem diesem die Juristen und 
ihre Lehren die Hand mit im Spiele hatten.'*) 

*') Cic. Top. 5, 28 ius civile . . . quod ia legibus, senatus consultis, rebus 
iudicatis, iuris peritorum auctoritate, cdictis magistratuum, more, aeqoitate 
consistat. Pomp. D. I, 2, 2, 5 sagt von dem Juristenrecht, dafi es keinen 
eigenen Namen führe, wie die anderen Zweige der Rechtsordnung: propria 
parte (appellatione ?) non appellatur ut ceterae partes iuris suis nominibus 
designantur datis propriis nominibus ceteris partibus [datis . . . partibus dfUn- 
dum?] sed communi nomine appellatur ius civile. Im § 12 spricht Pomponios 
vom proprium ius civile, quod sine scripto in sola prudentium interpretatione 
consistit. Das heißt also, daß es ein ius civile im weiteren und im engeren 
Sinne gibt. Gesetze und andere Dinge, die dazu gehören, haben ihre spe- 
ziellen Namen und nehmen außerdem an der gemeinsamen Bezeichnung als 
ius civile teil, dagegen hat das Juristenrecht keinen besonderen Namen, sondern 
ist auf den allgemeinen Namen ius civile angewiesen, der dann auch im 
engeren Sinne gerade das Juristenrecht allein trifft. Das scharfsinnige und 
V»*^ gründliche Buch von Ehrlich, Beiträge zur Theorie der Rechtsquellen 1 
^y ^a-^ {Berlin 1902) geht m. E. darin entschieden zu weit, daß es den Ausdruck ius 
civile ausschließlich für die Rechtstheorie, das in den Schriften der Juristen 
anerkannte Gewohnheitsrecht und das von den Juristen geschaffene Juristen- 
recht in Anspruch nimmt und behauptet, ius civile bedeute nie das positive 
Gesetzesrecht (S. 47). Den Ausspruch Papinians D. I, 1, 7 pr.: Ius autem 
civile est, quod ex legibus, plebisscitis, senatus consultis, decretis prinäpum, 
auctoritate prudentium venit, sucht Ehrlich als der Interpolation verdächtig 
und als „gar so vereinzelt" beiseite zu schieben (S. 138 f.), während, wie 
oben gezeigt, doch auch Pomponius einen gemeinsamen Namen ius civile 
kennt, der sehr wohl auch das Gesetz umfassen kann. Übrigens gibt Ehrlich 
zu, daß im Erbrecht, und vereinzelt mit Bezug auf die XII Tafeln auch 
außerhalb des Erbrechts ius civile mit Einschluß des Gesetzesrechts gebraucht 
wird(S. 131 ff.). Es fehlt aber an einer befriedigenden Erklärung dafür, warum 
nur in diesen Grenzen das Gesetz als ius civile bezeichnet worden wäre. Die 
Ungültigkeit der Schenkungen unter Ehegatten führt Ehrlich auf das ius 
civile in seinem Sinne zurück (S. 44 ff.), und doch hat Alibrandi bewiesen, 
daß sie auf einem Gesetz des Augustus beruht. S. Windscheid-Kipp III, 
§ 609 Anmerk. 1. 

84) Vgl. ob. S. 20. 49. 60 f. 



— 95 — 

Manche Institute trugen den Namen der Juristen, die sie 
zuerst zur Anerkennung gebracht haben, z, B. die regula Ca- 
toniana (I, i [Vater oder Sohn?],**) formula Rutiliana,^^) usu- 
capto ex RtUiliana constitutione (I, 3?),'^) cautio Muciana 
(I, 4),*®) stiptäatio Aquiliana (I, 5),**) iudicium Cascdlianum 
(I, 10);*^) doch ist dieses, wie A\q formula Rutiliana auf die 
Prätur, nicht auf die wissenschaftliche Tätigkeit ihrer Urheber 
zurückzufuhren. 

III. Erhalten ist von den Schriften der republikanischen 
Juristen nichts unmittelbar, wir kennen nur manches davon 
aus Anführungen und Auszügen. 



2. Die klassische Rechtswissenschaft, f'/ ^^^^^./LL. TU^^^c^ 

§ 17. ^ 

Stellung und Tätigkeit der klassischen Rechtswissen- 
schaft im allgemeinen. 

I. Bereits in den letzten Zeiten der Republik begann die 
Rechtswissenschaft sich zu der Blüte zu erheben, die in den 
ersten Jahrhunderten der Kaiserzeit zur vollen Entfaltung ge- 
langte. Bis etwa zur Mitte des dritten Jahrhunderts n. Chr. 
reicht diese Zeit der klassischen Jurisprudenz. Der Einfluß 
der Juristen auf das Rechtsleben erfuhr in der Kaiserzeit eine 
wesentliche Steigerung durch die Einführung des ius res- 
pondendi, genauer publice respondendi ius, ^) Die Macht, welche 
die Juristen durch die Erteilung von Rechtsgutachten über 
die Bevölkerung hatten, mußte es dem Kaisertum wünschens- 
wert erscheinen lassen, die Jurisprudenz zur Freundin zu haben 
und sie zugleich in Abhängigkeit vom Kaiser zu bringen. Beides 
wurde durch das Institut des ius respondendi erreicht. Es 
haben nämlich schon unter Augustus bedeutende Juristen aus 

3ö) Geis. D. XXXIV, 7, 1. 8«) Gai. IV, 35. »7) Fr. Vat. 1. 

88) Ulp. D. XXXV, 1, 7 pr. 

39) j. II, 29, 2. *o) Gai. VI, 166 a. 169. 

1) Pomp. D. I, 2, 2, 48—50. Gai. I, 7. J. I. 2, 8. 



— 96 — 

dem Senatorenstande, seit Tiberius auch aus dem Ritterstande 
(zuerst Sabinus, § 19, 5) von den Kaisern ein besonderes Recht, zu 
respondieren, publice respondendi tus^ verliehen erhalten. Die 
so Privilegierten respondieren ex auctoritate principis,'^) was 
wenigstens annähernd richtig als Respondieren im Namen des 
Kaisers wiedergegeben werden kann. Über die Kraft ihrer 
förmlich erteilten Responsa geben die Quellen keine klare 
Auskunft. Der Kaiser, der im Anfang noch nicht eigentlich 
als Gesetzgeber auftritt, kann unmöglich dem einzelnen Juristen 
die Befugnis erteilt haben, mit Gesetzeskraft zu respondieren, 
und obwohl er der höchste Richter war, so kann man daraus 
kaum ableiten, daß er den von ihm autorisierten Juristen auch 
nur die Macht hätte beilegen können, durch ihre ausge- 
sprochene Rechtsansicht den Richter in dem konkreten Falle 
formell zu binden, in welchem das Responsum ergangen war. 
Natürlich aber mußte ein im Namen des Kaisers auftretendes 
Responsum in den Gerichten von ganz besonderem Ansehen 
und wird von vornherein nicht leicht mißachtet sein. Daß 
der Richter rechtlich verpflichtet war, es zu befolgen, voraus- 
gesetzt natürlich, daß ihm nicht ein abweichendes Responsum 
eines andern, gleich privilegierten Juristen vorgelegt wurde, 
wird sich erst allmählich in der Praxis festgestellt haben. 
Wäre die Grundlage des wichtigen Institutes eine klare ge- 
wesen, so würde es auch in unserer Überlieferung nicht so 
verschwommen auftreten, wie geschieht. 

Man muß in der Einführung des ius respondendi einen 
meisterhaften Zug des Augustus erkennen. Die Macht und 
die Ehre der Jurisprudenz erhöhend, stellte er beide als 
einen Abglanz der kaiserlichen Macht dar; der Jurist, w^elcher 
solche Macht vom Kaiser zu Lehen empfing, schuldete ihm 
Dank, und die Auswahl der Personen, denen man sie gab, 
könnte zugleich politisch zu Gunsten des Kaisertums wirken 
und, sachgemäß gehandhabt, eine wirkliche Hebung der Justiz 
bedeuten, auf welche hinzuwirken die Kaiser sich vielfach 
haben angelegen sein lassen. Die Verleihung ist zum Teil, 



^) Pomp. D. I, 2, 2, 49: primus divus Augustus ut maior auctoritas 
iuris haberetur, constituit, ut ex auctoritate eius responderent. 



— 97 - 

aber gewiß nicht immer, auf Antrag des Privilegierten 
erfolgt. ^) 

Die nicht mit dem ius respondendi ausgestatteten Juristen 
mußten neben den dieses Privilegiums Teilhaftigen in eine 
zweite Klasse zurücktreten. Juris consulti war die offizielle 
Bezeichnung der autorisierten Juristen/) und man geht im all- 
gemeinen wenigstens nicht fehl, wenn man annimmt, daß, wo 
Juristen als Autoritäten mit den Ausdrücken prudenteSy iuris 
auctoreSy auctores u. ä. genannt werden, jetzt nur die Autorisierten 
gemeint sind. Ausschließlich auf sie gehen jedenfalls Ausdrücke 
wie iura constituenies^ ^) ii quibus permissum est iura condere *) 
und die späten Bezeichnungen legum auctores, latores^ conditores. 
Natürlich aber mußten sich die privilegierten Juristen aus den 
nicht privilegierten rekrutieren. Es ist auch den nicht Privi- 
legierten das Respondieren keineswegs verboten, nur hatte ihr 
Responsum mit dem eines Autorisierten nicht gleiche Kraft. 

Die notwendige Form der prozessualisch gültigen, der 
Partei erteilten Responsen scheint darin bestanden zu haben, 
daß sie unter dem Siegel des Respondenten abgegeben wurden. ^) 
Wenn, wie man annehmen sollte, dies den Zweck hatte, das 
Responsum erst vor dem Richter zu entsiegeln, so muß der 
Partei, die der Kenntnis von seinem Inhalt nicht entraten 
konnte, dieser auf anderem Wege, durch Abschrift oder 
scriptura exterior auf derselben Urkunde (unt. § 33) mitgeteilt 
sein. Die Angabe von Gründen war für die Gültigkeit des Re- 
sponsums nicht erforderlich.®) Wenn Magistrat *) oder Judex^^) 
sich an einen Juristen um Auskunft wandten, so handelte es 



') Das Reskript Hadrians an die viri praetorii bei Pomponius D. I, 2, 
2, 49 kann für eine besonders höfliche Gewährung des erbetenen Privilegs, 
aber auch für Zurückweisung des Antrags als eines unschicklichen genommen 
werden; eher ist es das letztere. 

*) J. I, 2, 8. Paul. D. XII, 1, 40. 

») Pomp. D. L, 16, 120. •) Gai. I, 7. 

^ Pomp. D. I, 2, 2, 49 sagt von der Zeit vor der Einfuhrung des ius 
respondendi: neque responsa utique signata dabant. 

8) Seneca epistol. 94, 27. 

•) Z. B. Ulp. D. IV, 4, 3, 1. D. XXIII, 4, 2. 

»0) Gell. XII, 13, 1—3. 

Kipp, QneUen des rOm. Beohts. 7 



— 98 — 

sich wohl immer um einen formell unverbindlichen Rechtsrat;") 
denn der Prozeß hat kein Mittel, den Richter anzuhalten, von 
einem von ihm eingeholten Gutachten den Parteien Mitteilung zu 
machen und es zu befolgen. Wenn der Beamte den Kaiser 
konsultiert, so ist dies eine Amtshandlung, die er den Parteien 
durch Interlokut ankündigt; die Einholung des Gutachtens eines 
Juristen ist Privatsache. Auch wenn die Partei konsultierte, 
haben die Juristen oft formlos und unverbindlich Rechts- 
rat erteilt; denn es ist bei der Konsultation eines Juristen 
nicht immer um eine unmittelbar prozessual verwertbare Ant- 
wort zu tun. 

Im Inhalt sind die Responsa den Rechtweisung erteilenden 
kaiserlichen Reskripten durchaus ähnlich. Sie stellen entweder 
nur abstrakte Rechtssätze hin oder geben zwar konkrete Ent- 
scheidungen, diese aber nur unter der ausgesprochenen oder 
stillschweigenden Bedingung der Richtigkeit und Vollständig- 
keit des vorgetragenen Tatbestandes oder unter Hervorhebung 
bestimmter zu bewahrheitender Bedingungen.^*) Auch haben 
die Juristen (wie die Kaiser) nach Umständen den Fragesteller 
einfach an den Richter verwiesen.") 

Gesetzeskraft, d. h. verbindliche Kraft für andere Fälle 
als den konkreten, zu dem es erging, hat das Responsum 
nicht gehabt. Es lag aber in der Natur der Sache, daß man 
die Frage, ob eine feste Meinung der Jurisprudenz vorläge, 
der man jetzt wie früher den Wert des Rechtssatzes beimaß,^*) 
jetzt nur nach den Ansichten der autorisierten Juristen be- 
antwortete^*) und diejenigen der nicht autorisierten als unter- 
geordnet beiseite ließ. Wie es scheint, hat man aber früh 
begonnen, in den Gerichten auch das einzelne Responsum 
(urkundlich oder auf Grund literarischer Veröffentlichung), wie 

11) Daher suadcre bei Ulp. D. IV, 4, 3, U Jul. D. XL, 2, 5; freilich 
kommt auch respondere vor. Ulp. D. XXIII, 4, 2. 

13) Paul. D. III, 2, 21, Scaevol. D. VI, 1 , 67. XXII, I, 13 pr. XLIl 
8, 21. XLVI, 3, 90. 

18) Namentlich Scaevola: D. XXXIII, 1, 13, 1. XXXIV, 1. 15, 1. XXXIV, 
3, 28, 2. XXXV, 2, 95, 2. 

1*) Pap. D. I, 1, 7. 

Iß) Auctoritas iura coustituentium bei Pomp. D. L, 16, 120 kann nur 
auf die privilegierten Juristen gehen. 



— 99 - 

unsere höchstrichterlichen Erkenntnisse, fiir fernere Fälle, auf 
die es paßte, zu Grunde zu legen, ohne genau zu prüfen, ob 
es gemeiner Meinung der Juristen entspreche. Dies konnte 
sich leicht auf die anderweit, nicht in Responsenform, ver- 
öffentlichte Rechtsansicht des autorisierten Juristen übertragen, 
und man konnte so dahin kommen, die einzelne Schriftstelle 
eines autorisierten Juristen wie einen Gesetzestext zu citieren. 
Das Reskript Hadrians,^*) welches Gai. i, 7 anführt, läßt 
sich am besten dahin erklären, daß bereits Hadrian einem 
solchen Mißbrauch gegenüberstand und dagegen einschärfte, 
daß die Ansichten und Meinungen der autorisierten Juristen 
(die Gajus geradezu mit deren Responsen indentifiziert) nur 
dann Gesetzeskraft haben, wenn alle übereinstimmen, wenn 
also gemeine Meinung in dem alten Sinne vorliegt. In der 
hadrianischen Zeit kann man sich jenen Mißbrauch aber nur 
bei Geschworenen und niederen Behörden denken; bei den 
höheren Gerichten, in welchen die hervorragenden Juristen 
selbst saßen, ist nicht glaublich, daß sie geneigt gewesen 
wären, dem einzelnen Ausspruch eines Fachgenossen blinde 
Folge zu leisten. Auch die gemeine Meinung der Juristen 
war nichts Starres, sondern im beständigen Fortschritt be- 
griffen und dem autorisierten Juristen selbst gegenüber unver- 
bindlich, der den Widerspruch, der ihre Kraft brach, selbst 
einzulegen im stände war. Mit dem Sinken der Jurisprudenz 
im dritten Jahrhundert macht sich das Anführen einzelner 
Stellen aus den klassischen Juristen, als wären es Gesetzestexte, 
wieder geltend und wird selbst in kaiserlichen Konstitutionen 
gebräuchlich.^^) 

n. Die juristische Literatur dieser Zeit ist sehr vielseitig. 
Ihre Hauptgruppen sind: 



»•) Vgl. Eiscle, Zeitschr. der Sav.-Stift. XI (1890) S. 199 ff. 

1') Carus Carin. et Numer. C. J. VI, 42, 16. Diocl. C. J. V, 71, 14. 
IX, 22, 11. IX, 41, 11. Bei Anführung von Responsen in einer Zeit, die 
der Lebenszeit des Respondenten noch nahe steht (C. J. V, 4, 6 [Hadrian — 
Paulus], VI, 87, 12 [Alexander — Papinian]), hat man allerdings mit der Mög- 
lichkeit zu rechnen, dafi das Responsum in demselben konkreten Fall ergangen 
ist, wie das Reskript. Sicher so: Gord. C. J. III, 42, 5: merito tibi a . . . 
Modestino responsum est. 






— 100 — 

1. Lehrbücher für Anfanger: institutiones, enchiridia, 

2. Bücher knapp gefaßter Rechtsregeln und Definitionen: 
regulae^ definitiones, sententiae, opiniones^ teils für Unterricht, 
teils für Praxis. 

3. Sammlungen von responsa, wohl nur autorisierter 
Juristen, epistolae^ teils Responsa, teils sonstige Rechtsbeleh- 
rungen, namentlich auch an Schüler des Verfassers enthaltend, 
quaestiones und disputationes^ Erörterungen von Rechtsfragen, 
teils in Anlehnung an konkrete Fälle, teils rein theoretisch, 
vorwiegend aus wirklich gepflogenen mündlichen Besprechun- 
gen eines Rechtslehrers mit seinen Schülern hervorgegangen. 

4. Kommentare zum prätorischen, ädilicischen und Pro- 
vinzialedikt. 

5. Gesamtdarstellungen des ins civile. Eine solche in 
kurzer Form schrieb Massurius Sabinus (libri tres iuris civilis). 
Die Späteren lehnten sich zum Teil an ihn, zum Teil an Q. 
Mucius Scävola an: libri ad Q. Mucium, ex Q. Mucio, ad 
Sabinum, ex Sabino. Auch Kommentare zu den XII Tafeln 
wurden noch geschrieben. 

6. Digesta, vereinigte Darstellungen des ius honorarium 
und des ius civile. Das Ediktsrecht steht als Hauptmasse 
voran, das ius civile folgt in einer herkömmlichen Ordnung.^®) 

7. Eine reiche Fülle anderweitiger Schriften, Kommentare 
zu wichtigen leges^ insbesondere zu den leges Julia et Papia 
Poppaea^ zu wichtigen Senatuskonsulten und sonstige Mono- 
graphien verschiedenster Art. 



§ 18. 
Die beiden Schulen, tn 

Die beiden Juristenschulen ^) der Sabinianer (Cassianer) und 



1*) Lenel, Palingencsia II col. 1255 sq. 

1) Pomp. D. I, 2, 2, 47 sqq. Bremer, die Rechtslehrer und Rechts- 
schulen im römischen Kaiserreich. Berlin 1868. Neuestens Baviera le due 
scuole dei giureconsulti Romani. Firenze 1898, dazu Kipp Zeitschr. d. Sav.- 
Stift. XXI (1900) S. 392 ff. Kalb, Jahresber. f. Altertumswissenschaft CIX 
(1901 II) S. 34 f. 



— 101 — 

Proculianer, welche zu Anfang der Kaiserzeit einander gegen- 
übertraten, müssen mit der Organisation des Rechtsunterrichts 
in Verbindung gesetzt werden. Unter Augustus, so berichtet 
Pomponius, standen einander gegenüber: M. Antistius Labeo, 
ein selbständiger Kopf und Charakter, daher auch republika- 
nisch gesinnt*) und auf dem Gebiete der Jurisprudenz ein 
kühner Neuerer,*) und C. Atejus Capito, ein gefügiger Mann, 
der sich bei dem Gegebenen in der Politik*) wie in der Rechts- 
wissenschaft beruhigte.*) Diese sollen zuerst gewissermaßen 
zwei sectae hervorgerufen haben, und ihre Meinungsverschieden- 
heiten von ihren Nachfolgern noch vermehrt sein. An Labeo 
knüpfen die Proculianer an, als welche Pomponius nennt: 
Nerva Pater, Proculus, Nerva Filius, Longinus, Pegasus, 
Celsus Pater, Celsus Filius, Neratius. Auf Capito werden zu- 
rückgeführt die Sabinianer oder Cassianer. Als solche zählt 
Pomponius auf: Massurius Sabinus, Cassius, Caelius Sabinus, 
Javolenus, Valens, Tuscianus, JuUanus. Die zerstreuten und 
zum Teü recht untergeordneten Kontroversen, welche unter 
diesen Schulen verhandelt wurden,*) weisen auf einen einheit- 
lichen Gegensatz der wissenschaftlichen Grundrichtung nicht 
hin.') Ihr Gegensatz muß also ein äußerer gewesen sein. 
Wir wissen, daß der Rechtsunterricht jetzt schulmässiger or- 
ganisiert war als zu zeiten der Republik, und wahrscheinlich 
hielten die Schulen, ähnlich den Philosophenschulen genossen- 
schaftlich zusammen, und ist die Nacheinanderfolge (successio) 
der als Schulhäupter von Pomponius Genannten auf Vorstand- 
schaft und Lehramt in solcher Genossenschaft zu beziehen. 



2) Tac. annal. III, 75: incorrupta libertate. 

') Pomp. D. I, 2, 2, 47: ingenü qaalitate et fiducia doctrinae, qui 
et ceteris operis sapientiae operam dederat, plurima innovare instituit. 

^) Tac. annal. III, 75: Capitonis obsequium dominantibus magis pro- 
babatur. III, 70 sagt ihm Tacitus sogar eine sehr gemeine Handlungsweise 
nach, ein schändliches Kriechen unter dem Scheine des Freimuts. . 

*) Pomp. D. I, 2, 2, 47 : In his quae ei tradita fuerant perseverabat. 

•) Vgl. Gai. I, 196. II, 15. 37. 79. 123. 195. 200. 216 sqq. 231. 
244. III, 87. 98. 103. 133. 141. 161. 167a. 168. 177 sq. IV, 78. 79. 
Lenel, Palingen. II, col. .216. Baviera p. 38 sq. 

') Einen solchen behauptet noch neuerdings Voigt, Rechtsgesch. II 
S. 222 ff. und in anderer Weise Bremer iurispr. Antehadr. II, 1. 23. 348 sqq. 



— 102 - 

Der Name Cassiani überwiegt in der klassischen Zeit den der 
Sabiniani, und Pomponius sagt genau gelesen ganz deutlich,^ 
daß zu der Zeit, da Cassius und Proculus einander gegenüber 
standen, die Namen Cassiani*) und Proculiani aufkamen. Von 
ihnen sind dann die Schulen mit Recht auf die Lehrer des 
Proculus: Nerva den Älteren, und des Cassius: Sabinus, zurück- 
datiert; mit weit zweifelhafterem Recht aber haben sie sich 
weiter bis auf Labeo und Capito hinaufgerückt. Nach Gajus, 
der sich oft als Sabinianer bekennt (um i6o n. Chr.), ver- 
schwindet der Gegensatz der Schulen. Es ist zu beachten, 
daß Pomponius bei beiden Schulen die Reihe der Häupter 
mit mehreren nebeneinander schließt: auf selten der Procu- 
lianer mit Celsus dem Sohn und Neratius Priscus, auf selten 
der Sabinianer mit Valens, Tuscianus und Julianus; danach liegt 
die Annahme nahe, daß beide an inneren Spaltungen zu 
Grunde gegangen sind. 



§ 19. 
Die einzelnen Juristen von Labeo bis Julian. 

Wir betrachten nun die einzelnen Juristen der klassischen 
Epoche und zwar in chronologischer Folge, wobei freilich zu 
beachten ist, daß diese Anordnungsweise zum Teil nur auf 
Vermutungen gebaut werden und nur ein annähernd der 
Wahrheit entsprechendes Bild zu erzielen hoffen kann. 

I. M. Antistius Labeo/) gestorben zwischen lO und 22 
n. Chr., war Prätor, lehnte das Konsulat ab^) oder wurde zu 
Gunsten Capitos davon ausgeschlossen.^) Er war Schüler des 
Trebatius im Anfangsunterricht, hörte aber zahlreiche Lehrer. 



•) D. I, 2, 2, 52. 

^) Plin. ep. VII, 24, 8 nennt Cassius Cassianae scholae princeps et 
parens. 

') Pernice, M. Antistius Labeo B. 1 (Halle 1873) S. 7 ff. Jörs, An- 
tistius No. 84 in Pauly-Wissowas Realencyklopädie. 

») So Pomponius: D. I, 2, 2, 47. 

«) So Tac. annal. III, 75. 



— 103 — 

Seine Charakteristik ist bereits oben (§ i8) gegeben. Er 
war eine geniale Natur von vielseitiger Bildung*) aber mit 
etwas Neigung zum Doktrinarismus.*) Er soll je sechs Mo- 
nate nut seinen Schülern verbracht, sechs Monate geschrift- 
stellert, und 400 Bände hinterlassen haben:*) Ad XII tab. 
Hört, ad ed. praetoris urbani libri und ad ed. praet. peregrini 
libri (mindestens 30); die Citate aus beiden Werken sind nicht 
genau zu unterscheiden; responsor. l, (mindestens 15); epistolar, 
libri; iti^ava^ von Paulus epitomiert und kritisiert, kasuistischer 
Natur; de iure pantificio L (mindestens 15); mindestens 40 
libri posterioruni, nach seinem Tode herausgegeben, von Javolenus 
bearbeitet. — 

2. C. Atejus Capito,') Konsul a. 5 n. Chr., gest. 22, 
Schüler des Ofilius (vergl. über seine Persönlichkeit § 18).®) 
Er schrieb: Caniectanea, mindestens 8 B., de iure pontificioy 
mindestens 7 B., de officio senatorio, i B. (Teil der coniectanea?). 

3. Fabius Mela wird neben Labeo citiert.*) Den Servius 
Sulpicius benützt er,*^ Proculus kritisiert ihn.^^) 

4. Vitellius schrieb ein Werk, das zuerst Sabinus be- 
arbeitete.^*) 

5. Massurius Sabinus, das erste Haupt der nach ihm 
benannten Schule, war von geringer Herkunft, lebte zumeist 
von den Beiträgen seiner Schüler, trat erst mit ungefähr 50 



^) Gell. XIII, 10: iuris qnidem civilis disciplinam principali studio ex- 
ercuit et consulentibns de iure publice responsitavit, set ceterarum quoque 
bonanun artium non cxpers fait et in grammaticam sese atque dialecticam 
litterasque antiquiores altiorcsque penetraverat Latinarumque vocum origines 
rationesque percalluerat eaque praecipue scientia ad enodandos plerosqne iuris 
laqueos utebatur. 

^) Das zeigt die Geschichte, die Gell. X, 12 nach einem Brief Capitos 
von ihm erzählt: Als einst die Volkstribunen ihn vor sich laden liefien, folgte 
er nicht, sondern liefi ihnen sagen: posse . . . eos venire et prendi se iubere, 
sed vocandi absentem ius non habere. Das formale Staatsrecht hatte er dabei 
auf seiner Seite, aber es hatte sich eingebürgert, dafl die Tribunen luden und 
ihre Ladungen befolgt wurden. 

•) Pomp. D. I, 2, 2, 47. 

^ Jörs Atejus 3 in Pauly-Wissowas Realencyklopädie. 

«) D. I, 2, 2, 47. Tac. ann. III, 70. 75. — ») Ulp. D. XIX, 2, 13, 8. 

10) Ulp. D. XXXIII, 9, 3, 10. — >i) Ulp. D. IX, 2, 11 pr. 

12) S. jedoch Note 16. — i») Pomp. D. I, 2, 2, 48. 50. 



— 104 — 

Jahren in den Stand der Ritter, erhielt aber als solcher und 
zwar als erster dieses Standes das ius respondendi}^) Er schrieb 
noch unter Nero.^^) — Ubri tres iuris civilis, ein einflußreiches, 
oft kommentiertes Werk,^**) ad edict, praet, urbard Ubri; ad 
Vitelliutn libri;^^) responsor. l, (mindestens 2); de furtis /. sing.; 
assessorium^'^) auch, wie es scheint, einen Kommentar zur lex 
Julia iudiciorutn privatoruni}^) 

6. Minicius, vielleicht Schüler des Sabinus,^*) von Julian 
kommentiert. 

7. M. Coccejus Nerva der ältere, das erste Haupt der 
nachmals s. g. Proculianer, wird als Kenner alles gött- 
lichen und menschlichen Rechts gepriesen.^*^) Er hat das 
Konsulat bekleidet.'^) Seit dem Jahre 24 n. Chr. war er 
curator aquarum?^) Dem Tiberius stand er als einer der Ver- 
trautesten nahe,^') tötete sich aber im Jahre 33 n. Chr. aus 
Furcht vor schlimmem Ausgang dieser Freundschaft, die ihm 
die Schäden des Staates so recht aus der Nähe gezeigt hatte.^*J 

8. Nerva, der Sohn des vorigen, ebenfalls Pro- 



1*) Nach dem SC. Neronianum. Gai. II, 218. 

lö) Über das System s. Leist, Versuch einer Geschichte der römischen 
Rechtssysteme (1850) Taf. I zu S. 44. Voigt, Aelius- und Sabinussystem 
Abh. d. kgl. Sachs. Gesellschaft derWissensch.XVII(1879) S.319ff. Kariowa I S. 
687 fF. Krüger S. 151 f. Lenel, Palingenesia h. l. Kipp, Krit. Viertel- 
jahresschr. XXXIII (1891) S. 543 fF. Lenel , das Sabinussystem, Festschr. f. Ihering, 
Strafib. 1892, S. Iff. Kipp, Gott, gelehrte Anzeigen 1895 S. 345 ff. 

I6j Nach Bremer, Jurisprud. Antehadriana II, 1 p. 275 nicht ein Kom- 
mentar zum Werk eines Vitellius, sondern ein einem Vitellius gewidmetes Werk. 
Zustimmend eine Schrift von di Marzo, dagegen mit Recht Baviera, Arch. 
giur. LXIII (1899) p. 154 sg. Schneider, Krit. Vierteljahresschr. XLIIl 
(1901) S. 228. 

17) Ulp. D. XLVII, 10, 5, 8. 

18) Gell. XIV, 2, 1. Wlassak, Grünh. Zeitschr. XIX (1892) S. 705 ff. 

19) D. XII, 1, 22. 

30) Tac. annal. VI, 26: omnis divini humanique iuris sciens. 

21) Tac. ann. IV, 58. C. J. L. VI, 1539. 9005. 

22) Frontin. de aqu. 102. 

23) Pomp. D. I, 2, 2, 48. Tiberio Caesari familiarissimus. Tac. annal. 
VI, 26: continuus principi. 

2*) Tac. ann. VI, 26 ferebant gnari cogitationum eius, quanto propius 
mala rei publicae viseret, ira et metu, dum integer dum intemptatus, honestum 
finem voluisse. 



— 105 — 

culianer, Prätor designatus a. 65.***) Pomponius weiß nichts 
Rechtes von ihm zu sagen,^*) aber nach Ulpian soll er schon 
mit 17 Jahren oder wenig älter respondiert haben.^^) Er 
schrieb: de usucapianibus Hört. 

9. Cartilius, von Proculus citiert.^®) 

10. Proculus, von dem die proculianische Schule den 
Namen trägt, Nachfolger Nervas des älteren.^*) — Epistolar. L 
(mindestens u); ex posteriorib. Labeonis l. (mindestens 3), 
vielleicht hieraus die vereinzelt angeführten notae zu Labeo.^®) 

11. Atilicinus, wird neben Nerva und Proculus, auch 
neben Sabinus und Cassius genannt.^ ^) Bei Proculus fragt er 
um Rat.»2) 

12. FulciniusPriscus wird neben Mela und Atilicinus ge- 
nannt*^) Er zieht Folgerungen aus einer Ansicht Labeos ;'^*) 
Keratins citiert ihn.*^) 

13. C. Cassius Longinus, von dem die sabinianische 
Schule den anderen, wahrscheinlich älteren, Namen der Cassianer 
trägt (ob. § 18), war durch seine Mutter Enkel Tuberos und 
Urenkel des Servius Sulpicius. Er war Konsul a, 30,^^) Prokonsul 
von Asia a. 40/41,*^) Statthalter von Syrien i. J. 49,^®) ein 
Mann von ausserordentlichem Ansehen. *•) Unter Nero wurde 
er, ein Erblindeter, durch Spruch des Senates nach 
Sardinien verbannt, weil er unter seinen Ahnenbildern 
das Bild des Cäsarmörders Cassius behalten hatte ;^) unter 
Vespasian wurde er zurückgerufen, ist aber bald darauf 
gestorben.*^) Er schrieb: iuris civilis l. (mindestens 10) von 



20) Tac. ann. XV, 72. — a«) D. I, 2, 2, 52: fuit eodem tempore. 

27) D. III, 1, 1, 3. — 28) D. XXVIII, 5, 70 (69). 

29) Pomp. D. I, 2, 2, 52. 80) z. B. Ulp. D. III, 5, 9, 1. 

31) Z. B. Paul. D. II, 14, 27 pr. Ulp. D. IV, 8, 21, 9. Paul. D. XVII, 
1, 45, 7. Ulp. D. XVII, 2, 52, 18. 

32) Proc. D. XXIII, 4, 17. — 88) Paul. D. XXV, 2, 3, 4. XXV, 2, 6 pr. 
34) Ulp. D. XXV, 1, 1, 3. — 86) D. XXXIX, 6, 43. 

36) Pomp. D. I, 2, 2, 51. C. J. L. X, 1233. 

37) Dio Cass. LIX, 29, 3. — 8«) Tac. ann. XII, 11. 

89) Pomp. 1. c. plurimum in civitate auctoritatis habuit, Tac. ann. XII, 
12: ceteros praeminebat peritia legum. 

.40) Pomp. D. I, 2, 2, 51. 52. Tac. ann. XVI, 9. Suet. Nero 37. 
41) Pomp. D. I, 2, 2. 52. 



— 106 — 

Javolenus bearbeitet; notae zu Vitellius oder zu Sabinus ad 
Vitellium}'^) 

14. Ein anderer Longinus wird als Proculianer genannt 
und zwar ak Zeitgenosse des Proculus, ihm an Bedeutung 
nachstehend.^) 

15. Cn. Arulenus Cälius Sabinus war Nachfolger des 
Cassius in der Vorstandschaft der sabinianischen Schule, Konsul 
a. 69,**) unter Vespasian von großem Einfluß."**) Ad edict 
aediL cur,*^) 

16. Ursejus Ferox steht Cassius und Proculus zeitlich nahe. 
Er ist öfter der Berichterstatter der Späteren über Ansichten 
der Genannten.*') Julian bearbeitete ein Werk von ihm (unt. 33). 

17. Juventius Celsus der ältere war der Nachfolger 
des Pegasus.*^) 

18. Paconius, von Ulpian und von Paulus, vielleicht nach 
.Plautius, angeführt.*^) 

19. Plautius, schrieb zwischen Cassius und Proculus, 
die er citiert,*^) und Javolenus, der ihn kommentiert, ein von 
Späteren öfter bearbeitetes Werk. 

20. C. Octavius Tidius Tossianus Javolenus PrisCUS, 
Nachfolger des Cälius Sabinus,*^) in der zweiten Hälfte des 
I. und im Anfang des 2. Jahrhunderts in zahlreichen 
Ämtern tätig (Kommandeur verschiedener Legionen, Statt- 
halter von Britannien, Germania superior, Syrien, Afrika,*^*) 
Lehrer Julians. '^^) Vielleicht nur wegen eines empfindlich 
treffenden Witzes bringt ihn Plinius der Jüngere in den Ver- 



*2) D, XXXIII, 7, 12, 27. S. noch Jörs, Cassius 60 in Pauly-Wissowas 
Realencyklop. 

48) Pomp. D. I, 2, 2, 52. — 44) Tac. bist. I, 77. 

*5) Pomp. D. I, 2, 2, 53. — *«) GeU. IV, 2, 3. 

*7) Paul. D. VII, 4, 10, 5. Ulp. D. IX, 2, 27, 1. 

48) Pomp. D. I, 2, 2, 53. 

49) Ulp. D. XIII, 6, 1, 1. Paul. D. XXXVn, 12, 3 pr. 

60) D. XXXIV, 2, 8. XXXV, 1, 43 pr. — 6i) Pomp. D. I, 2, 2, 58. 

62) C. J. L. III, 2864. Dessau 1015. 1998. Heron de Villefossc, 

comptes rendus des seances de TAcad. des inscr. et helles lettres IV, 

22 1894 p. 228 suiv. Kalb, Jahreshericht f. Altertumswissensch. LXXXIX 
(1896 II) S. 228 f. 

08) Das sagt Julian seihst D. XL, 2, 5. 



— 107 — 

dacht, geistig nicht ganz gesund gewesen zu sein; jedenfalls 
hinderte dies nicht, dass er amtlich tätig war, zu Konsilien 
zugezogen wurde und respondierte.**) Javolenus schrieb: 
Epistolar, l. XIV, ex Cassio L XV, ex Plautio L F, zwei Be- 
arbeitungen von Labeos posteriora : Labeonis libri posteriorum 
a Javoleno epitomati (mindestens 6 B.) und Javoleni libri ex 
posterioribus Labeonis (lo B.). Daß diese beiden Werke iden- 
tisch sind, ist nicht wahrscheinlich.**) 

21. Pegasus, Nachfolger des Proculus, unter Vespasian 
Präfectus urbi.**) 

22. Von Fufidius citiert African (37) ein 2. Buch quaestio- 
nunt, worin auf Atilicinus Bezug genommen wird.*') Anderswo 
lässt Ulpian den Atilicinus von einem Aufidius Chius citiert 
werden.*^) Vielleicht ist dieser mit jenem Fufidius'^*) identisch. 

23. Varius Lucullus wird von Aristo (24) citiert.*®) 

24. Titius Aristo, Freund des jüngeren Plinius, der ihn 
sehr rühmt,*^) Konsiliar Trajans,**) gesucht als Respondent und 
Advokat.^) Notae zu Labeos posteriora, zu Sabinus ad 
Vitellium, vielleicht auch zu dessen libri iuris civilis \ zu Cassius' 
libri iuris civilis^ decreta Frontiana (zweifelhaften Charakters). 



fi^) PlJn. ep. VI, 15. Passenniis Paulus .... scribit elegos . . . Is cum 
recitaret, ita coepit dicere ,Prisce iubes'. Ad hoc Javolenus Priscus (aderat 
enim ut PauUo amicissimus) ,ego vero non iubeo'. Cogita qui risus hominum 
qui iod. Est omnino Priscus dubiae sanitatis. Interest tarnen officiis, adhibetur 
consiliis atque «tiam ius civile publice respondet. 

66) Für die Identität: Lenel, Palingenesia I col. 299 nota 4. Dagegen: 
Kariowa I S. 698, Krüger S. 163f. Dafi die Kompilatoren, wie Lenel 
meint, das erste Werk künstlich aus dem zweiten herausgezogen haben, um 
mit Labeos Namen zu prunken, kommt mir nicht sehr wahrscheinlich vor. 

««) Pomp. D. I, 2, 2, 53. — »7) d. XXXIV, 2, 5. — 08) Fr. Vat. 77. 

69) Und mit dem von Martialis V, 61, 10 (unter Domitian) genannten 
Aufidius. 

«0) D. XLI, 1, 19. 

*i) Plin. ep. I, 22: Nihil enim est illo gravius, sanctius, doctius . . . 
quam peritus ille et privati iuris et publicil quantum rerum, quantum exem- 
plorum, quantum antiquitatis tenetl Nihil est quod discere velis, quod ille docere 
non possit, cet. 

e«) Pap. D. XXXVII, 12, 5. 

*Sj Plin. ep. I, 22, 6: multos advocatione, plures consilio iuvat. 



^.jr^t,*^^ 



— 108 — 

25. Vivianus, schrieb über das Ediktsrecht, wird von 
Ulpian nach Celsus angeführt®^) 

26. P. Juventius CoisUS T i t u s Aufidius Oenus Severianus, 
Sohn des unter 17 Genannten, Nachfolger seines Vaters im 

iWt' ^«^•'*^ Vorstand der proculianischen Schule/^) Prätor im J. 106 oder 
J^LyCt^ I07**) zum zweiten Male Konsul a. 129,®^) Konsiliar Hadri- 
' - ans.'®) — Das Hauptwerk des Celsus sind seine Digestorum 

/. XXXIX. Ferner schrieb er: epistolar, l, (mindest. 11), com- 
mentarii (mindest. 7. B.), quaestiones (mindest. 12 B.). Celsus 
ist eine der hervorragendsten Erscheinungen der römischen 
Jurisprudenz, aber derb bis zur Grobheit und, (wie bei dieser 
Eigenschaft nicht selten) nicht immer im Recht, wenn er 
grob ist.®®) 

27. Neratius Priscus, mit Celsus zusammen Vorsteher 
der proculianischen Schule,^®) erlangte das Konsulat,'^) ^var 
Konsiliar Trajans'^) und Hadrians.'^) Er ist wahrscheinlich 
identisch mit einem L. Neratius Priscus, der praefectus aerarii 
Satumi, Konsul und Statthalter von Pannonien war.^*) Er schrieb 
Regulär, /. XV, responsor. L IIL, epistolae, mindest. 4 B.; 
membrananim /. F//, so wohl deshalb genannt, weil auf Per- 



64) D. IV, 8, 21, 11. — 6ß) Pomp. D. I, 2, 2, 53. — e«) Plin. ep. VI, 5, 4. 

^'^^ Als solcher beantragte er mit seinen Kollegen das sog. SC. luventi- 
anum D. D. V, 3, 20, 6, Diocl. C. J. VII, 9, 3, 1. Vgl. Pomp. 1. c. 

68) Hisior. Aug. Hadrian 18, 1. 

*•) In D. XXVIII, 1, 27 fragt ein gewisser Domitius Labeo bei Celsus 
an: ob derjenige, der als Testaments schreib er gebeten sei, aber nach der 
Niederschrift das Testament mit besiegelt habe, als Zeuge (deren sieben sein 
müssen) mitzuzählen sei. Celsus antwortet: non intellego quid sit de quo me 
consulueris aut valide stulta est interogatio tua. plus enim quam ridiculum 
est dubitare, an aliquis iure testis adhibitus sit, quoniam idem et tabulas testa- 
menti scripserit (Quaestio Domitiana, responsum Celsinumj. Und doch konnte 
die Frage den haltbaren Sinn haben, ob es nicht einen Mangel begründe, dafl 
der Schreiber nicht ausdrücklich als Zeuge gebeten war (vgl. Ulp. D. XXVIII, 
1, 21, 2) und es liefi sich auch fragen, ob der, der das Testament niederge- 
schrieben, der rechte Zeuge dafür sei; denn er mufi sich doch selbst die 
Richtigkeit seiner Niederschrift bezeugen, vgl. Hofmann, Kritische Studien 
(Wien 1885) S. 39 f. 

70/71) Pomp. D. I, 2, 2, 53. 7«) Pap. D. XXXVII, 12, 5. 

78) Hist. Aug. Hadrian. 18, 1. 

74) C. I. L. IX, 2454/5 (Dessau 1033. 1034). 



— 109 — 

gament herausgegeben; dem Inhalt nach dogmatisch-kasuisti- 
sche Erörterungen; ex Plautio libri^ de nuptiis L sing, — 

28. Campanus wird von Valens (30) und Pomponius 
(36) citiert^s) 

29. Oktavenus, ebenso.'*) 

30. Aburnius Valens, als Nachfolger des Javolenus im 
Vorstande der sabinianischen Schule neben Tuscianus (31) 
und Jülianus (32) genannt,^^) Konsiliar des Antoninus Pius.^®) — 
De fideicommissis /. VII?^) 

31. Tuscianus vgl. Valens (30). 

32. Valerius Severus, von Julian citiert.®^) 

33. L. Oktavius Cornelius Salvius Julianus Aemi- 
lianus®^) war mit Valens (30) und Tuscianus (31) im Vor- 
stande der sabinianischen Rechtsschule. ®^) Über sein 
Leben hat eine 1899 in Afrika im Gebiete seiner Heimat®*) 
Hadrumetum gefundene Inschrift®*) einer ihm von jener Stadt 
gesetzten Bildsäule ungeahntes Licht verbreitet. Julian war 
decemvir litibus iudicandiSy quaestor Augusti unter Hadrian und 
zwar wegen seiner großen Gelehrsamkeit mit doppeltem .Ge- 
halt, Konsiliar Hadrians,®^) Volkstribun, Prätor, ö^) praefectus 
aeraHi Satumi und aerarii ntilitaris, Konsul®') und zwar im 



76) Valens D. XXXVIII, 1, 57. Pomp. D. XL, 5, 34, 1. 

76) Valens D. XXXVI, 1, 69 (67) pr. Pomp. D. XIX, 1, 55. 

77) Pomp. D. I, 2, 2, 53. 78) Rist. Aug. Pius 12, 1. 

7») Valens libro VII actionum, D. XXXVI, 4, 15, ist wohl irrig für 
VenuleJTis. ^) D. III, 5, 29 (30). 

81) Buhl, Salvius Julianus B. I (Heidelb. 1886). Mommsen Zeitschr. 

der Sav.-Stift. XXIII (1902) S. 54ff. A ^u**^;-^'. >Ol Ui.(f^S ^' tC<i.lf^^Zf 

82) Pomp. D. I, 2, 2, 53. 88) Rist. Aug. Did. Jul. 1. TLtl^ 
8*) Mommsen, a. a. O. S. 54. Sie lautet (unter Auflösung der Ab- ^ ^ j' 

kürzungen) : L. Octavio Comelio P. F. Salvio Juliano Aemiliano, decemviro, ^ '***" 
quaestori imperatoris Radriani, cui divos Radrianus soli salarium quaesturae ■**^y*^»**-f 
duplicavit propter insignem doctrinam, tribuno plebis, praetori, praefecto /^j^ -y9#X£u*, 
aerarii Satumi, item militaris, consuli, pontifici, sodali Radrianali, sodali fi/'^'.^^^^ 
Antoniniano, curatori aedium sacrarum, legato imperatoris Antonini Augusti Pii ^,2fS <t> 
Germaniae inferioris, legato imperatoris Antonini Augusti et Veri Augusti ^^ V*' 

Hispaniae citerioris, Proconsuli provinciae Africae, patrono, decreto decurionum 
pecunia publica. 

86) Hist. Aug. Radrian. 18, 1 die Inschrift Anm. 84 erwähnt das nicht. 

86/87) s. auch Jul. D. XL, 2, 5. 



<^<i,/^ 



— 110 — 

J. 148 n. Chr.,*®) Priester der Gott gewordenen Kaiser Hadrian 
und Antoninus Pius, curator aedium sacrarum^^'^) Statthalter 
von Untergermanien unter Antoninus Pius,*^) unter 
M. Aurel und L. Verus Statthalter von Hispania citerior, 
endlich Prokonsul von Afrika. Er war Großvater des 
Kaisers Didius Julianus, und nach dessen Biographie ^^) ist 
Julian später noch einmal Konsul und Präfektus urbi gewesen; 
diese Nachricht ist aber von zweifelhaftem Wert.**) Julian 
starb unter der Herrschaft der divi fratres (M. Aurel und 
L. Verus).*^) Als Jurist war er Schüler des Javolenus (2o).'*) Er 
ist der berühmte Redaktor des prätorischen Edikts (ob. S. 50), 
bei Zeitgenossen wie Späteren mit Recht in höchstem An- 
sehen. Sein bedeutendstes Werk sind digestotum libri XC, 
geschrieben unter Hadrian und Antoninus Pius. Der Anfang 
lallt vor das Jahr I29'*). Andere Werke Julians sind: ad 
Urseium /. IV.y ad Minicium libri^^ de ambiguitatibus /. sing. 
(über Auslegung unklarer Willenserklärungen). 

34. Sex. Pedius ist etwa Zeitgenosse Julians,*') — er 
schrieb ad edict, praetoris und aedil, cur, (über 25 B.), de 
stipidcUionibus libri, 

35. Pactumejus Clemens, Konsul a. 138,**) von Pompe- 
nius citiert.®*) 



88) Mommsen a. a. O. S. 57. 89) s. auch C. J. L. VI, 855. 

80) S. noch Mommsen S. 58 Anm. 4. »i) Hist. Aug. Did. Jul. 1. 

93) Mommsen a. a. O. S. 59f. 

98) Gai. II, 280 (unter den divi fratres) sagt: scio tarnen Juliano pla- 
cuisse .... quam sententiam et his temporibus magis obtinere yideo. Als 
dies geschrieben wurde, mufi Julian doch schon längere Zeit tot gewesen sein. 
Jetzt macht Mommsen a. a. O. auf ein Reskript der divi fratres (D. XXXVII, 
14, 17) aufmerksam, worin diese Kaiser sagen: sed et Salvii Juliani amici nostri 
clarissimi viri hanc sententiam fuisse. 84) jul. D. XL, 2, 5. 

M) Da Julian in D. V, 8, 83, 1 (wahrscheinlich libro VI) das SC. 
Juventianum noch nicht kennt. 

88) Riccobono Bull, dell* istituto di dir. Rom. VII (1894), p. 225 sq. 
VIII (1895) p. 169 sc^.^^ff^^r^y^ U: Ci fsj .U^U^^:^ , ^'^'^' ^'^Oi/^]H\ 

87) Trotz LeneTs Widerspruch (Palingen. II col. 1 nota 1) scheint 
uns mit Krüger S. 172 zu 79 nach Paul. D. IV, 8, 82, 16 wahrscheinlich, 
dafl Pedius das Edikt später als Julian commentierte. 

88) Auch sonst reich an Ämtern; C. I. L. VIII, 7059, aber als Jurist 
nicht weiter bekannt. 8«) D. XL, 7, 21, 1. 



— 111 — 



§ 20. 

Die Juristen von Pomponius bis Marcellus. 

36. Sex. Pomponius, Sabinianer/) schrieb in der Zeit 
von Hadrian^) bis zu den divi fratres,^ ein fleißiger Verar- 
beiter der Literatur. — Seinem liber singularis enchiridii, 
unter Hadrian,*) entstammt die wichtige, auch in diesem Buch 
oft benutzte, leider arg verderbte Übersicht der römischen 
Rechtsgeschichte in D. I, 2, 2. — Daneben stehen enchiridii 
libri II, Ferner schrieb Pomponius ad Sabinum l, XXXV 
oder XXXVI, unter Hadrian,*) ad Q. Mucium /. XXXIX, 
nach dem Tode Hadrians,*) ex Plautio /. VII, ebenfalls nach 
Hadrian, vielleicht sogar nach Antoninus Pius') epistolar, L 
XX, nach Pius®), ferner einen Kommentar zum prätorischen 
und ädilicischen Edikt, der im 81. Buch nicht weit über 
die Mitte ist, variarum lectionum /., mindest. 41, regulär, /. 
sinsr,^ de senatus consultis /. V, de stipulatianib,, mindest. 8 B., 
de fideicommiss, L V. 



^) Sicher wissen wir das allerdings nicht. Daß Pomp. D. XLV, 3, 89 
mit Gaius noster C. Cassius als das berühmte Haupt der cassianischen Schule 
bezeichnet, der er somit sich zurechnet, wäre änderst wahrscheinlich, wenn 
nicht noch wahrscheinlicher wäre (Lenel, Paling. II col. 72 nota 4, S e c k e 1 
and Kubier in der Vorrede ihrer Ausgabe des Gajus p. III), daß der frag- 
liche Passus von den Kompilatoren Justinians herrührt, die ihren geliebten 
Gajus (38) gemeint haben. 

*) Optimus princeps Hadrianus bei Pomp. D. I, 2, 2, 49 weist darauf 
hin, daß der Kaiser damals noch lebte (nicht divus!). 

') Divus Antoninus bei Pomp. 1. sexto epistolar. et variar. lectionum 
B. L, 12, 14 geht auf Antoninus Pius. 

*) S. Anm. 2. 

») Trajan heißt divus D. XLVIII, 22, 1. Julian wird nicht angeführt, 
dtiert aber seinerseits im XXXV. Buch seiner Digesten eine Ansicht des Pom- 
ponius, die im 6. Buch ad Sab. stand. Vat. fr. 88. 89. D. VII, 2, 8, VII, 8, 
4, 1, VII, 8, 7. 8, 1. 

•) Pomp. D. VII, 8, 22. 

') D. XL, 7, 21 nennt Antoninus Pius als regierenden Kaiser, aber 
ans dem Munde des Pactumejus Clemens, also kann Pomponius die Stelle 
auch nach dem Tode des Pius geschrieben haben. Kariowa I S. 717. 

8) Pomp. D. L, 12, 14 i. f. ' •) Ulp. D. XXV, 3, 3, 4. 



37. Sex. Cäcilius Africanus,*) Schüler Julians, berühmt 
durch die Schwierigkeit des Verständnisses seiner Schriften. 
Seine Quaestiones, 9 B., enthalten größtenteils julianische Ent- 
scheidungen mit kritischen Bemerkungen. Einmal wird auch 
ein Werk epistolae in mindestens 10 Büchern von Africanus 
erwähnt. ^^) 
Kr^yM t-*^ 3^' 6*JU8, geboren spätestens unter Hadrian, ") schrieb 

^^hMhujU^^*^ von der Zeit des Antoninus Pius^*) an, bis nündestens zum* 
.tu v^i^*^"^^^ Jahre 178, da er das diesem Jahre angehörige SC. Orphitianum 
^f0 kennt. ^*) Zeitgenossen und spätere Klassiker eitleren ihn nicht;**) 

j(r^'i. i^' ^' Responsen von ihm sind nicht bekannt; er war wohl aus* 
{Jth* T«^^^,.,«..-^ schließlich Lehrer und Schriftsteller und hatte das ius respon- 
/f^,l,^^'^'^i'^^ dendi nicht. In der Folge gelangte er jedoch zu großem An- 
* <f /^/l. sehen. ^'^) Man hat seine eigentümliche Stellung daraus zu er- 
/^ t^/(^ klären gesucht, dass er ein „Provinzial- Jurist" gewesen sei, in 

C^ ' einer östlichen Provinz gelebt und gelehrt habe, oder doch 

^jjljl^ ^ ^ """^in Rom an einer für Provinzialen bestimmten Rechtsschule 

r C^>^ ^IP^ tätig gewesen sei.**) Man beruft sich für diese Annahmen 
'^^^JT^ ~ 

*^****' lU«»^ ^®) ^^P- ^- ^^^» ^^ P*"- ^^^ ^** ^^^^^* *** Ordnung? Es ist immerhin 

^^^ ' *jL ^öc^st auffallend, dafi während sonst Africanus Referent über Ansichten Julians 

1^ . ^*^^^^.f ist, in diesem einzigen Falle ein sonst ganz verschollenes Werk des Africanus 

lAtiJL til* auftritt, das Julian benutzt haben müfite. Denn die Erklärung von 

KarlowalS. 714: Africanus apud Julianum quaerit = African berichtet einen 
Satz Julians und knüpft daran eine Frage, halte ich für unmöglich. 

II) Gai. D. XXXIV, 5, 7 pr. beweist das freilich nur, wenn nostra 
aetate genau zu nehmen ist^ was nicht unbedingt feststeht. Aber der Mann, der 
um 161 n. Chr. seine Instituüonen schrieb und schon vorher ein Werk ad Q. 
Mucium und eins ad edictum geschrieben hatte (Gai. I, 188), wird doch mit 
seiner Jugend in die Regierungszeit Hadrians zurückreichen. 

13) S. unt. Anm. 23. 28 fr. 18) s. unt. Anm. 22. 23. 

1^) Ulpians 1. sing, regularum weist viel Ähnlichkeit mit Gajus auf. 
Kalb, Roms Juristen S. 77 erklärt das daraus, dafi beide eine gemeinschaftliche 
Quelle benutzt haben, aber ebenso möglich bleibt doch, dafi Ulpian den Gajus 
benutzt hat, der freilich in der uns vorliegenden Fassung des Ulpianischen 
Buchs nicht genannt wird. Vgl. Mitteis, Reichsrecht und Volksrecht S. 147 
Anm. 4. Grupe, Zeitschr. d. Sav.-Stift. XX (1899) S. 90 ff. Dagegen freilich 
wieder Kalb, Jahresbericht f. Altertumswiss. CIX (1901 II) S. 38 f. 

Iß) S. unt. § 22. 27. 

^^) Mommsen, Jahrb. des gem. R. III (1859), S. 1 ff . nimmt an, dafi 
Gajus in der Provinz Asia lebte. S. ferner Bremer, Rechtslehrer in Rechts- 
schulen S. 77 ff. Kuntze, der Provinzialjurist Gajus wissenschaftlich abge- 



— 113 — 

darauf, daß Gajus das Provinzialedikt kommentiert und auch 
in seinen Institutionen die provinzialen Rechtsverhältnisse, und 
zwar der östlichen Reichsteile, berücksichtigt. Da er aber 
als eifriger Sabinianer auftritt, so ist er sicher zu Rom in der 
sabinianischen Rechtsschule gebildet. Es ist auch anzunehmen, 
daß er in Rom lehrte; denn die Berücksichtigung des Provin- 
zialrechts in seinen Institutionen ist vereinzelt und dient dem 
Zweck, römische Rechtsinstitute durch den Gegensatz schärfer 
hervorzuheben;^^ ein ernsthaftes Eingehen auf die Bedürfnisse 
der Provinzialen findet sich nicht. Der Kommentar zum 
Provinzialedikt kann auch in Rom für Statthalter und sonstige 
mit der Provinzialjurisdiktion Befaßte geschrieben sein.^®) 

Ein anderer Versuch zur Lösung des Rätsels, das unleug- 
bar über der Person des Gajus schwebt, ist folgender: Alles * . 
was unter dem Namen des Gajus vorliegt, sind ursprünglich • 1.(^0. 
Werke des C. Cassius, des Hauptes der Cassianer und von 
einem Anonymus um 161 nur unter dem alten Verfassernamen 
bearbeitet.^") Diese Hypothese, die man, wie so viele, nicht 
streng widerlegen kann, ist sehr unwahrscheinlich. Der be- 
rühmte Cassius wird regelmäßig von den Klassikern als Cas- 
sius oder als C. Cassius citiert, nur selten als Gajus.*^) Seine 



schätzt. Leipziger Programm 1883. Kalb, Roms Juristen S. 73 ff. Jahres- 
bericht für d. Altertumswissenschaft LXXXIX (1896) S. 231. 233. Mitteis, 
Reichsrecht und Volksrecht S. 147; die Annahme, dafi Gajus zwar in Rom, 
aber in einer für Provinzialen bestimmten Rechtsschule tätig war, stammt von 
Kariowa, I S. 722. Es ist aber sehr unwahrscheinlich, dafi es dergleichen 
Sonderschulen gab. S. auch Seckel u. Kubier (Anm. 1) p. III sq. 
Lenel in Holtz. Enc. S. 137 Anm. 3. ") i, 55. i^ 193. 

18) Vgl. Krüger S. 191. Wlassak, römische Prozefigesetze II Leipzig 
1891 S. 224 ff. 

lö) S. Kalb, Jahresber. für Altertumswiss. LXXXIX (1896 II) S. 232. 
CIX (1901 II) S. 40, Nur in dieser Fassung ist die Sache diskutabel. 
Die Ansicht Longinescus, Gajus der Rechtsgelehrte (Berl. Diss.) 1896, daß 
Gajus identisch mit C. Cassius sei (S. 62 ff.) ist ganz indiskutabel. Siehe 
dagegen Herzen, die Identität des Gajus, Zeitschr. d. Sav.-Stift. XX (1899) 
S. 211. 

20) So zuweilen bei Javolenus ex Cassio, z. B. D. XLVI, 3, 78, bei 
Julian ad Urseium Ferocem. D. XXIV, 3, 59. Pomp. D. XLV, 3, 39 Gaius 
noster ist der Interpolation dringend verdächtig. Lenel, Palingen. II col. 72 
nota 4. 

Kipp, Quellen dei rOm. Beohts. 8 



t * 



— 114 — 

Schule hieß die der Cassianer und nicht der Gajaner. Es 
wäre also sonderbar, wenn ein Neuherausgeber seiner Werke 
sie nicht als solche des Cassius, sondern des Gajus bezeichnet 
hätte. Dazu kommt, daß in den Institutionen des Gajus wie 
in dessen sonstigen Schriften*^) Cassius oft als Fremder und zwar 
als Cassius citiert wird. Dies kann freilich bei einem Bear- 
beiter unter Umständen vorkommen, aber warum hätte der 
Bearbeiter im Text immer einen andern Namen gebraucht 
als den, den er auf das Titelblatt gesetzt haben soll? Der 
Ediktskommentar des Gajus beruht auf dem hadrianisch-juli- 
anischen Edikt, was nicht ausschließt, aber doch recht . un- 
wahrscheinlich macht, daß er eine Bearbeitung eines Werks 
des C. Cassius ist. Gajus schrieb nach zwei Stellen der Digesten*") 
ad SC, Tertullianum unter Hadrian und ad SC. Orphitianum{du 178 
n. Chr.), Werke, die nicht von Cassius stammen können. Dies ist 
nur deshalb kein ganz entscheidender Beweis, weil die Inskrip- 
tionen der beiden Stellen nicht absolut sicher sind.-*) Endlich aber 
woher die unerklärliche Anonymität des Bearbeiters? Dieser soll 
doch vieles Neue hinzugefügt haben. Warum nennt er sich 
nie, wie doch so viele der römischen Juristen, die die Werke 
anderer bearbeiteten? Bleiben wir also dabei, daß Gajus 
der Name eines Juristen des zweiten Jahrhunderts ist. Er 
war keiner der hervorragenden Geister, aber ausgezeichnet 
durch Glätte und Verständlichkeit seiner Darstellung. 

Seine institutionum commentarii quattuor^ geschrieben um 
161 n. Chr., der Anfang noch unter Antoninus Pius,^*)der Schluß 
schon unter den divi fratres^^^) sind das einzige uns fast voll- 
ständig erhaltene Werk eines klassischen Juristen. Daß sie 
ein nachgeschriebenes Kollegienheft seien,*®) ist ihrer treff- 



21) Ad ed. prov. D. II, 1, 11 pr. IX, 4, 15. XIII, 3, 4. XVI, 3, 14, 1. 
XVIII, 1, 35, 5, de manumiss. D. XL, 4, 57, de verb. obl. D. XLV, 3, 28, 4. 

aa) D. XXXVIII, 17, 8. 9. 

aa) Voran geht (D. XXXVIII, 17, 7). Paul, ad SC. TertuU. et Orphit. 
Danach wird behauptet, daß auch fr. 8 und fr. 9 von Paulus seien. Aber in 
Bas. XLV, 1, 33 = D. XXXVIII, 17, 18 steht auch Gajus; die Verderbnis 
müfite also sehr alt sein. 

a4) Gai. II, 151a. 25) Gai. II, 195. 

86) Dernburg, die Institutionen des Gajus, ein Kollegienheft aus dem 
Jahre 161 n. Chr. Geb. Halle 1869. 



— 115 — 

liehen Fassung wegen unwahrscheinlich.*') Außer den Insti- 
tutionen schrieb Gajus: ex Q. Mticio libri unter Pius;*®) ad 
edict provinciale L XXXIJ^ die beiden letzten B. vom ädili- 
cischen Edikt; ad edict, urbicum, wovon nur lo Bücher auf 
Justinians Zeit kamen.*®) Mindestens einer der beiden Edikts- 
kommentare ist vor den Institutionen geschrieben.^) Nach 
Pius sind vollendet: ad leg. Juüam et Papiam /. XV^^) und 
fideicommissor. l. 11?^ ad SC. Orphitian. L sing., frühestens 
a. 178. Fernere Werke: ad leg. XII tabular. l. VI, rerum 
cottidianarum l. VII, wohl erst später aurea genannt, Samm- ^ / 

hing alltäglich vorkommender Rechtssätz^ regulär, l. III und / f^^' /J^, 
/. sing.y de manumissionib. l. III, de verborum obligationib. l. -T^^ ^f? 
///, de formtda hypothecaria l. sing., ad. SC. Tertullianum l. ^ 
sing., de tacitis fideic&mmissis l. sing., de casibus L sing., do- 
talicion L sing., ad leg. Glitiam (?) l, sing. 

39. Servilius, von Terentius Clemens (40) citiert.^^) 



37) Dafi Gajus ältere Literatur benutzt hat, ist selbstverständlich. Es 
geht aus seinen Citaten hervor, und auch wo er nicht citiert, wird er oft ältere 
Schriften benutzt haben ; denn das ist in der antiken Literatur nicht ungewöhnlich. 
Ob das aber so weit geht, dafi man sagen darf, er habe einen alten Grund- 
stock nur leicht überarbeitet, ist doch höchst zweifelhaft. Für jene Annahme 
namentlich Kniep« vacua possessio I (1885) S. 461 ff. Präscriptio und 
Pactum (Jena 1891) S. 14 ff. Der Besitz des BGB. gegenübergestellt dem 
römischen und gemeinen Recht (Jena 1900) S. 26ff. Kalb, Jahresbericht für 
Altertumswissenschafl LXXXIX (1896 H) S. 231 f. CIX. (1901 II) S. 40, vgl. 
auch denselben Roms Juristen S. 83 ff. Eine andere Frage ist, ob Gajus 
sein System (ius quod pertinet ad personas, ad res, ad actiones) erfunden hat. 
Affolter, das römische Institutionensystem Einleit. Thl. Berl. 1897 fuhrt 
dieses System auf Q. Mucius Scävola zurück. Jedenfalls ist es sehr möglich, 
dafi Gajus sich einem vorhandenen System anpafite. Lehrbuch Systeme sind 
ja auch bei uns tralaticisch, die wir auf Selbständigkeit des Inhalts, der ihnen 
gegeben wird, mehr sehen als die Alten. 

28) Gai. I, 188. 

29) Ad edictum urbicum rä fiöva s^^s&ivra ßißXia dexa (Index 
Florent.), 

SO) Über den Kommentar zum Provinzialedikt s. v. V eisen, Zeitschr. 
d. Sav.-Stift. XXI (1900) S. 73 ff. (vergl. ob. S. 47 Anm. 12), dagegen 
Kalb, Jahresber. f. Altertumswiss. CIX (1901 II) S. 42 ff. 

31) Gai. D. XXXI, 56. 82) Gai. D. XXXV, 1, 90. XXXII, 96. 

33) D. XXXVII, 14, 10. 

8* 



— 116 — 

40. Terentius Clemens, Schüler Julians,**) schrieb ad 
leg. JuL et Pap, /. XX. 

41. Vindius Verus, Konsul a. 138, Konsiliar des Pias, ^) 
konsultiert Julian;**) Mäcian (44) citiert ihn.*^) 

42. Junius Mauricianus, unter Antoninus Pius,*®) schrieb 
ad legem Julian et Papiam L VI. Aus einem Werk von ihm 
de poenis soll nach der Inskription eine Stelle in den Digesten 
stammen;*^) der Jndex Florentinus (§ 28) kennt dieses Werk 
aber nicht 

43. Venulejus Saturninus schrieb: de officio proconstdis L 
IV, de itidiciis public, l. III [beide nach dem Tode Hadrians),*^) 
actionum L X, de interdictis /. VI, de stiptdationibus L XIX, 
vielleicht auch disputationum libri*'^) De poenis pagatwrum 
schrieb ein Claudius Saturninus;*') ob dieser mit Venulejus 
Saturninus identisch ist, ist zweifelhaft.**) Es gibt noch einen 
dritten, von dem wir nicht wissen, wie er zu den beiden 
vorigen steht: Q. Saturninus, von dem Ulpian**) ein 10. Buch 



34) Ter. Clcm. D. XXVIII, 6, 6: Julianus noster. 
85) Hist. Aug. Pius 12, 1. 36) Fr. Vat. 77. 87) d. XXXV, 2, 32, 4: 
Vindius noster. 

38) Den er D. XXXI, 57 imperator Antoninus nennt. 
89) D. II, 13, 3. 

40) Venul. libr. I de oflf. proc. D. XL, 14, 2. XLVIII, 19, 15, libr. 
II de iud. publ. D. XLVIII, 2, 12, 1. 

41) Wenn nicht D. XL VI, 7, 18 stipulationum statt disputationum za 
lesen ist. 

42) D. XLVIII, 19, 16. 

48) Der Index Florentinus (§ 28) legt das Werk de poenis paganorum 
dem Venulejus Saturninus bei; aber dieser Index ist nicht immer zuver- 
lässig. In zwei unmittelbar auf einander folgenden Stellen der Digesten 
(XLXIII 19, 15. 16) stoßen Venulejus und Claudius so auf einander, dafi es 
schwer ist, an ihre Identität zu glauben. Kalb, Roms Juristen S. 26, macht 
geltend, dafi Claudius Saturninus den Sprachgebrauch poena plecti hat (D. XLVIII, 
19, 16, 4), den frühere Juristen (so auch Venulejus) vermeiden. Auch die 
Wendung: sceleris est instar bei Claudius Saturninus (D. XLVIII 19, 16 pr.) 
weist nach Kalb darauf hin, dafi Claudius Saturninus frühestens ein Zeit- 
genosse Papinians war. Ist das so, dann muß der Claudius Saturninus, an 
den Hadrian (Fr. Vat. 223) und Antoninus Pius reskribierten (Marci. D. XX, 
3, 1, 3, L, 7, 3 (4) pr.), und dessen Urteil (als er Prätor war) die divi fratres 
in D. XVII, 1, 6, 7 aufhoben, wieder ein anderer gewesen sein. 

44) D. XXXIV, 2, 19, 7. 



— 117 — 

ad edictutn anführt, und der bei demselben^) einer Ansicht 
des Marcellus zustimmt. Venulejus Satuminus citiert einmal:^) 
Sabinus . . . Proctdus autetn et ceteri diversae scholae auctores 
aber er tritt der Ansicht des Proculus bei und konnte jene 
Gegenüberstellung auch vornehmen, ohne seinerseits sich zu 
den Sabinianem zu rechnen.*^) Jedenfalls ist diesseits von 
Venulejus Satuminus die letzte Spur des Schulengegensatzes 
verschwunden. 

44. Volusius Mäcianus, Konsiliar des Pius,^) Rechtslehrer 
M. Aureis,*®) vielleicht unter Pius Präfectus Ägypti^) auch Kon- 
siliar der divi fratres,^^) schrieb Quaestionutn de fideicmnmiss. 
/. XVI, de iudiciis publicis l, XIV, de lege Rhodia, Seine assis 
distributio, M. Aurel gewidmet, ist eine Darstellung der üblichen 
Einteilungen eines Ganzen mit Namen und Zeichen der Teile, 
wie sie bei Erbeseinsetzung und sonst vorkommt; also ein 
halbjuristisches Werk. 

45. Florentinus schrieb nach Pius ^^)institutwnum l. XII 

46. Laelius Felix, von Gellius (um 170) citiert und wohl 
derselbe, den Paulus als Laelius anfuhrt.*') 

47. Papirius Justus, constitutionum libri XX, Konstitu- 
tionen von den divi fratres und M. Aurel allein**) enthaltend. 

48. Publicius wird von Marcellus angeführt,^) 

49. Ulpius Marcellus, Konsiliar von Pius*') und M. Aurel,^^ 



«) D. XII, 2, 13, 5. — «) D. XLV, 1, 138. 

^7) Anders wäre es, wenn er von diversae scholae auctores spräche, 
ohne znvor den Sabinus genannt zu haben. 

*8) Hist. Aug. Pius 12, 1. — *») Hist. Aug. Marc. Aur. 3, 6. 

öO) Urkunden aus den Berliner Museen II No. 613. P. Meyer, Hermes 
XXXII (1897) S. 222 ff. Stein das. 663 ff. Archiv f. Papyrusforschung I 
(1901) 447 ff 

51) Reskript der divi fratres D. XXXVII, 14, 17: Volusius Maedanus 
amicus noster ut et iuris civilis praeter veterem et bene fundatam peritiam 
anxie diHgens. 5») D. XLI, 1, 16 (Divus Pius). 

63) GeU. XV, 27. Paul. D. V, 3, 43. V, 4, 3. 

64) So unter den überlieferten nur eine, die einzige des 8. Buchs. Die 
sonst erhaltenen gehören dem 1. und 2. Buch an und sind sämUich von den 
divi fratres. 

») D. XXXI, 50, 2. — 6«) Hist. Aug. Pius 12, 1. 
67) D. XXVJII, 4, 3 pr. berichtet er (1. XXIX dig.) selbst über eine 
Verhandlung des Kaisergerichts aus dem Jahre 166 n. Chr. 



— 118 — 

einer der Besten, scharfsinnig und klar. — Digestorum L XXXI 
(unter M. Aurel und L. Verus)**) notae ad Jul. di esta und ad 
Pompan, regulas, ad leg, JuL et Pap. l. VI, de officio consulis 
libri, responsorum l, sing. — Eine Stelle in den Digesten^*) 
stammt nach der Inskription aus einem Werk des Marcellus 
de ptiblicis iudiciis, Sie wird aber wohl richtiger dem gleich- 
namigen Werk Marcians (65) zuzuschreiben sein. Ebenso wird 
die einzige Stelle, welche angeblich des Marcellus Werk de 
officio praesidis angehört,*®) dem so betitelten Werk Macers 
(66) entstammen. 



§ 21. 

Die Juristen von Scävola bis zum Ausgang der 

klassischen Zeit. 

50. Q. Cervidius Scävola, Konsiliar M. Aureis, ^) Lehrer 

^^tAßJ^ \ von^) Tryphonin (53)*) und Paulus (62),*) in seinen Bescheiden 

v/ i lUJ^ auffallend kurz. Sein Hauptwerk sind Digestorum L XL, voll- 

%^^^jtJy t,nAtX, nach Erlaß des SC Orphitianum a. 178,^) aber vor 

\. ^ dem Tode M. Aureis (a. i8o),*) ferner schrieb er quaestionum 

fll]\i^ ^' ^X (nicht vor der Mitregentschaft von M. Aurel und Com- 

Qv-i^t^-^ modus),*^) responsorum /. IV (wie es scheint, unter Septimius 

T/ ' Severus),®) notae ad Juliani und Marcelli digesta, quaestionum 

*- ^^.^^ ' ö«) Marceil. 1. III digestor. D. IV, 1, 7 pr.: Divus Antoninus (Pias); 

/li^^^ ^ ' ^^. auch Anm. 45. 

T^ Cl'^'^ ^*^ ^- ^^^' 2» 22. 60) D. IV, 4, 43. 

f^ ii ^) ^^^*- ^^- ^*^^- ^^^' 11» lö- ') O^ *^c^ Papinians? S. Anm. 10. 

^if)^ *) Tryph. D. XX, 5, 12, 1. XLIX, 17, 19 pr. Scaevola noster. 

*) Paul. D. III, 5, 18, 1. IV, 4, 24, 2. XII, 14, 27, 2: Scaevola noster. 
*) Im neunten Buch kennt er das Erbrecht der Kinder am Vermögen 
der Mutter, wie es durch das SC. Orphitianum a. 178 eingeführt ist. D. XXII, 
3, 29, 1. 

«) In D. XVIII, 7, 10 trägt Tryphonin eine dem Scävola unbekannte 
Entscheidung des Kaisers Marcus nach. 

') Die Constitutio Marci et Commodi ad Aufidium Victorinum (C. I. IV, 

57, 2) hat Scävola im 14. Buch der Quästionen besprochen (Ulp. D. IV, 4, 11, !)• 

8) Dies wird daraus gefolgert, dafi D. XXVI, 7, 47, 4 vom Präfectus 



— 119 — 

publice tractatarum l, sing., regularum L IV und de quaestione 
fatniliae L sing, 

51. Tarruntenus Paternus, Präfectus Prätorio, unter 
Commodus hingerichtet/) schrieb de re militari. 

52. Ämilius Papinianus,^^) Magister Libellorum, ") von a. 
203 an Präfectus Prätorio.*^) Caracalla ließ ihn a. 212 hin- 
richten, weil er in der einen oder andren Weise dessen an 
Geta begangenen Mord mißbilligt hatte. ^^•) Die Späteren 
feiern ihn als den größten der römischen Juristen, und jeden- 
falls ist er einer der allerersten; nur Julian ist man heute ge- 
neigt, über Papinian zu stellen. — Quaestionum l. XXXVII, 
unter Septimius Severus^*) responsonwi l. XI X, begonnen un" 
ter Severus und Caracalla,^*) vollendet vielleicht erst unter 
Caracallas Alleinherrschaft,^*) definitionurn l. II, de adulteriis 
L II und /. sing., aatvvo^iyLog fnovoßt^ßhjg. 



legionis spricht, ein Titel, den erst Septimius Severus eingeführt haben soll. 
Hirschfeld, Hermes XII (1877) S. 142f. Die Beweise dafür, daß Scävola in den 
Responsen das SC. v. 195 über die Veräufierung von Müudelgut nicht kennt 
(D. IV, 4, 47, D. XXVI, 7, 47, 4; Lenel Paling. II col. 287 sq. nota 6), 
scheinen mir nicht recht zwingend. 

») Dio Cass. LXXI, 33. LXXII, 5. Hist. Aug. Commod. 4, 2. 

^^) Leipold, über die Sprache des Juristen Ämilius Papinianus. Erl. Diss. 
1891, dazu Kalb, Jahresber. f. Altertumswiss. LXXXIX (1896 II) S. 234 f. ^ 

Wölfflin, Krit. Vierteljahresschr. XXXIV (1892) S. 9 ff. Costa, Papiniano, 4 voll. -- /^«— ^' ^ ^' 
Brl. 1894—1899 gibt I, p. 3—49 die Biographie. Daß Papinian Schüler ^/ ^^^ 
Scävolas gemeinschaftlich mit dem späteren Kaiser Septimius Severus gewesen 
und diesem als advocatus fisci im Amte nachgefolgt sei, ist sehr möglich, steht 
aber Hist. Aug. Carac. 8, 3 nur von der Hand eines späten Interpolators 
Mommsen, Zeitschr. der Sav.-Stift. XI (1890) S. 30 fr. Daß Papinian aus 
Afrika stammt, hat Kalb, Roms Juristen S. 111 ff. aus sprachlichen Erwägungen 
höchst wahrscheinlich gemacht; dagegen freilich E. Th. Schulze, Zeitschrift 
d. Sav.-Stift. XII (1892), S. 124 fr. 

") Tryph. D. XX, 5, 12 pr. 

13) S. Paul. D. XII, 1, 40 eine Verhandlung in seinem Gerichtshof ; über 
die Zeitbestimmung vgl, Krüger S. 198 Anm. 6. 

12*) Hist. Aug. Carac. 8, Sever. 21, 8. 

13) Nach Marcus und Commodus: D. XXXI, 64. Nach Commodus: 
D. XXU, 3, 26. Unter Septimius Severus: D. XXII, 1, 6, 1. L, 5, 7. 

14) S. z. B. D. XXVII, 1, 30 pr. XXXIV, 9, 16, 1. XXXI, 78, 1. 
lö) D. XXXIV, 9, 18 (libr. XV resp.) nennt Severus schon divus, aber 

vielleicht ist das in Wahrheit Note eines Kommentators Papinians. 



— 120 — 

53- Claudius Tryphoninus, Konsiliar des Septim. Seve- 
rus/*) Schüler Scävolas, schrieb notae zu dessen di^-esla-^ dis- 
putation. /. XXI unter Caracalla.^^) 

54. Messius, Konsiliar des Severus.") 

55. Papirius Fronto (responsa) von Callistratus citiert.^^). 

56. Callistratus, Grieche, nimmt auf die Verhältnisse 
der hellenistischen Reichsteile viel Rücksicht, schreibt unvoll- 
kommenes Latein. — Quaestionum /. VI und de iure fisci et 
populi /. IV, unter Sept. Severus,^®) de cognitionib, l. VI, unter 
Severus und Carac.,*^) insüiution. /. ///, ad edictum monitorium 
l. VI (das letzte Wort des Titels unklar). 

57. Arrius Menander, Konsiliar von Severus und Cara- 
calla.**) — De re militari L IV. 

58. Tertullianus schrieb de castrensi peculio /. sing,^ 
unter oder nach Septim. Severus, ^^) quaestion, /. VIII y dem 
Ulpian unter Caracalla bekannt.^*) Ob der genannte Jurist 
mit dem Kirchenvater Tertullianus identisch ist, ist zweifelhaft.^^) 
Unwahrscheinlich ist es durchaus nicht. Die Zeiten stimmen. 
Der Kirchenvater lebte etwa 150 — 250^®) und war notorisch 
der römischen Rechte gelehrt.^^) Daß er, Christ geworden, die 



16) Paul. D. XLIX, 14, 60: der Kaiser befolgt in einem Urteil den Rat 
Tryphonins. 

17) S. z. B. D. XXVII, 1, 44 pr. D. XLIX, 15, 12, 17. Scialoja, 
Bull, deir istit. di dir. Rom. I (1888) p. 228 sq. 

18) D. XLIX, 14, 50. 19) z. B. D. L, 16, 220, 1. 

20) D. I, 3, 38. D. XLIX, 14, 2, 6. 

21) D. I, 19, 3. 92) uip. D. IV. 4, 11. 2. 

23) Er gibt dem peculium castrense einen Inhalt (D. XLIX, 17, 4 pr.), 
den es erst unter Severus erhalten zu haben scheint. Fitting, peculium castrense 
S. 36 f. 24) D. XXIX, 2, 30, 6. 

25) Dagegen Krüger S. 203 Anm. 99. Lenel, Paling. II, Col. 341 
nota 1. Dafür Teuffel-Schwabe§ 372. Harnack Sitzungsberichte der Berl. 
Akademie 1895 XXIX S. 550 Anm. 1. Auf das Argument Harnacks, dafl 
der Jurist Tertullian de castrensi peculio schrieb, der Vater des Theologen aber 
Centurio war und der Theologe eine gewisse Vertrautheit mit militärischen Dingen 
zeigt, ist wohl nicht viel zu geben. Übrigens hält Harnack selbst Zweifel 
nicht für ausgeschlossen. Voigt, Rechtsgesch. II S. 257. 

26) Teuffel-Schwabe §. 373. 

27) Euseb. bist. eccl. II, 2, 4; auch Tertullians Schriften zeugen davon. 



— 121 — 

Christenverfolger kurzsichtig, befangen, ja sophistisch be- 
fehdet,^®) schließt nicht aus, daß er ein tüchtiger Jurist war. 

59. Claudius Saturninus, mit Venulejus Saturninus nicht 
identisch, wohl Zeitgenosse Papinians. — De poenis paganorum 
/. sin^. (s. ob. 43). 

60. Arrianus, de interdictis, von Paulus und Ulpian 
citiert.29) 

61. Puteolanus, von Ulpian citiert.*^) 

. 62. Julius Paulus, Schüler Scävolas,'^) Assessor Papi- 
nians, des Präfectus Prätorio,*') Konsiliar des Severus oder 
des Caracalla,^) Präfectus Prätorio neben Ulpian unter Ale- 
xander Severus.^*) Ein feiner, logischer, zuweilen überlogischer 
Denker. — Ad edict, praetoris L LXXVIIIj dazu ad ed, aed, 
cur, /. //, vielleicht noch vor Septim. Severus,**) ad, Sabin, l, 
XVI, unter Sept Sever.,*^) decretor. /. ///, unter Severus und 
Caracalla,®') responsor. l. XXIII, unter Elagabalus*^) und Ale- 
xander Severus,*®) sententiar. l. V, nach a. 206,*®) quaesti&n, L 
XXVI, nach Septim. Sever.*^) Femer: Institution, /, //, regu- 
lär, l, VII und /. sing, Bearbeitung von Alfens Digesten,*^) 



M) Krüger S. 203 Anm. 99. 

«) Ulp. D. V, 3, 11. Paul. D. XXXVIII, 10,5. 80) d. II, 4, 12. 

81) Anm. 4. 82) Paul. D. XII, 1, 40. Bericht über eine Beratung. 

33) Paul. D. IV, 4, 38. D. XXIX, 2, 97. Berichte über Beratungen. 
Hist. Aug. Pescenn. 7, 4. 

34) Hist. Aug. Alex. Sev. 75, 5. 68, 1. 

85) Fitting, Alter der Schriften S. 46 castrense peculium D. XXX II. 
Krüger S. 207. Der Ansatz ist aber unsicher. Erheblich später datiert 
Pernice, Zeitschr. d. Sav.-Stift. XIII (1892) p. 281 Anm. 4, aber, daß Paul. 
D. XLIV, 4, 5, 6 nach Carac. C. I. IV, 30, 2 a. 215 geschrieben ist, ist auch 
nicht sicher. 

86) Scheint vor Papinians Quästionen verfaßt zu sein. Krüger S. 207. 

37) Diese sind die imperatores nostri in D. XXVIII, 5, 93 (92); vgl. 
D. L, 2, 9 pr. Severus Augustus. 

38) Der Imperator Antoninus in D. XLVIII, 19, 43 pr. ist Elagabalus. 
Fitting S. 50. 

8«) Paul. D. XXXI, 87, 3. 4. XLIX, 1, 25. 

*0) Paul, n, 23, 5. 7 kennt das SC. vom J. 206 über die Schenkungen 
unter Ehegatten. 

41) Paul. 1. 1 quaest. D. L, 1, 18: Divus Severus. 

*2) Dazu F e r r i n i, Ricerche critiche ed esegetiche Bull. deH'istit. di dir. R. 
IV (1891) p. 1 sg. 



— 122 — 

von Labeos niffuya, ad Vitelliutn L IV ^ ad Plautium L 
XVIII f^) ad Neratium l. IV,**) notae zu Julian, Scävola, Papi- 
nian, imperialium sententiarum in cognitionibus prolatarum l. 
VI\ zu verschiedenen einzelnen leges, de senatus consultis^ und 
zu verschiedenen einzelnen SCC, de officio verschiedener Be- 
amter, und manches andere, zusammen ungefähr 90 Schriften. 
63. Domitius Ulpianus, aus Tyrus in Phönizien stam- 
mend,**) war mit Paulus Assessor Papinians,*') wurde anschei- 
nend von Elagabalus verbannt,*^) aber unter Alexander Seve- 
rus zurückgerufen und zum Magister Libellorum,^), dann zum 
Präfectus Annonae,**) schließlich mit Paulus zum Präfectus 
Prätorio ernannt.*^) Er war der vertrauteste Ratgeber des 
Kaisers, von ihm wie ein Vormund angesehen.*^) Im Jahre 
228 wurde er von den Prätorianern ermordet.**) Seine Werke 
sind zumeist unter Caracalla geschrieben, vor seiner großen 
Amtstätigkeit. Die bedeutendsten sind: Ad edict, praetoris l 
LXXXIy dazu als Anhang ad ed. aed. cur, L II, die ersten 
50 Bücher unter Caracalla**) und ad, Sabin, l, LI unter Caracalla 



«) Dazu Riccobono Bull, dell'istit. di dir. Rom. VI(1893) p. 119 sg. 

^*) Dazu Landucci im Jubiläumsband für serafini (Studi giuridici etc.) 
Fir. 1892 p. 403 sg. 

^) Ulp. D. L, 15, 1 pr. Phoenice splendidissima Tyriorum colonia, 
unde mihi origo est. 

*«) Hist. Aug. Pescenn. 7, 4. Alex. 26, 6. 

*7) Hist. Aug. Heliogabal. 16, 4. 

*8) Hist. Aug. Pesc. 7, 4. Alex. 26, 6. 

49} C. J. VIII, 37, 4 a. 222. 30. März. 

öO) C. J. IV, 65, 4 a. 222. 1. Dez. (Hist. Aug. Alex. 26, 5. Dio Cass. 

80, 1.) 

61) Hist. Aug. Alex. 26, 6. 31, 2, 3. 34, 6. 51, 4. 67, 2. 68, 1. 

62) Dio Cass. 80, 2, 2. 

. 63) Im 9. Buch erscheint Caracalla als allein regierend (D. III, 3, 32, 2), 
ebenso im 50. : Imperatoris nostri et divi Severi (D. XLVIII, 18, 3). Anderer- 
seits kommt im VI., XL, XV., XXXV. Buch Severus als lebender Kaiser vor 
(D. III. 2, 24, IV, 4, 22, V, 3, 20, 12, XXVI, 10, 3, 3). Danach wird an- 
genommen, dafi Ulpian zu Lebzeiten des Severus einen ersten Entvnirf des 
Werkes bis mindestens Buch 35 anfertigte, und dafi bei der Schlußredaktion 
unter Caracalla einige Hinweise auf Severus als einen Lebenden stehen blieben. 
Ob der letzte Teil des Werkes von Buch 51 an noch unter Caracalla oder 
später vollendet wurde, ist zweifelhaft. Ein und derselbe Erlaß Caracallas 
kommt im 52. Buch in D. XXXVI, 4, 5, 16 als vom regierenden Kaiser 



— 123 — 

(unvollendet).**) Dazu kommen institutton. L II, regulär, L sing,, 
opimon, l, VI, nach Erlaß des SC. über Veräußerung der Mündel- 
güter (a. 195),*^*) de fideicommissis l, VI, ad. leg, Jul, et Pap. 
l, XX, de officio consulis l. III, de officio proconsulis 
l X, de Omnibus tribunalibus l. X^^) sämtlich unter Caracalla,*^) 
de appellationib. l, IV, unter Caracalla oder Elagabalus,*®) ad 
leg. Jul. de adulteriis /. V, nach Caracallas Tode;**;/ femer . 
responsor. l. II, disputation. l. X^ regulär, l, VII, 7iavdfxiov 
ßißXia X, pandectarum l. sing., notae zu Papinians Responsen 
und Marcellus' Digesten, einiges andere. Wenn auch Ulpian 
kein originaler Kopf war, so war er doch ein Meister in der 
Beherrschung der gewaltigen Rechtsliteratur und steht den 
Vorlagen, die er bearbeitet, mit selbständiger Kritik gegen- 
über.*^) 



Antoninns und gleich darauf als vom verstorbenen Kaiser Antoninus herrührend 
vor. Es mufi aber auch beachtet werden, dafi im 73. Buch noch einmal 
steht ab Imperatore Severo et Antonino rescriptum est. (D. XLII, 8, 19, I. So 
die Florentiner Handschrift. Mommsen h. 1. will freilich einfach setzen: a 
Severo et Antonino.) Wäre es nicht die nächstliegende Annahme, dafi das 
ganze Werk zweimal bearbeitet ist, das erste Mal vor dem Tode des Septimius 
Sevems, das zweite Mal nachher und zum Teil nach dem Tode Caracallas? 
Vgl. Fitting, S. 38 ff. Mommsen, Zeitschr. für Rechtsgesch. IX (1888) 
S. 101 ff. Fitting, Castrense peculium S. XXXV f. Kariowa S. 743. 
Krüger, S. 217 f. 

M) D. XXXVIII, 17, 1, 3. Imperator noster et divus pater eins. D. 
XXX, 37 pr. Imperator noster et divus Severus. D. XXIV, 1, 32 pr.: Im- 
perator noster Antoninus Augustus ante excessum Di vi Severi patris sui. Dafi 
das Werk unvollendet ist, beruht auf der Beobachtung, dafi es das Sabinus- 
System nicht vollständig umfaßt. Krüger S. 219. Nach c. Cordi § 3 i. f . 
hat Ulpian eine zweite Auflage erscheinen lassen. Das kommt auch heute bei 
unvollendeten Werken vor. (Pernice, Labeo.) — '^»•/^ '7eJ<j^ ^ ix^W««^.^^» 

65) D. XXVII, 9, 9, 10. ^ ^S^^H "i^. 

ö«) Pernice, Zeitschr. d. Sav.-Stift. XIV (1893) S. 135 ff. Kubier, /^^ //^^lU. 
Festschrift für Hirschfeld. Berl. 1903. ' 9 c 

67) Die Beweise beruhen auch hier auf den Kaiserbezeichnungen. Siehe 
Fitting S. 34 ff. XIX, 1. 2. 3. 4. 5. 

68) Welcher von beiden der Kaiser in D. XLIX, 5, 5, 3 ist, ist zweifelhaft. 
59) D. XLVIII, 5, 14, 3 Divi Severus et Antoninus. 

•<*) Pernice, Ulpian als Schriftsteller, Sitzungsberichte der Berliner 
Akademie 1885 S. 448 ff., setzt den Ulpian etwas zu tief herab. 



— 124 — 

64. Licinius Rufinus, Schüler des Paulus,®^) regulär, /. 
XII oder XIIL 

65. Älius Marcianus schrieb de appellatianib, L //, nach , 
dem Tode des Septim. Severus,««) institution, l. XV (XV^Jr^^n 
regulär, L F, de iudiciis publicis /. //, ad formulam hypo- 
thecariam l, sing.y ad SC. Turpillianum L sing.^ de delatoribus 

l. sing,, notae zu Papinian de adulteriis, 

66. Ämilius Mac er, tätig unter Caracalla und Alexander 
Severus,®*) verfaßte de appellationib, l, II, de publicis iudiciis 
l, II, de officio praesidis l, II, ad leg. vicesimam hereditatium 
l, II, de re militari l. II. 

67. Julius Aquila, etwa gleichzeitig, responsa, 

68. Furius Anthianus, etwa gleichzeitig, Kommentar 
zum Edikt, von dem die Kompilatoren nur noch 5 Bücher 
hatten. 

69. Rutilius Maximus, etwa gleichzeitig, ad leg. Fal- 
cidiam l. sing. 

70. Herennius Modestinus, Schüler Ulpians,**j als Respon- 
'^'7- 5^' ^3/ dent erwähnt a. 239,'*) zwischen d. J. 226 und dem J. 244 
j7/ als Präfectus vigilum in der lis fullonum tätig;*®) schrieb seine 

Werke nach Caracallas Tode,®') nur de heurematicis /. sing. 
(kasuistisch) könnte früher sein, jedenfalls nicht vor a. 204.*^) 
Regulär, l. X, pandectar. l. XII, differentiar. l, IX. (Unter- 
scheidungen von Dingen, die leicht verwechselt werden), re- 



«1) Er befragt ihn in D. XL, 13, 4. 
»^ D. XLIX, 1, 7 Divus Severus. 

68) D. XXIX, 2, 61 libr. I de off. praesidis: divus Severus. D. XLIX, 
13, 1 pr. libr. II de appell. : imperator noster Alexander. 

64) Ulp. D. XLVII, 2, 52, 20. Herennio Modesüno studioso meo de 
Dalmatia consulenti rescripsi. 

65) c. I. III, 42, 5. 66) Bruns I p. 362 sq. 

67) Dies paßt vor allem zu dem, was wir sonst von seiner Lebenszeit 
wissen, und im allgemeinen auch zu den Kaiserbezeichnungen (Stellen bei 
Fitting S. 53 ff.). Daß regulär. 1. VI. (D. I, 9, 3) und in den Büchern 
de poenis (z. B. D. XXXIX, 4, 6) Divus Severus et Antoninus vorkommt, ist 
kein Beweis dafür, daß Caracalla damals noch lebte; s. Fitting selbst, dann 
Mommsen Zeitschr. f. Rechtsgesch. IX (1888) S. 108 sq. 

68) D. XVIII, 6, 4, 2: Severus et Antoninus constituit, bezieht sich 
auf C. I. VI, 26, 2 a. 204. 



— 125 — 

Sponsor, l. XIX, de excusationib. l. VI, griechisch {TtaQaiTrjatg 
inixQOTtiig 'aoX xovQarogiag) vorwiegend auf provinzielle Ver- 
hältnisse berechnet, de poenis /. VI, de praescripti&nib. L sing.^^) 
libri singulares de enucleatis casibus, de manumisswnib,, 
de ritu nuptiar.^ de differentia dotis, de legatis et fideicommiss,, 
de testamentis, de inofficioso testam.''^) 

71. Herme genianus wird meist erst in das 4. Jahrh. 
versetzt, aber aus unzureichenden Gründen; der Sprache nach 
gehört er noch der klassischen Zeit an.''^) Er schrieb Juris epito- 
marum L VI, eine Verarbeitung früherer Juristenschriften.'*) 

72. Aurelius Arcadius Charisius, Magister Libellorum,'^) 
gehört in das 4. Jahrhundert;'*) — Libri singulares de muneribus 
civilibus^ de officio praefecti praetorio, de testibus. 



§22. 

3. Die Behandlung der Schriften der klassischen Juristen 

in der Folgezeit. 

Die seit dem 3. Jahrhundert erstarkende Sitte, die ein- 
zelnen Schriftstellen der klassischen Juristen wie Gesetzestexte 
zu eitleren, ist in der nachdiocletianischen Zeit vollkommen 
an der Tagesordnung. Jus bedeutet jetzt vorzugsweise das 
Recht der Juristenschriften im Gegensatz zu den Konstitutionen 
[itis legesque)}) Dabei mußten sich aber wegen der Menge 



^^) D. XLV, 1, 101, angeblich aus Buch 4, kann aus Buch 4 der 
pandectae sein. 

70) D. XLI, 1, 53. $4, welche die Inskriptionen einem Werk des Modestin 
ad Q. Mucium beilegten, scheinen von Pomponius zu sein. 

71) Kalb, Roms Juristen S. 144. 

72) Diesem Werk mag auch D. XXXVI, 1, 14 entstammen, welche Stelle 
die Inskription einem 4. Buch fideicommissorum beilegt. 

78) D. I, 11, 1. 

74) Nicht weil er in D. I, 11, 1, 1 ein Gesetz Constantins vom J. 331 
(C. Th. XI, 30, 16) erwähnte; denn die sententia principalis publice lecta, 
von der er spricht, ist das nicht; wohl aber wegen seiner Sprache. 

1) C. Th. XI, 36, 25 (a. 378) satis et iure et constitutionibus eautum 
est Nov. Val. 31, .1, 5 (a. 451) gnaros iuris et legum. In C. Deo auctore 



— 126 — 

des Stoffes und der Meinungsverschiedenheiten der klassischen 
Juristen häufig Zweifel und Zufälligkeiten in der Auswahl des 
der Entscheidung zu Grunde zu Legenden, und wegen der 
Unvollkommenheit des Buchwesens Entstellungen, selbst Fäl- 
schungen der Texte einstellen. Die Gesetzgebung hat öfter, 
freilich roh und willkürlich, die Benutzung der Juristenschriften 
in den Gerichten zu regulieren gesucht. 

Konstantin verbot im J. 321*) die Benutzung der Notae 
von Paulus und Ulpian zu Papinian mit dem albernen Grunde: 
qui dum ingenii laudem sectantur^ non tarn corrigere eum quam 
depravare maluerunt. Dies war später auch auf die Noten 
Marcians ausgedehnt.^) Wahrscheinlich im Jahre 328*) wurden 
alle Werke des Paulus, entsprechend dem Ansehen, das sie 
schon hatten, namentlich aber die Sententiae, unter besonderer 
Hervorhebung ihrer Vortrefflichkeit mit Gesetzeskraft aus- 
drücklich bekleidet, eine Ausnahme in Bezug auf die Noten 
zu Papinian ist nicht ausdrücklich, aber wohl stillschweigend 
gemacht. 

Im J. 426 erging das berühmte s. g. Citiergesetz Va- 
lentinians IIL^) Man scheint in der Praxis sich hauptsächlich 
mit den Werken von Gajus, Papinian, Paulus, Ulpian und 
Modestin begnügt zu haben. Die ältere Literatur, die bei 
diesen, besonders bei Ulpian, reichhaltig exzerpiert vorlag, scheint 
selten geworden zu sein. Nun bestätigt das Gesetz die Schriften 

spricht Juslinian von den zwei Codices uno constitutionum, altere iuris enu- 
cleati = Digesten 1 

3) C. Th. I, 4, 1. ') C. Deo auctore § 6. *) C. Th. I, 4, 2. 

*) C. Th. I, 4, 3. Papiniani, PauUi, Gaii, Ulpiani atque Modestini scripta 
universa firmamus ita, ut Gaium quae Paullum, Ulpiannin et cunctos comitetur 
auctoritas, lectionesque ex omni eins opere recitentur. Eonim quoque sdentiam, 
quorum tractatus atque sententias praedicti omnes suis operibus miscuerunt, 
ratam esse censemus, ut Scaevolae, Sabini, luliani atque Marcelli, omniumqne, 
quos Uli celebrarunt, si tarnen eorum libri, propter antiquitatis incertum, codicum 
coUatione firmentur. Ubi autem diversae sententiae proferuntur, potior numerus 
vincat auctorum, vel, si numerus aequalis sit, eins partis praecedat auctoritas, 
in qua excellentis ingenii vir Papinianus emineat, qui ut singulos vincit, ita 
cedit duobus. Notas etiam Paulli atque Ulpiani in Papiniani corpus factas 
(sicut dudum statutum est) praecipimus infirmari. Ubi autem pares eorum 
sententiae recitantur, quorum par censetur auctoritas, quod sequi debeat, eligat 
moderatio iudicantis. Paulli quoque Sententias semper valere praecipimus. 



— 127 — 

jener fünf mit der Hervorhebung, daß Gajus dieselbe Au- 
torität haben soll wie die andern. Auch die Sententiae des 
Paulus werden noch besonders bestätigt. Die Noten von 
Paulus und Ulpian zu Papinian bleiben ausgeschlossen. Es gelten 
aber auch die Ansichten derer, welche bei den Fünf citiert sind; 
unter ihnen werden Sabinus, Scävola, Julian, Marcellus be- 
sonders genannt. Und zwar dürfen nicht bloß die von den 
Fünf citierten Stellen, sondern die Werke der Citierten selbst 
benutzt werden, diese aber nur, wenn die Echtheit der Lesart 
durch Vergleichung mehrerer Handschriften festgestellt wird. 
Wenn Meinungsverschiedenheiten unter den Autoritäten ob- 
walten, so entscheidet deren Mehrzahl, bei Stimmengleichheit 
Papinian, und nur bei Stimmengleichheit unter den übrigen 
darf der Richter den eigenen Verstand gebrauchen. 



§ 23. 

4. Die nachklassische Jurisprudenz. 

Der Niedergang der römischen Jurisprudenz ist von der Mitte 
des dritten Jahrhunderts an zu datieren. Es ist kein rascher 
Sturz, sondern ein allmählicher Verfall im Zusammenhange 
mit dem allgemeinen Verfall der römischen Welt. 

Ein Hauptgrund des Verfalls der Rechtswissenschaft ist 
in der veränderten Stellung der Kaiser ihr gegenüber zu suchen, 
eine Veränderung, die freilich eine schon stark zurückgegangene 
Jurisprudenz voraussetzt. Die absolutistischen Kaiser seit 
Diokletian haben das tus respondendi nicht mehr verliehen; 
sie haben die zwischen dem geltenden Recht und den An- 
forderungen der Äquität vermittelnde Interpretatio als kaiser- 
liches Privilegium in Anspruch genommen,^) den Juristen also 
die alte Stellung als Fortbildner des Rechtes zu entziehen 
gesucht ; sie haben die freie Bewegung des Richters durch die 
Citiergesetze geknebelt. Daß hierdurch die in der Rechts- 
wissenschaft noch lebenden Kräfte umsomehr gelähmt wurden. 



*) Constantin C. J. I, 14, 1. 



— 128 — 

ist begreiflich. Außer den Arbeiten des schon § 2i, 72 mit 
aufgeführten Arcadius Charisius sind Sammelarbeiten und 
Scholien das Einzige, wovon wir noch hören. Gegen die 
justinianische Zeit zeigt sich aber wieder ein entschiedener Auf- 
schwung in den Rechtsschulen, vor allem in der von Berytus. Als 
bedeutende Lehrer des fünften Jahrhunderts, zumeist in Berytus, 
sind bezeugt: Cyrillus, Domninus, Demosthenes, Eudoxius, Patri- 
cius.*) Am besten zeigt die Wiedererhebung der Rechtswissen- 
schaft die Tatsache, daß es dem Kaiser Justinian gelang, den 
unter Theodosius II gescheiterten Plan einer grossen Kodifi- 
kation auszuführen, und daß die Jurisprudenz seiner Zeit die 
Fesseln sprengte, die er ihr in der Bearbeitung der Kodifikation 
aufzulegen gedachte. 



§ 24. 

5. Die Überlieferung der juristischen Werke. 

Das meiste, was wir von den Werken und Aussprüchen 
der römischen Jurisprudenz kennen, verdanken wir den Justi- 
nianischen Digesten; auch die justinianischen Institutionen, und 
hie und da auch Codex und Novellen tragen dazu bei. Die 
Werke der nachklassischen Zeit haben zum guten Teil ihre 
Bedeutung darin, daß sie Quellen für die Kenntnis der Klas- 
siker sind. Dazu kommen sonstige litterarische Notizen. Im 
Original haben wir nur verhältnismäßig weniges.') 



') Huschke p. 860 sqq. 

^) Die Werke der klassischen Jurisprudenz, soweit tunlich in ihrem 
ursprünglichen Zusammenhange wiederhergestellt, bietet Lenel, Palingenesia 
iuris civilis (2 Bände. Leipzig 1888/9), ein ganz ausgezeichnetes Werk. Gajus' 
Institutionen, die Sententiae des Paulus, Ulpians 1. sing, regulär, und einiges 
andere hat Lenel nicht aufgenommen. Vgl. Kipp, Krit. Vierteljahrsschr. 
XXXIII (1890)S. 481 ff. Ähnliche Zwecke verfolgt Bremer, iurisprudentiae Ante- 
hadrianae quae supersimt. Lips. I 1896. II, 1899. II, 2, 1900. Huschke, 
iurisprudentiae Anteiustinianae quae supersunt (5. Auflage. Leipzig 1886) ent- 
hält eine Sammlung der außerhalb der Digesten überlieferten Citate — und Aus- 
gaben der selbständig überlieferten Schriften mit guten Parallelstellensanun* 
lungen. Gajus s. auch Anm. 3. Kritisch besser sind die Ausgaben in 



— 129 — 

In das folgende Verzeichnis sind auch einige nur halb 
rechtswissenschaftliche Schriften aufgenommen. 

I. Schriften der klassischen Zeit. 

1. Gaii insiitutianum commentarii quattuor (§ 20, 38) waren 
bis 18 16 nur bekannt in dem in der Lex Romana Wisigo- 
thorum enthaltenen Auszug*) (§ 25, i) und aus sonstiger 
späterer Benutzung. 18 16 fand Niebuhr in der Bibliothek des 
Domkapitels zu Verona einen Codex palimpsestus (rescriptus), 
welcher unter Werken des heiligen Hieronymus den echten 
Gajus enthält. Ein nicht reskribiertes Blatt der Handschrift 
war schon früher herausgegeben. Die Handschrift stammt 
etwa aus dem 5. Jahrhundert und ist durch wiederholte Nach- 
vergleichung bis auf verhältnismäßig wenige Lücken jetzt voll- 
ständig entziffert.^) Im Jahre 1899 fand Chatelain in Autun 
auf Palimpsestblättern Stücke einer Paraphrase des Gajus. 
Die Handschrift stammt spätestens aus dem 5. Jahrhundert. 
Das Werk selbst gehört jedenfalls den Zeiten des Tiefstandes 
der Rechtswissenschaft an.*) 

2. Maeciani assis distriöuttoJ*) 

3. Von Papiniani responsa (§ 21, 52) sind geringe Reste 
des 5. und 9. Buches auf ägyptischen Pergamentblättern er- 
halten; die des 5. in Berlin, zuerst 1879, ^^^ ^^^ 9. in Paris, zu- 
erst 1883 herausgegeben. Ein Responsum Papinians bildet 



Krüger, Mommseo, Studemund, collectio librorum iuris Anteiustiniani 
(3 Bde. Berlin 1877-90. Bd. 1 in 4. Aufl. 1900). 

•) Hitzig, Beiträge zur Kenntnis und Würdigung des sog. westgotischen 
Gajus, Zeitschr. d. Sav.-Stift. XIV (1893) S. 187 ff. 

') Nachbildung der Handschrift : Gaii institutionum commentarii quattuor. 
Codicis Veronensis denuo collati apographum von G. Studemund (Leipzig 
1874). Ausgaben: Collectio t. I, 4. ed. 1900. Huschke p. 148 sqq., jetzt 
in neuer Bearbeitung von Seckel und Kubier 1903. 

*) Vgl. Mommsen, Zeitschr. d. Sav.-Stift. XX (1899) S. 235 f. Kalb, 
Jahresbericht f. Altertumswissenschaft. CIX (1901 II) S. 37 f. No. 77 und 
dort Citierte. Die neueste Studemundsche Ausgabe (Collectio I) hat die 
Fragmente von Autun mit aufgenommen. Ferrini und Scialoja, Bull, dell' 
istit. di dir. Rom. XIII, 1 (1900). 

^) Huschke p. 411 sqq. 
Kipp, Quellen des rOm. Rechts. 9 



— 130 — 

den Schluß der Lex Romana Wisigothorum. Einen Satz 

seiner Quästiones hat Harmenopoulos.®) 

y P J^ ^ Pauli sententiae (§ 2i ,62) kennen wir aus dem in der 

^t* Lex Romana Wisigothorum enthaltenen Auszuge, der aber 

«t. M >*^«^*-y*: nicht den reinen Text bietet und nur etwa V^ des Granzen 

wM^«^i-n .X'<^* umfaßt. In einigen Stellen der Handschriften ist er aus dem 

5^,1^0. > echten Werk ergänzt. Dazu treten andre Bruchstücke in Dig., 

Jif^^ Collatio, Fr. Vat. und andern Werken.') Zwei geringfügige 

Bruchstücke aus Paul. /. XXXII ad edictum enthält ein zuerst 
1897 herausgegebenes Pergamentstückchen.®) 

5. Von Ulpiani institutiones (§ 21, 63) sind Reste auf 
Papyrus von Endlicher 1835 ^^ d^r Wiener Bibliothek ge- 
funden.*) 
^ * 6. Ulpiani L sing, regularum (§ 21, 63) ist enthalten in 

M'^ . ' / einer Handschrift des 10. Jahrh. (im Vatikan) in einer wahr- 
y'^f*'*^**^ l scheinlich bald nach 320 n. Chr. hergestellten Epitome, welche 
[J»/JK' Ergänzungen erhält durch Dig. und Collatio.*®) 

JLl'^^^ ^ 7« Das s. g. fragmentum de iudiciis^ ein ägyptisches Pa- 

t) ^'^ pyrusblatt, in Berlin, zuerst 1879 herausgegeben, vielleicht aus 
*^ einem selbständigen Werk de iudiciis^ vielleicht aus einem 

Ediktskommentar. ^ ^) 

8. Fragmenta de iure fisci^ zwei zugleich mit dem Gajus 
in Verona entdeckte Pergamentblätter aus dem 5. oder 6. 
Jahrhundert. Das Werk selbst, zu dem sie gehören, scheint 
dem Ende des 2. oder Anfang des 3. Jahrh. anzugehören.*"] 

9. S. g. fragmentum Dositheanum, In einer Handschrift 
zu St. Gallen folgt auf die Ars grammatica des Dositheus 

•) Collectio II p. 157. III p. 285 sqq. Huschke p. 435 sqq. 

') Collectio II p. 39 sqq. Huschke p. 450 sqq. Citate aus Paulus' 
Institutionen: Collect. II p. 160. III p. 297 sq. Huschke p. 562. 

«) Krüger, Zeitschr. der Sav.-Stift. XVIII (1897) S. 224 f. Die erste 
Herausgabe im gleichen Jahr von Grenfell u. Hunt. Vgl. auch Kalb, 
Jahresber. f. Altertumswissensch. CIX (1901 II) S. 46 f. 

•) Collect. II p. 157 sqq. Huschke p. 617 sqq. 

10) Collect. II p. 1 sqq, Huschke p. 563 sqq. Citate aus Ulpian: 
Collect. II p. 160. III p. 298. Huschke p. 623 sqq. 

") Collect, m p. 298 sq. Cantarelli, Bull, dell'istituto di dir. Rom. 
VII (1894) p. 27 sg. 

12) Collect. II p. 162 sqq. Huschke p. 633 sqq. 



— 131 — 

eine Sammlung von tnterpretamenta^ Übungsstücken zum Über- 
setzen zwischen dem Griechischen und dem Lateinischen, die 
man kein Recht hat, wie früher allgemein geschah, dem Do- 
sitheus zuzuschreiben. Ein — durch andere Handschriften 
überliefertes — Stück dieser Sammlung enthält einen juristi- 
schen Traktat, lateinisch und griechisch, aber durch schlechtes 
Hin- und Herübersetzen sehr entstellt. Die Rede ist von ius 
naturale, gentium, civile, ius civile und ius hanorariutn, dann 
von Freilassungen. Das Werk, aus welchem das Bruchstück 
stammt, ist nicht vor Julian geschrieben, der citiert wird.^*) 
IG. Tractatus de gradibus cognationutn, wohl aus klas- 
sischer Zeit, in den Handschriften der notitia dignitatum}*) 

11. Ein Stückchen von Pomponii liber sing, regularum}^) 

12. Ein Satz aus Modestins libri regularum und ein Citat 
wohl aus seinen differentiae}^) 

13. Ein Pergamentblatt aus Ägypten in der Sammlung 
des Erzherzogs Rainer, zuerst 1888 herausgegeben, aus einem 
nicht bestimmbaren Werk, nicht vor Julian. In seinem Inhalt 
tritt die formula Fabiana hervor, daher genannt Fragm. de 

form. Fab}'^ 

IL Aus nachklassischer Zeit. 

a) Aus dem westlichen Reiche. 

14. Fragmenta Vaticana^ auf einem Palimpsest im Vati- 
kan von Angelo Mai entdeckt. Bruchstücke eines grossen 
Sammelwerkes von Auszügen aus Schriften von Paulus, Papinian, 
Ulpian, einer Schrift de interdictis, und Kaiserkonstitutionen, 
materienweise geordnet, als selbständiges Produkt gering- 
wertig, aber als Überlieferung sehr wertvoll, weil der Ver- 
fasser die Texte nicht änderte. Entstanden im Westen ^^) 



13) Collect. II p. 149 sqq. Huschke p. 424 sqq. 
1*) Collect. II p. 166 sqq. Huschke p. 626 sqq. Verwandlschafts- 
tabellen: Collect. II p. 168. Huschke p. 628 sqq. 
lö) Collect. II p. 148. Huschke p. 146 sq. 

16) Collect. II p. 161. Huschke p. 644. 

17) Collect, m p. 299 sq. 

18) Sie enthält Reskripte Maximians. 

9* 



— 132 — 

zwischen 372^^) und 438,*®) wahrscheinlich aber zur Zeit Kon- 
stantins angelegt und um 372 nur vermehrt.^^) 

15. Collatio legum Mosaicarum et Romanarum, in den 
)[^t/^*^^ Handschriften überschrieben : lex Dei quam, praecepit Dominus 
i^Tj«^ - ad Moysen, eine Gegenüberstellung von Sätzen des Pentateuch 

^» * in lateinischer Übersetzung und Sätzen des römischen Rechts 

aus Gajus, Papinian, Paulus, Ulpian, Modestin, nebst Konsti- 
tutionen aus C. Gr., C. H. und einer Konstitution von 390, 
entstanden im Westen zwischen 390 und dem C. Th. Zweck 
des Verfassers war, die Übereinstimmung des RR. mit dem 
biblischen zu zeigen.^*) 

16. Q. Aurelii Symmachi relationes^ aus seiner Amts- 
führung als praefectus urbi von Rom 384 bis 385.**) 

17. Etwa 411/413 ist als Privatarbeit nach amtlichen 
Quellen verfaßt die in einer Handschrift in Speier gefundene 
notitia dignitatum utriusque imperii^ ein Verzeichnis der 
höheren Beamten beider Reichshälften mit ihrem Hilfspersonal 
und den ihnen unterstehenden Truppenteilen nebst ihren In- 
signien (mit Bildern). Die Bearbeitung ist so zu denken: Ein 
occidentalischer Verfasser stellte nach dem Muster der ihm 
vorliegenden notitia dignitatum des Ostreichs eine solche für 
das westUche Reich auf.**) 

yo JL, 18. Consultatio^ Sammlung von Gutachten, die ein Rechts- 

jc.-j^A üit gelehrter einem Anwalt erteilt, mit Belegen aus Pauli Senten- 

tiae, CC. Gr., H. und Th., in der zweiten Hälfte des 5. oder 

im 6. Jahrhundert wahrscheinlich in Gallien geschrieben. 



19) Bis dahin reichen die Konstitutionen (§ 87). 

20) Der C. Th. ist dem Verfasser unbekannt. 

21) Collect. III p. 1 sqq. HusChke p. 706 sqq» 

22) Collect. III p. 107 sqq. Huschke p. 645 sqq. Conrat, Hermes 
XXXV (1900) S. 344 ff. legt die Collatio dem Kirchenvater Hieronymus bei; 
dagegen Kalb, Jahresbcr. f. Altertumswissensch. CIX (1901 II) S. 48 f. Früher 
dachte man an Ambrosius von Mailand. Vgl. Krüger S. 303 Anm. 42. 

28) Herausgegeben von W. Meyer (Leipzig 1873), von Seeck (Berlin 
1883) (Monum. German. auct. antiquiss. VI, I). 

2*) Herausgegeben mit Kommentar von Böcking (Bonn 1839 — 53), von 
Seeck (Berlin 1876). Über die Entstehung vgl. Joh. Schoene, Hermes XXXVII 
(1902) S. 271 f. 



— 133 — 

Von Cujacius aus verschollener Handschrift herausge- 
geben.^*) 

19. Zwei Anhänge zur Lex Romana Wisigothorum 
sind private Sammlungen von Auszügen aus römischen 
QueUen.2«) 

20. Cassiodorius Senator, c. 480 — 575, in zahlreichen 
und den höchsten Ämtern der auf römischem Fuß gebliebenen 
Verwaltung Italiens unter den Ostgoten tätig, schrieb varia- 
rum l. Xlly Sammlung von ihm verfaßter amtlicher Verfüg- 
ungen und sonstiger Schriftstücke.^^) 

b) Aus dem östlichen Reiche. 

21. Scholia Sinaittca. Im Sinaikloster sind kürzlich ge- 
funden wenige Bruchstücke eines Werkes, welches Scho- 
llen zu Ulpians libri ad Sabtnum enthielt. Dasselbe muß 
im Orient nach dem C. Th. und vor Justinian verfaßt 
sein und dem Rechtsunterricht, vielleicht in Berytus, gedient 
haben.^^) 

22. Das syrisch-römische Rechtsbuch. Nach 472, 
aber vor Justinian, ist im Orient eine griechische Darstellung 
römischen Rechts entstanden, von der Übersetzungen in die 
syrische, arabische und andere orientalische Sprachen erhalten 
sind. Diese Übersetzungen haben jahrhundertelang von Ägypten 
bis Armenien große Anerkennung gefunden und sich sogar 
dem Justinianischen R. gegenüber behauptet. Sie enthalten 
das RR. nicht ungetrübt, vieles ist mißverständlich, vieles in 
offenbar absichtlicher Abweichung vom RR. wiedergegeben 
(besonders in der Intestaterbfolge). J^ Der Titel der Hand- -A^'^- ^•*^' 
Schriften: „Gesetze und Befehle der siegreichen Könige" oder ^5'^ ^^^ 

r Gesetze der siegreichen christlichen Könige Konstantin, Theo- S*^^^/ ^f^/- 

20) Collect, m p. 199 sq. Huschke p. 835 sqq. iJ-c-H^s^ , /^/^ 

26) Collect. III p. 249 sqq. ^ ^H-^Sj % 

27) Ausgabe von Mommsen, monum. Germaniae, auctores antiquiss. t. 

XII. Berlin 1884. ^ fVM'^(^y, 

28) Collect. III p. 265 sqq. Huschke p. 815 sqq. Zachariae von ^'^^-^2, ^^^ ^ 
Lingenthal. Bull, dell' istituto di dir. Ro. V (1892) p. 1 sg. Riccobono ^^f^.^ / 
das. IX (1898) p. 217 sg. ^^^ ^^ ^^^^ v 



— 134 — 

dosius und Leo*^ paßt nicht; denn Konstitutionen dieser Kaiser 
bilden den geringsten Teil.*') 

23. Johannes Lydus schrieb unter Justinian de tnagistra- 
tibtis rei publüae Rotnanae?^) 



20) Mit deutschen Übersetzungen und Kommentar herausgegeben von 
Bruns und Sach au (Leipzig 1880). Ferrini, Beiträge zur Kenntnis des s. g. 
syrisch-römischen Rechtsbuchs, Zeitschr. d. Sav.-Süft. XXIII (1902) S. 101 ff. 

80) Corpus scriptorum historiae Byzantinae. (Bonn 1837) p. 119 sqq. 



Fünftes Kapitel. 

§ 25. 
Leges Romanae der germanischen Reiche. 

In den germanischen Reichen auf römischem Boden sind 
drei Gesetzbücher erlassen, die, aus den Quellen des römischen 
Rechts geschöpft, für die Erkenntnis des vorjustinianischen 
Rechts von großer Wichtigkeit sind, obwohl sie es nicht un- 
getrübt enthalten. 

I. Lex Romana Wisigothorum im J. 506 von König Ala- 
rich II gegeben für die Römer des Westgotischen Reiches, 
später Breviarium Alaricianum genannt. Sie ist hergestellt 
von einer Kommission von Prudentes und enthält Auszüge 
aus C. Th., posttheodosianischen Novellen, Gaii Institution., 
Pauli sententiae, C. Gr., C H. und ein Responsum Papinians. 
Gajus ist aufgenommen in einer verkürzten Bearbeitung, welche 
wahrscheinlich im 4. oder 5. Jahrh. für Schulzwecke hergestellt 
war; sie läßt das 4. Buch ganz fort und zieht die drei ersten 
in zwei zusammen. Bei den anderen benutzten Quellen ist 
den Auszügen, soweit es erforderlich erschien, eine interpretatio 
beigegeben, welche aber die Prudentes in der Hauptsache aus 
bereits vorhandenen schulmäßigen Interpret ationes ausgezogen 
haben. ^) 

IL Edictum Theoderici, erlassen von Theoderich dem 
Grroßen gemeinsam für Römer und Ostgoten, wahrscheinlich 
bald nach 512, enthält in selbständiger Fassung Rechtssätze, 
die aus den CC. Gr. H. Th., posttheodosianischen Novellen, 
Pauli Sententiae und vielleicht noch anderen Quellen des 



^) Ausgabe Haenel, lex Romana Visigothorum (Leipzig 1849). 



— 136 — 

römischen Rechtes, auch aus den interpretationes geschöpft 
sind.*) 

III. Lex Ramana Burgundionum. In dem gegen Ende 
des 5. Jahrh. erlassenen Gesetzbuch für die Burgunder (Gundo- 
bada), welches nur teilweise auch für die Römer des Burgun- 
dischen Reiches galt, hatte König Gundobad (473 — 516) den 
Römern ein besonderes Gesetzbuch versprochen. Dieses ist 
erlassen wahrscheinlich noch von Gundobad, jedenfalls vor 
Untergang des burgundischen Reichs (534). Die Lex Romana 
Burgundionum stellt in selbständiger Fassung römische Rechts- 
sätze, nicht frei von burgundischen Elementen, zusammen. 
Benutzt sind CC. Th. Gr. H., posttheodos. Nov., Pauli Sen- 
tentiae und Gaii Institutiones (oder Regulae?), auch die vor- 
handenen Interpretationen.") 



2) Ausgabe: Bluhme, monumeiita Germaniae leges V p. 145 sqq. 
(Hannover 1875.)- 

8) Ausgaben: Bluhme, monumenta Gennaniae leges III p. 579 sqq. 
(Hannover 1863). v. Salis, mon. Germ. leg. sect. 1 1. II p. I (Hannover 1892). 



Sechstes Kapitel. ^-^''^^ 

Die Justinianische Gesetzgebung und ihre ^, jr. ^ 
orientalischen Bearbeitungen. *,tj^,^-u. tj /trC- 

§ 26. ^^-^-i^m 

I . Der Verlauf der justinianischen Gesetzgebung. 

Kaiser Justinian (527 — 565) hat den Plan Theodosius* II, 
eine umfassende Kodifikation aus Konstitutionen und Juristen- 
schriften herzustellen, wieder aufgenommen und zum Ziel ge- 
führt. Sein Hauptratgeber dabei war Tribonian. 

I. Zuerst befahl der Kaiser am 13. 11 528 durch die 
(ebenso wie die im folgenden angeführten) nach den Anfangs- 
worten so benannte c, Haec quae necessario^) einer Kommis- 
sion von 10 Mitgliedern, darunter Tribonian, Magister Officiorum, 
und Theophilus, Professor (antecessor) in Konstantinopel, die 
Abfassung eines neuen Codex Constitutionum, welcher am 
7. April 529 durch die c. Summa rei pjiblicae^) mit Gesetzes- 
kraft vom 16. April 529 an veröffentlicht wurde. 

n. Auf Grund eines der c, Deo auctore vom 15. Dez. 530*) 
vorangegangenen Befehls bildete Tribonian, jetzt Quaestor 
sacri palatii, unter seiner Leitung eine Kommission von 17 
Mitgliedern, Constantinus, Comes sacrarum largitionum u. s. w., 
zwei Professoren von Konstantinopel, Theophilus und Cratinus, 
zwei von Berytus, Dorotheus und Anatolius, und elf Advokaten 



1) Die erste Vorrede des Codex Justinianus. 

2) Zweite Vorrede des C. J. 3) 1. Vorrede der Digesten. 



— 138 — 




vom Gericht des Präfectus Prätorio Orientis/) zum Zwecke 
der Ausarbeitung einer Sammlung von Auszügen aus den 
Juristenschriften (Digesta, Pandectae). Das Werk dieser Kom- 
mission ist durch c, Tanta, in griechischer Ausfertigung 
JkdwABv,^) vom i6. Dez. 533 mit Gesetzeskraft vom 30. Dez. 
533 publiziert und gleichzeitig durch c, Omnent rei ptiblicae^) 
den Professoren in Konstantinopel und Berytus als nun- 
mehr zu beobachtende Grundlage des Rechtsunterrichts zu- 
gefertigt. 

III. Das schon in der c. Deo auctore (§ 11) in Aussicht 
genommene Lehrbuch für Anfänger, Institutiones oder Elementa, 
ist nach Fertigstellung der Digesten von Tribonian, Dorotheas 
und Theophilus auf Befehl des Kaisers ausgearbeitet, aber 
noch vor den Digesten durch c, Imperatoriam majestatem'^ 
vom 21. Nov. 533 publiziert und nach c. Tanta § 23 mit 
Gesetzeskraft vom 30. Dez. 533 an versehen. 

IV. Seit Erlaß des Codex hatte Justinian durch einzelne 
Konstitutionen manche Kontroversen der Juristen entschieden. 
Diese Entscheidungen wurden in eine (verlorene) offizielle 
Sammlung der quinquaginta deeisiones gebracht.**) Auch waren 
seit Erlaß des Codex manche sonstige Gesetze ergangen, und 
in den Digesten durch Änderungen der alten Texte manche 
Neuerungen eingeführt. Den hierdurch veralteten Codex ließ 
Justinian durch Tribonian, Dorotheus und drei der an den 
Digesten beteiligten Advokaten revidieren. 

Das überarbeitete Werk, Codex Jtistinianus repetitae prae- 
lectioniSy wurde durch c. CordP) vom 16. Nov. 534 mit Ge- 
setzeskraft vom 29. Dez. 534 publiziert. 

V. Nach Vollendung dieser Arbeiten erließ Justinian noch 
eine große Zahl von einzelnen Gesetzen {Novellae leges) zum 
Teil großen Umfangs und einschneidender Bedeutung. Diese 
wurden amtlich in eine Sammlung eingetragen (ob. S. Tl\ 



*) c. Tanta § 9. 5) 3. Vorrede der Digesten. 

ß) 2. Vorrede der Dig. v 

®) 3. Vorrede zum Codex, 



— 139 — 

So viel wir wissen, ist aber diese Sammlung nicht offiziell 
veröffentlicht. 

VI. Nach Wiedereroberung Italiens führte Justinian seine 
drei Gesetzbücher dort mittels Edikts ein, bestätigte ihre 
Geltung durch die Sanctio pragmatica Pro petitione Vigilii 
(vgl. ob. S. 74 Anm. 31) vom 13. Aug. 554 und ordnete zu- 
gleich an, daß auch die Novellen in Italien ediktal publi- 
ziert werden sollten. 



§27. 
2. Die Bestandteile der Justinianischen Gesetzgebung. 

Die Institutionen. 



Die Institutionen stellen das Privatrecht in kurzem 
Abriß dar, anhangsweise auch Strafrecht und Strafprozeß 
berührend (IV, \Z de publicis iudiciis), Sie zerfallen in vier, 
in Titel mit Rubriken geteilte Bücher. (Die Paragraphenein- 
teilung ist späteren Ursprungs.) Nach c. Imperatoriam 
maiestatem § 6 sind sie aus den älteren Institutionenlehr- 
büchern, vornehmlich dem des Gajus, desselben res cottidianae 
(ob. S. 115) und anderen Werken zusammengearbeitet. Ihre 
Quellen im einzelnen geben sie nicht an. Was aus Gajus, 
und hie und da, was aus anderen Juristenschriften oder Kon- 
situtionen entnommen ist, lässt sich durch Vergleichung ander- 
weitiger Überlieferung feststellen; soweit diese Vergleichung 
nicht fuhrt, ist man beim Forschen nach den Quellen der 
einzelnen Partieen der Institutionen auf stilistische Erwägungen 
und sonstige Indizien angewiesen. Diese Forschung hat in der 
neuesten Zeit erhebliche Fortschritte gemacht.^) Aus stilistischen 
Gründen hat man mit Recht geschlossen, daß Buch I und II einen 
andern Verfasser haben als Buch III und IV, und daß mut- 
maßlich jeder der beiden an der Abfassung beteiligten Pro- 



1) Ferrini, Bulletino dell' istituto di diritto Romano XIII (1900j p. 
101 sq., dazu Kühler, Zeitschr. d. Sav.-Stift. XXill (1902) S. 508fr. Weiteres 
bei Kalb, Jahresber. für Altertumswissenschaft LXXXIX (1896 II) S. 284 ff. 



— 140 — 

fessoren eine dieser Hälften bearbeitet hat, während Tribonian 
nur die Oberleitung des Ganzen hatte.*) Eine Turiner Hand- 
schrift hat Scholien, welche wohl in Justinians Zeit zurück- 
gehen und vorjustinianische Quellen benutzen.^) 



§ 28. 
Die Digesten, ^-y* ^-^^J^/ • 

Die s. g. Kompilatoren der Digesten hatten Befehl, 
die Schriften derjenigen Juristen, welchen die Kaiser das ius 
respondendi (auctoritatem conscribendarunt interpretandarumque 
legum) erteilt hatten, zu exzerpieren, und die Exzerpte in 
50 Bücher mit Titeleinteilung nach Anhalt des Codex Justinianus 
und des prätorischen Edikts zu ordnen. Dieses Werk sollte 
dann die alleinige Grundlage der Benutzung der Juristen- 
schriften in den Gerichten sein; das Citiergesetz Valentinians III 
wurde aufgehoben; alle Juristen sollten gleichstehen, auch die 
Noten zu Papinian von Paulus, Ulpian, Marcian durfte die 
Kommission benutzen. Sie sollte die alten Texte nach Er- 
messen kürzen, ergänzen oder sonst verbessern. Widersprüche 
sollten nicht vorkommen, auch keine Wiederholungen, weder 
innerhalb der Digesten, noch im Verhältnis zum Codex, in 
letzterer Beziehung, höchstens dann, wenn besondere Umstände 
dazu führten. Aufgenommen werden sollte nur, was noch in 
praktischer Geltung stand, worüber im Zweifel die Rechts- 
gewohnheit von Konstantinopel entscheiden sollte.*) 

Demgemäß umfassen die Digesten 50 Bücher, welche mit 
Ausnahme von B. 30 — 32 in Titel mit Rubriken geteilt sind; 



a) S. g. Turiner Institutionenglosse. Krüger, Zeitschr. f. Rechtsgesch. 
VII, 1 (1886) S. 47 ff. 

3) Zu dieser Frage Huschke, praefatio seiner Ausgabe ^r Institutionen 
p. VI sq. Grupe, de Justiniani institut. compositione. Straßburg Diss. 1884. 
Kariowa I S. 1015 f. Krüger S. 341 f. Ferrini, Zeitschr. d. Sav.-Stift. 
XI (1890 S. 106 ff.). Zocco-Rosa, Per il XXXV anno d'insegnam. di F. Serafini 
(Fir. 1892) p. 417 sq. Buonamici, Archiv, giur. LVIII (1897) p. 139 sq. 

*) c. Deo auctore. 



— 141 — 

30 — 32 bilden zusammen einen Titel de legatis. Die Ord- 
nung folgt den befohlenen Vorlagen. Die offizielle Einteilung 
in sieben partes lehnt sich an die der Ediktskommentare und 
dient hauptsächlich den Zwecken des Rechtsunterrichts.*) 
Nach der c. Tanta § 2 sqq. ist die Einteilung folgende: L 
nqCiTa lib. i — ^ U. de iudiciis Hb, 5 — 11. UI. de rebus Üb. 
12— 19, IV. umbilicus lib, 20 — 27. V. lib 28 — 36, darunter 
28 — 2()de /^JÄw«^7«//j betitelt; die dann folgenden Inhaltsangaben 
der c. Tanta treten nicht mehr als Titel auf. VI. lib. 37 — 44. 
VII. lib. 45 — 50. Die Titelübersicht in der Florentiner Hand- 
schrift *) weicht von dieser Einteilung mehrfach ab. 

In die einzelnen Titel sind die Exzerpte (s. g. fragmenta, 
leges) mit Angabe des Verfassers und des Werkes, dem sie 
entstammen (Inskription), eingetragen. (Die Paragraphenein- 
teilung ist späteren Ursprungs.) Das offizielle Verzeichnis der 
benutzten Werke, welches den D. vorangestellt werden sollte,*) 
ist durch die Florentinische Handschrift überliefert (s. g. Index 
Florentinus,^) Dasselbe ist aber nicht frei von Mängeln. Ein 
genaues gab Krüger.*) Im ganzen sind 40 Juristen benutzt. 
Nach Justinians Angabe'^) lagen 2000 Itbri mit 3000000 versus 
(Zeilen) vor, welche die Kompilatoren auf 1 50000 versus 
reduziert haben. Die benutzten sind nicht durchweg solche 
Juristen, welche das ius respandendi gehabt haben. Gajus hatte es 
wahrscheinlich nicht, und die Republikaner Q. Mucius, Alfenus 
und Alius Gallus können es ebensowenig gehabt haben, wie 
der dem 4. Jahrhundert angehörige Arcadius Charisius. Den 
Löwenanteil hat Ulpian, von dem ein Drittel, danach Paulus, 
von dem ein Sechstel des Ganzen stammt. Die Kommission 
teilte (nach einer Entdeckung Bluhmes®) die zu exzerpie- 



2) vgl. c. Omnem rei publ. § 2 sqq. 

3) In Mommsens kleinerer Ausgabe p. V sqq. 

*) C. Tanta § 20. *) Mommsens kleinere Ausgabe p. XXX sqq. 

•) Bei Mi^msen a. a. O. p. 879 sqq. ') C. Tanto § 1. 

8) Bluhme, Zeitschr. f. geschichtl. Rechtswiss, IV (1820) S. 257 ff. 
Der Angriff auf seine Lehre, den Hof mann, die Compilation der Digesten 
Justinians (herausgegeben von J. Pf äff. Wien 1900) unternommen hat, ist 
durch Mommsen, Zeitschr. d. Sav.-Stift. XXII (1901) S. Iff., Krüger das. 
S. 12 ff. und Jörs Art. Digesta in Pauly-Wissowa's Encykl. abgeschlagen, v- 



li>Mi 



— 142 — 

renden Schriften in drei Massen, welche vielleicht je einer 
Subkommission überwiesen wurden. Die jeder Masse ange- 
hörenden Auszüge stehen in den einzelnen Titeln bei einander, 
nur ist manchmal ein Fragment wegen inhaltlicher Verwandt- 
schaft zu solchen einer anderen Masse in diese eingesprengt; 
auch sonst finden sich kleine Abweichungen. Die eine Masse 
beginnt mit den libri ad Sabinum, daher Sabinusmasse genannt, 
die andere mit den libri ad cdictum, daher Ediktsmasse, die 
dritte mit den Quästiones und Responsa Papinians, daher 
Papiniansmasse. Einige wohl erst im Laufe der Arbeit her- 
beigeschaffte Werke sind einer vierten Masse überwiesen, s. g. 
Appendixmasse. Die Reihenfolge der Massen in den Titeln 
wechselt; nicht alle Titel haben alle Massen, manche zw^ei 
Serien der verschiedenen Massen, was wohl daher kommt, 
daß man ursprünglich beabsichtigte, zwei Titel zu bilden, 
und diese später zu einem verband.®) 

Die Arbeit der Kommission ist, verglichen mit den etwa 
gleichzeitigen Arbeiten auf dem Boden des Westreichs, selbst 
mit der besten unter ihnen, der Lex Romana Wisigothorum, 
höchst respektabel. Die in Wahrheit kaum lösbare Aufgabe, 
aus zahllosen Schriften von Juristen, zwischen denen viele Kontro- 
versen schwebten, aus einem Zeitraum von über 250 Jahren, dessen 
Ende schon um Jahrhunderte zurückliegt, ein einheitliches 
modernes Gesetzbuch zu machen, hat die Kommission in hoch- 
achtbarer Weise zu lösen gesucht, wenn auch viele Mängel übrig 
geblieben sind. Insbesondere fehlt es nicht an Widersprüchen 
und Wiederholungen; selbst Wiederholung einer und derselben 
Stelle kommt vor (leges geminataej, Stellen, deren Beziehung 
zu dem Titel, in dem sie stehen, dunkel ist, nennt man leges 
ßtgitivae^ erraticae. In die Texte hat die Kommission in- 
struktionsgemäß durch Auslassungen, Zusätze und Verän- 
derungen überall tief eingegriffen. Zusätze und Veränderungen 
nennt man Interpolationen (emblemata TribonianiJ, Man hat 
das unbehagliche Gefühl, daß man die Garantie dafür, Worte 



9) Ein genaues Verzeichnis der zu den vier Massen gehörigen Schriften 
gibt (nach Bluhme) Krüger bei Mommsen a. a. O. p. 874 sqq. Auch 
ist bei Mommsen zu den einzelnen Titeln der D. angegeben, wie sie sich 
aus den Massen zusammensetzen. 



— 143 — 

der Klassiker vor sich zu. haben, eigentlich nirgends in den 
Digesten besitzt; dennoch bleibt nichts übrig, als jeden Satz 
und jedes Wort so lange für echt zu nehmen, bis sich 
positive Gründe für einen Eingriff der KompUatoren ergeben. 
Diese Materie gehört zu den interessantesten, aber auch 
schwierigsten des Quellenstudiums. Während zahlreiche Inter- 
polationen längst bekannt sind, hat man erst in neuester 
Zeit umfassende und systematische Nachforschung nach den 
Interpolationen gehalten und feste Grundsätze zur Reinigung 
der Klassikertexte zu gewinnen gesucht.^®) 

Glosseme sind ursprüngliche Glossen, welche ein späterer 
Abschreiber aus Versehen in den Text aufnahm. Auch sie 
sind in den D. zahlreich, von Interpolationen nicht immer 
klar zu unterscheiden, und stammen wohl großenteils schon 
aus den Handschriften, welche den KompUatoren vorlagen. 

Die älteste und beste Handschrift") der Digesten ist die 
s. g. Florentina (sei. littera = Lesung), geschrieben von 
Griechen im 6. oder 7. Jahrhundert. Sie soll im J. 1135 von 
den Pisanem der Stadt Amalfi abgenommen sein, war jeden- 
falls seit der Mitte des 12. Jahrh. in Pisa, kam 1406 nach 
dessen Eroberung durch die Florentiner nach Florenz. Sie 



10^ Hauptverdienst in dieser Richtimg haben Eisele, Zeitschr. der Sav.- 
Stift. VII, 1 (1886) S. 15flf., IX (1888) S. 296 ff., XI (1890) S. Iff., 
XIII (1892) S. 118 ff., XVIII (1897) S.lff. Gradenwitz, Interpolaüonen in 
den Pandekten. Berlin 1887; Lenel in den Noten seiner Palingenesie. S. 
femer Grupe, die Gajanischen Institutionenfragmente in Justinians Digesten 
Zeitschr. d. Sav.-Stift. XVI (1895) S. 300 ff. Zur Sprache der Gajanischen 
Digestenfragmentc: Zeitschrift der Savigny-Stiftung XVII (1896) S. 311 ff. 
XVIII (1897) S. 213 ff. Übrigens ist jede materiellrechiliche Ausführung über 
römisches Recht heutzutage mit der Interpolationeufrage befaßt. Eine brauch- 
bare Monographie über das Interpolationenwesen ist Apple ton, des interpo- 
lations dans les Pandectes et des methodes propres ä les decouvrir. Paris 1895. 
Dazu Kipp, Zeitschr. d. Sav.-Stift. XVI (1895) S. 333 ff. Zur Vorsicht mahnt, 
vielfach mit Recht, Kalb, die Jagd nach Interpolationen in den Digesten. Fest- 
schrift z. fünfundzwanzigjährigen Rektorats- Jubiläum von Autenrieth. Nürnberg 
1897 S. 11 ff., der auch in seinen sonstigen Arbeiten (Juristenlatein, Roms 
Juristen, Jahresberichte für Altertumswissenschaft) der Interpolationenfrage ein- 
gehendste Beachtung schenkt. Neuestens Jörs Art. Digesta. 

11) Vgl. Buonamici, suUa storia del manuscritto Pisano Fiorentino. 
delle Pandette Arch. giur. XLVI (1891) p. 60 sq.- J^^^^-l.. f-S , /9fS'.^,.J^ .^A Z.^'^ 



— 144 — 

ist fast vollständig und verhältnismäßig wenig fehlerhaft.^*) 
Von Handschriften ähnlichen Werts sind nur geringe Reste 
vorhanden. 

Diesen Handschriften gegenüber stehen die s. g. Vulgat- 
handschriften, wie sie die Bologneser Glossatoren hatten 
(littera Bonaniensis), seit dem ii. Jahrh. Sie sind von 
der Florentina abhängig, haben aber bis Buch 34 einzelne 
der Florentina gegenüber bessere Lesarten, die nicht auf 
Konjektur, sondern auf handschriftlicher Überlieferung be- 
ruhen. Danach ist mit Mommsen") anzunehmen, daß die 
Vulgathandschriften alle auf eine Mutterhandschrift zurück- 
gehen, welche aus der Florentina abgeschrieben, aber bis Buch 
34 aus einer zweiten, der Florentina gleichwertigen Hand- 
schrift korrigiert war. Einzelne griechische Stellen haben sie 
nachgemalt, in der Hauptsache aber enthalten sie das Grie- 
chische der D. nur in lateinischer Übersetzung, die zum Teil 
von dem Pisaner Burgundio (gest. 1 194) herrührt, zum Teil aber 
wohl älter ist. ^*) Gewöhnlich umfassen die Vulgathandschriften 
nur ein Stück der Digesten nach eigentümlicher Dreiteilung, zu 
welcher Zufall und Absicht zusammengewirkt haben müssen: 

1. Digestum vetus bis Buch 24 Tit. 3 inscriptio von 1. 2 
Wort trigesimo einschließlich, später nur bis XXIV, 2 i. £ 

2. (Digestum) Infortiatum (verstärkte Digesten) von XXIV, 3 
bis XXXVIII Ende. Hiervon heißt der Schlußabschnitt tres 
partes, beginnend XXXV, 2, 2 mitten im Satze mit den Worten 
tres partes, 3. Digestum novum: XXXIX — L.**) 



§ 29. 
Der Codex Justinianus. 2'<<-^{/^'/ 

Die Kommission zur Abfassung des älteren Codex hatte 



12) Praefatio der größeren Ausgabe p. IV sqq. 

13) Savigny, Gesch. des röm. Rechts im Mittelalter IV S. 403ff. 
Fitting, Sitzungsber. der Bcrl. Akad. 1894 XXXV S. 813 ff. bes. 817f. 

1*) Vgl. Kariowa I S. 1027 f. Anm. 3. Krüger S. 382 f. 



- 145 — 

den Befehl, aus den CC. Gr. H. Th. und aus den nach Ab- 
schluß des C. Th. ergangenen Konstitutionen eine neue Kon- 
stitutionensammlung unter dem Namen Codex Justinianus zu- 
sammenzustellen. Nicht mehr Gültiges sollte sie fortlassen, 
nichts doppelt und keine Widersprüche aufnehmen, alles unter 
passende Titel chronologisch ordnen, Konstitutionen, die sine 
die et cofisule vorlägen, mit dieser Bezeichnung versehen. 
Solche Gesetze sollten darum nicht weniger gelten; ebenso 
wie Speziaireskripte und Pragmaticae durch Aufnahme in den 
Codex den Constitution es generales gleichgestellt werden 
sollten. Überflüssige Vorreden der Konstitutionen sollten be- 
seitigt, die Texte nach Bedarf geändert, dem Inhalt nach zu- 
sammengehörige Konstitutionen zu einer vereinigt werden; 
auch die Ermächtigung, Konstitutionen zum Zweck der Ver- 
teilung auf mehrere Titel zu zerschneiden, muß die Kommission 
gehabt haben, obwohl dies in der Instruktion deutlich wenig- 
stens nicht steht.^) Der Codex, wie er vorliegt, beruht in 
der Hauptsache auf der Arbeit der ersten Kommission, die 
zweite hatte nur den Auftrag, die inzwischen ergangenen 
Gesetze in ihn einzutragen und die dadurch bedingten Ver- 
änderungen in dem älteren Bestände seines Inhaltes vorzu- 
nehmen. 2 ) Der alte Codex wurde aufgehoben, und es blieben 
von früheren Konstitutionen außerhalb des neuen Codex nur 
in Kraft die bei den Behörden registrierten militär- und fiskal- 
rechtlichen, sowie diejenigen Pragmaticae, welche Privilegien 
erteilten, oder dem Codex nicht widersprachen.^) 

Der Codex zerfallt in 12 Bücher, diese in Titel mit Ru- 
briken. Die Ordnung ist im ganzen aus Verschmelzung der- 
jenigen des C. Gr. und C. Th. hervorgegangen. 

Aufgenommen sind Konstitutionen von Hadrian an. Über 
die hervorragende Rolle diocletianischer Konstitutionen und 
ihre Ursachen vergl. ob. S. 78 f. Occidentalische Konstitu- 
tionen nach Abschluß des C. Th. fehlen. Den Konstitutionen 
ist die Angabe der Urheber und der Adressaten vorangestellt 



1) c. Haec quae necessario § 2, c. Summa § 1. 

2) c. Cordi § 2. 3. 

8) c. Summa § 4, Cordi 4. 5. 

Kipp, Quellen des rOm. Beohts. 10 



— 146 — 

(Inskription). Die Datierung u. s. w. steht am Schlüsse (Sub- 
skription). (Die Paragrapheneinteilung ist späteren Ursprungs.) 
Die oben besprochenen Zusammenlegungen, Zerteilungen, Ver- 
änderungen der Texte sind zahlreich vorgenommen. Konsti- 
tutionen, welche aus dem C. Th. in den C. J. übergegangen 
sind, haben somit zweimal derartige Veränderungen über sich 
ergehen lassen müssen (vergl. ob. S. 80 f.). Die moderne 
Interpolationenforschung hat dem Codex noch nicht dieselbe 
Aufmerksamkeit gewidmet wie den Digesten.*) 

In den Handschriften des Codex sind früh Inskriptionen 
und Subskriptionen vernachlässigt, der Inhalt selbst ist stark 
verkürzt. Man ließ die drei letzten Bücher fort, in den 
übrigen überging man die griechischen und viele lateinische 
Konstitutionen. Mindestens seit dem 9. Jahrhundert hat man 
aber angefangen, das Fehlende wieder zu ergänzen. Die 
existierenden Handschriften der Bücher i — 9 (Codex) gehen 
bis ins 11., die der drei letzten Bücher (tres libri) jedoch nur 
bis ins 12. Jahrhundert zurück. Wichtig für die Kritik ist 
auch ein Auszug, der frühestens aus dem 7. Jahrhundert 
stammt und, weil in einer Handschrift des IG. Jahrhunderts 
zu Perugia überliefert. Summa Perusina genannt wird.*) Die 
griechischen Konstitutionen sind erst seit dem 16. Jahrhundert 
aus den Basiliken und andern Quellen wiederhergestellt (leges 
restttutaejfi) 

§ 30. 
Die Justinianischen Novellen. 

Die Novellen^) sind meistens in griechischer Sprache er- 



4) S. jedochEisele,Zeitschr.d.Sav.-Stift.VII, 1(1886)8.15 ff. Grupe, 
zur Laiinität Jusünians, Zeitschr. d. Sav.-Stift. XIV (1898) S. 224 ff. XV (1894) 
S. 327 ff. Dazu Kalb, Jahresber. f. Altertumswissensch. LXXXIX (1896 II) 
S. 293 ff. H. Krüger, Bemerkungen über den Sprachgebrauch der Kaiser- 
constitutionen im C. J. Arch. f. lat. Lexikographie X (1898) S. 147 ff. XI (1900) 
S. 453 ff. 

6) Heimbach, Anecdota T. II, Leipzig 1840. 

6) Über das in diesem Absatz Gesagte vgl. Krüger, Praefatio seiner 
größeren Ausgabe. 

*) Biener, Geschichte der Novellen Justinians. Berlin 1824. 



- 147 — 

lassen, einige aus besonderem Grunde, weil sie sich auf die 
Tätigkeit der obersten Reichsbehörden beziehen, oder weil 
sie für die lateinischen Reichsteile bestimmt waren, lateinisch, 
einige zweisprachig. Erhalten sind verschiedene Sammlungen. 

1. Die epitome Juliani, ein lateinischer Auszug aus 122 
Novellen der Jahre 535 — 555; zwei kommen doppelt vor, wo- 
durch die Zahl auf 124 steigt. Privatarbeit eines Professors 
Julianus in Konstantinopel noch zur Zeit Justinians.^) 

2. Das sogen. Autkenticum, eine Sammlung von 134 No- 
vellen der Jahre 535 — 556, enthält die lateinischen im Original, die 
griechischen in einer sehr mangelhaften lateinischen Übersetzung, 
die auf eine zum Teil bereits textlich verdorbene griechische 
Vorlage schliessen lässt. Danach ist unwahrscheinlich, daß 
(wie behauptet ist*) in dieser Sammlung die offizielle Publi- 
kation der Novellen für Italien vorliege; die Sammlung scheint 
aber allerdings in Italien entstanden zu sein. Ihr Name soll 
daher rühren, daß Irnerius, der berühmte Glossator (um 11 00), 
zuerst nur die Epitome Juliani gekannt, und als er die hier 
besprochene Sammlung kennen gelernt, ihre Echtheit bezweifelt, 
dann aber sie als die authentische vor dem Julian bevorzugt 
habe. Jedenfalls hat diese Bevorzugung seit dem 12. Jahr- 
hundert stattgefunden.*) Die von dem Inhalt des Authenticums 
brauchbar befundenen 96 Novellen (authenticae in diesem Sinne), 
die man glossierte, ordnete man in 9 CoUationes, die andern 
ließ man als authenticae inutileSy extraordinariae entweder fort 
oder stellte sie an den Schluß. Die so geordnete Sammlung 
ist die sogen. Vulgata. Auszüge aus den einzelnen Novellen 
wurden zu den Stellen des Codex, zu welchen sie in Beziehung 
stehen, am Rande vermerkt, später auch in den Text aufge- 
nommen (authenticae in diesem Sinne). 

3. Die griechische Novellensammlung, von den 
Humanisten ans Licht gezogen, enthält 168 Nummern. Dazu 
kommen in einer Handschrift in Venedig noch 13 Edikte 
Justinians. Davon sind aber 7 Doubletten, 5 Gesetze Justi- 

«) Ihre Anhänge vergl. Krüger S. 372. 

«) Zachariae v. Lingenthal, Sitzungsber. der Berliner Akad. 1882 S. 993 ff. 

S. dagegen Krüger S. 357 Anm. 29. 

*) Savigny, Gesch. des röm. R. im Mittelalter III S. 490 ff. 

10* 



- 148 — 

nians vor Abschluss des Codex, 4 Gesetze von Justinus II 
(565 — 578), 4 von Tiberius II (578 — 582), 3 bis 4 formae prae- 
fectorum praetorio (vgl. ob. S. 86 f.), so daß eigentliche justiniani- 
sche Novellen 158 bis 159 übrig bleiben. Lateinische Novellen 
haben die Handschriften teils gar nicht, teils in griechischem 
Auszuge. Die Sammlung ist im Orient, wahrscheinlich in 
Konstantinopel geschrieben, angelegt unter Justinian, abge- 
schlossen unter Tiberius II. Dazu treten einige Ergänzungen 
der Überlieferung durch andere Sammelwerke und Auszüge.'^) 



§ 31. 
Das Corpus iuris civilis, Ausgaben. 

I. Der Ausdruck corpus iuris im Sinne der Gesamtheit 
des Rechts ist echt römisch; ^) als Bezeichnung für die Ge- 
samtheit der justinianischen Rechtsbücher findet er sich schon 
bei den Glossatoren des 12. Jahrh. Die Handschriften um- 
faßten aber immer nur ein Stück des Ganzen und zwar so, 
daß Digestum vetus, Infortiatum, Digestum Novum, Codex 
(1. I — IX) je einen selbständigen Band bildeten, Institutionen, 
Ires libri und Novellen in einem Bande [volumen parvum, 
Volumen) zusammengefaßt wurden, in welchen man noch die 
Bücher des langobardischen Lehenrechts [libri feudorum) und 
einzelne Gesetze deutscher Kaiser als decima collatio (zu den 
9 CoUationes der Novellen) aufnahm. Abschnitte aus Gesetzen 
Friedrichs I. und II. wurden auch, wie die Novellenauszüge, in 
den Codex eingereiht (authenticae Fridericianae). 

Auch in den gedruckten Ausgaben erscheinen zunächst 
jene 5 Bände selbständig. Die ältesten Ausgaben haben ge- 
wöhnlich die Glosse des Accursius (gest. um 1260), die aber 
im Laufe der Zeit Zusätze erhielt; oft findet sich als 6. Band 
ein Sachregister (Thesaurus Accursianus)?) 



^^ Vgl. Kroll, Praefatio zu seiner und Schölls Ausgabe. 
1) Liv. III, 34 mit Beziehung auf die XII Tafeln; ferner C. J. V, 13, I pr.: 
rem in omni paene corpore iuris efTusam. 

^) Die letzte glossierte Ausgabe ist von Job. Fehius (Lyon 1627. 6 Bde. fol.). 



— 149 — 

II. Die humanistische Bewegung des 15. und 16. Jahrh. 
hat auch für die Herstellung der Quellen des römischen 
Rechts in reinerer Gestalt reiche Früchte getragen. Gregor 
Haloander (1501 — 1531) gab 1529 — 1531 alle Bestandteile 
des Corpus Juris Civilis heraus und zwar Digesten wie Codex 
unzertrennt, die Novellen zum ersten Male griechisch mit latei- 
nischer Übersetzung.*) Die Textverbesserungen Haloanders 
haben großenteils dauernden Wert behalten. Der Italiener 
Lelio Torelli gab 1553 die Digesten in ausgezeichnetem kri- 
tischen Abdruck der Florentina heraus.*) Die Herstellung der 
verlorenen griechischen Konstitutionen des Codex beruht 
hauptsächlich auf den Arbeiten des Spaniers Antonius 
Augustinus (15 16 — 1586)^) und des unübertroffenen Jacobus 
Cujacius (1522 — 1590).*) Die Novellen edierte Heinrich 
Scrimger, ein Schotte (gestorben 1571), im Jahre 1558 voll- 
ständiger als Haloander nach der venetianischen Handschrift.') 
Nach ihm gab der Franzose Antonius Contius (gest. 1577) in 
seiner (zweiten) zu großem Ansehen gelangten Ausgabe^) 
(1571) den griechischen Text nebst einem lateinischen, der 
sich zusammensetzt aus Vulgata und Übersetzungen von Halo- 
ander, Heinrich Agylaeus,®) Contius selbst und anderen Zutaten. 
Contius ist auch Urheber der jetzt gebräuchlichen Zählung 
und Einteilung der Novellen. 

Die erste Gesamtausgabe unter dem Titel Corpus iuris civilis 
ist die von Dionysius Gothofredus (1549 — 1622) im Jahre 1583 
veranstaltete.'®) Die seitdem zahlreich erschienenen Wieder- 
holungen und Nachdrucke der gothofredischen Ausgaben herrsch- 
ten bis in das 18. Jahrhundert vor. Sie enthalten J., D., C. 



'^) Vgl. Stintzing, Geschichte der deutschen Rechtswissensch. I S. 180 ff. 

*) Vgl. Stintzing a. a. O. S. 214f. Terrasson, histoire de la juris- 
pnidence Romaine (Paris 1750) p. 424 

^) Constitutionum Graecarura Codicis collectio 1567. 

®) In seinen observationes und seiner Ausgabe der tres libri (1562). Vgl. 
Terrasson 1. c. p. 463 suiv. Stintzing a. a. O. S. 375 ff. Es gibt von 
Cujacius auch eine Ausgabe der Institutionen, zuerst 1585. 

'^ Vgl. Stintzing a. a. O. S. 206. Terrasson 1. c. p. 431. 

«) Vgl. Stintzing a. a. O. S. 206 f. 

•) Supplementum versionis novellarura Haloandrinae. Col. 1560. 

1«) Vgl. Stintzing a. a. O. S. 208 f. 



— 150 — 

und Nov., die letzteren auf Grund der Rezension des Contius, 
aber manchmal nur lateinisch; dazu Beigaben verschiedener 
Art.^^) Der von Späteren vermehrte Notenapparat ist als 
Parallelstellensammlung noch heute wohl brauchbar. ^^) 

Die Ausgabe von Gebauer und Spangenberg^*) hat 
den Text der Digesten auf Grund einer Nachvergleichung der 
Florentina durch H. Brencmann verbessert und den Novellen 
eine neue Übersetzung von J. Fr. Hombergk zuVach^*) 
beigegeben. Die Becksche Ausgabe^*^) gibt die Novellen 
griechisch, in Hombergk scher Übersetzung und nach dem 
Authenticum in ursprünglichem Zusammenhange. Die Aus- 
gabe der Brüder Kriegel mit Hermann (Codex) und Osen- 
brüggen (Novellen),^*) hat viel Verdienst um die Kritik des 
Codex und hat die Hombergk'sche Übersetzung verbessert. 
Die beste Ausgabe ist jetzt die von Krüger (J. und C), 
Mommsen (D.) und Scholl (Nov., nach Schöll's Tode 
vollendet von Kroll).") J. D. u. C. beruhen auf voran- 
gegangenen Einzelausgaben, und zwar der Institutionen von 
Krüger,^®) der Digesten von Mommsen*®) und des Codex von 
Krüger,^^) die aber durch die Gesamtausgabe Verbesserungen 
erfahren haben. Die Novellen sind nur einmal bearbeitet. Die 
Ausgabe stellt dem Text der griechischen Sammlung den des 
Authenticums zur Seite, darunter eine neue lateinische Über- 
setzung.*^) ^^). 

11) Die in der folgenden Note bezeichnete Ausgabe bringt eine Samm- 
lung nachjustinianischer Kaiserkonstitutionen, die libri feudorum, XII Tafeln, 
Ulpians Fragmente, Paulli Sententiae und anderes. 

12) Als die beste der gothofredischen Ausgaben gilt die von Simon van 
Leeuwen 1663 besorgte (Amsterdam fol.). 13) Gottingae 1776. 1797. 

1*) Erschienen 1717. iß) Leipzig 1826—1836. 
1«) Zuerst 1828—1843 (17. Aufl. Leipzig 1887). 

17) Berol. Vol. I (J. D.) II (C.) 1872. 9. u. 7. Aufl. 1902. 1900. Vol. 3. 
(Nov.) 1880—1895. 

18) Justiniani Institutiones. Recensuit P. Krueger (Berol. 1867), editio 
altera 1899. 

10) Digesta Justiniani Augusti. Recognovit assumpto in operis societatem 
Paulo Kruegero Th. Mommsen. 2 voll. (Berol. 1868. 70.) 

20) Codex Justinianus. Recensuit Paulus Krüger (Berlin 1877.) 

21) Hinzugefügt sind einige zerstreut überlieferte Konstitutionen Justinians, 
darunter auch die Sanctio pragmatica: Pro petitione Vigilii. 22) Von Ein- 



151 — 



S 32. 



4. Die orientalischen Bearbeitungen der Justinianischen 

Gesetzgebung. 

I. Mit Justinian pflegt man die römische Rechtsgeschichte 
abzuschließen; der berechtigte Grund dafür ist, daß Justinians 
Gesetzgebung in Deutschland rezipiert, nur bis dahin also die 
römische Rechtsgeschichte Vorgeschichte unseres eigenen 
Rechtes ist. Die byzantinischen Bearbeitungen des römischen 
Rechtes aber sind für Kritik und Auslegung des justinianischen 
Rechtes von großer Bedeutung. Justinian ^) hatte in Ansehung 
der Digesten jede Kommentierung als dem wahren Sinne des 
Gesetzes gefahrlich verboten, nur wörtliche Übersetzungen 
(/arcr Ttoda), kurze Inhaltsangaben (ivdixeg) und nagdTirla, 
Parallelstellensammlungen zu einzelnen Stellen und ganzen Titeln 
sollten erlaubt sein. Diese auf die andern Werke Justinians 
nicht erweislich ausgedehnten Bestimmungen sind bald über- 
treten. Man verfaßte auch Übersetzungen eig nXatog: erläu- 
ternde Paraphrasen, und Kommentare: naqcc/QaipaL Auch 
einzelne Monographien kommen vor. Zum größten Teile 
kennen wir diese byzantinische Rechtsliteratur nur aus den 
Basiliken und ihren Schollen (s. unt. II). Selbständig über- 
liefert ist eine griechische Paraphrase zu den Institutionen,^) 
die dem Theophilus selbst zugeschrieben wird. Diese Angabe 
wird freilich wegen der inneren Mängel des Werkes be- 



zelausgaben sind noch zu nennen: Institutionen mit Kommentar 
von Ed. Sehr ad er (Corpus iur. civ. t. I [Berl. 1832], mehr nicht 
erschienen), auch eine kleinere Ausgabe nur mit Parallelstellensammlung von 
demselben mit Tafel, Clossius, Mai er (zuerst 1835); femer eine solche 
von Huschke (Leipzig 1867). — Juliani epitome von Haenel (Leipzig 
1873). — Authenticum von Heimbach, II partes (Leipzig 1845 — 51). Justi- 
niani novellae quae vocantur sive constitutiones quae extra Codicem superstmt 
ordine chronologico digestae ed. Zachariae a Lingenthal. II partes (Leipzig 
1881). Dazu Nachtrag: de dioecesi Aegyptiaca lex (a. 554) (Leipzig 1891). 

>) C. Deo auctorc § 12. Tanta § 21. 

«) Nach Ferrini, Byzantin. Zeitschr. VI (1897) S. 548 ff. (und früheren 
Arbeiten desselben) ist dabei auch eine griechische Bearbeitung der Institutionen 
des Gajus benutzt. 



— 152 - 

zweifelt, findet sich aber schon in Scholien des sechsten Jahr- 
hunderts.*) 

II. Mehrmals sind von den byzantinischen Kaisern gesetz- 
Hche Auszüge und Bearbeitungen der justinianischen Rechts- 
bücher veranstaltet. Hiervon ist die wichtigste rüc Baaih/M, ^ 
begonnen unter Basilius Macedo, vollendet und publiziert unter 
Leo dem Weisen (886 — 911). Sie enthalten in 60 Büchem 
eine zeitgemäße griechische Bearbeitung der justinianischen 
Gesetzgebung, aus deren einzelnen Bestandteilen jedesmal das 
Zusammengehörige in einem Titel der Basiliken vereinigt ist. 
Der Text ist um so wertvoller, weil er auf den älteren Über- 
setzungen beruht. Im 10. Jahrh. ist das Werk mit Scholien 
aus der älteren byzantinischen Literatur versehen. Der Text 
ist ziemlich vollständig, die Scholien nur teilweise auf uns ge- 
kommen.*) Die Überlieferung wird ergänzt durch spätere 
Bearbeitungen. Dahin gehört die Synopsis Basilicorum (um 
950), ein alphabetischer Auszug aus den Basiliken, der s. g. Tipu- 
citus (ri nov ^^tiiai), Inhaltsangabe der Basiliken mit Parallel- 
stellen und neueren Gesetzen (aus dem 12. Jahrh.). Die 
letzte noch in Betracht kommende Bearbeitung des römisch- 
byzantinischen Rechtes ist der L^aßißlog des Kbnstantinos 
Harmenopoulos, Nomophylax und Richters von Thessalonich, 
um 1345.^) 



^) Vgl. Zachariae v. Lingenthal, Zeitschr. d. Sav.-Slift. X (1889j 
S. 257 f. Ausgabe von Reitz, 2 Bde. (Hag. 1757). Eine neue von E. C. Ferrini 
Berlin 1884—1897. 

*) Ausg. von Heimbach 6 Bde. mit Supplement von Zachariae v. 
Lingenthal (Leipzig 1838 — 1870), Ein neues Supplement von Ferrini und 
Mercati erschien 1897. 

^) ed. Heimbach (Leipzig 1851). — Im übrigen ist zu verweisen auf 
K. E. Zachariä von Lingenthal, Geschichte des griechisch-römischen Rechts 
(3. Aufl. Berlin 1892) Einleitung. - }. S.?.f9K. Zff 



"r" 



Siebentes Kapitel. 

§ 33. 

Akten und Urkunden. 

Wir besitzen inschriftlich eine Reihe von Beamtendekreten 
in speziellen Justiz- und Verwaltungssachen, die zwar nicht 
objektives Recht schufen, aber für dessen Erkenntnis als leben- 
dige Akte der Anwendung hochbedeutsam sind. Wir nennen: 

1. Dekret des L. Ämilius Paulus als Prokonsuls von His- 
pania Ulterior v. J. 189 v. Chr., Freierklärung gewisser 
Sklaven betreffend. Bronzetäfelchen, beiCadix 1866 gefunden.^) 

2. Die s. g. sententia Minuciorum (Bronzetafel, 1506 
bei Genua gefunden). Die Brüder Q. und M. Minucius Rufus 
entscheiden im J. 1 1 7 v. Chr. einen Streit der Genueser mit 
den castellani Langenses Veturii (Langates), den Einwohnern 
eines benachbarten, von Genua abhängigen Ortes. Sie haben 
in Genua verhandeln lassen, Untersuchung geführt und schon 
dort Maßregeln getroffen, dann aber die Parteien nach Rom 
vorgeladen und ihnen dort den Spruch verkündet, und zwar 
ex se flatus consulto^ so daß man sich den Spruch als seinem 
Inhalt nach vom Senat genehmigt vorzustellen hat. Am 
Schluß werden für etwaige weitere Streitigkeiten die Parteien 
aufgefordert, sich wieder an die Urteiler zu wenden. Danach 
hatten die Minucier einen dauernden Beruf zu solchen Ent- 
scheidungen, ohne Zweifel als vom Senat bestellte Kom- 
missare, und wohl selbst Senatoren.-) 

3. Dekret des Prokonsuls von Sardinien von a. 69 n. Chr., 
ein Urteil mit Gründen in einem Grenzstreit von zwei Ge- 



1) Bruns I p 231. ^ Bruns I p. 358 sqq. 



— 154 — 

meinden; von Zeugert beglaubigte Privatabschrift aus dem 
Protokollcodex des Prokonsuls; 1866 in Sardinien auf einem 
Bronzetäfelchen gefunden.*) 

4. Ein Schreiben der Präfecti Prätorio von 168 n. Chr. 
an die Munizipalmagistrate von Saepinum, enthaltend eine 
Verwarnung, die Pächter der fiskalischen Schafherden nicht 
zu verletzen; auf Stein in Sepino.*) 

5. Dekret des L. Novius Rufus, legatus Augusti pro Prae- 
tore, in Prozesssachen, v. J. 193 n. Chr. Nur der Eingang ist 
erhalten und der Formen wegen bemerkenswert (ex tilia re- 
citavit). Inschrift in Tarragona.^) 

6. Urteil des Alfenius Senecio, fstibpraefectus classis prae- 
toriae Misenatis) im 2. oder 3. Jahrh. in einem Prozeß, in 
welchem es sich um den Verkauf von Grundstücken handelt, 
die teilweise loca religiosa waren, aus einer verlorenen In- 
schrift von Accursius, dem Glossator, abgeschrieben.®) 

7. Mehrere Zwischenurteile von Präfecti vigilum in einem 
Prozeß von fullones wegen eines Wasserzinses aus den Jahren 
226 — 244 n. Chr., s. g. lis fuUonum. Marmorinschrift zu Rom, 
1701 gefunden.') 

8. Auch einige priesterliche Erlasse sind inschriftlich er- 
halten: Ein Reskript der quindecintviri sacris faciundis (289 
n. Chr.) bestätigt die von den Dekurionen von Cumae voll- 
zogene Wahl eines Priesters der Mater Deum, ^) ein Pontifikal- 
dekret genehmigt die Umbestattung eines Leichnams. Be- 
merkenswert ist, daß es ebenso, wie die kaiserlichen Reskripte, 
unter der Bedingung ergeht, si ea ita sunt que libelo cm- 
tenentur,^) 

IL Auch Inschriften, welche private Rechtsgeschäfte und 
Ähnliches beurkunden, sind in reicher Zahl erhalten. Das 
Material ist zu groß, um hier auch nur annähernd im einzelnen 
vorgeführt werden zu können. Eine umfassende Samnilung, 
geordnet nach Gegenständen, bietet Bruns.^®) 

8) Bruns I p. 231 sqq. *) Bruns I p. 233 sq. 

^) Bruns I p. 361. «) Bruns I p. 361 sq. 

') Bruns I p. 362 sq. «) Bruns I p. 237. 

») Bruns I p. 237. 

10) I p. 260 sqq. Aber nicht alles, was dort gesammelt ist, beruht auf In- 



— 155 — 

m. Die Hauptform der römischen Privaturkunde klas- 
sischer Zeit ist die der Zeugenurkunde (testatio)^ bei welcher 
eine Erklärung vor den Zeugen abgegeben und von ihnen 
durch Siegelung der Urkunde als geschehen bezeugt wird. 
Derjenige, gegen welchen die Urkunde, z. B. ein Schuldbe- 
kenntnis, beweisen soll, kann sie schreiben oder schreiben 
lassen. Sie kann die Erklärungen der Beteiligten in dritter 
Person protokollieren: Ille etnit, mancipioque accepit, fide ro- 
gavit\ ille fide pratnisit, fide sua esse iussit, (ucepisse et habere se 
dixit^^) Es kann aber auch der Aussteller in erster Person 
schreiben: scripsi me accepisse oder ein dritter statt seiner: 
scripsi rogatu illius eutn accepisse}'^) In derselben Weise kann 
ein anderer Vorgang als von den Zeugen wahrgenommen 
protokolliert werden; deshalb eignet sich die Zeugenurkunde 
auch als beglaubigte Abschrift einer anderen Urkunde. Sie 
bezeugt dann, daß die Zeugen ein Schriftstück des Inhalts 
vor sich gesehen haben, wie es die Abschrift wiedergibt.^') 

Die Urkunde wird in wachsüberzogene Holztäfelchen ein- 
geritzt, von denen 2 (diptychon), 3 (triptychan), oder mehr 
verbunden werden. Die Beurkundung durch die Zeugen, 
deren Zahl schwankt, geschieht in der Weise, daß sie je ein 
Siegel auf die Schnur setzen, mit welcher die die Urkunde 
tragenden Tafeln, die Schrift nach innen, verschlossen werden.^*) 
Dem Siegel wird der Name des Zeugen zugeschrieben (er 
braucht es nicht selbst zu tun). Im Notfall wird die Urkunde 
vor Gericht vorgelegt; die Zeugen haben sich zu erklären, ob 
sie die Siegel als die ihrigen anerkennen, und wird dies be- 
jaht, so haben sie damit zugleich bezeugt, daß der Vorgang, 



Schriften. Über das Statut der Elfenbeinarbeiterzunft das. p. 356 vgl. noch 
Gradenwilz, Zeitschr. d. Sav.-Stift. XI (1890) S.72ff. XII (1892) S. 138 ff. 
Auch das schiedsrichterliche Urteil Bruns 1 p. 360, der sog. Schiedsspruch von 
Histonium, gehört hierher. Denn der römische Schiedsspruch ist Privatakt. 
Öffentliche und private Elemente können sich mischen, so in dem Beschluß 
des Rats von Puteoli (Bruns I p. 303 Nr. 117) betr. einen privatrechtlichen 
Vertrag der Gemeinde. 

11) Bruns I p. 288 Nr. 105. 

12) Bruns I p. 316 sqq. Paul. D. XII, 1, 40. D. XLV, 1, 12, 6, 2. 
18) Bruns I p. 350 Nr. 149. 

1^) Vgl. Paul. V, 25, 6. 



— 15(5 — 

welcher in der Urkunde niedergelegt ist, sich vor ihnen ab- 
gespielt hat. Derjenige, welcher die Urkunde zum Zweck 
des Beweises gegen sich aus den Händen gibt, insbesondere 
der Schuldner, der die Schuldurkunde dem Gläubiger ausstellt, 
siegelt sie mit, um die einseitige Öffnung der Urkunde durch 
den Gegner auszuschließen. Um nicht die Urkunde öffnen und 
die Siegel zerstören zu müssen, nur um den Inhalt zu lesen, 
sind die Täfelchen so eingerichtet, daß der Inhalt der ver- 
schlossenen Urkunde auf der Außenseite wiederholt wird 
(scriptura exterior). Die Öffnung ist also nur nötig, um die 
Übereinstimmung der scriptura inferior mit der scriptura ex- 
terior zu beweisen. Die scriptura exterior ist aber nicht immer 
wörtlich mit der inferior übereinstimmend; z. B. kommen 
Quittungen vor, deren scriptura inferior auf habere se dixit 
lautet, während die scriptura exterior die Form hat: scripsi 
me accepisse oder scripsi rogatu illius eum accepisse.^^) Bei 
letztwilligen Verfügungen, deren Inhalt geheim bleiben soll, 
fällt die scriptura exterior fort. 

Eine Anzahl solcher Wachsurkunden aus den Jahren 

131 — 167 n. Chr. sind (1786— 1855) zum Vorschein gekommen 

aus Goldbergwerken bei Verespatak in Siebenbürgen. Sie 

handeln von Käufen mit Mdinzip3ition,Jstip2//atio duplae, Quit- 

K^ u \n l\L ^""S ^^"^ ^^^ Kaufgeld; Darlehn mit Stipulation, depositum 

irreguläre, pecunia constitufa, Dienstmiete, Sozietät, Auflösung 
eines Collegium Funeraticium. ***) Zu Pompeji ist 1875 im 
Hause des L. Cäcilius Jucundus eine Kiste mit Wachstafeln 
gefunden, fast alle Quittungen über Zahlungen des Jucundus 
enthaltend, die meisten über, von ihm abzüglich seiner Pro- 
vision abgelieferte, Auktionserlöse; einige über Zahlungen an 
die Gemeinde Pompeji zu Händen eines Sklaven derselben.^') 
1887 sind noch einige weitere Wachstafeln in Pompeji ge- 
funden.^^) 



^5) Bruns I p. 318 sq. 

18) Bruns I p. 288—291. 311—313. 328 sq. 334. 350. 375 sqq. 
'') Bruns I p. 314 sqq. 

18) Bruns I p. 291 sqq. Eck, Zeitschr. d. Sav.-Stift. IX (1888) S. 60ff. 
151. Gradenwitz, Zeitschr. d. Sav.-Stift. XIV (1893) S. 126 ff. Grünhuts 



— 157 — 

IV. Papyrusurkunden haben früher keine große ^'^p' ) 
Rolle gespielt. Altbekannt sind Verhandlungen über Testa- 1*»*^»**'**'' 
mentseröffnung, fünf Protokolle von Gemeindebehörden v. J. ^'^^"'^i • *.]• 
474 an in einer Papyiujhandschrili vom Anfang des ^ '^' T* 
6. Jahrh. aus Ravenna, jetzt in Paris.**) In den letzten De- ^''^^^ -|v-*^ 
cennien sind die Papyrusfunde ganz besonders ergiebig ge- T* ^f' 

wesen. Das klassische Land dafür ist Ägypten. Neben die '^f**^'5*>*? 
Epigraphik ist die Papyrologie als eine selbständige und '^a^^thX 
wichtige Disziplin getreten.^") Eine große Menge von Rechts- 
urkunden öffentlicher und privater Natur sind uns in Gestalt 
von Papyri geschenkt und gewähren namentUch tiefe Einblicke 
in das Verwaltungs- und Rechtsleben Ägyptens unter römischer 
Hoheit. Nur einiges kann beispielshalber hier genannt werden: 
Ein Papyrus der Sammlung des Erzherzogs Rainer von Österreich 
enthält eine griechische Abschrift aus dem Protokollbuch (rcfWi^ 
vno^vrinaTiafjiütv) des Bläsius Maximus, Präfekten einer Kohorte, 
über einen Erbschaftsstreit, den er auf Delegation des Präfectus 
Ägypti im Jahre 124 n. Chr. zu entscheiden hatte.^^) Eine 
ähnliche Verhandlung vom J. 135 n. Chr. gibt ein Berliner Pa- 
pyrus.^^) Ein anderer enthält eine prozessuale Verhandlung 
über den Nachlaß eines Ermordeten aus dem Ende des 2. Jahr- 
hunderts.^^) Aktenstücke in einer Vormundschaftssache aus 

Zeitschr. XVIII (1891) S. 349if. Ausgabe beider Gruppen von Zangemeister C. J. L. 
vol. VI supplem. I (1898). Erman, Zeitschr. d. Sav.-Stift. XX (1899) S. 172 fr. 
lö) Bruns I p. 280 sqq. gibt das älteste Protokoll, alle bei Savigny 
vermischten Schriften III, S. 122 ff. 

20) Mit einer eigenen Zeitschrift : Archiv für Papyrusforschung, herausgeg. 
von Ulrich Wilcken. Seit 1901. Die wichtigsten Sammlungen sind: F. G. 
Kenyon, Greek papyri in the British Museum. Lond. I. 1893. II. 1898. 
Corpus papyrorum Raineri archiducis Austriae (herausgeg. von Wessely und 
Mitteis). Wien 1895. Urkunden aus den königl. Museen zu Berlin. Heraus- 
gegeben von der General- Verwaltung. Griech. Urkunden (B. G. U.) Berl. 
1—111,511(1898—1903). Grenfellu. Hunt the Oxyrhynchus papyri. London 
I. 1898. II. 1899. The Amherst papyri. London I. 1900. II. 1901. Gren- 
fell, Hunt und Hogarth. Fayum towns and their papyri. London 1900. 

21) Bruns I p. 364 sqq. Mommsen, Zeitschr. d. Sav.-Stift XII (1892) 
S. 284 ff. 

22) Bruns I p. 267 sqq. Mommsen, Zeitschrift der Sav.-Slift. XIV 
(1893) S. Iff. 

23) Mommsen, Zeitschr. der Sav.-Stift. XVI (1895) S. 185 ff. 



— 158 — 

den Jahren 147/148, wiederum aus Ägypten, sind im 
Besitz des Professors Nicole in Genf.^*) Ein Testament 

vom Jahre 186 n. Chr. bietet ein Berliner Papyrus.^*) — Ein 

hochverdienstliches Werk von Gradenwitz macht sich zur 

Aufgabe, mit reichem Material an Erläuterungen in die Pa- 
pyrusforschung einzuführen.*®) 



24) Erman, Zeitschr. d. Sav.-Stift. XV (1894) S. 241fr. 

26) Mommsen, Zeitschr. d. Sav.-Stift. XVI (1895) S. 198ff. Scialoja, 
Bull, deir istitut. di dir. Rom. VII (1894) p. 1 sg. 

2«) Gradenwitz, Einführung in die Papyrusurkunde I. Heft, Erklärung 
ausgewählter Urkunden. Leipzig 1900; s. noch denselben Bull* dell' istituto di 
dir. Rom. IX (1896) p. 98 sq. Arch, f. Papyrusforsch. II (1902) S. 96 fr. 
Mitteis, zur Berliner Papyruspublikation, Hermes XXX (1895) S. 564fr., 
Papyri aus Oxyrhynchos, Hermes XXXIV (1899) S. 88 fr., neue Rechtsurkunde 
aus O. Arch. f. Pap.-Forsch. I (1901) S. 178 fr. 848 fr., griechische Papyri zu 
Leipzig. Arch. f. Pap.-Forsch. II (1908) S. 159fr. A. Schulten, römischer 
Kaufvertrag aus dem Jahre 166 n. Chr., Hermes XXXII (1897) S. 273 ff. 
Scialoja, Bull. dellMstituto di dir. Rom. VIII (1895) p. 155 sq. Wenger, 
rechtshistorische Papyrusstudien, Graz 1901, dazu Erman, Zeitschr. der Sav.- 
Stift. XXII (1901) S. 241 ff. Wenger, zu den Rechtsurkunden in der Samm- 
lung des Lord Amherst Arch. f. Pap.-Forsch. II (1902) S. 96 ff. J. C. Nah er 
observatiunculae ad papyros iuridicae, Arch. f. Pap.-Forsch. I (1901) S. 85 ff. 
und Fortsetzungen. 



Achtes Kapitel. 

§ 34. 

Die nichtjuristische Literatur als Quelle der 
Kenntnis des römischen Rechts. 

Es ist kein Zweig der Literatur bei den Römern, der 
nicht für das römische Recht Ausbeute gewährte. Geschichts- 
schreiber, Dichter, Rhetoren, Redner, Philosophen, Briefschreiber, 
Grammatiker, Kommentatoren, Notizen- und Anekdotensammler, 
Fachschriftsteller, Kirchenväter,^) alle tragen zu unserer Kenntnis 
des römischen Rechts mehr oder weniger bei, durch Mitteilung 
und Besprechung von Rechtssätzen, Auszügen aus Juristen- 
schriften, Behandlung von Rechtsfallen, Schilderungen aus dem 
Rechtsleben, juristische Anekdoten, Verwendung rechtlicher 
Vorgänge im Bühnenstück, Benutzung von Zügen des Rechts- 
lebens in Satire und Predigt. Nicht zu reden davon, daß über- 
haupt die ganze Kenntnis der römischen Geschichte und des 
römischen Lebens, welche uns die Literatur gewährt, mit- 
telbar für die Kenntnis des römischen Rechts unentbehrlich 
ist. Es ist hier nur möglich, auf das besonders Wichtige und 
auf sonst wenig Bekanntes aufmerksam zu machen. 

I. Plautus (254 — 184 V. Chr.) hat das Recht gern auf die 
Bühne gebracht, muß aber mit Vorsicht benutzt werden, da 
man mit dichterischer Freiheit und Anlehnung an griechische 
Originale rechnen muß.^) Weniger ergibt und noch vorsichtiger 
zu benutzen ist Terenz. 



^) Ferrini, die juristischen Kenntnisse desArnobius und des Lactantius, 
Zeitschr. der Sav.-Stift. XV (1894) S. 343 ff. 

2) Vgl. Emilio Costa, il diritto private nelle comedie di Plauto (Turin 



— 160 — 

2. M. Porcius Cato, der Vater, auch als Jurist bekannt 
(§ i6, I, l), schrieb de re rustica, mit Berücksichtigung des 
Landwirtschaftsrechts (Formeln für Rechtsgeschäfte. ^) 

3. M. Terentius Varro, geb. 116 v. Chr., gest. nach 
36 V. Chr.: Rerum msticarum libri. — De lingiia Latina, *) 

4. Eine besonders hervorragende Stellung nimmt ein 
Cicero (106 — 43 v. Chr.), der in seinen philosophischen und 
rhetorischen Schriften und seinen Briefen viel Juristisches bietet, 
und in seinen Reden, vor allem den prozessualen, eine eminente 
Quelle des Rechtes seiner Zeit hinterlassen hat. In Zivilsachen 
sind gehalten die Reden pro Quinctio^ pro Roscio Comoedo, pro 
Tullio, pro Caecina, in Strafsachen die pro Roscio Amerino, 
die Verrinischen, pro Fonteio, pro Clucntio, pro C. Rabirio 
(perdtiellio), pro Murena, pro Sulla, pro Archia, pro Flacco, pro 
SestiOf in Vatinium, pro Caelio, pro Balbo, pro Plancio, pro 
C, Rabirio (Repetunden), pro Milone, — Ciceros Werke de 
republica und de legibus sind nicht Darstellungen des römischen 
Staats und Rechts, sondern allgemeine philosophische Be- 
trachtungen und gesetzgeberische Vorschläge, aus denen aber 
über die römische Wirklichkeit vieles zu lernen ist. ^) 

5. M. Valerius Probus, Grammatiker (von Tiberius 
bis Domitian), verfaßte eine Schrift über die gebräuchlichen 
Abkürzungen, zumal in leges, plebiscita^ SCC, legis actiones, 
edicta perpetua\ von ihr haben wir einen am Schlüsse unvoll- 
ständigen Auszug, der teilweise ergänzt wird durch eine alpha- 
betische Notensammlung einer Handschrift im Kloster Einsiedeln 
(Kanton Schwyz).*) 

6. Valerius Maxi mus: factorum ei dictorum fnemorabi- 
Hunt libri novem, an Kaiser Tiberius gerichtet. 



1890). Bekker, die römischen Komiker als Rechtszeugen, Zeitschr. d, Sav.- 
Stift. XIII (1892) S. 53 ff. Costa, il diritto private nelle comedie di Terenzio, 
Archivio giuridico L S. 407 ff. 

3) Auszug: Bruns II p. 49 sqq. ■*) Auszug: Bruns II p. 53 sqq. 

*) Vgl. Keller, Semestrium ad M. Tullium Ciceronem 1. VI. vol. I 
(1. I— III) Zürich 1851—1853. Bethmann-Hollweg, der römische Zivil- 
prozeß. B. II S. 762 ff. Schneider, der Prozeß des C. Rabirius. Zürich 
1889. Kubier, der Prozeß des Quinctius und C. Aquilius Gallus, Zeitschr. 
d. Sav.-Stift. XIV (1893) S. 54 ff. 

«) Collect. II p. 141 sqq. Husch ke p. 129 sqq. 



— 161 — 

7- Q- Asconius Pedianus (c. 3 — 88 n. Chr.): Kommen- 
tar zu fünf Reden Ciceros; der früher ihm zugeschriebene 
Kommentar zu den Verrinen ist nicht von ihm und wird jetzt 
meist als Pseudo-Asconius citiertJ) 

8. Quintilianus (c. 35 — 95 n. Chr.): institutio oratoriay 
besonders für den Prozeß wichtig. 

9. C. Plinius Caecilius Secundus der Jüngere (62 bis 
113 n. Chr.): Briefe, und zwar gehören hierher die Privat- 
briefe; der Briefwechsel mit Trajan ist § 14, I besprochen. 

10. Die Feldmesser, agrimensores^ gromatici [groma ein 
Meßinstrument): Sex. Julius Frontinus (c. 40 — 103 n. Chr.), 
Hyginus, Siculus Flaccus, Baibus unter Trajan; Agennius Ur- 
bicus im 5. Jahrhundert. Eine Sammlung der gromatischen 
Schriften, vielleicht aus der Zeit Justinians, in Handschriften 
des 9. oder 10. Jahrhunderts, enthält auch Auszüge aus 
juristischen Quellen, so namentlich den tit. Dig. X, i finium 
regundorum aus einer der Florentina gegenüber besseren Vor- 
lage.*) Frontinus ist zugleich Verfasser einer Schrift de aquis 
urbis Romae, wichtig wegen der mitgeteilten Gesetzes- und 
sonstigen Urkunden.*) 

11. A. Gellius (geb. etwa 130 n.Chr.): 20 Bücher «^^^^^ 
Atticae (um 170), allerlei schöngeistige und halbwissenschaft- 
liche Erörterungen, besonders wichtig durch die Auszüge aus 
älteren römischen Juristenschriften. 

12. Pompejus Festus um 150 n. Chr. fertigte aus dem 
Werke des unter Augustus lebenden Verrius Flaccus de ver- 
borum signi/icatu einen Auszug, der unvollständig erhalten ist, 
aber ergänzt wird durch einen weiteren von Paulus Diaconus 
(c. 735 — 797) angefertigten Auszug.^®) 

13. Nonius Marcellus (2. Hälfte des 3. oder Agfang 
des 4. Jahrhunderts): compendiosa doctrina per litter as^ ein 
lexikalisches Werk.^^) 

14. Servius Honoratus Maurus (2. Hälfte des 4. Jahr- 
hunderts): Kommentator Vergils.^^) 



') Auszug: Bruns II p. 69 sqq. 

^) Auszüge: Bruns II p. 88 sqq., vgl. auch Bruns I p. 96. 
^) Vg^* Bruns I p, 115. ^°) Alphabetischer Auszug: Bruns II p. 1 sqq. 
*^) Auszug: Bruns II p. 66 sqq. ^*) Auszug: Bruns II p. 78 sqq. 
KipPi Quellen dea rOm. Hechts. W 



— 162 — 

IS- Q. Aurelius Symmachus (c. 345 — 415 n. Chr.): 
Privatbriefe, seine offiziellen Berichte als Stadtpräfekt vgl. § 24. 

16. Macrobius (Ende des 4. und Anfang des 5. Jahr- 
hunderts): Satumalia und Kommentar zu Ciceros Somtäum 
Scipianis. 

17. Anicius Manlius Severinus Boethius (gest. 524): 
Kommentar zu Ciceros Topica.*') 

18. Isidorus Hispalensis (gest. 636): ortgznum fety- 
mologiarum) libri\ besonders das 5. Buch behandelt juristische 
Kunstausdrücke unter Benutzung alter Quellen, aber sehr wirr.") 



^•) Auszug: Bruns II p. 75 sqq. **) Auszug: Bruns II p. 82 sqq. 



Sachregister. 

(Zugleich Erklärung der Citierweisen.) 

In diesem Buche ist die sog. philologische Citierweise befolgt, welche 
bei allen Quellen von der gröfiten zur kleinsten Einteilung absteigt. Der Ver- 
üisser ist der Ansicht, dass die altherkömmliche sog. juristische Citiermethode 
nicht mehr aufrecht erhalten werden sollte. In dem Sachregister sind die 
Buchstaben, mit denen man eine Quelle zu bezeichnen pflegt, im Druck her- 
vorgehoben. Die sonst nötigen Erklärungen über die üblichen Anfuhrungs- 
weisen sind teils unter den Stichworten der einzelnen Quellen gegeben, teils 
selbständig in das Alphabet eingeordnet. 



Abumius Valens 109. 

ÄUus Gallus 92. 

(Sex.) Älius Pätus 89. 

aequitas 6 fif. 

aequum et bonum 6 ff. 

AMcanus 112. 

Agrimensoren 161. 

Alfenus Varus 92. 

Ältarordnungen 43. 

Annotatio 74. 

Appellatio more consultationis 72. 

Aquilius Gallus 91. 

Arcadius Charisius 125. 

Archivwesen 28. 56. 64. 70. 76 f. 

Aristo 107 f. 

Arrianus 121. 

Arrius Menander 120. 

Asconius 161. 

Atilicinus 105. 

Auctoritas iure consultorum 93. 

— patrum 52. 
Aufidius Chius 107. 
— Namusa 92. 
Authenticae 147. 148. 
Authenticum 147. 

Basilika 152. 
Boethius 162. 
bona fides 9. 
Brutus 90. 
Bürgerrechtsverleihung 42 f. 



Byzantinische Gesetzgebung 152. 
— Rechtsliteratur 151. 

C. s. Codex Justinianus. 

c. = constitutio, bei Anführung justi- 
nianischer Novellen = caput. 

Cälius Sabinus 106. 

Callistratus 120. 

Campanus 109. 

Capito 101. 103. 

Cartilius 105. 

Cascellius 92. 

Cassianer 100 ff. 

Cassiodorius 133. 

Cassius 105 f. 

Cato Sohn 90. 
— Vater 90. 160. 

Celsus Sohn 108. 
— Vater 106. 

Cicero 160. 

cives 10 f. 

cit. = citatus, a, um, gebräuchlich, 
wenn dieselbe Quellenstelle oder 
derselbe Titel in der Anführung 
wiederkehrt: z. B. 1. 17 cit. = die 
zuvor angeführte lex 17; 1. 3 tit. 
cit. = lex 3 in dem zuvor ange- 
führten Titel. 

Citiergesetze 126. 

(Ap.) Claudius Caecus 89. 

Claudius Saturninus 116. 121. 

11* 



— 164 



Codex Gregorianus 78fT. 

— Hermogenianus 78 ff. 

— Justinianus 137 f. 144 fr. Wo 
Verwechslung nicht zu befürchten, 
genügt zur Bezeichnung C. allein. 
Die hergebrachte Citierweise ist 
1. 7 C. de rei vindic. 3, 32 oder 
c. 7 de rei vindic. 3, 32 = C. J. 
lib. III, tit. 32 (mit der Rubrik de 
rei vindicatione), lex (constitutio) 
7. S. auch cit., cod., h. t., pr. 

— Theodosianus 80 f. Herkömm- 
liche Citierweise wie beim C. J. 

Collatio lö2. 
Comitia 26 ff. 
Commentarii principum 64. 70. 

— regum 25 f. 

Commercium 11. 
Concilium plebis 27. 
Connubium 11. 
Consilium principis 60 f. 
Consistorium principis 70. 
Constitutiones principum 12. 59 fr.; 

einzeln überlieferte 82 fr. 
Constitutionarii 76 f. 

Consultatio 132 f. 

Consultatio ante sententiam 66. 
Corpus iuris civilis 148 fr. 
Ti. Coruncanius 89. 

Decemviri 31. 

Decisiones 138. 

Decreta principunl 63 f. 72 fr, 

Dekrete von Beamten 153 fr. 

Digesta Justiniani 137 fr. 140 fr. Her- 
kömmliche Citierweise: 1. 1 D. de 
reb. cred. 12, 1 = D. lib. XII, tit. 
1 (mit der Rubrik de rebus creditis), 
lex (fragmentum) 1. S. auch cit., 
eod., h. t., pr. 

Dispensation von Gesetzen 53. 

Edicta magistratuum 44 fr. 

— principum 61 f. 71 f. 
Edictum Theoderici 135 f. 

eod. = eodem titulo, gebräuchlich, 
wenn eine Quellenstelle demselben 
Titel angehört, wie eine kurz vor- 
her angeführte andere. 

epil. = epilogus, bei Justin. Nov. 

Epistolae principum 64 fr. 

Fabius Mela 103. 
Festus 161. 
(Gn.) Flavius 89. 
Florentinus 117. 



fr. = fragmentum, namentlich auch 
gebräuchlich zur Bezeichnung der 
einzelnen Stellen in den D. 

Fragmentum Atestinum 38 f. 

Fragmentum Dositheanum 130 f. 

— de formula Fablana 131. 

— de iudiciis 130. 
Fragmenta de iure fisci 130. 

— Sinaitica = Sinai-Scholien. 

— Vaticana 131 f. 
Frontinus 161. 
Fufidius 107. 
Fulcinius ^riscus 105. 
Fundus 11. 

Furius Anthianus 124. 

Cjajus 1 12 ff. 1 29 Gai. bezeichnet seine 

Institutionen. 
Gellius 161. 
Gerichtsgebrauch 19 fr. 
Gesetzgebung der Republik 26 ff. 
Gewohnheitsrecht 17 fr. 
(De) gradibus Cognationum tractatus 

131. 
Gromatiker 161. 

Harmenopoulos 152. 

Hermodorus 33*. 

Hermogenianus 125. 

h. t. = hie titulus, hoc titulo, üb- 
lich bei Citaten aus demjenigen 
Titel eines Recbtswerkes, welcher 
zum Hauptgegenstand denselben 
hat, wie die Abhandlung, der Ab- 
schnitt u. s. w., in welchem das Citat 
vorkommt. Z. B. 1. 1 D. h. t. ist, 
wenn es in einem Abschnitt über 
die rei vindicatio steht, = D. VI, 

1, 1. 

Javolenus Priscus 106 f. 

Index Florentinus 143. 

Institutiones Justiniani 138. 139 f. Her- 
kömmliche Citierweise: Pr. § 1 J. 
de rer. div. 2, 1 = J. lib. II, tit. 
1 (de rerum divisione), principium 
und § 1. S. auch cit., eod., h. t. 

Interpretatio 93. 

Isidorus Hispalensis 162. 

Juliani epitome novellarum 147. 

Julianus 50. 109 f. 

Julius Aquila 124. 

Jus aedilicium 49. 

— aequum 6 f. 

— Aelianum 89. 

— civile 10. 14. 16. 48. 49. 51. 93f. 



— 165 — 



Jus edicendi 44 f. 

— Flavianum 89. 

— gentium 12fF. 

— honorarium 49. 51. 

— iniquum 6 f. 

— und Icges 125 f. 

— naturale 4 ff. 15. 

— Papirianum 24. 

— praetorium 49. 

— respondendi 95 ff. 
- strictum 7. 

Justinians Gesetzgebung 137 ff. 
l.:=lex, besonders zur Bezeichnung 

der einzelnen Stellen in D. und 

C. verwandt, 

Ubeo 101. 102 f. 
Lälius (Felix) 117. 

Leges datae 40 ff. selbständig über- 
lieferte 41 ff. 

— dictae 43 f. 

— generales 70 f. 

— imperfectae 28 f. 

— latae 26 ff. 36, selbständig über- 
lieferte 36 ff. 

— minus quam perfectae 28. 

— perfectae 29. 

— regiae 24 f. 

— rogatae 26 ff. 
Lex 27 f. 

— Acilia repetundar. 37. 

— Antonia de Termessibus 37. 

— Cornelia, überJurisdictionsedikte46. 

— — de viginti quaestoribus 37. 

— de imperio principis 59 f. 

— de imperio Vespasiani 40. 

— Hadriana 44. 

— Hortensia 27. 

— Julia municipalis 39 f. 

— Licinia Junia 28. 

— Malacitana 42. 

— Manciana 44. 

— metalli Vipascensis 43 f. 

— Pompeja 40. 

— Publilia 52. 

— regia s. de imperio principis. 

— Romana Burgundionum 136. 

— — Wisigothorum 135. An- 
hänge 133. 

— Rubria 37. 

— Rupilia 40. 

— Salpensana 42. 

— Tarentina 41. 

— Ursonensis 41. 
Licinius Rufinus 124. 
Longinus 106. 

Lydus (Johannes) 134. 



Macer 124. 
Macrobius 162. 
Mäcianus 117. 129. 
Mandata principis 62 f. 72. 
Manilius 90. 
Marcellus 117 f. 
Marcianus 124. 
Mauricianus 116. 
Messius 120. 
Minicius 104. 
Modestinus 124 f. 131. 
(P.) Mucius 90. 
(Q.) Mucius 90 f. 

Neratius Priscus 108. 
Nerva, Sohn 104 f. 

— Vater 104. 
Nonius Marcellus 161. 
Notitia dignitatum 132. 

nov. = novella, citiert mit Beisatz des 
Kaisers, der sie erliess; bei justi- 
nianischen Novellen fallt dieser 
Zusatz fort, wenn Verwechselung 
nicht zu befürchten ist. S. auch 
c, cit., pr., praef., epil. 

Novellen, justinianische 138 f. 146 ff. 

— posttheodosianische 82. 

Octavenus 109. 

Ofilius 91. 

Oratio principis 55. 71. 

Paconius 106. 

Pactumejus Clemens 110. 

Papinianus 119. 129 f. 

Papirius Fronto 120. 

Papirius Justus 117. 

Papyri 157 f. 

Paulus 121 f. 130. Paul, bezieht sich 
auf seine Sententiae. 

Pedius 110. 

Pegasus 107. 

Peregrini 10 ff. 

Personalität des Rechts 10 ff. 

Plautius 106. 

Plautus 159. 

Plebiscita 27 f. 

Plinius 161; und Trajan 77. 

Pomponius 111. 131. 

Pontifices 88. 

pr. = principium, gebräuchlich zur 
Bezeichnung des Anfangsstückes 
einer Stelle in denjenigen Quellen, 
in denen man die Anfangsstücke 
ohne Paragraphenzahl gelassen hat. 

praef. oder prooem. = praefatio oder 
prooemium, die Einleitungen der 
justinianischen Novellen. 



166 — 



Präfccti Ägypti, Erlasse 87. 
Präfecti Prätorio 61, Erlasse 86f. 
Präfectus Urbi, Erlasse 87. 
Praescriptio mendacionim 73. 
Pragmaticae Sanctiones 74 f. 
Preces 67. 
Proculianer 100 ff. 
Proculus 105. 
Promulgation 28. 
Provinzialordnungen 12. 
Provinzialstatthalter, Erlasse 87. 
Pseudo-Asconius 161. 
Publicius 117. 
Puteolanus 121. 

Quästor sacri Palatii 70. 76. 
Quintilianus 161. 

Rechtswissenschaft, republikanische 
88 ff., klassische 95 ff., nachklassische 
127 f., byzantinische 151 f. 

Rescripta principum 64 ff., 72 ff. 

Responsa 93 f., 95 ff. 

Rutilius Maximus 124. 
— Rufus 90. 

Sabinianer 100 ff. 

Sabinus 103 f. 

Sanctio legis 28 f.. 

Saturninus (Q.) 116. 

Scävola (Cervidius) 118. Mucius s. 
unter diesem Namen. 

Semestria 70. 

Senat 52 ff. 70. 

Senatus consulta 52 ff. Einzeln über- 
lieferte 57 ff. 

Servilius 115. 

Servius (Kommentator) 161. 

Servius Sulpicius 91. 

Sinaischolien 133. 

Sirmondinische Konstitutionen 82, 
citiert: c. Sinn. 1. 

Soldatendiplome 43. 

Stadtordnungen 12. 

Subscriptio 64. 68. 

Summa Perusina Codicis 146. 

Supplicatio 67. 

Symmachus 132. 162. 



Synopsis Basilicorum 152. 

Syrisch- römisches Rechtsbuch 133 f. 

Tabula Bantina 36 f. 

— Heracleensis 39 f. 
Tarruntenus Patemus 119. 
Terentilius Arsa 31. 
Terentius Clemens 116. 
Terenz 159. 
TertuUianus 120. 
Theophilus 151 f. 
Tipucitus 152. 

Trajan und Plinius 77. 

Trebatius 92. 

Tripertita 89. 

Tryphoninus 120. 

Tubero 92. 

Turiner Glosse zu den Institutionen 

140. 
Tuscianus 109. 

Ulpianus, 122 f. 130. Ulp. ohne wei- 
teres bezieht sich auf den lib. sing, 
regularum, die Institutionenfrag- 
mente werden als fr. Endlicher oder 
fr. Vindobonensia citiert. 

Urkunden 153 ff. 

Ursejus Ferox 106. 

Valerius Maximus 160. 

— Probus 160. 

— Severus 109. 
Varius Lucullus 107. 
Varro 160. 

Venulejus Saturninus 116. 
Verrius Flaccus 161. 
Vindius Verus 116. 
Vitellius 103. 
Vivianus 108. 
Wachstafeln 155 f. 

Zwölf Tafeln 29 ff. Nachtrag: Für 
die Echtheit der zwölf Tafeln s. 
noch Appleton le testament Ro- 
main .... et l'authenticite des 
^11 tables. Extrait de la Revue 
generale du droit. Paris 1903. 



A. Delchert'sche Verla^bachhdlg. (Georg Böhme), Leipzig. 



"Wer kann 

nach deutschem bürgerlichen Recht 

mit 

Vermächtnissen belastet werden? 

Von 

Dr. Theodor Kipp, 

0. Professor an der UnlTerflitit Berlin. 

Mk. 1.20. 



Die Lehre von der Stellvertretung 



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obligatorischen Verträgen. 

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Professor der Hechte in Klei, 

I. Kritik der herrschenden Lehren. 6 M. 50 Pf. 
IL Yersnch einer wissenschaftiichen Grundlegung. 12 Mk. 



Deutsche u. französ. Verrassungsgeschiehte 

vom 

9. bis zum 14. Jahrhundert 

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Dr. Ernst Mayer, 

Professor der Hechte in Wttrzburg. 

2 Bände. 24 Mark. 



A. Delchert'sche Verlagsbnchhdlg. (Georg Böhme), Leipzig. 



Die 

yzviv'A^z au! I^eistung an f^ritte. 

Nach Deutschem Reichsrecht 
unter besonderer Berücksichtigung des Handelsgesetzbuchs. 

Mit einer Einleitung 

(Über das rSmische Beeht) 

nnd mit einem Anhange 

(Die ErbvertrSge za Gnnsten Dritter). 

Von 

Dr. Konrad Hellwig. 

1900. 45 Bogen gr. 8^. 12 Mark. 



Wesen 
und subjektive Begrenzung 

der Rechtskraft 

Eine prozessuale Abhandlung 

mit 

BeMgen zni tilrgerliclien fieclit, lEshesoEAere zur Lelire m der Becktsiaclifolge 

M der YeitllgiingsiacM ier NicMIiereclitigteL 

Von 

Dr. Konrad Hellwig. 

1901. 34 Bogen. 4o. 14 Mark, geb. 16 Mark. 



A. Deichert'sche YerlagsbncUidlg. (Georg Böhme), Leipzig. 



Lehrbuch 

des 



Deutschen Civilprozessrechts 



Ton 



Dr. Konrad Hellwig, 

Geh. Jiutisimt, Profenor an dmr Unlverfiat Berlio. 



L Band. 



1902. 10 Mark, eleg. geb. 12 Mark. 



Finanzwissensehaft, 

Von 

Dr. Karl Theodor Eheberg, 

Professor der StaatawisienschAflen in Erlangen. 

7. rerb. u. yerm. Anfl. 8 Mark, geb. 9 Mark 25 Pf. 



Sammlnng 

handelsreclitliclier und wechselrechtlicher Falk 

Zum akademischen Gebrauche 

von 

Dr. Emil Sehling, 

Professor der Bechte in Erlangen. 

Zweite yoUstSndig nmgearbeitete Auflage. 

1 Mk. 80 Pf., kart. 2 Mk. 10 Pf. 



A. Deichert'sche Verlagsbachhdlg. (Georg Böhme), Leipzigs. 

Die subjektiven Grenzen 

der 

Rechtskraft. 

Von 

Dr. Julius Binder, 

ProfftMor der B«ohte in Erlangen. 

Preis : 2 Mark. 



Die Korrealobligationen 

im 

römischen und im heutigen Recht. 

Von 

Dr. Julius Binder, 

Profeifor d.r B«oht« In Brlangeo. 

Preis : 9 Mark. 



Die 

Rechtsstellung des Erben 

nach dem 

deutschen bürgerlichen Gesetzbuch. 

Von 

Dr. Julius Binder, 

ProfesBOT der Beohte in Erlangen. 

I. Teil. 5 Mark 40 P%. 
n. Teil. 6 Mark. 

(Teil ni folgt mit tunlichster Beschleunigong). 



A. Deichert'sche Verlagsbachhdlg. (Georg Böhme), Leipzig. 



Das landesherrliche Abolitionsrecht. 

Von 

Dr. Joseph Heimberger, 

Profesior der Beohte In Bonn. 

2 Mk. 80 Pf. 



Der 

Begriff der Gerechtigkeit im Strafrechl 

Antrittsvorlesung, 
gehalten am 28. April 1903 an der Universität Bonn) 



von 



Dr. Joseph Heimberger, 

Professor der Beohte. 

Mk. 0.80. 



Lehrbuch 



des 



Deutsehen StFafreehts. 



Von 

Dr. Hugo Meyer, 

o. Professor der Beohte in Tübingen. 

Ffinfte umgearbeitete Auflage. 

12 Mk., geb. 13 Mk. 80 Pf. 



A. Delchert'sche Verlagsbuchhdlg. (Georg Böhme), Leipzig. 









Einführung 

in die 






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Preis : l 


swissensch 

Von 

Dr J. Kohler, 

PtofeHOt dar B«ohte In Bailin. 

S Mk. 60 Pf., eleg. geb. 4 Mk. 50 Pf. 


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ft. 



Exegese 
über L. 28 D. De vulg. et pup. subst. 28,6 

als Beispiel für 

Studierende und Prüfangskandidaten 

von 

Dr. jur. Oskar Sarling. 

Mk. 1.—, kart. M. 1.25. 



Übersichtstafeln 

zur 

Repetition des römischen und 

Pandektenrechts. 



Mark 2.—. 



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Der Kauf 

nach gemeinem Recht. 

Von 

Dr. August Bechmann. 

I. Gesehiehte des Kaafs im BOmischen Becht. 12 Mk. 
IL System des Kaufs nach gemeinem Beeht. I. Abt. 10 M. 



Über 

Notwehr und Notstand 

nach den 

§§ 227, 228, 904 des bürgerlichen Gesetzbuchs. 

Von 

Dr. Friedrich Oetker, 

Professor in Warzborg. 

Mk. 2.-. 



Die Yerfassung des deutschen Reichs. 

Sechs Hochschulvorträge 
gehalten zu Rostock im Sommer 1900 

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Dr. Heinrteh Geffclcen, 

Professor der Beohte an der Uniyersität. 

Preis : 2 Mk. 50 Pf., eleg. kart. 3 Mk. 



A. Delchert*8che Verla^sbnchhdlg. (Georg Böhme), Leipzig. 

Das Deutsche Privatrecht 

in seinen Grundzügen 

für Studierende. 

Von 

Dr. Heinr. Gottfr. Gengier, 

Professor der Beobte. 



Vierte verbesserte Auflage. 

Mk. 13.—, geb. Mk. 15.—. 



Lehrbuch 

der Deutschen 

Militärstrafgerichtsordnung 

für 

Armee und Marine. 

In besonderer Bücksicht auf Gerichtsherm (Kommandeure) 
Bichteroffiziere — einschliesslich Sanitätsoffiziere, Militär- und Marine- 
Oberbeamte — und Gerichtsoffiziere (Leutnants). 



bearbeitet von 



Dr. Eduard Steidle, 



Krlegsgeriohtsrat der Kgl. Bayer. 3. Division a. beim Kslserl. GouTernement Ulni, 

Oberlentoant d. B. 12. Inf.-Begts. Prinz Arnulf. 

3 Mk. 25 H., geb. 4 Mk. 



A. Delchert'sche Verlagsbuchhdlg. (Georg Böhme), Leipzig. 



Allfeld, Prof. Dr., Die Entwiokelung des BegrilTs Mord bis zur Carolina. 

Ein rechtsgeschichtlicher Versuch. 2 Mk. 

Brinz, Prof. Dr. A., Lehrbuch der Pandeiiten. 3. Aufl. I. Bd., 1. Lfg. 
3 Mk. 2. Aufl. n. Bd., 1. u. 2. Abt., III. Bd., 1. Abt. a 8 Mk. 
m. Bd., 2. Abt, 1. Lfg. 2 Mk. 40 Pf. lU. Bd., 2. Abt. 2. Lfg. 7 Mk. 
IV. Bd. 1. Lfg. 5 Mk. 50 Pf. IV. Bd., 2. Lfg. 7 Mk. 50 Pf. 

Deybecli, Dr. Karl, Der Gerichtsstand der Vereinbarung in historischer 
und dogmatischer Darstellung. 5 Mk. 

Eheberg, Prof. Dr. K. Th., Die Jagd in voiiiswirtschaftiicher Beziehung. 

1 Mk. 

Gengier, Prof. Dr. H. G., Germanische Rechtsdenicmäier. Leges Capitu- 
laria Formulae. 12 Mk., Glossar dazu 3 Mk. 

, Deutsche Stadtrechtsaitertümer. 10 Mk. 

, Beiträge zur Rechtsgeschichte Bayerns. 1. Heft: Die altbajerischen 

Eechtsquellen aus der vorwittelsbachischen Zeit. 5 Mk.; 2. Heft: 
Die altbayerischen Ehehafb-Rechte. 3 Mk. 50 Pf.; 3. Heft: Die 
Quellen des Stadtrechts von Kegensburg aus dem XIU, XIV. und 
XV. Jahrhundert. 3 Mk. 80 Pf.; 4. Heft: Die Verfassungszustände 
im bayerischen Franken bis zum Beginne des Xm. Jahrhunderts. 
5 Mk. 

— — , Des Schwabenspiegels Landrechtsbuch. Zum Gebrauche bei aka- 
demischen Vorträgen. Mit einem Wörterbuch. 2. verb. Aufl. 2 Mk. 
50 Pf. 

Hanauselc, Dr. Gustav, Die Lehre vom uneigentiichen Niessbrauch nach 
gemeinem Eecht. 3 Mk. 

Harburger, Dr. J., Das constitutum possessorium im römischen und heutigen 
Rechte. Ein civilistischer Versuch. 2 Mk. 

Holder, Prof. Dr. E., Beiträge zur Geschichte des römischen Erbrechts. 
3 Mk. 50 Pf. 

Hruza, Prof. Dr. E., Beiträge zur Geschichte des griechischen und römi- 
schen Famiiienrechtes. I. Die Ehebegründung nach attischem 
Eechte. 3 M. 11. Polygamie und Pellikat nach griechischem Eechte. 
3 Mk. 50 Pf. 

, Über das lege agere pro tutela. Eechtsgeschichtl. Untersuchung. 

2 Mk. 

, Zur Lehre von der Novation nach Österreich, und gemeinem 

Eecht 4 Mk. 



Ä. Deichert'sche Verlogsbnchhdlg. (Georg Böhme) Leipzig-. 



Janka, Dr. E., Der ttrafreohtliche Notstand. 4 Mk. 

, Staatliches Klagmonopol oder subsidiäres Straflclagerecht. Ein 

«trafprozeßsuale Ab^ndlung. 1 Mk. 

Matthiass, Prof. Dr. B., Die römische Grundsteuer und das Vectigalrecht 
1 Mk. 

INeyer, Prof. Dr. H., Die Frage des SohSITengeriohts geprüft an der Auf- 
gabe der Geschworenen. 1 Mk. 

, Die Mitwirkung der Parteien im Strafprozess. Ein Beitrag- zur 

Beleuchtung einer deutschen Strafprozessordnung. 1 Mk. 20 Pf. 



, Die Parteien Im Strafprozess. 75 Pf. 

, Die Willensfreiheit und das Strafrecht. 60 Pf. 

, Hamlet und die Blutrache. Ein Vortrag. 60 Pf. 

Müller, Dr. E., Hat der Staat das Recht, die Standesherren zur f 
kommensteuer heranzuziehen? Eine Untersuchung unter spezielle 
Berücksichtigung der preussischen und bayerischen Yerhältnissi 
1 Mk. 40 Pt 

— -, Gegen den „groben Unfug*' in der heutigen Kechtsprechung, ins- 
besondere den Press- und politischen Unfug. 1 Mk. 60 Pf. 

Neubug, Prof. Dr. Cl., Der Einfluss des Bergbaus auf die erste Entwick- 
lung der Forstwirtschaft in Deutschland. I Mk. 20 Pf. 

V. SoheurI, Prof. Dr. A., Beiträge zur Bearbeitung des römischen. Rechts. 

I. Bd. 4 Mk. 80 Pf. II. Bd. 1. Heft 1 Mk. 20 Pf. IL Bd. 2. Beft 
auch unter dem Titel : 

Zur Lehre von den Nebenbestimmungen bei Rechtsgeschäften. 6 Mk. 

, Weitere Beiträge zur Bearbeitung des römischen Rechts. 

1. Heft: Teilbarkeit als Eigenschaft von Eechten. 2 Mk. — 

2. Heft: Zur Lehre vom römischen Besitzrecht. 4 Mk. 

, Lehrbuch der Institutionen. 2. verb. Aufl. 6 Mk. — 

Schling, Prof. Dr. E., Die Kirchengesetzgebung unter Moritz von Sachsen 
1544—1549 und Georg von Anhalt. 3 Mk. 60 Pf. 

Thomas, Dr. K., Das kanonische Testament. (Testamentserrichtung vor 
dem Pfarrer.) Historisch-dogmatische Studie. 1 Mk. 80 Pf. 

Wendt, Dr. 0., Reurecht und Gebundenheit bei Rechtsgeschäften. Heffcl: 
Die condictio ex poenitentia. 2 Mk. — Heft 2 : Die Eeuverträge. 8 Mi. 



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Druck von W, Hoppe, Borsdorf-L. 



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